Stand: 26. April 2017 (erwartet Freigabe) Lizenz: CC BY-NC-SA 4.0

Quelle

Entstehung

  • Der Brief wurde in Zürich am 15. Oktober 1915 verfasst.
  • Datierung in der Quelle: 15. Oktober 1915 (autograph)

Umfang

1 Blatt, 2 beschriebene Seiten
  • Zustand

  • Der Brief ist gut erhalten.
  • Aufbewahrungsort

  • Schweiz | Basel | Universitätsbibliothek | NL 30 : 22:A-H:16
  • Hände/Stempel

    • Überwiegend: Hand des Absenders Ferruccio Busoni, Brieftext in blau-schwarzer Tinte, in deutscher Schreibschrift.
    • Vmtl. Hand des Archivars, der eine Nummerierung mit Bleistift vorgenommen hat.
    • Vmtl. Hand des Empfängers Hans Huber, der auf der Rückseite am linken Rand eine Notiz mit Bleistift vorgenommen hat.

    Inhalt

    Absender

  • Ferruccio Busoni
  • Empfänger

  • Hans Huber
  • Zusammenfassung

  • Busoni unterbreitet Programmvorschläge für den Liszt-Klavierabend, erbittet Hubers Mithilfe; berichtet von seiner Spitteler-Lektüre.
  • Incipit

  • zum 100. Geburtstag Liszt’s (1911)
  • Edition

    Verantwortlich

    • Christian Schaper
    • Ullrich Scheideler

    Bearbeitet von

  • Anna Prothmann
  • Frühere Editionen

    Faksimile
    Umschrift
    Lesefassung
    Faksmilie, Seite 1
    6.
    15 O 1915
    Rigistrasse 42
    (von Montag ab.)

    Verehrtester Meister,

    zum 100. Geburtstag Liszt’s (1911)
    gab ich, in Berlin, 6 Abende mit 80
    Stücken dieses Componisten, um einmal
    sein Clavierschaffen in Resumé darzulegen.

    Es wird mir schwer, aus dieser Fülle,
    ein einziges Programm zu kondensieren,
    wie es für unseren Zyklus geplant
    ist. – Darum möchte ich, daß Sie
    mir in der Wahl, mit Ihrendurch die Äusserung Ihrer Wünsche
    beistünden. – Mir schiene es – in
    Ihrem Lande – angebracht, die Serie
    La Suisse“ (welche 9 Stücke umfasst)
    vollständig zu bringen; aber sie liesse für
    alles Andere, wenig Raum übrig.
    Andererseits enthält dieses Werk Einiges
    vom Schönsten: Chapelle de Guillaume Tell,
    Vallée d’Obermann, Le mal du pays
    Wenn dazu die Sonate käme, so
    wäre das Maas beinahe voll, und man
    könnte mit den beiden Legenden schließen.

    15 O 1915
    Rigistrasse 42
    (von Montag ab.)

    Verehrtester Meister,

    zum 100. Geburtstag Liszts (1911) gab ich, in Berlin, sechs Abende mit 80 Stücken dieses Komponisten, um einmal sein Klavierschaffen in Résumé darzulegen.

    Es wird mir schwer, aus dieser Fülle ein einziges Programm zu kondensieren, wie es für unseren Zyklus geplant ist. – Darum möchte ich, dass Sie mir in der Wahl durch die Äußerung Ihrer Wünsche beistünden. – Mir schiene es – in Ihrem Lande – angebracht, die Serie „La Suisse“ (welche neun Stücke umfasst) vollständig zu bringen; aber sie ließe für alles andere wenig Raum übrig. Andererseits enthält dieses Werk einiges vom Schönsten: Chapelle de Guillaume Tell, Vallée d’Obermann, Le mal du pays … Wenn dazu die Sonate käme, so wäre das Maß beinahe voll, und man könnte mit den beiden Legenden schließen.

    Faksmilie, Seite 2

    Wie vieles muss unberücksichtigt
    bleiben! Die Etüden, die Rhapsodien,
    die italienischen Transcriptionen, –
    Italie” und der wundersame dritte
    Band der Années de Pélerinage. –
    Man könnte, mit ebensolchem Rechte,
    das nämliche um Beethoven bedauern;
    aber hier gilt es nicht, ihn (sozusagen)
    erst bekannt zu machen, wie es bei
    Liszt noch immer eine imperative
    Aufgabe verblieben ist! – Wer kennt
    die Rhapsodien 16–19? Die
    Valses oubliées“? den Weihnachts-
    baum
    ? Gewiss Sie, und einige
    regsamere Pianisten; nicht aber Briefe Stauffer
    das Publikum, kaum die
    Musikalienhaendler. – Also
    erbitte ich Ihre Ansicht.

    Es war mir eine reine Freude,
    Sie wiederzusehen u. zu sprechen,
    Ihren Anregungen zu lauschen!
    Dieser “PrometheusSpitteler’s
    macht mir aber grosse Mühe. Ich
    habe ihn noch nicht erfasst. Auf den ersten
    Blick hielt ich ihn für “den Schatten
    Zarathustra’s.”
    – Das Tempo ist immer
    Andante Sostenuto. – Aber vielleicht bin ich
    noch nicht so weit. – In herzlicher Verehrung

    Ihr sehr ergebener

    F. Busoni

    Wie vieles muss unberücksichtigt bleiben! Die Etüden, die Rhapsodien, die italienischen Transkriptionen, – „Italie“ und der wundersame dritte Band der Années de pèlerinage. – Man könnte, mit ebensolchem Rechte, das Nämliche um Beethoven bedauern; aber hier gilt es nicht, ihn (sozusagen) erst bekannt zu machen, wie es bei Liszt noch immer eine imperative Aufgabe verblieben ist! – Wer kennt die Rhapsodien 16–19? Die „Valses oubliées“? den Weihnachtsbaum? Gewiss Sie, und einige regsamere Pianisten; nicht aber das Publikum, kaum die Musikalienhändler. – Also erbitte ich Ihre Ansicht.

    Es war mir eine reine Freude, Sie wiederzusehen und zu sprechen, Ihren Anregungen zu lauschen! Dieser „PrometheusSpittelers macht mir aber große Mühe. Ich habe ihn noch nicht erfasst. Auf den ersten Blick hielt ich ihn für „den Schatten Zarathustras.“ – Das Tempo ist immer Andante sostenuto. – Aber vielleicht bin ich noch nicht so weit. – In herzlicher Verehrung

    Ihr sehr ergebener

    F. Busoni