Stand: 30. Mai 2017 (erwartet Freigabe) Lizenz: CC BY-NC-SA 4.0

Quelle

Entstehung

  • Der Brief wurde in Zürich am 2. April 1917 verfasst.
  • Datierungen in der Quelle: 2. April 1917 (autograph), 2. April 1917 (Poststempel Zürich), 3. April 1917 (Poststempel Locarno)

Umfang

2 Blatt, 2 beschriebene Seiten

Zustand

  • Der Brief ist gut erhalten. Umschlagaufriss ohne Textverlust.
  • Aufbewahrungsort

  • Schweiz | Basel | Universitätsbibliothek | NL 30 : 22:A-H:16
  • Hände/Stempel

    • Überwiegend: Hand des Absenders Ferruccio Busoni, Brieftext in schwarzer Tinte, in lateinischer Schreibschrift.
    • Hand des Archivars, der die Nummerierung und Foliierung mit Bleistift vorgenommen hat.
    • Poststempel (schwarze Tinte)

    Inhalt

    Absender

  • Ferruccio Busoni
  • Empfänger

  • Hans Huber
  • Zusammenfassung

  • Busoni berichtet von seinem Aufenthalt in Solothurn und von der Arbeit an den Opern Arlecchino und Turandot.
  • Incipit

  • aus Ihrer lieben Karte ist nicht zu entnehmen
  • Edition

    Verantwortlich

    • Christian Schaper
    • Ullrich Scheideler

    Bearbeitet von

  • Claudio Arias Rodriguez
  • Frühere Editionen

    Faksimile
    Umschrift
    Lesefassung
    Faksmilie, Seite 1
    47.
    Zürich (am See des
    selben Namens
    romantisch gelegen)
    am 2. April 1917.

    Lieber, Verehrtester,

    aus Ihrer lieben Karte
    ist nicht zu entnehmen, ob die Stücke
    für 2 Kl. meine eigenen istsind, umsoweniger
    als ich nicht wüsste, welches ein zweites
    waere. Immerhin freue ich mich, Ihre
    4 Schüler zu hören. Ich war endlich auch
    unwohl u. 2 Tage Bettlägerig, wollte
    die Messe in Basel besuchen; nun höre
    ich, dass Sie nicht da sind! In Solo-
    thurn
    gefiel mir’s 3 Stunden lang
    sehr gut, dann begann ich, an meiner
    TaschenUhr zu tourmentieren. Dieser
    Signor Pisoni, so(eine Art Bibbiena),
    kannte seine Maasse und seinen
    Styl sehr gut. Diese Bibbienas haben
    3 Generationen u. 200 Jahre lang
    ihre “Barokkaden” in Europa gebaut.
    Gegenüber dem Mannheimer Theater
    steht auch unvermuthet so eine
    Jesuiten Kirche, immerhin stolzer
    als der deutsche Zopfstyl. – Und
    was “beutet” Locarno? Das Klima?
    Die Vorstellung des Südens, die ei-
    gentlich in Ihnen selber liegt.

    Zürich (am See des selben Namens romantisch gelegen) am 2. April 1917.

    Lieber, Verehrtester,

    aus Ihrer lieben Karte ist nicht zu entnehmen, ob die Stücke für zwei Klaviere meine eigenen sind, umso weniger als ich nicht wüsste, welches ein zweites wäre. Immerhin freue ich mich, Ihre vier Schüler zu hören. Ich war endlich auch unwohl und zwei Tage bettlägerig, wollte die Messe in Basel besuchen; nun höre ich, dass Sie nicht da sind! In Solothurn gefiel mir’s drei Stunden lang sehr gut, dann begann ich, meine Taschenuhr zu tourmentieren. Dieser Signor Pisoni (eine Art Bibiena) kannte seine Maße und seinen Stil sehr gut. Diese Bibienas haben drei Generationen und 200 Jahre lang ihre „Barockaden“ in Europa gebaut. Gegenüber dem Mannheimer Theater steht auch unvermutet so eine Jesuitenkirche, immerhin stolzer als der deutsche Zopfstil. – Und was „beutet“ Locarno? Das Klima? Die Vorstellung des Südens, die eigentlich in Ihnen selber liegt?

    Faksmilie, Seite 2
    (2)

    Es ist merkwürdig, und gegen
    alle Annahme, dass der Süden auf
    mich reizvoll, aber melancholisch,
    sogar düster, wirkt. Am wenigsten
    in Frankreich, aber drückend in
    OberMittelitalien (Modena, Verona!)
    (Das kommt vielleicht davon, dass
    ich als Mitbürger empfinde, und
    nicht allein als Zuschauer.)

    Nun geht es, so scheint’s – mit
    meinen Opern einen ebeneren
    Weg weiter. Eine Summe von Arbeit
    in 4 Monaten, wovon das Publikum
    nichts merkt! – Ich hoffe nun auf
    Ende April. – (Inzwischen wurde ich
    gestern schon wieder um 1 Jahr älter.)
    Die Textbücher sind schon gesetzt
    u. bald gedruckt – ich darf Sie
    Ihnen dann überreichen? – Bis
    meine Thätigkeit am Theater beginnt,
    habe ich – seit Jahren einmal –
    Ferien (die ich übrigens schwer ertrage.)
    Schon musste ich an mein nächstes
    Werk
    denken, wozu dasauf das ein Textbuch
    (mein bestes) bereits seit 2 Jahren
    fertig wartet. – So reiht sich Glied
    an Glied, bis die Kette geschlossen wird.

    Viel Freude zum Ausblick in’s
    gelobte Land! Und auch sonst.
    Verehrungsvoll ergb.

    F. B.

    Es ist merkwürdig und gegen alle Annahme, dass der Süden auf mich reizvoll, aber melancholisch, sogar düster wirkt. Am wenigsten in Frankreich, aber drückend in Oberitalien (Modena, Verona!). (Das kommt vielleicht davon, dass ich als Mitbürger empfinde, und nicht allein als Zuschauer.)

    Nun geht es, so scheint’s – mit meinen Opern einen ebeneren Weg weiter. Eine Summe von Arbeit in vier Monaten, wovon das Publikum nichts merkt! – Ich hoffe nun auf Ende April. – (Inzwischen wurde ich gestern schon wieder um ein Jahr älter.) Die Textbücher sind schon gesetzt und bald gedruckt – ich darf Sie Ihnen dann überreichen? – Bis meine Tätigkeit am Theater beginnt, habe ich – seit Jahren einmal – Ferien (die ich übrigens schwer ertrage.) Schon musste ich an mein nächstes Werk denken, auf das ein Textbuch (mein Bestes) bereits seit 2 Jahren fertig wartet. – So reiht sich Glied an Glied, bis die Kette geschlossen wird.

    Viel Freude zum Ausblick ins gelobte Land! Und auch sonst. Verehrungsvoll ergeben

    Ferruccio Busoni

    Faksmilie, Seite 3
    [Rückseite von Textseite 1, vacat]
    Faksmilie, Seite 4
    [Rückseite von Textseite 2, vacat]
    Faksmilie, Seite 5
    zu 47.
    Zürich
    2.IV.17–6
    Brf. Exp.
    Herrn Dr Hans Huber
    Grand Hôtel Locarno
    Locarno.
    Herrn Dr. Hans Huber
    Grand Hôtel Locarno
    Locarno.
    Faksmilie, Seite 6
    Locarno
    -3.IV.17VIII-