Ferruccio Busoni an Arnold Schönberg Dokument exportieren

Berlin, 26. August 1909

Stand: 8. Februar 2016 (unfertig) Lizenz: CC BY-NC-SA 3.0 DE

Quelle

Entstehung

  • Der Brief wurde in Berlin am 26. August 1909 verfasst.
  • Datierung in der Quelle: 26. August 1909 (autograph)

Umfang

1 Bogen, 2 beschriebene Seiten

Zustand

  • Der Brief ist gut erhalten.
  • Aufbewahrungsort

  • USA | Washington, D. C. | The Library of Congress | Music Division | Arnold Schoenberg Collection
  • Hände/Stempel

    • Überwiegend: Hand des Absenders Ferruccio Busoni, Brieftext in schwarzer Tinte, in lateinischer Schreibschrift.
    • Bibliotheksstempel (rote Tinte)

    Inhalt

    Absender

  • Ferruccio Busoni
  • Empfänger

  • Arnold Schönberg
  • Zusammenfassung

  • Busoni zitiert Passagen eines Briefes an den Verlag Breitkopf & Härtel, in dem er über Schönberg, dessen eingesendete Klavierstücke, seine Bewunderung darüber sowie über sein Transkriptionsprojekt schreibt. Zudem zitiert er die Passagen für das Vorwort, die er ebenfalls an Breitkopf und Härtel geschrieben hat.
  • Incipit

  • Ihren Brief, so interessant er ist – wenn auch mit einigen Widersprüchen
  • Edition

    Verantwortlich

    • Christian Schaper
    • Ullrich Scheideler

    Bearbeitet von

  • Christian Schaper
  • Unter Mitwirkung von

    • Claudio Fuchs

    Frühere Editionen

    Faksimile
    Umschrift
    Lesefassung
    Faksmilie, Seite 1Bild-Quelle: Arnold Schönberg Center Wien

    Sehr geehrter Herr Schönberg.

    Ichhren Brief, so interessant
    er ist – wenn auch mit einigen Wiedersprüchen –
    und wiederum zur Zustimmung zwingend – kann
    ich heute leider nicht ausführlich beantworten.
    Ich danke Ihnen u. glaube Alles zu verstehen,
    künstlerisch u. moralisch. —

    Heute erlaubte ich mir hinter Ihrem Rücken (u. A.)
    folgendes an Breitkopf u. Härtel zu schreiben: (wörtlich)

    „Ich stehe seit ein Paar Monaten in Correspondenz
    „mit einem mir sonst persönlich unbekannten
    Arnold Schönberg. – Die Veranlassung war
    seine Einsendung von drei eigenen Klavier-
    stücken
    . – Darin erweist sich Schönberg als ein
    „höchst eigenartiger, ja seltsamer, jedoch –
    „wie seine Briefe darlegen – zielbewußter Geist.
    „Die Stücke interessirten mich in dem Grade,
    „dass ich eines davon für meine Concert-
    Zwecke „transcribirte“. Dieser Trans-scription
    „sollen (zur Verständigung) die wenigen Worte
    „– die ich Ihnen hier als Erläuterung beilege –
    „vorausgehen. – Ohne sein Wissen frage
    „ich an, ob Sie dem hochstrebenden
    „Manne die allerdings ganz „unpopulären“
    „aber bedeutsamen 3 Stücke (von etwa 4
    „Druckseiten jedes) – unter Ihrer Flagge in
    „die Öffentlichkeit helfen wollten.“

    Ich citiere an Br. u. H. meine Transcription
    "für meine Concertzwecke" nur, um diesen Leuten
    klar zu machen, wie sehrstark mein Interesse
    an den Stücken ist. – Ich selbst sehe von der
    Transcription ab, sende aber das kleine
    Vorwort an Br. u. H., welches noch Einiges
    hinzufügt, um ihre Verleger-Neugier zu er-
    wecken. – Das Vorwort lautet: * The * Library * of * Congress *

    Sehr geehrter Herr Schönberg.

    Ihren Brief, so interessant er ist – wenn auch mit einigen Widersprüchen – und wiederum zur Zustimmung zwingend – kann ich heute leider nicht ausführlich beantworten. Ich danke Ihnen und glaube alles zu verstehen, künstlerisch und moralisch. —

    Heute erlaubte ich mir, hinter Ihrem Rücken (u. a.) Folgendes an Breitkopf & Härtel zu schreiben: (wörtlich)

    „Ich stehe seit ein paar Monaten in Korrespondenz mit einem mir sonst persönlich unbekannten Arnold Schönberg. – Die Veranlassung war seine Einsendung von drei eigenen Klavierstücken. – Darin erweist sich Schönberg als ein höchst eigenartiger, ja seltsamer, jedoch – wie seine Briefe darlegen – zielbewusster Geist. Die Stücke interessierten mich in dem Grade, dass ich eines davon für meine Konzertzwecke „transkribierte“. Dieser Trans-Skription sollen (zur Verständigung) die wenigen Worte – die ich Ihnen hier als Erläuterung beilege – vorausgehen. – Ohne sein Wissen frage ich an, ob Sie dem hochstrebenden Manne die allerdings ganz „unpopulären“ aber bedeutsamen 3 Stücke (von etwa 4 Druckseiten jedes) – unter Ihrer Flagge in die Öffentlichkeit helfen wollten.“

    Ich citiere an Breitkopf & Härtel meine Transcription "für meine Concertzwecke" nur, um diesen Leuten klar zu machen, wie stark mein Interesse an den Stücken ist. – Ich selbst sehe von der Transcription ab, sende aber das kleine Vorwort an Breitkopf & Härtel, welches noch Einiges hinzufügt, um ihre Verleger-Neugier zu erwecken. – Das Vorwort lautet:

    Faksmilie, Seite 2Bild-Quelle: Arnold Schönberg Center Wien

    "In einer kleinen Schrift, welche sich
    "vornimmt, breiteren Anschauungen einen
    "Weg zu bahnen, findet sich der Satz:


    'Kaleidoskopisches Durcheinanderschütteln
    'der 12 Halbtöne in der Dreispiegel-
    'kammer der Empfindung, des Geschmackes
    'und der Intuition: das Wesen der heutigen
    'Harmonie.'


    "Die in dem Satz zum Ausdruck gebrachte Idee
    "erscheint in dem Schönberg’schen Clavierstück
    "– vielleicht zum ersten Male – verwirklicht; der
    "Begriff einer Dur u. Moll Tonart und ihrer 12
    "Transpositionen ausgestrichen.


    "In dieser Komposition erblickte der Heraus-
    geber den Ansatz zu einer späteren Tonkunst.
    "Die Wiedergabe fordert vom Spieler die ver-
    "feinerteste Anschlags u. Pedalkunst; einen
    "intimen, improvisierten "schwebenden",
    "empfundenen Vortrag; ein liebevolles
    "sich-Versenken in ihren Inhalt, dessen
    "Interpret – lediglich als Claviersetzer
    "hiermit sein zu dürfen, sich zu Künstler-
    "ischer Ehre rechnet.'

    F.B."

    Ich hoffe dass Sie mir diese freie Handlungs-
    weise in der Absicht auslegen, mit welcher
    sie begonnen wurde. – Sie kompromittirt
    Sie in keiner Weise. – Die Antwort werde
    ich Ihnen zuschicken und ich habe Ihnen
    wörtlich meine Zuschrift mitgetheilt, damit
    Sie aus der Br. u. H.-Antwort (wie sie auch
    ausfällt) nichts anderes von meiner Seite
    vermuthen. –

    Mit sehr freundl. Grüßen
    Ihr Sie hochschätzender

    F.Busoni

    26. Aug. 1909

    "In einer kleinen Schrift, welche sich "vornimmt, breiteren Anschauungen einen "Weg zu bahnen, findet sich der Satz:

    'Kaleidoskopisches Durcheinanderschütteln 'der 12 Halbtöne in der Dreispiegel-'kammer der Empfindung, des Geschmackes 'und der Intuition: das Wesen der heutigen 'Harmonie.'

    "Die in dem Satz zum Ausdruck gebrachte Idee "erscheint in dem Schönberg’schen Clavierstück – "– vielleicht zum ersten Male – verwirklicht; der "Begriff einer Dur u. Moll Tonart und ihrer 12 "Transpositionen ausgestrichen.

    "In dieser Komposition erblickte der Heraus-geber den Ansatz zu einer späteren Tonkunst. "Die Wiedergabe fordert vom Spieler die ver-"feinerteste Anschlags u. Pedalkunst; einen "intimen, improvisierten "schwebenden", "empfundenen Vortrag; ein liebevolles "sich-Versenken in ihren Inhalt, dessen "Interpret – lediglich als Claviersetzer – "hiermit sein zu dürfen, sich zu Künstler-"ischer Ehre rechnet.'

    F.B."

    Ich hoffe, dass Sie mir diese freie Handlungs-weise in der Absicht auslegen, mit welcher sie begonnen wurde. – Sie kompromittiert Sie in keiner Weise. – Die Antwort werde ich Ihnen zuschicken und ich habe Ihnen wörtlich meine Zuschrift mitgeteilt, damit Sie aus der Br. u. H.-Antwort (wie sie auch ausfällt) nichts anderes von meiner Seite vermuten. –

    Mit sehr freundl. Grüßen Ihr Sie hochschätzender

    F.Busoni

    26. Aug. 1909