Stand: 5. Februar 2018 (erwartet Freigabe) Lizenz: CC BY-NC-SA 4.0

Quelle

Entstehung

  • Der Brief wurde in Wien am 16. Juli 1910 verfasst.
  • Datierungen in der Quelle: 16. Juli 1910 (autograph), 16. Juli 1910 (Poststempel Wien)

Umfang

1 Bogen, 4 beschriebene Seiten

Zustand

  • Der Brief ist gut erhalten; Umschlagaufriss rechts (ohne Textverlust).
  • Aufbewahrungsort

  • Deutschland | Berlin | Staatsbibliothek zu Berlin · Preußischer Kulturbesitz | Musikabteilung mit Mendelssohn-Archiv | Nachlass Ferruccio Busoni | Mus.Nachl. F. Busoni B II, 4553 | olim: Mus.ep. A. Schönberg 14 (Busoni-Nachl. B II) | Nachweis in Kalliope
  • Hände/Stempel

    • Überwiegend: Hand des Absenders Arnold Schönberg, Brieftext in schwarzer Tinte, in deutscher Kurrentschrift
    • Hand des Archivars, der die Zurdnung die Signaturen mit Bleistift eingetragen hat.
    • Hand des Archivars, der die Zuordnung innerhalb des Busoni-Nachlasses mit Rotstift vorgenommen hat
    • Bibliotheksstempel (rote Tinte)
    • Bibliotheksstempel (blaue Tinte)
    • Adressstempel des Absenders Arnold Schönberg, mit violetter Tinte
    • Poststempel (schwarze Tinte)

    Foliierungen

    • Foliierung mit Bleistift oben rechts durch das Archiv.

    Inhalt

    Absender

  • Arnold Schönberg
  • Empfänger

  • Ferruccio Busoni
  • Zusammenfassung

  • Schönberg verteidigt die Schärfe seiner Entgegnung auf Busonis Vorwort zu dessen Transkription des Klavierstücks op. 11 Nr. 2; hat mit Emil Hertzka die separate Veröffentlichung von Busonis Bearbeitung vereinbart; schickt Busonis Transkriptions-Manuskript zurück, kündigt Nachsendung einer Abschrift des originalen Klavierstücks an.
  • Incipit

  • Sie sind bös auf mich
  • Edition

    Verantwortlich

    Bearbeitet von

  • Jupp Wegner
  • Christian Schaper
  • Frühere Editionen

    Faksimile
    Umschrift
    Lesefassung
    Faksmilie, Seite 1Bild-Quelle: Staatsbibliothek zu Berlin
    [1]
    16/7.1910

    Verehrter Herr Busoni,

    Sie sind bös auf mich, haben
    aber Unrecht. Mir wäre es nicht im Traum einge=
    fallen Sie durch meine Replik beleidigen zu wollen.
    Und ich kann auch nicht finden, dass im 4. Absatz etwas
    steht das beleidigend gedeutet werden konnte. Er ist
    etwas salopp gehalten; etwas schmissig stilisiert.
    Aber:, jedenfalls: beleidigend gemeint war das nicht.
    Keinesfalls dürfen Sie das so auffassen. Ich bitte
    Sie darum.

    Aber: meinen Standpunkt zu einer Veränderung
    meines Werkes, wollte ich klar ausdrücken. Daß
    „klar“ bei mir leicht ein Synonym von „scharf“ wird,
    bitte ich Sie, mir zu gute zu halten. Ich hoffe, Ihnen
    ist Einer der scharf reagiert, wol auch lieber, als Einer der
    gar nicht reagiert. Man hat doch im Grunde genommen
    nichts von solchen Menschen. Im Augenblick mag ihre
    Weichlichkeit ja ganz angenehm wirken, aber bald wer=
    den sie, weil sie reizlos sind, langweilig.

    Desgleichen bitte ich Sie die Anmerkungen,

    16.7.1910

    Verehrter Herr Busoni,

    Sie sind bös auf mich, haben aber Unrecht. Mir wäre es nicht im Traum eingefallen, Sie durch meine Replik beleidigen zu wollen. Und ich kann auch nicht finden, dass im vierten Absatz etwas steht, das beleidigend gedeutet werden konnte. Er ist etwas salopp gehalten; etwas schmissig stilisiert. Aber, jedenfalls: beleidigend gemeint war das nicht. Keinesfalls dürfen Sie das so auffassen. Ich bitte Sie darum.

    Aber: meinen Standpunkt zu einer Veränderung meines Werkes wollte ich klar ausdrücken. Dass „klar“ bei mir leicht ein Synonym von „scharf“ wird, bitte ich Sie, mir zugutezuhalten. Ich hoffe, Ihnen ist einer, der scharf reagiert, wohl auch lieber als einer, der gar nicht reagiert. Man hat doch im Grunde genommen nichts von solchen Menschen. Im Augenblick mag ihre Weichlichkeit ja ganz angenehm wirken, aber bald werden sie, weil sie reizlos sind, langweilig.

    Desgleichen bitte ich Sie, die Anmerkungen,

    Faksmilie, Seite 2Bild-Quelle: Staatsbibliothek zu Berlin

    die ich in Ihre Bearbeitung hineingeschrieben
    habe, mir nicht zu verübeln. Ich glaube: sie
    sind sachlich scharf; aber nicht persönlich. Und das
    kann kaum anders sein. Denn die Sache in
    der ich Sie hier bekämpfe, in der liegt die Schärfe.
    Nicht in den Personen. Muß ich Ihnen noch besonders
    sagen, daß ich Sie nachdem was ich von Ihnen
    weiß, hochschätze? Aber deswegen darf man
    doch (wenigstens in Form eines Kunstwerkes) anderer
    Meinung sein.

    Also bitte nehmen Sie mir die Bilder, die ich
    zum Vergleich wählte nicht übel. Bedenken Sie, daß
    man einen Vergleich ja deswegen macht um zu
    vergrößern, was zu klein ist, oder zu verkleinern
    was zu groß ist. Der Vergleich muß also die
    Dimensionen verändern (verzerren!), gelegentlich
    also sogar übertreiben. – Man will sich ja deutlich
    ausdrücken und das so darstellen, daß der, dem
    man opponiert versteht was man meint. —

    Nun noch etwas: ich habe mit Direktor
    Hertzka
    noch eine andere Form besprochen

    die ich in Ihre Bearbeitung hineingeschrieben habe, mir nicht zu verübeln. Ich glaube: sie sind sachlich scharf; aber nicht persönlich. Und das kann kaum anders sein. Denn die Sache, in der ich Sie hier bekämpfe, in der liegt die Schärfe. Nicht in den Personen. Muss ich Ihnen noch besonders sagen, dass ich Sie nach dem, was ich von Ihnen weiß, hochschätze? Aber deswegen darf man doch (wenigstens in Form eines Kunstwerkes) anderer Meinung sein.

    Also bitte nehmen Sie mir die Bilder, die ich zum Vergleich wählte, nicht übel. Bedenken Sie, dass man einen Vergleich ja deswegen macht, um zu vergrößern, was zu klein ist, oder zu verkleinern, was zu groß ist. Der Vergleich muss also die Dimensionen verändern (verzerren!), gelegentlich also sogar übertreiben. – Man will sich ja deutlich ausdrücken und das so darstellen, dass der, dem man opponiert, versteht, was man meint. —

    Nun noch etwas: ich habe mit Direktor Hertzka eine andere Form besprochen

    Faksmilie, Seite 3Bild-Quelle: Staatsbibliothek zu Berlin

    [2] für die Veröffentlichung Ihrer Bearbeitung.

    Nämlich die:

    Ihre Bearbeitung erscheint nicht im gleichen
    Heft mit meinen Stücken, sondern ist unab=
    hängig davon.

    Damit fällt meine Erwiderung fort.

    Ich hoffe Sie sind damit einverstanden.

    Ich schicke Ihnen heute die Bearbeitung
    und das Original und bitte Sie sobald
    wie möglich an mich oder an die Univ. Edition
    die endgiltig redigirte Fassung des Stückes
    zu senden.

    Das Original lasse ich Ihnen durch
    meinen Schüler Kapellmeister Dr. Jalowetz
    schicken. Bitte aber: in dieser Abschrift können
    Fehler sein. Ich habe sie nicht selbst korrigiert.

    Ihren Brief habe ich erst heute beantworten
    können, weil ich vorher Direktor Hertzka
    sprechen mußte.

    Deutsche
    Staatsbibliothek
    Berlin

    für die Veröffentlichung Ihrer Bearbeitung.

    Nämlich die:

    Ihre Bearbeitung erscheint nicht im gleichen Heft mit meinen Stücken, sondern ist unabhängig davon.

    Damit fällt meine Erwiderung fort.

    Ich hoffe, Sie sind damit einverstanden.

    Ich schicke Ihnen heute die Bearbeitung und bitte Sie, so bald wie möglich an mich oder an die Universal-Edition die endgiltig redigierte Fassung des Stückes zu senden.

    Das Original lasse ich Ihnen durch meinen Schüler Kapellmeister Dr. Jalowetz schicken. Bitte aber: in dieser Abschrift können Fehler sein. Ich habe sie nicht selbst korrigiert.

    Ihren Brief habe ich erst heute beantworten können, weil ich vorher Direktor Hertzka sprechen musste.

    Faksmilie, Seite 4Bild-Quelle: Staatsbibliothek zu Berlin

    Ich hoffe bald von Ihnen Nachricht zu
    haben und würde mich sehr freuen,
    wenn ich ersehen könnte, daß Sie
    nicht böse sind.

    Mit hochachtungsvollen Grüßen in
    aller Ergebenheit

    Arnold Schönberg
    Deutsche
    Staatsbibliothek
    Berlin
    Mus.Nachl. F. Busoni B II, 4553
    Mus.ep. A. Schönberg 14
    (
    Nachlaß Busoni
    B II)

    Ich hoffe, bald von Ihnen Nachricht zu haben, und würde mich sehr freuen, wenn ich ersehen könnte, dass Sie nicht böse sind.

    Mit hochachtungsvollen Grüßen in aller Ergebenheit

    Arnold Schönberg

    Faksmilie, Seite 5Bild-Quelle: Staatsbibliothek zu Berlin
    Faksmilie, Seite 6Bild-Quelle: Staatsbibliothek zu Berlin
    Mus.Nachl. F. Busoni B II, 4553-Beil.
    1 3/5 Wien 100
    16. VII. 10–7
    * a– *
    Mus.ep. A. Schönberg 14
    Nachlaß Busoni B II