Stand: 5. März 2017 (erwartet Freigabe) Lizenz: CC BY-NC-SA 4.0

Quelle

Entstehung

  • Der Brief wurde in Basel am 16. November 1916 verfasst.
  • Datierung in der Quelle: 16. November 1916 (autograph)

Umfang

1 Bogen, 4 beschriebene Seiten

Zustand

  • Der Brief ist gut erhalten.
  • Aufbewahrungsort

  • Deutschland | Berlin | Staatsbibliothek zu Berlin · Preußischer Kulturbesitz | Musikabteilung mit Mendelssohn-Archiv | Nachlass Ferruccio Busoni | Mus.Nachl. F. Busoni B II,2255 | olim: Mus.ep. H. Huber 47 (Busoni-Nachl. B II) | Nachweis in Kalliope
  • Hände/Stempel

    • Überwiegend: Hand des Absenders Hans Huber, Brieftext in schwarzer Tinte, in deutscher Kurrentschrift.
    • Hand des Archivars, der die Datierung mit Bleistift vorgenommen hat.
    • unbekannte Hand, welche die Briefnummer mit Rotstift eingetragen hat.
    • Bibliotheksstempel (rote Tinte)

    Inhalt

    Absender

  • Hans Huber
  • Empfänger

  • Ferruccio Busoni
  • Zusammenfassung

  • Huber zitiert Elisabeth Speiser-Sarasins Deutung der Handschrift Busonis, bestätigt Konzertprogramme und informiert über baldige Reise nach Solothurn.
  • Incipit

  • Das kleine Episödchen
  • Edition

    Verantwortlich

    • Christian Schaper
    • Ullrich Scheideler

    Bearbeitet von

  • Thea Olivia Beger
  • Christian Schaper
  • Faksimile
    Umschrift
    Lesefassung
    Faksmilie, Seite 1Bild-Quelle: Staatsbibliothek zu Berlin
    Mus.ep. H. Huber 47 (Busoni-Nachl. B II)
    Mus.Nachl. F. Busoni B II,2273
    [1]13
    16 Nov. 1916

    Lieber & Verehrter!

    Das kleine Episödchen mit
    Frau Dr. Speiser-Sarasin würde
    ich ohne Bedenken begraben,
    wenn Sie nicht in einer plötzlichen
    Anwandlung von romanischer Liebens=
    würdigkeit aus dem Gabentempel
    Ihres großen Besitzthums eine
    Bagatelle schenken wollten. Uebrigens
    ist diese Dame eine große Graphologin
    & hat mir die Geheimnisse Ihrer
    Schrift entziffert:

    „harmonische Künstlernatur, feiner
    regelmäßiger Rhytmus, ausgebildeter
    ästhetischer Sin̅, geistvoll im Erfassen
    seines Berufs & seiner eigenen Produktionen;
    ausgeprägte Sin̅lichkeit (!), dadurch
    Macht im Leben, ein Doppelmensch! Sein
    getheiltes B. mit dem F zusam̅enhängend
    verrät eine starke Kompositionsgabe,
    die zurücklaufenden Endungen sind
    Beweise seiner Heimlichkeiten!“

    Que voulez-vous de plus!!

    16. November 1916

    Lieber und Verehrter!

    Das kleine Episödchen mit Frau Dr. Speiser-Sarasin würde ich ohne Bedenken begraben, wenn Sie nicht in einer plötzlichen Anwandlung von romanischer Liebenswürdigkeit aus dem Gabentempel Ihres großen Besitztums eine Bagatelle schenken wollten. Übrigens ist diese Dame eine große Graphologin und hat mir die Geheimnisse Ihrer Schrift entziffert:

    „harmonische Künstlernatur, feiner, regelmäßiger Rhythmus, ausgebildeter ästhetischer Sinn, geistvoll im Erfassen seines Berufs und seiner eigenen Produktionen; ausgeprägte Sinnlichkeit (!), dadurch Macht im Leben, ein Doppelmensch! Sein geteiltes B mit dem F zusammenhängend verrät eine starke Kompositionsgabe, die zurücklaufenden Endungen sind Beweise seiner Heimlichkeiten!“

    Que voulez-vous de plus!!

    Faksmilie, Seite 2Bild-Quelle: Staatsbibliothek zu Berlin

    Mundi res severa?

    Als Daten schlage ich Ihnen vor:
    den 17. 24–31 Januar & 7 Februar.
    Wir dürfen nicht zu nahe am Neujahr
    anfangen.

      Als Program̅:

    1. oder nur BachBeethoven
      (aber die Sonate von Weber hätte ich
      zu gern!)
    2. Liszt-Etüden &
      Don Juan-Paraphrase
    3. Italie (ausgezeichnet)
      & Paganini-Etüden.

    Uebrigens behandeln Sie
    uns in dieser Beziehung
    ganz autoritär. Sie dürfen & sollen
    frei schalten & walten!

    Mundi res severa?

    Als Daten schlage ich Ihnen vor: den 17., 24.–31. Januar und 7. Februar. Wir dürfen nicht zu nahe am Neujahr anfangen.

      Als Programm:

    1. oder nur BachBeethoven (aber die Sonate von Weber hätte ich zu gern!)
    2. Liszt-Etüden und Don-Juan-Paraphrase
    3. Italie (ausgezeichnet) und Paganini-Etüden

    Übrigens behandeln Sie uns in dieser Beziehung ganz autoritär. Sie dürfen und sollen frei schalten und walten!

    Faksmilie, Seite 3Bild-Quelle: Staatsbibliothek zu Berlin
    [2]

    Uebrigens bewundere ich
    wieder Ihre absolute, reine Schaffens=
    kraft: nebst den pianistischen Großthaten
    diese geistige Mächtigkeit. Aber
    Frau Speiser siehtliest ja alles dieß aus
    Ihren Schriftzügen! –

    Meine enorme Schulthätigkeit
    zwingt mich leider mit meiner
    mich verfolgenden Diabetis
    zu einem Spezialisten nach
    Solothurn zu gehen: Dieser
    Spezialist heißt: Ruhe & Freiheit.
    Ich reise Montags für circa
    8 Tage in dieses reizende
    mittelalterliche Nest mit
    französischer Cultur als Unterlage
    & mit italianischer Kathedrale
    als Beigabe. Adresse Hôtel
    Krone!
    (ausgezeichnet!)

    Sie sehen mich also am 21 Nov.
    nicht; hoffentlich kan̅ ich
    hinter meinem Glase Neuenburger
    den Gedanken meines

    Übrigens bewundere ich wieder Ihre absolute, reine Schaffenskraft: nebst den pianistischen Großtaten diese geistige Mächtigkeit. Aber Frau Speiser liest ja alles dies aus Ihren Schriftzügen! –

    Meine enorme Schultätigkeit zwingt mich leider, mit meiner mich verfolgenden Diabetes zu einem Spezialisten nach Solothurn zu gehen: Dieser Spezialist heißt: Ruhe und Freiheit. Ich reise Montags für circa acht Tage in dieses reizende mittelalterliche Nest mit französischer Kultur als Unterlage und mit italianischer Kathedrale als Beigabe. Adresse Hôtel Krone! (ausgezeichnet!)

    Sie sehen mich also am 21. November nicht; hoffentlich kann ich hinter meinem Glase Neuenburger den Gedanken meines

    Faksmilie, Seite 4Bild-Quelle: Staatsbibliothek zu Berlin

    dadurch entstehenden künstlerischen
    Verlustes vergessen! Dafür
    erscheine ich aber am 5 Dezember!

    Addio mio caro
    Ihr

    Hans Huber

    dadurch entstehenden künstlerischen Verlustes vergessen! Dafür erscheine ich aber am 5. Dezember!

    Addio mio caro Ihr

    Hans Huber