Hans Huber an Ferruccio Busoni Dokument exportieren

Locarno, 24. September 1916

Stand: 10. März 2017 (erwartet Freigabe) Lizenz: CC BY-NC-SA 4.0

Quelle

Entstehung

  • Der Brief wurde in Locarno am 24. September 1916 verfasst.
  • Datierungen in der Quelle: 23. September 1916 (Empfänger), 24. September 1916 (autograph: „Domenica“)

Umfang

1 Bogen, 3 beschriebene Seiten
  • Seitenfolge 2 (Briefkopf), 3, 4; Seite 1 nur mit Bibliothekseintragungen.
  • Zustand

  • Der Brief ist gut erhalten.
  • Aufbewahrungsort

  • Deutschland | Berlin | Staatsbibliothek zu Berlin · Preußischer Kulturbesitz | Musikabteilung mit Mendelssohn-Archiv | Nachlass Ferruccio Busoni | Mus.Nachl. F. Busoni B II,2268 | olim: Mus.ep. H. Huber 41 (Busoni-Nachl. B II) | Nachweis in Kalliope
  • Hände/Stempel

    • Überwiegend: Hand des Absenders Hans Huber, Brieftext in blauer Tinte, in lateinischer Schreibschrift.
    • Vmtl. Hand des Empfängers Ferruccio Busoni, der mit Tinte die Datierung des Briefes vorgenommen hat.
    • Hand des Archivars, der mit Bleistift die Signaturen eingetragen und eine Foliierung vorgenommen hat.
    • Hand des Archivars, der mit Rotstift die Zuordnung innerhalb des Busoni-Nachlasses und eine Nummerierung eingetragen hat.
    • Bibliotheksstempel (rote Tinte)

    Inhalt

    Absender

  • Hans Huber
  • Empfänger

  • Ferruccio Busoni
  • Zusammenfassung

  • Huber, seit seiner Ankunft kränklich, genießt gleichwohl Ruhe und Natur in Locarno; kündigt zum Honorar für Busonis Basler Klavierabende eine Entscheidung nach seine Rückkehr nach Basel an, signalisiert Bereitschaft der „Herren des Vorstandes“ zu finanzieller Mithilfe.
  • Incipit

  • Verzeihen Sie, lieber Freund
  • Edition

    Verantwortlich

    • Christian Schaper
    • Ullrich Scheideler

    Bearbeitet von

  • Anton Hoffmann
  • Christian Schaper
  • Faksimile
    Umschrift
    Lesefassung
    Faksmilie, Seite 1Bild-Quelle: Staatsbibliothek zu Berlin
    Ouvert toute l’année
    Plein midi
    Saison d’hiver
    Confort le plus moderne
    Balli & C. Prop.
    23. Sept. 16.
    Domenica

    Verzeihen Sie, lieber Freund, daß ich
    erst heute mit einigen Zeilen auf
    Ihren eigenthümlich-skeptischen aber
    gedankenreichen Brief antworte; allein
    ich war seit der Ankunft in Locarno
    nicht wohl: nordischer Katarrh &
    südliches Fieber plagen mich in schönster
    Eintracht. – Trotzdem läßt man sich
    hier eher gehen! D[…]as […]Regulär[…]e & das
    Mathematische in der Behandlung der
    Natur & des in derselben befindlichen

    Domenica

    Verzeihen Sie, lieber Freund, dass ich erst heute mit einigen Zeilen auf Ihren eigentümlich-skeptischen, aber gedankenreichen Brief antworte; allein ich war seit der Ankunft in Locarno nicht wohl: nordischer Katarrh und südliches Fieber plagen mich in schönster Eintracht. – Trotzdem lässt man sich hier eher gehen! Das Reguläre und das Mathematische in der Behandlung der Natur und des in derselben befindlichen

    Faksmilie, Seite 2Bild-Quelle: Staatsbibliothek zu Berlin

    [2] Stoffes verschwindet & ruft keine
    Tagesordnung od. gar Com̅ißionssitzungen
    hervor; man läßt sich gehen & vergißt
    Projekte & Spekulationen! Und was
    Sie mit dem dahingegangenen Boccioni
    erlebt haben, paßt eigentlich eher in
    die Com̅ando & Ordnungsrufe des Nordens!

    Sobald ich wieder in Basel
    bin, was bis Ende dieser Woche (etwa freitags)
    geschehen muß, werde ich über die
    Konzertangelegenheit mit meinem
    sogenan̅ten Vorgesetzten reden & Ihnen
    nachher das Resultat mittheilen. Es ist
    ja nur eine Sache unseres Kaßirers,
    der wahrscheinlich nach einem glücklichen
    Jahresdefizit von 5000 frs. anfangs
    – mit & trotz aller Begeisterung für
    die Angelegenheit – berechnende Mienen
    aufzieht, ich sage Sache des Kaßirers,
    dem unsere wohlbemittelnden Herren
    des Vorstandes ohne Schmerzen sofort
    beispringen kön̅en! Nous verrons!

    Aus der Zürcherztg. erfahre ich,
    das sie bereits im ersten Konzerte
    spielen. Das ist recht & steht den
    Zürchern wohl an! –

    Stoffes verschwindet und ruft keine Tagesordnung oder gar Kommissionssitzungen hervor; man lässt sich gehen und vergisst Projekte und Spekulationen! Und was Sie mit dem dahingegangenen Boccioni erlebt haben, passt eigentlich eher in die Kommando- und Ordnungsrufe des Nordens!

    Sobald ich wieder in Basel bin, was bis Ende dieser Woche (etwa freitags) geschehen muss, werde ich über die Konzertangelegenheit mit meinem sogenannten Vorgesetzten reden und Ihnen nachher das Resultat mitteilen. Es ist ja nur eine Sache unseres Kassierers, der wahrscheinlich nach einem glücklichen Jahresdefizit von 5000 frs. anfangs – mit und trotz aller Begeisterung für die Angelegenheit – berechnende Mienen aufzieht, ich sage Sache des Kassierers, dem unsere wohlbemittelnden Herren des Vorstandes ohne Schmerzen sofort beispringen können! Nous verrons!

    Aus der Zürcher Zeitung erfahre ich, das sie bereits im ersten Konzerte spielen. Das ist recht und steht den Zürchern wohl an! –

    Faksmilie, Seite 3Bild-Quelle: Staatsbibliothek zu Berlin

    Die Madonna del Sasso
    läßt Sie grüßen. Wie schade,
    daß auch die unsern modernen Architekten
    auf eine schändliche Weise gesündigt
    haben & aus dem „Wunder“ nicht besseres
    zu empfinden wußten!

    Herzlichst ihr verschnupfter

    Huber

    Die Madonna del Sasso lässt Sie grüßen. Wie schade, dass auch die unsern modernen Architekten auf eine schändliche Weise gesündigt haben und aus dem „Wunder“ nicht besseres zu empfinden wussten!

    Herzlichst ihr verschnupfter

    Huber

    Faksmilie, Seite 4Bild-Quelle: Staatsbibliothek zu Berlin
    Mus.ep. H. Huber 41 (Busoni-Nachl. B II)
    Mus.Nachl. F. Busoni B II, 2268
    [1]
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