Ferruccio Busoni an Hans Huber Dokument exportieren

vmtl. Zürich, 14. April 1917

Stand: 24. Juli 2017 (erwartet Freigabe) Lizenz: CC BY-NC-SA 4.0

Quelle

Entstehung

  • Der Brief wurde am 14. April 1917 vmtl. in Zürich verfasst.
  • Datierung in der Quelle: 14. April 1917 (autograph)

Umfang

2 Blatt, 2 beschriebene Seiten
  • Nur Vorderseiten beschrieben.
  • Zustand

  • Der Brief ist gut erhalten.
  • Aufbewahrungsort

  • Schweiz | Basel | Universitätsbibliothek | NL 30 : 22:A-H:16
  • Hände/Stempel

    • Überwiegend: Hand des Absenders Ferruccio Busoni, Brieftext in schwarzer Tinte, in lateinischer Schreibschrift.
    • Hand des Archivars, der die Blattnummerierung und Nummerierung im Briefwechsel mit Bleistift vorgenommen sowie die Datierung auf die erste Seite übertragen hat.

    Inhalt

    Absender

  • Ferruccio Busoni
  • Empfänger

  • Hans Huber
  • Zusammenfassung

  • Busoni nennt die Musik das dem Text „überlegene Moment“ in Arlecchino und Turandot, weist auf „formale[] Kunststückchen“ hin; hat von Hubers neuer Sinfonie per Anzeige erfahren.
  • Incipit

  • Ihre trefflichen Zeilen
  • Edition

    Verantwortlich

    • Christian Schaper
    • Ullrich Scheideler

    Bearbeitet von

  • Thea Olivia Beger
  • Frühere Editionen

    Faksimile
    Umschrift
    Lesefassung
    Faksmilie, Seite 1
    48.14. April 1917

    Mein sehr verehrter Meister u Freund,

    Ihre trefflichen
    Zeilen
    haben mich erquickt: sehen Sie,
    Sie haben den Ton und die Absicht
    in Arlecchino erfasst; das ermuthigt
    mich. Wie Sie wissen habe ich, gegen
    meine Gepflogenheit, die Turandot
    schneller entworfen u. ausgeführt, um
    den Abend zu vervollstaendigen. Trotzdem
    glaube ich, dass ersie eine günstige Text-
    Unterlage zur Musik abgibt, die in
    beiden Stücken d[…]as überlegene Moment
    verbleibt, – denn so halt’ ich es mit der Oper.

    An formalen Kunst-
    stückchen habe ich mir Einiges gegönnt.
    Derart, dass die Musik, dem Ausdruck
    u. der Situation treu folgend, auch ohne
    Text, als solche ein Ganzes bleibt. – So ist
    das ganze Vorspiel zu Turandot (I. Bild)
    ein abgeschlossenes Rondo in Es moll.

    Mein sehr verehrter Meister und Freund,

    Ihre trefflichen Zeilen haben mich erquickt: sehen Sie, Sie haben den Ton und die Absicht in Arlecchino erfasst; das ermutigt mich. Wie Sie wissen, habe ich, gegen meine Gepflogenheit, die Turandot schneller entworfen und ausgeführt, um den Abend zu vervollständigen. Trotzdem glaube ich, dass sie eine günstige Text-Unterlage zur Musik abgibt, die in beiden Stücken das überlegene Moment verbleibt – denn so halt’ ich es mit der Oper.

    An formalen Kunststückchen habe ich mir einiges gegönnt. Derart, dass die Musik, dem Ausdruck und der Situation treu folgend, auch ohne Text, als solche ein Ganzes bleibt. – So ist das ganze Vorspiel zu Turandot (I. Bild) ein abgeschlossenes Rondo in es-Moll.

    Faksmilie, Seite 2

    Schade, dass Sie kein gutes Wetter
    in Locarno antreffen. Diese, (und
    andere) sind die Tücken des Süden’s.
    Auch die „Faulheit“ ist dort ansteckend
    u. wenngleich ich Ihnen Ihre Ruhe
    gönne, so bedauere ich als Musiker
    Ihre Thatenlosigkeit. Glücklicherweise ist
    sie nicht recht glaubwürdig, denn ich
    sehe eine 8. Symphonie angezeigt,
    die Sie mir verschwiegen. Darum
    Glück auf zur „Neunten“, einer
    heilig-gesprochenen Zahl in der deutschen
    Tonkunst!

    An Ihrem Kommen zur Première
    halt’ ich fest; sagen Sie nicht ab!

    Inzwischen gibt es noch erschreckend
    viel zu thun.

    Vielen Dank,

    verehrungsvoll-herzliche Grüße.
    Ihr ganz ergebener

    F Busoni

    14. Apr. 1917.

    Schade, dass Sie kein gutes Wetter in Locarno antreffen. Diese (und andere) sind die Tücken des Südens. Auch die „Faulheit“ ist dort ansteckend, und wenngleich ich Ihnen Ihre Ruhe gönne, so bedauere ich als Musiker Ihre Tatenlosigkeit. Glücklicherweise ist sie nicht recht glaubwürdig, denn ich sehe eine 8. Symphonie angezeigt, die Sie mir verschwiegen. Darum Glück auf zur „Neunten“, einer heiliggesprochenen Zahl in der deutschen Tonkunst!

    An Ihrem Kommen zur Premiere halt’ ich fest; sagen Sie nicht ab!

    Inzwischen gibt es noch erschreckend viel zu tun.

    Vielen Dank,

    verehrungsvoll-herzliche Grüße. Ihr ganz ergebener

    Ferruccio Busoni

    14. April 1917.
    Faksmilie, Seite 3
    [Rückseite von Textseite 1, vacat]
    Faksmilie, Seite 4
    [Rückseite von Textseite 2, vacat]