Stand: 22. Juni 2016 (erwartet Freigabe) Lizenz: CC BY-NC-SA 4.0

Quelle

Entstehung

  • Der Brief wurde in Zürich am 2. Mai 1916 verfasst.
  • Datierung in der Quelle: 2. Mai 1916 (autograph)

Umfang

2 Blatt, 2 beschriebene Seiten

Zustand

  • Der Brief ist gut erhalten.
  • Aufbewahrungsort

  • Schweiz | Basel | Universitätsbibliothek | NL 30 : 22:A-H:16
  • Hände/Stempel

    • Überwiegend: Hand des Absenders Ferruccio Busoni, Brieftext in schwarzer Tinte, in lateinischer Schreibschrift.
    • Hand des Archivars, der die Datierung mit Bleistift auf die erste Seite übertragen hat.
    • Hand des Archivars, der eine Nummerierung mit Bleistift vorgenommen hat.
    • Hand des Empfängers Hans Huber, der eine Antwort skizziert hat; Bleistift, deutsche Kurrentschrift.

    Inhalt

    Absender

  • Ferruccio Busoni
  • Empfänger

  • Hans Huber
  • Zusammenfassung

  • Busoni beklagt sich über Karl Nefs Konzertkritik zur Indianischen Fantasie; schickt einen als „Seitenbemerkung“ zum Chopin-Abend verwendeten Text.
  • Incipit

  • Ich empfange die mich betreffenden “B.N
  • Edition

    Verantwortlich

    • Christian Schaper
    • Ullrich Scheideler

    Bearbeitet von

  • Till Erik Sawallisch
  • Frühere Editionen

    Faksimile
    Umschrift
    Lesefassung
    Faksmilie, Seite 1
    20.2. Mai 1916

    Sehr verehrlicher Freund,

    ich empfange die mich
    betreffenden “B. N” u. bin

    bestürzt über die Respektlosigkeit,
    mit der die Zeitung Ihre Ansicht,
    die sie selbst abdruckte, verhöhnt! –
    Dass der (als völlig unbekannte
    Größe in den Spalten des Blattes
    sich bergender) Referent,
    einem Fünfzigjährigen, der Beweise
    von seigenem Denken u. Urtheilen
    gegeben hat, gute Rathschläge,
    ungefragt, ertheilt, ist –
    gegen das erstgenannte Vergehen gewogen
    – noch harmlos. – Wir klagen über
    los desastros de la guerra, doch giebt
    es Friedenszustände die nicht minder
    schaurig sind – wie eben die der
    öffentlichen Kunstkritik – und die
    verbleiben; wohingegen der Krieg
    doch einmal ein Ende erreicht.

    Trotz jener, d bewahre ich
    von dem Basler Abend eine erfreuliche
    Erinnerung; namentlich von der Probe

    Sehr verehrlicher Freund,

    ich empfange die mich betreffenden „B. N.“ und bin bestürzt über die Respektlosigkeit, mit der die Zeitung Ihre Ansicht, die sie selbst abdruckte, verhöhnt! – Dass der (als völlig unbekannte Größe in den Spalten des Blattes sich bergende) Referent einem Fünfzigjährigen, der Beweise von eigenem Denken und Urteilen gegeben hat, gute Ratschläge, ungefragt, erteilt, ist – gegen das erstgenannte Vergehen gewogen – noch harmlos. – Wir klagen über los desastros de la guerra, doch gibt es Friedenszustände, die nicht minder schaurig sind – wie eben die der öffentlichen Kunstkritik – und die verbleiben; wohingegen der Krieg doch einmal ein Ende erreicht.

    Trotz jener bewahre ich von dem Basler Abend eine erfreuliche Erinnerung; namentlich von der Probe

    Faksmilie, Seite 2

    u. Ihrer theilnahmsvollen
    Aufmerksamkeit. – Mit der letzten
    Probe ist auch für mich die Aufgabe
    gelöst u. das Interesse erschöpft.
    Dass noch ein „Exempel auf die Probe“
    folgen muss, gehört in das unlieb-
    -same Kapitel d von dem
    Verhältnisse zwischen Publikum u.
    Künstler – – wozu eine Seitenbemerkung
    meinen ChopinAbend einleitete.

    Diese füge ich bei, und
    in der Hoffnung, bald wieder
    durch ein g wohlmeinendes
    Geschick zu Ihnen geführt zu
    werden (es waere noch Manches
    zu besprechen) – zeichne ich für
    heute mit herzlichen Grüßen,
    für stets als Ihr

    verehrungsvoll ergebener

    Ferruccio Busoni

    Zürich, den 2. Mai 1916. –

    und Ihrer teilnahmsvollen Aufmerksamkeit. – Mit der letzten Probe ist auch für mich die Aufgabe gelöst und das Interesse erschöpft. Dass noch ein „Exempel auf die Probe“ folgen muss, gehört in das unliebsame Kapitel von dem Verhältnisse zwischen Publikum und Künstler – – wozu eine Seitenbemerkung meinen Chopin-Abend einleitete.

    Diese füge ich bei, und in der Hoffnung, bald wieder durch ein wohlmeinendes Geschick zu Ihnen geführt zu werden (es wäre noch Manches zu besprechen) – zeichne ich für heute mit herzlichen Grüßen, für stets als Ihr

    verehrungsvoll ergebener

    Ferruccio Busoni

    Zürich, den 2. Mai 1916. –
    Faksmilie, Seite 3
    [Rückseite von Textseite 1]
    So sind sie alle, unsere
    Musikhistoriker, vom schlechten
    Exempel Kretschmar ausgehend
    – arme Geisteskrüppel, die
    entweder an einem musiktechnischen […]-
    schaft oder in einem anderen Beruf
    (Jus, Philosophie, Theologie) scheiternd
    […] am sogenan̅ten „unter dem Strich“
    sich mit einer ganzen Schaar impotenter
    […]
    […] Ausnahmestellung in der
    heutigen […] Kultur – dürfen stolz
    über solche Dinge zu weiterem Schaffen, Schenken, Schulen
    gehen. Damit […]
    […]
    Faksmilie, Seite 4
    [Rückseite von Textseite 2, vacat]