Stand: 20. Juni 2017 (erwartet Freigabe) Lizenz: CC BY-NC-SA 4.0

Quelle

Entstehung

  • Der Brief wurde in Zürich am 14. Februar 1916 verfasst.
  • Datierung in der Quelle: 14. Februar 1916 (autograph)

Umfang

2 Blatt, 2 beschriebene Seiten

Zustand

  • Der Brief ist gut erhalten.
  • Aufbewahrungsort

  • Schweiz | Basel | Universitätsbibliothek | NL 30 : 22:A-H:16
  • Hände/Stempel

    • Überwiegend: Hand des Absenders Ferruccio Busoni, Brieftext in schwarzer Tinte, in lateinischer Schreibschrift.
    • Hand des Archivars, der die Datierung mit Bleistift auf die erste Seite übertragen hat.
    • Hand des Archivars, der eine laufende Nummer mit Bleistift eingetragen hat.

    Inhalt

    Absender

  • Ferruccio Busoni
  • Empfänger

  • Hans Huber
  • Zusammenfassung

  • Busoni betrachtet den „kleinen Verdruss[]“ mit der Basler Filiale von Musik Hug für erledigt; sendet Huber eine kleine Bach-Schrift zu; beurteilt Hubers Quintett op. 125; erwartet mit Freude Hubers Anwesenheit beim Liszt-Klavierabend in Zürich.
  • Incipit

  • letzthin schrieb ich zu kurz
  • Edition

    Verantwortlich

    • Christian Schaper
    • Ullrich Scheideler

    Bearbeitet von

  • Natalia Kononchuk
  • Frühere Editionen

    Faksimile
    Umschrift
    Lesefassung
    Faksmilie, Seite 1
    15. 14 Febr. 1916

    Verehrtester Freund,

    letzthin schrieb ich zu kurz,
    von der Schwäche des kleinen Verdrusses
    bemeistert, die mich (entgegen einer
    50-jährigen Weisheit) überfiel. Inzwischen
    erwiederte Herr Boller befriedigend. Hingegen
    Ihr Brief war herzlichst erfreuend u.
    wohlthuend. – Ihr Nietzsche-Zitat
    veranlasst mich Ihnen zwei Druckbögelchen
    zu schicken, die etwas über Bach geäußertes
    enthalten. –

    Noch habe ich nicht erschöpfend
    über Ihr Werk gesprochen. Es war mehr
    die Scheu einem Meister gegenüber (ob
    Sie’s zugeben, oder nicht) überhaupt von
    ihm zu reden. Ein Lob ist nicht weniger
    die Anmaassung eines Urtheils, als ein
    Tadel. "Sie loben mich, also kritisieren Sie"
    – so habe ich oft empfunden. –

    In der That aber habe ich mit
    zunehmender künstlerischen Freude das
    Quintett studiert, obwohl ich es – zum
    ersten Male – nicht so spielen konnte, als
    wenn es ein mein Blut gedrungen waere.
    Auch fehlte mir die Freiheit. Aber ich
    genoss den Zug, die Frische, den Klang

    Verehrtester Freund,

    letzthin schrieb ich zu kurz, von der Schwäche des kleinen Verdrusses bemeistert, die mich (entgegen einer 50-jährigen Weisheit) überfiel. Inzwischen erwiderte Herr Boller befriedigend. Hingegen Ihr Brief war herzlichst erfreuend und wohltuend. – Ihr Nietzsche-Zitat veranlasst mich Ihnen zwei Druckbögelchen zu schicken, die etwas über Bach Geäußertes enthalten. –

    Noch habe ich nicht erschöpfend über Ihr Werk gesprochen. Es war mehr die Scheu, einem Meister gegenüber (ob Sie’s zugeben oder nicht) überhaupt von ihm zu reden. Ein Lob ist nicht weniger die Anmaßung eines Urteils als ein Tadel. „Sie loben mich, also kritisieren Sie“ – so habe ich oft empfunden. –

    In der Tat aber habe ich mit zunehmender künstlerischen Freude das Quintett studiert, obwohl ich es – zum ersten Male – nicht so spielen konnte, als wenn es ein mein Blut gedrungen wäre. Auch fehlte mir die Freiheit. Aber ich genoss den Zug, die Frische, den Klang

    Faksmilie, Seite 2

    u. das Lebendige in Ihrem Werke,
    das zu der blühenden Art der Kam̅ermusik
    gehört. – Wenn Sie nur selber ein Bischen
    froh gewesen, – dies waere das beste Er-
    -gebnis für die kleine, willigste Mühe!

    Dass Sie beim Liszt-Abend zugegen
    sein wollen, beglückt mich. Ich bräche
    ungern so unvermittelt mit Basel ab,
    wo ich schon zwei erinnerungswerthe
    Episoden erlebt. – Der 8. Februar war
    ein schöner (vorläufiger) Abschluß und
    dafür möchte ich, dass Sie auch Ihrer
    verehrten Frau
    meinen Dank übermitteln.
    Grüßen Sie Richard Wagner, Tannhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg von Einem,
    der auch nach Rom geht, und
    seien Sie ebenso verehrungsvoll als
    herzlich gegrüßt von

    Ihrem ganz ergebenen

    Ferruccio Busoni

    Zürich, den 14. Februar, 1916.–

    und das Lebendige in Ihrem Werke, das zu der blühenden Art der Kammermusik gehört. – Wenn Sie nur selber ein bisschen froh gewesen, – dies wäre das beste Ergebnis für die kleine, willigste Mühe!

    Dass Sie beim Liszt-Abend zugegen sein wollen, beglückt mich. Ich bräche ungern so unvermittelt mit Basel ab, wo ich schon zwei erinnerungswerte Episoden erlebt. – Der 8. Februar war ein schöner (vorläufiger) Abschluss, und dafür möchte ich, dass Sie auch Ihrer verehrten Frau meinen Dank übermitteln. Grüßen Sie Richard Wagner, Tannhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg von einem, der auch nach Rom geht, und seien Sie ebenso verehrungsvoll als herzlich gegrüßt von

    Ihrem ganz ergebenen

    Ferruccio Busoni

    Zürich, den 14. Februar, 1916.–
    Faksmilie, Seite 3
    [Rückseite von Textseite 1, vacat]
    Faksmilie, Seite 4
    [Rückseite von Textseite 2, vacat]