Ferruccio Busoni an Arnold Schönberg Dokument exportieren

Berlin, 7. Oktober 1909

Stand: 5. Februar 2018 (erwartet Freigabe) Lizenz: CC BY-NC-SA 4.0

Quelle

Entstehung

  • Der Brief wurde in Berlin am 7. Oktober 1909 verfasst.
  • Datierung in der Quelle: 7. Oktober 1909 (autograph)

Umfang

1 Bogen, 4 beschriebene Seiten

Zustand

  • Der Brief ist gut erhalten.
  • Aufbewahrungsort

  • USA | Washington, D. C. | The Library of Congress | Music Division | Arnold Schoenberg Collection | Nachweis beim Arnold-Schönberg-Center, Wien
  • Hände/Stempel

    • Überwiegend: Hand des Absenders Ferruccio Busoni, Brieftext in schwarzer Tinte, in lateinischer Schreibschrift.
    • Bibliotheksstempel (rote Tinte)

    Inhalt

    Absender

  • Ferruccio Busoni
  • Empfänger

  • Arnold Schönberg
  • Zusammenfassung

  • Busoni vermutet den Verlust seines vorherigen Briefes, teilt dessen Inhalt und seine Bitte um Anweisungen erneut mit; meint beim Preisausschreiben der Signale für die musikalische Welt eine Einsendung Schönbergs erkannt zu haben; lehnt „aus verschiedenen, leider konventionellen Gründen“ eine Aufführungszusage der Klavierstücke op. 11 ab, fühlt sich durch diese aber zu einer „neuen ‚Klavier-Notenschrift‘“ angeregt.
  • Incipit

  • mein scheinbares Schweigen ist einfach dadurch erklärt
  • Edition

    Verantwortlich

    Bearbeitet von

  • Claudio Fuchs
  • Christian Schaper
  • Frühere Editionen

    Faksimile
    Umschrift
    Lesefassung
    Faksmilie, Seite 1Bild-Quelle: Arnold Schönberg Center Wien
    * The * Library * of * Congress *

    Lieber, verehrter
    Herr Schönberg,

    mein
    scheinbares Schweigen ist ein-
    fach dadurch erklärt, dass
    mein letzter Brief an Sie ver-
    -loren gegangen ist. Schade.
    Er enthielt die Mittheilung,
    dass Br. + H. sich für Ihre
    Stücke interessirt, (das Schrei-
    -ben der Firma war beigege-
    ben) dass aber das Misver-
    -ständnis eingetreten war,
    dass Br. + H. glaubten, die
    Stücke seien meine Trans-
    scriptionen. Ich sagte Ihnen
    dann noch, dass ich
    jetzt froh waere, Ihnen
    den Wortlaut meines
    vorangegangenen Briefes
    an Br. + H. treu mitge-

    Lieber, verehrter Herr Schönberg,

    mein scheinbares Schweigen ist einfach dadurch erklärt, dass mein letzter Brief an Sie verloren gegangen ist. Schade. Er enthielt die Mitteilung, dass Breitkopf & Härtel sich für Ihre Stücke interessiert (das Schreiben der Firma war beigegeben), dass aber das Missverständnis eingetreten war, dass Breitkopf & Härtel glaubten, die Stücke seien meine Transkriptionen. Ich sagte Ihnen dann noch, dass ich jetzt froh wäre, Ihnen den Wortlaut meines vorangegangenen Briefes an Breitkopf & Härtel treu mitge-

    Faksmilie, Seite 2Bild-Quelle: Arnold Schönberg Center Wien

    theilt zu haben und
    dass ich Ihre Order
    erwartete: ob ich die
    drei Originalstücke (mit
    oder ohne meine Bear-
    beitung
    ) nun an Br.
    + H.
    senden sollte.

    Ist das klar?
    Da ich am 11. verreise
    so bitte ich um umgehende
    Antwort. (Der weitere Verlauf
    Ihres Briefes gibt sie bereits.)

    Wie freue ich mich,
    dass Ihr Monodram
    gelungen ist! Ich
    deutete mir wiederum
    Ihr Schweigen dadurch,
    dass Sie eifrigst an der
    Arbeit waeren!

    teilt zu haben, und dass ich Ihre Order erwartete: ob ich die drei Originalstücke (mit oder ohne meine Bearbeitung) nun an Breitkopf & Härtel senden sollte.

    Ist das klar? Da ich am 11. verreise, so bitte ich um umgehende Antwort. (Der weitere Verlauf Ihres Briefes gibt sie bereits.)

    Wie freue ich mich, dass Ihr Monodram gelungen ist! Ich deutete mir wiederum Ihr Schweigen dadurch, dass Sie eifrigst an der Arbeit wären!

    Faksmilie, Seite 3Bild-Quelle: Arnold Schönberg Center Wien

    Unter den 871 (!) eingesandten
    Clavierstücken für das
    Signale-Preisausschreiben
    glaubte ich, Sie in einem
    Prael. + Fuge zu “erkennen”.
    (?) Jedenfalls kommt das
    Stück in die engere Wahl.

    Nun lese ich in Ihrem Briefe
    von der Vereinbarung mit
    der U. E. und freue mich
    auch darüber herzlichst.

    Eine förmliche Zusage,
    Ihre Stücke zu spielen kann
    ich aus verschiedenen,
    leider conventionellen
    Gründen leider nicht
    geben, aber ich werde
    stets auf Ihrer Seite sein

    Unter den 871 (!) eingesandten Klavierstücken für das Signale-Preisausschreiben glaubte ich, Sie in einem Präludium und Fuge zu „erkennen“. (?) Jedenfalls kommt das Stück in die engere Wahl.

    Nun lese ich in Ihrem Briefe von der Vereinbarung mit der Universal-Edition und freue mich auch darüber herzlichst.

    Eine förmliche Zusage, Ihre Stücke zu spielen, kann ich aus verschiedenen, leider konventionellen Gründen nicht geben, aber ich werde stets auf Ihrer Seite sein,

    Faksmilie, Seite 4Bild-Quelle: Arnold Schönberg Center Wien

    wo nur von Ihnen
    die Rede ist, oder die
    Gelegenheit einer solchen
    Rede geschaffen werden
    kann. –

    Mit freundlichsten
    Grüssen, Ihr

    Ihnen künstlerisch
    u. menschlich ergebener

    F. Busoni

    7. Okt. 1909.

    NB. Ihre Stücke haben
    mich auf einedie Idee einer
    neuen „Clavier-Notenschrift
    gebracht, die – wie ich glaube –
    ein „Fund“ ist.

    wo nur von Ihnen die Rede ist oder die Gelegenheit einer solchen Rede geschaffen werden kann. –

    Mit freundlichsten Grüßen, Ihr

    Ihnen künstlerisch und menschlich ergebener

    Ferruccio Busoni

    7. Oktober 1909.

    NB. Ihre Stücke haben mich auf die Idee einer neuen „Klavier-Notenschrift“ gebracht, die – wie ich glaube – ein „Fund“ ist.