Stand: 8. Dezember 2015 (unfertig) Lizenz: CC BY-NC-SA 4.0

Quelle

Entstehung

  • Der Brief wurde in Wien am 16. Juli 1910 verfasst.
  • Datierung in der Quelle: 16. Juli 1910 (autograph)

Umfang

2 Bögen, 4 beschriebene Seiten

Zustand

  • Der Brief ist gut erhalten.
  • Aufbewahrungsort

  • Deutschland | Berlin | Staatsbibliothek zu Berlin · Preußischer Kulturbesitz | Musikabteilung mit Mendelssohn-Archiv | Nachlass Ferruccio Busoni (Mus.Nachl.F.Busoni) | Blatt 1-2
  • Hände/Stempel

    • Überwiegend: Hand des Absenders Arnold Schönberg, Brieftext in schwarzer Tinte, in deutscher Kurrentschrift
    • Archivnotitzen mit Bleistift

    Foliierungen

    Inhalt

    Absender

  • Arnold Schönberg
  • Empfänger

  • Ferruccio Busoni
  • Zusammenfassung

  • Incipit

  • Sie sind bös auf mich
  • Edition

    Verantwortlich

    • Christian Schaper
    • Ullrich Scheideler

    Bearbeitet von

  • Jupp Wegner
  • Frühere Editionen

    Faksimile
    Umschrift
    Lesefassung
    Faksmilie, Seite 1Bild-Quelle: Staatsbibliothek zu Berlin

    [1]

    16./ 7.1910
    Arnold Schönberg
    Wien, XIII
    Hietzinger Hauptstrasse 113

    Verehrter Herr Busoni,

    Sie sind bös auf mich, haben
    aber Unrecht. Mir wäre es nicht im Traum einge=
    fallen Sie durch meine Replik beleidigen zu wollen.
    Nur ich kann auch nicht finden, dass im 4. Absatz etwas
    steht das beleidigend gedeutet werden konnte. Es ist
    etwas salopp gehalten; etwas schmissig stilisiert.
    Aber, jedenfalls: beleidigend gemeint war das nicht.
    Keinesfalls dürfen Sie das so auffassen. Ich bitte
    Sie darum.

    Aber: meinen Standpunkt zu einer Veränderung
    meines Werkes, wollte ich klar ausdrücken.Daß
    "klar" bei mir leicht ein Synonym von "scharf" wird,
    bitte ich Sie, mir zu gute zu halten. Ich hoffe, Ihnen
    ist Einer der scharf reagiert, wol auch lieber, als Einer der
    gar nicht reagiert. Man hat doch im Grunde genommen
    nichts von solchen Menschen. Im Augenblick mag ihre
    Weichlichkeit ja ganz angenehm wirken, aber bald wer=
    den sie, weil sie reizlos sind, langweilig.

    Desgleichen bitte ich Sie die Anmerkungen,

    16./ 7.1910
    Arnold Schönberg
    Wien, XIII
    Hietzinger Hauptstrasse 113

    Verehrter Herr Busoni,

    Sie sind bös auf mich, haben aber Unrecht. Mir wäre es nicht im Traum eingefallen, Sie durch meine Replik beleidigen zu wollen. Nur ich kann auch nicht finden, dass im 4. Absatz etwas steht, das beleidigend gedeutet werden konnte. Es ist etwas salopp gehalten; etwas schmissig stilisiert. Aber, jedenfalls: beleidigend gemeint war das nicht. Keinesfalls dürfen Sie das so auffassen. Ich bitte Sie darum.

    Aber: meinen Standpunkt zu einer Veränderung meines Werkes, wollte ich klar ausdrücken.Dass "klar" bei mir leicht ein Synonym von "scharf" wird, bitte ich Sie, mir zu gute zu halten. Ich hoffe, Ihnen ist Einer, der scharf reagiert, wohl auch lieber, als Einer der gar nicht reagiert. Man hat doch im Grunde genommen nichts von solchen Menschen. Im Augenblick mag ihre Weichlichkeit ja ganz angenehm wirken, aber bald werden sie, weil sie reizlos sind, langweilig.

    Desgleichen bitte ich Sie die Anmerkungen,

    Faksmilie, Seite 2

    die ich in Ihre Bearbeitung hineingeschrieben
    habe, mir nicht zu verübeln. Ich glaube: sie
    sind sachlich scharf; aber nicht persönlich. Und das
    kann kaum anders sein. Denn die Sache in
    der ich Sie hier bekämpfe, in der liegt die Schärfe.
    Nicht in den Personen. Muß ich Ihnen noch besonders
    sagen, daß ich Sie nachdem was ich von Ihnen
    weiß, hoch schätze? Aber deswegen darf man
    doch (wenigstens in Form eines Kunstwerkes) anderer
    Meinung sein.

    Also bitte nehmen Sie mir die Bilder, die ich
    zum Vergleich wählte nicht übel. Bedenken Sie, daß
    man einen Vergleich ja deswegen macht um zu
    vergrößern, was zu klein ist, oder zu verkleinern
    was zu groß ist. Der Vergleich muß also die
    Dimension verändern (verzerren!), gelegentlich
    also sogar übertreiben. - Man will sich ja deutlich
    ausdrücken und das so darstellen, daß der, dem
    man opponiert versteht was man meint. -

    Nun noch etwas: ich habe mit Direktor Hertzka eine andere Form besprochen

    die ich in Ihre Bearbeitung hineingeschrieben habe, mir nicht zu verübeln. Ich glaube: sie sind sachlich scharf; aber nicht persönlich. Und das kann kaum anders sein. Denn die Sache in der ich Sie hier bekämpfe, in der liegt die Schärfe. Nicht in den Personen. Muss ich Ihnen noch besonders sagen, dass ich Sie nachdem was ich von Ihnen weiß, hoch schätze? Aber deswegen darf man doch (wenigstens in Form eines Kunstwerkes) anderer Meinung sein.

    Also bitte nehmen Sie mir die Bilder, die ich zum Vergleich wählte, nicht übel. Bedenken Sie, dass man einen Vergleich ja deswegen macht, um zu vergrößern, was zu klein ist, oder zu verkleinern, was zu groß ist. Der Vergleich muss also die Dimension verändern (verzerren!), gelegentlich also sogar übertreiben. - Man will sich ja deutlich ausdrücken und das so darstellen, dass der, dem man opponiert, versteht, was man meint. -

    Nun noch etwas: ich habe mit Direktor Hertzka eine andere Form besprochen

    Faksmilie, Seite 3

    [2]

    für die Veröffentlichung Ihrer Bearbeitung.

    Nämlich die:

    Ihre Bearbeitung erscheint nicht im gleichen
    Heft mit meinen Stücken, sondern ist unab=
    hängig davon.

    Damit fällt meine Erwiderung fort.

    Ich hoffe Sie sind damit einverstanden

    Ich schicke Ihnen heute die Berabeitung
    und das Original und bitte Sie sobald
    wie möglich an mich oder an die Univ. Edition
    die, endgültig redigierte Fassung des Stückes
    zu senden.

    Das Original lasse ich Ihnen durch
    meinen Schüler Kapellmeister Dr. Jalowetz
    schicken. Bitte aber: in dieser Abschrift können
    Fehler sein. Ich habe sie nicht selbst korrigiert.
    Ihren Brief habe ich erst heute beantworten.
    können, weil ich vorher Direktor Hertzka
    sprechen mußte.

    Deutsche Staatsbiliothek Berlin

    für die Veröffentlichung Ihrer Bearbeitung.

    Nämlich die:

    Ihre Bearbeitung erscheint nicht im gleichen Heft mit meinen Stücken, sondern ist unabhängig davon.

    Damit fällt meine Erwiderung fort.

    Ich hoffe Sie sind damit einverstanden

    Ich schicke Ihnen heute die Berabeitung und bitte Sie, sobald wie möglich an mich oder an die Univ. Edition die endgültig redigierte Fassung des Stückes zu senden.

    Das Original lasse ich Ihnen durch meinen Schüler Kapellmeister Dr. Jalowetz schicken. Bitte aber: in dieser Abschrift können Fehler sein. Ich habe sie nicht selbst korrigiert. Ihren Brief habe ich erst heute beantworten. können, weil ich vorher Direktor Hertzka sprechen musste.

    Faksmilie, Seite 4

    Ich hoffe bald von Ihnen Nachricht zu haben und würde mich sehr freuen, wenn ich ersehen könnte, daß Sie nicht böse sind.

    Mit hochachtungsvollen Grüßen in
    aller Ergebenheit

    Arnold Schönberg

    Deutsche Staatsbiliothek Berlin

    Mus.Nachl. F.Busoni B II, 4553 Mus.ep. A. Schönberg 14

    Nachlaß Busoni
    B II)

    Ich hoffe bald von Ihnen Nachricht zu haben und würde mich sehr freuen, wenn ich ersehen könnte, dass Sie nicht böse sind.

    Mit hochachtungsvollen Grüßen in aller Ergebenheit

    Arnold Schönberg

    Faksmilie, Seite 5
    Herrn
    Ferruccio Busoni

    Berlin W/30
    Viktoria Luiseplatz 11 11
    Herrn Ferruccio Busoni
    Berlin W/30
    Viktoria Luiseplatz 11
    Faksmilie, Seite 6
    ARNOLD SCHÖNBERG
    WIEN, XIII.
    HIETZINGER HAUPTSTRASSE 113

    Mus.Nachl. F.Busoni B II, 4553-Beil.

    Wien 16 VII 10-7

    Mus.ep. A. Schönberg 14

    Nachlaß Busoni
    B II