Stand: 27. Juni 2017 (erwartet Freigabe) Lizenz: CC BY-NC-SA 4.0

Quelle

Entstehung

  • Der Brief wurde in Zürich am 8. April 1916 verfasst.
  • Datierung in der Quelle: 8. April 1916 (autograph)

Umfang

2 Blatt, 2 beschriebene Seiten
  • Nur die Vorderseiten sind beschrieben.
  • Zustand

  • Der Brief ist gut erhalten.
  • Aufbewahrungsort

  • Schweiz | Basel | Universitätsbibliothek | NL 30 : 22:A-H:16
  • Hände/Stempel

    • Überwiegend: Hand des Absenders Ferruccio Busoni, Brieftext in schwarzer Tinte, in lateinischer Schreibschrift.
    • Hand des Archivars, der die Foliierung mit Bleistift vorgenommen und das Datum auf die erste Seite übertragen hat.

    Inhalt

    Absender

  • Ferruccio Busoni
  • Empfänger

  • Hans Huber
  • Zusammenfassung

  • Busoni bedauert, wegen seines 50. Geburtstages und der Zürcher Aufführung von Volkmar Andreaes Oper Ratcliff die Berner Uraufführung von Hubers Oper Die schöne Bellinda versäumt zu haben; vergleicht die Vorlagen beider Werke nach Eignung des Stoffes und der Dichtung.
  • Incipit

  • nun war es mir doch nicht vergönnt
  • Edition

    Verantwortlich

    • Christian Schaper
    • Ullrich Scheideler

    Bearbeitet von

  • Nicole Kufeld
  • Christian Schaper
  • Frühere Editionen

    Faksimile
    Umschrift
    Lesefassung
    Faksmilie, Seite 1
    17.8. April 1916

    Hochverehrter Freund,

    nun war es mir doch nicht vergönnt,
    rechtzeitig nach Bern zu kommen.
    Ich hatte eine komplizierte Zeit – auf
    den Samstag fiel auch dieser fatale Tag,
    […] dem Sie ein so glücklich abgefasstes
    Telegramm gütig widmeten. (Dafür vorerst
    warmempfundenen Dank!)

    Dazwischen geriet überdies die
    Generalprobe von Andreae’s Ratcliff – (ein
    Buch, das häufiger, als sonst in der Oper,
    den Dichter verräth) – u. der ich nicht
    umhin konnte beizuwohnen. Die
    Emotionen, durch mannigfache Kundge-
    bungen zu meinem Jahrestage hervor-
    gerufen, gingen nicht ohne Reaction
    vorbei. – Ich fühlte mich durch diese,
    u. die vorausgegangene ÜberArbeit,
    ein wenig vermürbt.

    An dem Ratcliff konnte ich
    wieder einmal bestätigen, dass

    die Voraussetzungen des Dramas
    nicht dieselben sind, als die der Oper

    Hochverehrter Freund,

    nun war es mir doch nicht vergönnt, rechtzeitig nach Bern zu kommen. Ich hatte eine komplizierte Zeit – auf den Samstag fiel auch dieser fatale Tag, dem Sie ein so glücklich abgefasstes Telegramm gütig widmeten. (Dafür vorerst warmempfundenen Dank!)

    Dazwischen geriet überdies die Generalprobe von Andreaes Ratcliff – (ein Buch, das häufiger als sonst in der Oper den Dichter verrät) – und der ich nicht umhin konnte beizuwohnen. Die Emotionen, durch mannigfache Kundgebungen zu meinem Jahrestage hervorgerufen, gingen nicht ohne Reaktion vorbei. – Ich fühlte mich durch diese, und die vorausgegangene Überarbeit, ein wenig vermürbt.

    An dem Ratcliff konnte ich wieder einmal bestätigen, dass die Voraussetzungen des Dramas nicht dieselben sind als die der Oper

    Faksmilie, Seite 2


    u. wo dass da man die gleichen
    Voraussetzungen an Oper u. Drama
    stellt, indem man durch den
    beiden gemeinsam zufallenden
    Begriff „Theater“ irregeführt wird.
    Darum schien mir die Wahl Ihres
    Stoffes
    die richtigere, wenngleich
    die Dichtung nicht stark genug erscheint
    sich erwies, als ich sie las. – Zürnen
    Sie nicht meiner Offenheit, u. berichten
    sie vielmehr, dass die Aufführung
    mir Unrecht giebt: denn […] in Sachen
    der Bühne sind Theorien unmaasgebend.

    Hoffentlich brachte Ihnen das
    Erlebnis (denn ein solches ist es stets,
    wenn man die Konzeption aus
    der Stud Arbeitsstube in die das
    Leben stellt, u. es Gestalt annehmen
    sieht) Freude u. Genugthuung.

    Ich habe noch Nichts über
    Belinda verlauten gehört und
    bin also nun um so mehr gespannt.

    Ich grüsse Sie allerherzlichst
    u. verehrungsvoll.
    Ihr treuer

    Zürich 8. Apr. 1916.

    Ferruccio Busoni

    und dass man die gleichen Voraussetzungen an Oper und Drama stellt, indem man durch den beiden gemeinsam zufallenden Begriff „Theater“ irregeführt wird. Darum schien mir die Wahl Ihres Stoffes die richtigere, wenngleich die Dichtung nicht stark genug sich erwies, als ich sie las. – Zürnen Sie nicht meiner Offenheit, und berichten sie vielmehr, dass die Aufführung mir Unrecht gibt: Denn in Sachen der Bühne sind Theorien unmaßgebend.

    Hoffentlich brachte Ihnen das Erlebnis (denn ein solches ist es stets, wenn man die Konzeption aus der Arbeitsstube in das Leben stellt und es Gestalt annehmen sieht) Freude und Genugtuung.

    Ich habe noch nichts über Bellinda verlauten gehört und bin also nun umso mehr gespannt.

    Ich grüße Sie allerherzlichst und verehrungsvoll. Ihr treuer

    Zürich, 8. April 1916.

    Ferruccio Busoni

    Faksmilie, Seite 3
    [Rückseite von Textseite 1, vacat]
    Faksmilie, Seite 4
    [Rückseite von Textseite 2, vacat]