Hans Huber an Ferruccio Busoni Dokument exportieren

vmtl. Basel, 1. November 1916

Stand: 11. November 2017 (erwartet Freigabe) Lizenz: CC BY-NC-SA 4.0

Quelle

Entstehung

  • Der Brief wurde am 1. November 1916 vmtl. in Basel verfasst.
  • Datierung in der Quelle: 1. November 1916 (autograph)

Umfang

1 Bogen, 4 beschriebene Seiten

Zustand

  • Der Brief ist gut erhalten.
  • Aufbewahrungsort

  • Deutschland | Berlin | Staatsbibliothek zu Berlin · Preußischer Kulturbesitz | Musikabteilung mit Mendelssohn-Archiv | Nachlass Ferruccio Busoni | Mus.Nachl. F. Busoni B II,2271 | olim: Mus.ep. H. Huber 44 (Busoni-Nachl. B II) | Nachweis in Kalliope
  • Hände/Stempel

    • Überwiegend: Hand des Absenders Hans Huber, Brieftext in schwarzer Tinte, in deutscher Kurrentschrift.
    • Hand des Archivars, der die Signaturen und Foliierung mit Bleistift eingetragen hat.
    • Hand des Archivars, der die Nummerierung innerhalb des Briefwechsels mit Rotstift eingetragen hat.
    • Bibliotheksstempel (rote Tinte)

    Inhalt

    Absender

  • Hans Huber
  • Empfänger

  • Ferruccio Busoni
  • Zusammenfassung

  • Huber moniert anlässlich zweier ihm verordneter Reger-Gedenkabende dessen „Formenarmut“; schätzt die Neuausgabe des Entwurfs einer neuen Ästhetik der Tonkunst als „konziser und klarer“ ein; hat Busonis Reger-Text an Hermann Suter weitergegeben; rät zu einer künstlerischen Positionserklärung Busonis an anderem Ort; begrüßt das Programm der Zürcher Klavierabende, sagt Besuch beim zweiten Abend zu.
  • Incipit

  • Den intensivsten Dank für die herrlichen Gaben
  • Edition

    Verantwortlich

    • Christian Schaper
    • Ullrich Scheideler

    Bearbeitet von

  • Christian Schaper
  • Unter Mitwirkung von

    • Nicole Kufeld
    Faksimile
    Umschrift
    Lesefassung
    Faksmilie, Seite 1Bild-Quelle: Staatsbibliothek zu Berlin
    Mus.ep. H. Huber 44 (Busoni-Nachl. B II)
    [1.11.] 1916
    Am Tage Allerheiligen!
    11

    Lieber Freund!

    Den
    intensivsten Dank für die
    herrlichen Gaben, die Sie mit
    gütiger Hand ausstreuen:
    in erster Linie für die wahren &
    trefflichen Worte zum Suter’schen
    Regerartikel! – „Auf hohen Befehl“
    muß ich am Conservatorium zwei
    Regerabende (Kam̅ermusik, Klavier & Mus.Nachl. F. Busoni B II, 2271
    Gesang) in memoriam vorbereiten
    & bin überrascht über die Formen=
    armut und über den „Typus der
    „Orgelimprovisation“
    , so daß
    das Kombiniren mehr heraussticht
    wie das Komponiren!

    Zweitens danke ich Ihnen für die[1]

    1916
    Am Tage Allerheiligen!

    Lieber Freund!

    Den intensivsten Dank für die herrlichen Gaben, die Sie mit gütiger Hand ausstreuen: in erster Linie für die wahren und trefflichen Worte zum Suter’schen Reger-Artikel! – „Auf hohen Befehl“ muss ich am Konservatorium zwei Reger-Abende (Kammermusik, Klavier und Gesang) in memoriam vorbereiten und bin überrascht über die Formenarmut und über den „Typus der Orgelimprovisation“, so dass das Kombinieren mehr heraussticht wie das Komponieren!

    Zweitens danke ich Ihnen für die

    Faksmilie, Seite 2Bild-Quelle: Staatsbibliothek zu Berlin

    Zusendung der neuen Auflage
    Ihres Entwurfs einer n. Ae. d. T.!
    Leider liegt die erste Auflage
    mit den Operntexten bei meiner
    Tochter
    in Engelberg, so daß ich jetzt den
    Vergleich nicht genau machen kan̅.
    Allein mir scheint alles konziser &
    klarer in dieser Auflage! Jedenfalls
    paßt das Büchlein in unsere Deutsche
    Staatsbibliothek
    Berlin

    Zeit & in die Requiemszeit
    über Reger! –

    Ihre dießbezüglichen (Reger)
    Bemerkungen gab ich tale quale
    Suter, bin aber der Ansicht, daß
    wir dieselben nicht post festum
    publiziren sollen, da die gut
    gemeinte Expectoration S.

    Zusendung der neuen Auflage Ihres Entwurfs einer neuen Ästhetik der Tonkunst! Leider liegt die erste Auflage mit den Operntexten bei meiner Tochter in Engelberg, so dass ich jetzt den Vergleich nicht genau machen kann. Allein mir scheint alles konziser und klarer in dieser Auflage! Jedenfalls passt das Büchlein in unsere Zeit und in die Requiemszeit über Reger! –

    Ihre diesbezüglichen (Reger) Bemerkungen gab ich tale quale Suter, bin aber der Ansicht, dass wir dieselben nicht post festum publizieren sollen, da die gut gemeinte Expectoration Suters

    Faksmilie, Seite 3Bild-Quelle: Staatsbibliothek zu Berlin

    mehr als eine Reklame für
    die Musikgesellschaft Basel’s
    aufzufaßen ist. – Dagegen
    wären Sie diejenige Persönlichkeit,
    die im weitesten Sin̅ & mit
    künstlerischer Berechtigung die
    Werthe eines Reger’s in […] das wahre
    Licht setzen kön̅te. Thun Sie
    es doch – entweder in den
    Spalten der N. Zürcherztg. oder
    in denjenigen einesr angesehenen
    Monatsschrift. Ich sage –
    „angesehen“ – & doch scheinen
    mir gegenwärtig alle deutschen
    litterarisch-aesthetischen Erscheinungen
    auf ziemlich egaler Mittelmäßigkeit
    zu stehen, wenigstens so weit ich
    dieselben in Basel verfolgen
    kan̅! –

    [2]

    mehr als eine Reklame für die Musikgesellschaft Basels aufzufassen ist. – Dagegen wären Sie diejenige Persönlichkeit, die im weitesten Sinn und mit künstlerischer Berechtigung die Werte eines Regers in das wahre Licht setzen könnte. Tun Sie es doch – entweder in den Spalten der Neuen Zürcher Zeitung oder in denjenigen einer angesehenen Monatsschrift. Ich sage: „angesehen“ – und doch scheinen mir gegenwärtig alle deutschen literarisch-ästhetischen Erscheinungen auf ziemlich egaler Mittelmäßigkeit zu stehen, wenigstens so weit ich dieselben in Basel verfolgen kann! –

    Faksmilie, Seite 4Bild-Quelle: Staatsbibliothek zu Berlin

    Vor mir liegt das Program̅
    der Zürcher Klavierabende! Bravo!
    Jedenfalls kom̅e ich am 20. Nov.
    herüber. (Am 7. bin ich verhindert.)
    Ueber die Basler Projekte
    wird Ihnen Herr Dr. Stumm
    schreiben, sobald Herr His
    die Sitzung angeordnet hat,
    was Anfangs nächster Woche
    der Fall sein wird! –

    Addio mio carissimo

    Ihr treu ergebener

    Huber

    Vor mir liegt das Programm der Zürcher Klavierabende! Bravo! Jedenfalls komme ich am 20. November herüber. (Am 7. bin ich verhindert.) Über die Basler Projekte wird Ihnen Herr Dr. Stumm schreiben, sobald Herr His die Sitzung angeordnet hat, was anfangs nächster Woche der Fall sein wird! –

    Addio mio carissimo

    Ihr treu ergebener

    Huber