Ferruccio Busoni an Hans Huber Dokument exportieren

vmtl. Zürich, 15. Juni 1917

Stand: 4. Juni 2017 (erwartet Freigabe) Lizenz: CC BY-NC-SA 4.0

Quelle

Entstehung

  • Der Brief wurde am 15. Juni 1917 vmtl. in Zürich verfasst.
  • Datierung in der Quelle: 15. Juni 1917 (autograph)

Umfang

2 Blätter, 2 beschriebene Seiten

Zustand

  • Der Brief ist gut erhalten.
  • Aufbewahrungsort

  • Schweiz | Basel | Universitätsbibliothek | NL 30 : 22:A-H:16
  • Hände/Stempel

    • Überwiegend: Hand des Absenders Ferruccio Busoni, Brieftext in schwarzer Tinte, in lateinischer Schreibschrift.
    • Hand des Archivars, der die Datierung mit Bleistift vorgenommen hat.
    • Hand des Empfängers Hans Huber, Notizen mit Bleistift in deutscher Kurrentschrift.

    Inhalt

    Absender

  • Ferruccio Busoni
  • Empfänger

  • Hans Huber
  • Zusammenfassung

  • Busoni dankt für Auskünfte zu Kopistenhonoraren, berichtet von den Verhandlungen mit Breitkopf & Härtel wegen Drucklegung von Arlecchino und Turandot; kommentiert die Berichterstattung zur Uraufführung von Hans Pfitzners Palestrina; hat das Vorwort zur Don-Juan-Fantasie abgeschickt; erinnert sich an einen kurz zuvor gemeinsam besuchten Konzertabend mit Werken von Laquai und Schoeck.
  • Incipit

  • Das finde ich viel
  • Edition

    Verantwortlich

    • Christian Schaper
    • Ullrich Scheideler

    Bearbeitet von

  • Till Erik Sawallisch
  • Frühere Editionen

    Faksimile
    Umschrift
    Lesefassung
    Faksmilie, Seite 1
    55.15. Juni 1917

    Lieber, verehrter,

    das finde ich viel, dass Sie sich
    die Mühe machten, Ihre Kopisten-
    Rechnungen aufzustöbern und
    selbst zu kopieren! Das sind lang-
    weilige augenblicke! Um so mehr
    muss ich Ihnen dafür danken.

    Inzwischen habe ich versucht
    den Verlag nach “oben” u. nach
    „unten“ zu theilen. Oben tele-
    graphierte gleich wieder, aber so
    unverstaendlich, dass man erst den
    „Brief folgt“ abwarten muss. Von Unten
    wird vor Ende Juni nichts zu
    erfahren sein.

    Mittlerweile sind auch die
    “Signale” in die “Pfütze” getreten.
    Palestrina” ist erstanden, und
    seine verstorbene Frau diktiert
    ihm vom Himmel aus die schöne
    Musik zur Missa Papae Marcelli.
    (Eine hartnäckige Ehehälfte.)

    – Gestern schickte ich, druckfertig
    ein ausführliches Vorwort zur
    Don Juan Fantasie ab. – Es ist eine

    Lieber, Verehrter,

    das finde ich viel, dass Sie sich die Mühe machten, Ihre Kopistenrechnungen aufzustöbern und selbst zu kopieren! Das sind langweilige Augenblicke! Umso mehr muss ich Ihnen dafür danken.

    Inzwischen habe ich versucht, den Verlag nach „oben“ und nach „unten“ zu teilen. Oben telegrafierte gleich wieder, aber so unverständlich, dass man erst den „Brief folgt“ abwarten muss. Von Unten wird vor Ende Juni nichts zu erfahren sein.

    Mittlerweile sind auch die „Signale“ in die „Pfütze“ getreten. „Palestrina“ ist erstanden, und seine verstorbene Frau diktiert ihm vom Himmel aus die schöne Musik zur Missa Papae Marcelli. (Eine hartnäckige Ehehälfte.)

    – Gestern schickte ich, druckfertig ein ausführliches Vorwort zur Don-Juan-Fantasie ab. – Es ist eine

    Faksmilie, Seite 2

    (2) fixe Idee der Historiker u. deutschen
    Historiendeuter, zwischen Don Juan
    u. Faust eine Beziehung herstellen
    zu wollen, die mir nicht einleuchtet.
    (Vielleicht belehren Sie mich darüber).
    Hingegen ist der Versuch anregend,
    den Faust u. den Buchdrucker Fust in
    eine Person zu gießen – wobei sie
    sich vom Don Juan eher noch entfernt.

    – Vom Basler Abend blieb
    mir eine leuchtende Erinnerung. –
    Wie fanden Sie das Trio Laquai’s?
    Alles Übrige bleibt in der Dämmerung
    des Gedächtnisses: gerechterweise
    muss man jedoch sagen dass an Schoeck
    die Aufrichtigkeit u. vornehme
    Haltung versöhnen. (Merkwürdig,
    dass ein Mann, der ausschließlich
    Gesänge schreibt, nie von der
    Singstimme aus komponiert!)

    Ich liebe und verehre Sie,

    als Ihr treu u. dankbar
    ergebener

    F. Busoni

    15 Juni 1917.

    fixe Idee der Historiker und deutschen Historiendeuter, zwischen Don Juan und Faust eine Beziehung herstellen zu wollen, die mir nicht einleuchtet. (Vielleicht belehren Sie mich darüber.) Hingegen ist der Versuch anregend, den Faust und den Buchdrucker Fust in eine Person zu gießen – wobei sie sich vom Don Juan eher noch entfernt.

    – Vom Basler Abend blieb mir eine leuchtende Erinnerung. – Wie fanden Sie das Trio Laquais? Alles Übrige bleibt in der Dämmerung des Gedächtnisses: gerechterweise muss man jedoch sagen, dass an Schoeck die Aufrichtigkeit und vornehme Haltung versöhnen. (Merkwürdig, dass ein Mann, der ausschließlich Gesänge schreibt, nie von der Singstimme aus komponiert!)

    Ich liebe und verehre Sie,

    als Ihr treu und dankbar ergebener

    F. Busoni

    15. Juni 1917.
    Faksmilie, Seite 3
    Breil Notiz wegen der
    Prüfungen in den Ztg.
    David, Wetzel, jun.
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    Faksmilie, Seite 4
    [Rückseite von Textseite 2, vacat]