Stand: 2. Mai 2017 (erwartet Freigabe) Lizenz: CC BY-NC-SA 4.0

Quelle

Entstehung

  • Der Brief wurde in Zürich am 16. Januar 1917 verfasst.
  • Datierung in der Quelle: 16. Januar 1917 (autograph)

Umfang

3 Blatt, 3 beschriebene Seiten
  • Nur die Vorderseiten sind beschrieben.
  • Zustand

  • Der Brief ist gut erhalten.
  • Aufbewahrungsort

  • Schweiz | Basel | Universitätsbibliothek | NL 30 : 22:A-H:16
  • Hände/Stempel

    • Überwiegend: Hand des Absenders Ferruccio Busoni, Brieftext in schwarzer Tinte, in lateinischer Schreibschrift.
    • Hand des Archivars, der die Foliierung mit Bleistift vorgenommen hat.
    • Vmtl. Hand des Archivars, der die Datierung auf die erste Seite mit Bleistift übertragen hat.

    Inhalt

    Absender

  • Ferruccio Busoni
  • Empfänger

  • Hans Huber
  • Zusammenfassung

  • Busoni dankt für Hubers Komplimente; reflektiert über die Einheit des „schaffenden und nach-schaffenden Menschen“.
  • Incipit

  • Ihre gütigen Worte haben mich schön belohnt
  • Edition

    Verantwortlich

    • Christian Schaper
    • Ullrich Scheideler

    Bearbeitet von

  • Hannah Fiedrowicz
  • Frühere Editionen

    Faksimile
    Umschrift
    Lesefassung
    Faksmilie, Seite 1
    39. 16. Jan. 1917

    Sehr verehrter Freund,


    Worte haben mich schön belohnt,
    Ihr vertrauen spornt mich an;
    ich habe Beides zwar nur halb
    verdient:, – aber diese Hälfte, die
    ich mir an-maasse, kann ich
    nicht ungleich vertheilen auf den
    Sschaffenden u. nachschaffenden
    Menschen in mir. Denn diese Beiden
    sind ja Einer u. derselbe, oder
    – im strengsten Falle – der erste
    die Fortsetzung des zweiten. Aber
    während mir als Virtuose noch
    frühere Gewohnheiten verbleiben,
    glaube ich als Komponist mich
    eher alles Außeren u. […] in der
    Ausübung "Bewährten" entkleidet
    zu haben. Während der Spieler
    seine Eigenart immerhin mit der
    desseines Programmes, zu einem
    Kompromiss, zu theilen hat; ist
    der Komponist von solchen Verträgen
    befreit.

    Sehr verehrter Freund,

    Worte haben mich schön belohnt, Ihr Vertrauen spornt mich an; ich habe beides zwar nur halb verdient: – aber diese Hälfte, die ich mir anmaße, kann ich nicht ungleich verteilen auf den schaffenden und nachschaffenden Menschen in mir. Denn diese beiden sind ja einer und derselbe, oder – im strengsten Falle – der erste die Fortsetzung des zweiten. Aber während mir als Virtuose noch frühere Gewohnheiten verbleiben, glaube ich als Komponist mich eher alles Äußeren und in der Ausübung „Bewährten“ entkleidet zu haben. Während der Spieler seine Eigenart immerhin mit der seines Programmes, zu einem Kompromiss, zu teilen hat, ist der Komponist von solchen Verträgen befreit.

    Faksmilie, Seite 2

    (2) Wenn er trotzdem bescheidener
    erscheint, so ist es darum, dass
    er von der Macht des Objektes
    (Bach oder Beethoven) nicht
    getragen wird, sondern allein
    steht u. allein wirken muss.

    Aber das, was in meiner
    Interpretation mein Eigenes ist,
    muss das Nämliche sein bei
    mir als Komponist; dort über-
    schätzt, hier noch nicht genug,
    (schon darum weil man es weniger
    kennt.) Endlich ist es immer
    noch der nämliche Charakter,
    dieas gleiche Niveau, dieselbe
    Empfindung, die auch in dem
    Menschen – außer seinem Berufe –
    bestehen u. sich künden. Derart
    dass ich nie glauben kann,
    dass ein roher Mann ein zarter
    Künstler sein werde, ein schlechter
    Mensch Erhabenes oder Inniges
    schaffe, ein falscher Kerl, Auf-
    richtiges produziere. Das Alles

    Wenn er trotzdem bescheidener erscheint, so ist es darum, dass er von der Macht des Objektes (Bach oder Beethoven) nicht getragen wird, sondern allein steht und allein wirken muss.

    Aber das, was in meiner Interpretation mein Eigenes ist, muss das nämliche sein bei mir als Komponist; dort überschätzt, hier noch nicht genug (schon darum, weil man es weniger kennt). Endlich ist es immer noch der nämliche Charakter, das gleiche Niveau, dieselbe Empfindung, die auch in dem Menschen – außer seinem Berufe – bestehen und sich künden. Derart, dass ich nie glauben kann, dass ein roher Mann ein zarter Künstler sein werde, ein schlechter Mensch Erhabenes oder Inniges schaffe, ein falscher Kerl Aufrichtiges produziere. Das alles

    Faksmilie, Seite 3

    (3) gilt auch auf [das] Maas der
    Selbstkritik, des logischen Denkens,
    des Temperamentes angewandt. –
    Verzeihen Sie, da wenn ich das
    generös gespendete Lob eines
    Meisters u. Freundes noch zu
    analysieren unternehme; doch
    wer verstünde es besser als Sie
    selber – u. auch das verste werden
    Sie verstehen:, dass mich einmal!
    das Bedürfnis überkommt, es
    auszusprechen.

    Seien Sie von ganzem Herzen
    bedankt.

    Ihr verehrungsvoll ergebener

    F. Busoni

    Zürich, 16. Januar, 1917.

    gilt auch auf das Maß der Selbstkritik, des logischen Denkens, des Temperamentes angewandt. – Verzeihen Sie, wenn ich das generös gespendete Lob eines Meisters und Freundes noch zu analysieren unternehme; doch wer verstünde es besser als Sie selber – und auch das werden Sie verstehen: dass mich einmal! das Bedürfnis überkommt, es auszusprechen.

    Seien Sie von ganzem Herzen bedankt.

    Ihr verehrungsvoll ergebener

    F. Busoni

    Zürich, 16. Januar 1917.
    Faksmilie, Seite 4
    [Rückseite von Textseite 1, vacat]
    Faksmilie, Seite 5
    [Rückseite von Textseite 2, vacat]
    Faksmilie, Seite 6
    [Rückseite von Textseite 3, vacat]