Ferruccio Busoni an Arnold Schönberg Dokument exportieren

Berlin, 24. November 1916

Stand: 15. März 2016 (unfertig) Lizenz: CC BY-NC-SA 4.0

Quelle

Entstehung

  • Der Brief wurde in Berlin am 24. November 1916 verfasst.
  • Datierung in der Quelle: 24. November 1916 (autograph)

Umfang

,
  • Zustand

  • Der Brief ist gut erhalten.
  • Aufbewahrungsort

  • USA | Washington, D. C. | The Library of Congress | Music Division | Arnold Schoenberg Collection
  • Hände/Stempel

    • Überwiegend: Hand des Absenders Ferruccio Busoni, Brieftext in schwarzer Tinte, in lateinischer Schreibschrift.
    • Hand des Archivars, der die Datierung mit Bleistift vorgenommen hat.
    • Bibliotheksstempel (rote Tinte)
    • Poststempel (schwarze Tinte)

    Inhalt

    Absender

  • Ferruccio Busoni
  • Empfänger

  • Arnold Schönberg
  • Zusammenfassung

  • Incipit

  • Ihr Brief war mir eine der erfreulichsten Überraschungen
  • Edition

    Verantwortlich

    • Christian Schaper
    • Ullrich Scheideler

    Bearbeitet von

  • Ullrich Scheideler
  • Frühere Editionen

    Faksimile
    Umschrift
    Lesefassung
    Faksmilie, Seite 1
    Lieber und hoch-geschätzer Arnold Schönberg,

    Ihr Brief war mir eine der
    erfreulichsten Überraschungen, und
    ich rechne es Ihnen schön an, dass
    Sie mich ausersehen haben, um
    Ihrem Herzen Luft zu machen.

    Bei dem Züricher III. Symphonie=
    Konzert stand Ihr "Pelleas und
    Melisande
    " auf dem Programm,
    und schon freuten sich die
    Rechtdenkenden auf diese
    Klänge, als das Werk – infolge
    des nicht eingetroffenen Materials –
    aus der Liste verschwand.

    Gestern noch – mit einem
    intelligenten Herrn Bülau
    besangen wir Ihr Harmoniebuch.

    Sie ersehen daraus, daß
    man noch für das Gute
    Manches übrig behält. Darum

    Lieber und hoch-geschätzer Arnold Schönberg,

    Ihr Brief war mir eine der erfreulichsten Überraschungen, und ich rechne es Ihnen schön an, dass Sie mich ausersehen haben, um Ihrem Herzen Luft zu machen.

    Bei dem Züricher III. Symphonie= Konzert stand Ihr "Pelleas und Melisande" auf dem Programm, und schon freuten sich die Rechtdenkenden auf diese Klänge, als das Werk – infolge des nicht eingetroffenen Materials – aus der Liste verschwand.

    Gestern noch – mit einem intelligenten Herrn Bülau – besangen wir Ihr Harmoniebuch.

    Sie ersehen daraus, dass man noch für das Gute Manches übrig behält. Darum

    Faksmilie, Seite 2


    hätte ich gewünscht von Ihrem
    gegenwärtigen Schaffen Umständlicheres
    berichtet zu erfahren. Die gewalt-
    same 10-monatige Unterbrechung
    muss schwer auf dasselbe gelastet
    haben, aber um so ungestümer
    müßte es wieder hervorbrechen.

    Ich schrieb ein kleines
    Feuilleton über den Soldaten=
    Tod eines hervorragenden Malers;
    keine Friedensschrift, aber eine,
    worin die Kunst – in einer
    knappen Andeutung – gegen den
    Krieg abgewogen wird. Sie hat
    ein kleinesleises Echo erweckt, wie
    schon daraus zu schließen ist,
    daß Etwas davon auch zu Ihren
    Ohren drang.

    Was wissen Sie von Frau Mahler?

    Und welcher ist Ihr Verkehr?

    hätte ich gewünscht, von Ihrem gegenwärtigen Schaffen Umständlicheres berichtet zu erfahren. Die gewaltsame 10-monatige Unterbrechung muss schwer auf dasselbe gelastet haben, aber um so ungestümer müsste es wieder hervorbrechen.

    Ich schrieb ein kleines Feuilleton über den Soldaten= Tod eines hervorragenden Malers; keine Friedensschrift, aber eine, worin die Kunst – in einer knappen Andeutung – gegen den Krieg abgewogen wird. Sie hat ein leises Echo erweckt, wie schon daraus zu schließen ist, dass Etwas davon auch zu Ihren Ohren drang.

    Was wissen Sie von Frau Mahler?

    Und welcher ist Ihr Verkehr?

    Faksmilie, Seite 3

    Nun muss man zuversichtlich
    hoffen und auf den Frieden hin
    in dem Sinne arbeiten, daß er
    uns nicht überraschtet, bevor wir
    in dem, wdas uns gegeben ist,
    Etwas vollbracht haben. Das ist
    unser schönster Sieg, wenn wir
    als Ergebnis unser Schaffen
    gegen des Anderen Zerstörung
    stellen können! Das Bleibende
    gegen das Zerfallende.

    Jeder thue, was er am besten zu thun
    vermag; sich selbst
    gründlich zu schöpfen bleibe die
    bestewahrste Lebenserfüllung.

    Ich wünsche Ihnen
    das Freundlichste.
    Auf Wiedersehen u =Lesen.

    Ihr herzlichst ergebener
    24 Nov. 1916. F. Busoni

    Nun muss man zuversichtlich hoffen und auf den Frieden hin in dem Sinne arbeiten, dass er uns nicht überraschet, bevor wir in dem, das uns gegeben ist, Etwas vollbracht haben. Das ist unser schönster Sieg, wenn wir als Ergebnis unser Schaffen gegen des Anderen Zerstörung stellen können! Das Bleibende gegen das Zerfallende.

    Jeder tue, was er am besten zu tun vermag; sich selbst gründlich zu schöpfen, bleibe die wahrste Lebenserfüllung.

    Ich wünsche Ihnen das Freundlichste. Auf Wiedersehen u. =Lesen.

    Ihr herzlichst ergebener 24. Nov. 1916. F. Busoni