Arnold Schönberg an Ferruccio Busoni Dokument exportieren

Payerbach, 10. September 1903

Stand: 7. April 2017 (erwartet Freigabe) Lizenz: CC BY-NC-SA 4.0

Quelle

Entstehung

  • Der Brief wurde in Payerbach am 10. September 1903 verfasst.
  • Datierung in der Quelle: 10. September 1903 (autograph)

Umfang

1 Bogen, 3 beschriebene Seiten

Zustand

  • Der Brief ist gut erhalten.
  • Aufbewahrungsort

  • Deutschland | Berlin | Staatsbibliothek zu Berlin · Preußischer Kulturbesitz | Musikabteilung mit Mendelssohn-Archiv | Nachlass Ferruccio Busoni | Mus.Nachl. F. Busoni B II, 3551 | olim: Mus.ep. OrchesterAbend 1903, 27 (Busoni-Nachl. B II) | Nachweis in Kalliope
  • Hände/Stempel

    • Überwiegend: Hand des Absenders Arnold Schönberg, Brieftext in schwarzer Tinte, in deutscher Kurrentschrift
    • Hand des Archivars, der die Foliierung in Bleistift vorgenommen hat.
    • Bibliotheksstempel (rote Tinte)

    Foliierungen

    • Foliierung durch das Archiv, mit Bleistift unten rechts auf den Vorderseiten.

    Inhalt

    Absender

  • Arnold Schönberg
  • Empfänger

  • Ferruccio Busoni
  • Zusammenfassung

  • Schönberg bittet um Aufführung von Pelleas und Melisande im Rahmen der Modernen Concerte, bietet Partiturzusendung an.
  • Incipit

  • aus Ihrem Briefe an Herrn Dr. Schenker
  • Edition

    Verantwortlich

    • Christian Schaper
    • Ullrich Scheideler

    Bearbeitet von

  • Christian Schaper
  • Frühere Editionen

    Faksimile
    Umschrift
    Lesefassung
    Faksmilie, Seite 1Bild-Quelle: Staatsbibliothek zu Berlin
    Mus.ep. OrchesterAbend 1903, 27 (Busoni-Nachl. B II)
    Mus.Nachl. F. Busoni B II, 3551
    Payerbach 10./9.1903

    Hoch verehrter Herr Professor,

    aus Ihrem Briefe
    an Herrn Dr. Schenker, dessen Syrische Tänze
    ich für Orchester setze, entnahm ich, daß Sie
    auch heuer Ihre „Modernen Concerte“ in Berlin
    abhalten. Da ich schon, als ich noch in Berlin war,
    die Absicht hatte Sie aufzusuchen, darin
    aber insofern mißglückte, als Sie verreist
    waren, erlaube ich mir mich brieflich mit
    dem an Sie zu wenden, um was ich Sie
    damals angehen wollte.

    Folgendes: Ich habe eine symphonische
    Dichtung: Pelleas und Melisande“ nach Maeterlinck
    componiert. Da diese nun leider insofern
    zu den selten aufgeführten Werken“ gehört, als
    sie noch gar nicht aufgeführt ist und meine
    bisherigen Versuche sie zu placieren durchaus
    verg[…]eblich waren, so möchte ich mir erlauben[1]

    Payerbach, 10.9.1903

    Hoch verehrter Herr Professor,

    aus Ihrem Briefe an Herrn Dr. Schenker, dessen Syrische Tänze ich für Orchester setze, entnahm ich, dass Sie auch heuer Ihre „Modernen Konzerte“ in Berlin abhalten. Da ich schon, als ich noch in Berlin war, die Absicht hatte, Sie aufzusuchen, darin aber insofern missglückte, als Sie verreist waren, erlaube ich mir, mich brieflich mit dem an Sie zu wenden, um was ich Sie damals angehen wollte.

    Folgendes: Ich habe eine symphonische Dichtung „Pelleas und Melisande“ nach Maeterlinck komponiert. Da diese nun leider insofern zu den „selten aufgeführten Werken“ gehört, als sie noch gar nicht aufgeführt ist und meine bisherigen Versuche, sie zu plazieren, durchaus vergeblich waren, so möchte ich mir erlauben,

    Faksmilie, Seite 2Bild-Quelle: Staatsbibliothek zu Berlin

    Sie zu fragen, ob Sie sie nicht einmal[…]
    ansehen wollten.

    Besonders empfehlend ist es nicht, was ich
    Ihnen über das Schicksal des Werkes hier mit=
    theilen will. Nämlich: Nikisch hat mir sies
    nach einem Tage ,ohne ein Wort der Antwort
    zurückgeschickt. Und Weingartner hat mir
    nicht einmal Gelegenheit gegeben, siees ihm
    zu zeigen. Freunde, die sich damit bekannt
    machen wollten kamen über die ersten
    Seiten nicht hinaus. Und hier liegt auch
    der Grund, warum ich das Werk nirgends an=
    bringen kann: Die Sache ist so compliciert,
    daß es wirklich ein Opfer ist, wenn jemand
    sich die Mühe nimmt essie anzusehen. Dann
    noch Eines: ein sehr großes Orchester!
    (kl Fl., 3 gr Fl., 3 Ob., 1 Engl H., Es-Cl, 3 Clar, Baß-Clar,
    3 Fagotte, Ctr-Fag, 8 Hörner, 4 Trp, 6 Posaunen
    2 Harfen und viele Streicher). Ich setze Ihnen
    Alles dies schon vorher auseinander, weil
    über diese Punkte hinweg, bis zur Frage Deutsche
    Staatsbibliothek
    Berlin

    Sie zu fragen, ob Sie sie nicht einmal ansehen wollten.

    Besonders empfehlend ist es nicht, was ich Ihnen über das Schicksal des Werkes hier mitteilen will. Nämlich: Nikisch hat mir es nach einem Tage ohne ein Wort der Antwort zurückgeschickt. Und Weingartner hat mir nicht einmal Gelegenheit gegeben, es ihm zu zeigen. Freunde, die sich damit bekannt machen wollten, kamen über die ersten Seiten nicht hinaus. Und hier liegt auch der Grund, warum ich das Werk nirgends anbringen kann: Die Sache ist so kompliziert, dass es wirklich ein Opfer ist, wenn jemand sich die Mühe nimmt, sie anzusehen. Dann noch eines: ein sehr großes Orchester! (kleine Flöte, 3 große Flöten, 3 Oboen, 1 Englischhorn, Es-Klarinettte, 3 Klarinetten, 3 Fagotte, Kontrafagott, 8 Hörner, 4 Trompeten, 6 Posaunen, 2 Harfen und viele Streicher). Ich setze Ihnen alles dies schon vorher auseinander, weil über diese Punkte hinweg, bis zur Frage,

    Faksmilie, Seite 3Bild-Quelle: Staatsbibliothek zu Berlin

    ob an der Sache auch etwas dran ist, noch
    Keiner gekommen ist.

    Wenn Sie also die Freundlichkeit hätten
    sich meine Partitur anzusehen zu wollen, so möchte ich
    Sie Ihnen gerne schicken.

    Verzeihen Sie, die Kühnheit, mit der ich
    mich an Sie wende; Mut dazu giebt mir
    die Ihre: sich für moderne oder gar neue
    Werke einsetzen zu wollen, trotz des Gekläffes
    der „Neidinge“. Und da wage ich es denn
    bloß vom Werke zu reden und so tritt
    meine sonst bescheidene Person — in
    den Hintergrund, wodurch merkwürdiger=
    weise die Unbescheidenheit
    dieses Briefes entsteht.

    In der Hoffnung auf eine freundliche
    Antwort empfehle ich mich mit dem
    Ausdrucke

    der vorzüglichsten Hochachtung
    ergebenst

    Arnold Schönberg

    Payerbach 126
    Nied-Oesterr.
    [2]

    ob an der Sache auch etwas dran ist, noch keiner gekommen ist.

    Wenn Sie also die Freundlichkeit hätten, sich meine Partitur ansehen zu wollen, so möchte ich sie Ihnen gerne schicken.

    Verzeihen Sie die Kühnheit, mit der ich mich an Sie wende; Mut dazu gibt mir die Ihre: sich für moderne oder gar neue Werke einsetzen zu wollen, trotz des Gekläffes der „Neidinge“. Und da wage ich es denn, bloß vom Werke zu reden, und so tritt meine sonst bescheidene Person — in den Hintergrund, wodurch merkwürdigerweise die Unbescheidenheit dieses Briefes entsteht.

    In der Hoffnung auf eine freundliche Antwort empfehle ich mich mit dem Ausdrucke

    der vorzüglichsten Hochachtung ergebenst

    Arnold Schönberg

    Payerbach 126
    Niederösterreich
    Faksmilie, Seite 4Bild-Quelle: Staatsbibliothek zu Berlin