Stand: 22. Juni 2017 (erwartet Freigabe) Lizenz: CC BY-NC-SA 4.0

Quelle

Entstehung

  • Der Brief wurde in Basel vmtl. am 3. Mai 1916 verfasst.
  • Datierungen in der Quelle: 3. Mai 1916 (Poststempel Basel), 3. Mai 1916 (Poststempel Zürich)

Umfang

1 Bogen, Umschlag, 4 beschriebene Seiten, Umschlag beidseitig beschrieben

Zustand

  • Brief und Umschlag sind gut erhalten.
  • Aufbewahrungsort

  • Deutschland | Berlin | Staatsbibliothek zu Berlin · Preußischer Kulturbesitz | Musikabteilung mit Mendelssohn-Archiv | Nachlass Ferruccio Busoni | Mus.Nachl. F. Busoni B II, 2263 | olim: Mus.ep. H. Huber 36 (Busoni-Nachl. B II) | Nachweis in Kalliope
  • Hände/Stempel

    • Überwiegend: Hand des Absenders Hans Huber, Brieftext in schwarzer Tinte, in deutscher Kurrentschrift.
    • Vmtl. Hand des Empfängers Ferruccio Busoni, der auf der Umschlagrückseite die Zuordnung „Huber“ mit Bleistift notiert hat.
    • Hand des Archivars, der eine erste Signatur mit Bleistift eingetragen hat.
    • Hand des Archivars, der die Zuordnung innerhalb des Busoni-Nachlasses mit Rotstift vorgenommen hat.
    • Hand des Archivars, der die Foliierung mit Bleistift eingetragen hat.
    • Hand des Archivars, der die neue Signatur mit Bleistift eingetragen hat.
    • Bibliotheksstempel (rote Tinte)
    • Bibliotheksstempel (blaue Tinte)
    • Poststempel (schwarze Tinte)
    • Unbekannte Hand, die auf der Umschlagrückseite dreimal das Wort „Hans“ notiert hat.

    Inhalt

    Absender

  • Hans Huber
  • Empfänger

  • Ferruccio Busoni
  • Zusammenfassung

  • Huber mahnt zur Gelassenheit gegenüber den „Geisteskrüppel[n]“ im akademischen Feuilleton; attestiert Busoni eine „Ausnahmsstellung in der heutigen musikalischen Kultur“; versucht ihn als Interpreten und Lehrer längerfristig für die Schweiz und insbesondere Genf zu gewinnen; dankt für den zugeschickten Text über Chopin.
  • Incipit

  • So sind sie alle, unserere Musikhistoriker
  • Edition

    Verantwortlich

    • Christian Schaper
    • Ullrich Scheideler

    Bearbeitet von

  • Christian Schaper
  • Faksimile
    Umschrift
    Lesefassung
    Faksmilie, Seite 1Bild-Quelle: Staatsbibliothek zu Berlin
    [1]
    Mus.ep. H. Huber 36 (Busoni-Nachl. B II)
    Mus.Nachl. F. Busoni B II, 2263

    Lieber Freund!

    So sind sie alle, unsere Musik=
    historiker, vom schlechten Exempel
    eines Kretschmar ausgehend:
    arme Geisteskrüppel, die entweder
    ans einem musik-technischen
    Versuche, oder an einem anderen
    Berufe (Jus, Theologie od. Philologie)
    scheiternd, am sogenan̅ten „Unter
    dem Strich“
    sich mit einer ganzen
    Schaar impotenter & impertinenter
    Schreiber verbunden haben & jetzt
    ein wenig die Welt regieren.
    Mit Ausnahme einiger Zöpfe &
    héréditaire- Belasteten werden

    Lieber Freund!

    So sind sie alle, unsere Musikhistoriker, vom schlechten Exempel eines Kretzschmar ausgehend: arme Geisteskrüppel, die, entweder an einem musik-technischen Versuche oder an einem anderen Berufe (Jus, Theologie oder Philologie) scheiternd, am sogenannten „Unter dem Strich“ sich mit einer ganzen Schar impotenter und impertinenter Schreiber verbunden haben und jetzt ein wenig die Welt regieren. Mit Ausnahme einiger Zöpfe und héréditaire Belasteten werden

    Faksmilie, Seite 2Bild-Quelle: Staatsbibliothek zu Berlin

    solche – fast naive – „Extuberanzen“
    nicht ernst genom̅en – sogar auch
    nicht in der Stadt Holbeins & der
    Druckerschwärze. Sie – in Ihrer
    Ausnahmsstellung in der heutigen musikalischen
    Cultur – dürfen stolz über solchediese
    Dinge zu weiterem Schaffen, Schenken
    & Schulen übergehen. Und ich schließe
    mich als treuer Freund mit ähnlichen
    Gefühlen an! –

    Deutsche
    Staatsbibliothek
    Berlin

    Was das „Schenken“ anbelangt,
    so bin ich – nicht als Bestim̅ender
    aber als Beistim̅ender – der Ansicht,
    daß Sie die Schweiz noch nicht verlaßen
    dürfen. Die Saat, die Sie in Zürich &
    Basel ausgestreut haben, bedarf im̅er
    noch einer guten Pflege & kan̅ […]quantitativ
    gesteigert werden. Dan̅ fehlt die

    solche – fast naive – „Extuberanzen“ nicht ernst genommen – sogar auch nicht in der Stadt Holbeins und der Druckerschwärze. Sie – in Ihrer Ausnahmsstellung in der heutigen musikalischen Kultur – dürfen stolz über diese Dinge zu weiterem Schaffen, Schenken und Schulen übergehen. Und ich schließe mich als treuer Freund mit ähnlichen Gefühlen an! –

    Was das „Schenken“ anbelangt, so bin ich – nicht als Bestimmender aber als Beistimmender – der Ansicht, dass Sie die Schweiz noch nicht verlassen dürfen. Die Saat, die Sie in Zürich und Basel ausgestreut haben, bedarf immer noch einer guten Pflege und kann quantitativ gesteigert werden. Dann fehlt die

    Faksmilie, Seite 3Bild-Quelle: Staatsbibliothek zu Berlin

    [2]
    ganze französische Schweiz, die Sie auch
    in das Intereße Ihrer Interpretationscultur
    ziehen sollten. Ich sprach gerade am letzten
    Son̅tag in Bern, wo ich der letzten Aufführung
    meiner Oper beiwohnte, mit einem hervorragenden
    Ken̅er der Genfer-Verhältniße, & seine
    Meinung geht auch dahin, daß Sie gerade auch
    in Genf eine große That mit Ihrem Erscheinen
    erfüllen würden! Ergo!

    Und das Schulen! Auch da Deutsche
    Staatsbibliothek
    Berlin

    hätten wir Sie nöthig! Sie sollten
    alle Monate nur einen Tag zur
    Pädagogik herauslesen. Wir würden
    Ihnen nur einige begabte Schüler
    zuschicken, denen Sie mit Ihrem
    Rathe beistehen kön̅ten. Ueberlegen
    Sie sich den modus „practicandi“!

    Ihre Chopinzeilen wirken
    für die Meisten wie eine Offenbarung!
    Auch in diesen Offenbarungen hätten

    ganze französische Schweiz, die Sie auch in das Interesse Ihrer Interpretationskultur ziehen sollten. Ich sprach gerade am letzten Sonntag in Bern, wo ich der letzten Aufführung meiner Oper beiwohnte, mit einem hervorragenden Kenner der Genfer Verhältnisse, und seine Meinung geht auch dahin, dass Sie gerade auch in Genf eine große Tat mit Ihrem Erscheinen erfüllen würden! Ergo!

    Und das Schulen! Auch da hätten wir Sie nötig! Sie sollten alle Monate nur einen Tag zur Pädagogik herauslesen. Wir würden Ihnen einige begabte Schüler zuschicken, denen Sie mit Ihrem Rate beistehen könnten. Überlegen Sie sich den modus „practicandi“!

    Ihre Chopin-Zeilen wirken für die meisten wie eine Offenbarung! Auch in diesen Offenbarungen hätten

    Faksmilie, Seite 4Bild-Quelle: Staatsbibliothek zu Berlin


    Sie in der Schweiz den möglichst-dankbarsten
    Boden! –

    Und jetzt wünsche ich Ihnen blauen
    Him̅el & gute Menschen jenseits
    des Gotthard & vergeßen Sie die
    „Nördlichen“ nicht

    Ihr herzlich ergebener

    Huber

    Sie in der Schweiz den möglichst-dankbarsten Boden! –

    Und jetzt wünsche ich Ihnen blauen Himmel und gute Menschen jenseits des Gotthard, und vergessen Sie die „Nördlichen“ nicht.

    Ihr herzlich ergebener

    Huber

    Faksmilie, Seite 5Bild-Quelle: Staatsbibliothek zu Berlin
    Basel 1
    -3.V.16–9
    Briefaufgabe
    Herrn Ferruccio Busoni
    Deutsche
    Staatsbibliothek
    Berlin
    Basel 1
    -3.V.16–9
    Briefaufgabe
    Basel 1
    -3.V.16–9
    Briefaufgabe
    Zürich
    Scheuchzerstr. 36.
    Herrn Ferruccio Busoni
    Zürich
    Scheuchzerstr. 36.
    Faksmilie, Seite 6Bild-Quelle: Staatsbibliothek zu Berlin
    Huber
    Nachlaß Busoni B II
    Mus.ep. H. Huber 36
    Mus.Nachl. F. Busoni
    B II, 2263-Beil.
    Hans
    Zürich
    -3.V.16-12
    Brf. Exp.
    Hans
    Hans