Hans Huber an Ferruccio Busoni Dokument exportieren

vmtl. Basel, 11. Februar 1916

Stand: 31. August 2017 (erwartet Freigabe) Lizenz: CC BY-NC-SA 4.0

Quelle

Entstehung

  • Der Brief wurde am 11. Februar 1916 vmtl. in Basel verfasst.
  • Datierung in der Quelle: 11. November 1916 (Empfänger)

Umfang

2 Briefkarten, 4 beschriebene Seiten

Zustand

  • Der Brief ist gut erhalten.
  • Aufbewahrungsort

  • Deutschland | Berlin | Staatsbibliothek zu Berlin · Preußischer Kulturbesitz | Musikabteilung mit Mendelssohn-Archiv | Nachlass Ferruccio Busoni | Mus.Nachl. F. Busoni B II,2272a | olim: Mus.ep. H. Huber 46 (Busoni-Nachl.B II) | Nachweis in Kalliope
  • Hände/Stempel

    • Überwiegend: Hand des Absenders Hans Huber, Brieftext in schwarzer Tinte, in deutscher Kurrentschrift.
    • Vmtl. Hand des Empfängers Ferruccio Busoni, Datierung mit schwarzer Tinte
    • Hand des Archivars, der Signaturen und Foliierung mit Bleistift eingetragen hat.
    • Hand des Archivars, der die Nummerierung innerhalb des Busoni-Nachlasses mit dickem Rotstift eingetragen hat.
    • Hand des Archivars, der die Zuordnung innerhalb des Busoni-Nachlasses mit Rotstift vorgenommen hat.
    • Bibliotheksstempel (rote Tinte)

    Inhalt

    Absender

  • Hans Huber
  • Empfänger

  • Ferruccio Busoni
  • Zusammenfassung

  • Huber hat Busonis Beschwerde an Hug in Basel weitergeleitet; berichtet, Busoni sei nach seinen vier Klavierabenden am Basler Konservatorium Stadtgespräch; hat einen Kritiker der National-Zeitung über Liszt und Bach belehrt; kündigt seinen Besuch von Busonis Zürcher Liszt-Konzert an.
  • Incipit

  • Die Ansprache an Hug ist besorgt
  • Edition

    Verantwortlich

    • Christian Schaper
    • Ullrich Scheideler

    Bearbeitet von

  • Sebastian Schade
  • Christian Schaper
  • Faksimile
    Umschrift
    Lesefassung
    Faksmilie, Seite 1Bild-Quelle: Staatsbibliothek zu Berlin
    Mus.ep. H. Huber 46 (Busoni-Nachl. B II)
    Mus.Nachl. F. Busoni B II, 2272a
    11. Novb. 16
    12

    Lieber Freund!

    Die Ansprache an Hug
    ist besorgt & mit meiner mündlichen
    Beschwerung belastet. Es fehlt im Basler-Haus
    an einem gesunden Gehirn! –

    Sonst erleben wir hier so etwas wie in den
    Tagen der renaissance, wen̅ die Bürger
    von Florenz zusam̅engestanden sind, um über
    ein Werk eines Künstlers zu diskutiren.
    Haben Sie Busoni in Chopin od. Liszt
    gehört? Was sagen Sie zu seiner famosen[1]

    Lieber Freund!

    Die Ansprache an Hug ist besorgt und mit meiner mündlichen Beschwerung belastet. Es fehlt im Basler Haus an einem gesunden Gehirn! –

    Sonst erleben wir hier so etwas wie in den Tagen der Renaissance, wenn die Bürger von Florenz zusammengestanden sind, um über ein Werk eines Künstlers zu diskutieren. „Haben Sie Busoni in Chopin oder Liszt gehört? Was sagen Sie zu seiner famosen

    Faksmilie, Seite 2Bild-Quelle: Staatsbibliothek zu Berlin

    Geigensonate? etc. etc. Dem […]Brahmsbangen
    Markus (Kritiker der Nationalztg) habe ich
    gestern zufällig eine „direktoriale“ […]Anrede
    halten kön̅en über den Vergleich einer
    g-moll Sonate von Robertus & der h-moll von
    Franciskus! Der gute Man̅ hat geschwitzt! Zum
    Schluße zitirte ich ihm noch den Nietzsche-Ausspruch
    über Bach: Wir fühlen, dass hier etwas Großes im
    Werden ist, aber noch nicht ist; unsere große moderne
    Musik!(?) In Bach ist noch zu viel crude Christlichkeit,
    crudes Deutschtum, crude Scholastik; er steht an
    der Schwelle der europ. modernen Musik, aber
    schaut sich von hier nach dem Mittelalter um.

    Amen!

    Deutsche
    Staatsbibliothek
    Berlin

    Geigensonate?“ etc. etc. Dem Brahms-bangen Markus (Kritiker der National-Zeitung) habe ich gestern zufällig eine „direktoriale“ Anrede halten können über den Vergleich einer g-Moll-Sonate von Robertus und der h-Moll von Franziskus! Der gute Mann hat geschwitzt! Zum Schlusse zitierte ich ihm noch den Nietzsche-Ausspruch über Bach: „Wir fühlen, dass hier etwas Großes im Werden ist, aber noch nicht ist; unsere große moderne Musik!(?) In Bach ist noch zu viel krude Christlichkeit, krudes Deutschtum, krude Scholastik; er steht an der Schwelle der europäischen modernen Musik, aber schaut sich von hier nach dem Mittelalter um.“ Amen!

    Faksmilie, Seite 3Bild-Quelle: Staatsbibliothek zu Berlin
    ep. 46B II, 2272a
    12
    Deutsche
    Staatsbibliothek
    Berlin

    Die Schaubühne gab ich Suter zum Lesen;
    ich werde aber dafür sorgen, dass
    dieselbe nicht verloren geht. L. Schmidt
    soll im Hauptblatt vom Donnerstag
    eine Erwiederung stehen haben; mir ist
    dieselbe entgangen! –

    Es ist so schade, daß wir jetzt keine
    Wiederholungszeichen, (die mich sonst
    als eine unnöthige Erscheinung gewöhnlich ärgern,)
    von den letzten Wochen besitzen. Diese[2]

    Die Schaubühne gab ich Suter zum Lesen; ich werde aber dafür sorgen, dass dieselbe nicht verloren geht. L. Schmidt soll im Hauptblatt vom Donnerstag eine Erwiderung stehen haben; mir ist dieselbe entgangen! –

    Es ist so schade, daß wir jetzt keine Wiederholungszeichen (die mich sonst als eine unnötige Erscheinung gewöhnlich ärgern) von den letzten Wochen besitzen. Diese

    Faksmilie, Seite 4Bild-Quelle: Staatsbibliothek zu Berlin

    Mittwoche bilden für alle ehrlichen, hießigen
    Menschen ein Erlebniß, für das ich
    Ihnen nicht genug danken kan̅! –

    Ruhen sie von den Baslerkonzerten
    aus & freuen Sie sich über Ihre
    neue Zürcher Thätigkeit, der ich im
    Lisztkzt. sicher beiwohnen werde! –

    Addio – carissimo

    Votre devoué
    & dankbarer

    Hans Huber

    Mittwoche bilden für alle ehrlichen, hiesigen Menschen ein Erlebnis, für das ich Ihnen nicht genug danken kann! –

    Ruhen sie von den Basler Konzerten aus und freuen Sie sich über Ihre neue Zürcher Tätigkeit, der ich im Liszt-Konzert sicher beiwohnen werde! –

    Addio – carissimo

    Votre dévoué und dankbarer

    Hans Huber