Ferruccio Busoni an Hans Huber Dokument exportieren

vmtl. Zürich, 7. September 1916

Stand: 13. November 2017 (erwartet Freigabe) Lizenz: CC BY-NC-SA 4.0

Quelle

Entstehung

  • Der Brief wurde am 7. September 1916 vmtl. in Zürich verfasst.
  • Datierungen in der Quelle: 7. September 1916 (autograph), 7. September 1916 (Archiv)

Umfang

3 Blatt, 3 beschriebene Seiten
  • Nur die Vorderseiten beschrieben.
  • Zustand

  • Der Brief ist gut erhalten.
  • Aufbewahrungsort

  • Schweiz | Basel | Universitätsbibliothek | NL 30 : 22:A-H:16
  • Hände/Stempel

    • Überwiegend: Hand des Absenders Ferruccio Busoni, Brieftext in schwarzer Tinte, in lateinischer Schreibschrift.
    • Hand des Archivars, der mit Bleistift Nummerierung und Foliierung vorgenommen und das Datum auf die erste Seite übertragen hat.
    • Unbekannte Hand, die eine römische Nummerierung mit Bleistift eingetragen hat.
    • Unbekannte Hand (Anstreichungen mit Rotstift am linken Rand).

    Inhalt

    Absender

  • Ferruccio Busoni
  • Empfänger

  • Hans Huber
  • Zusammenfassung

  • Busoni weist auf Zensur-Bedingungen seines Boccioni-Artikels hin; sucht Ablenkung vom Kriegsgeschehen durch die Arbeit; trägt Huber die Widmung seiner Revision der Bach-Toccaten BWV 914, 915, 916 an; weist auf seine Ausgabe von Liszts Paganini-Etüde La campanella, auf Hugo Leichtentritts Busoni-Biographie sowie auf die bevorstehende Neuausgabe des Entwurfs einer neuen Ästhetik der Tonkunst hin; hofft auf eine Arlecchino-Aufführung in Zürich; hat Bachs Fantasie und Fuge a-Moll BWV 904 bearbeitet und eine Improvisation für zwei Klaviere über Wie wohl ist mir, o Freund der Seelen komponiert; schlägt für die Klavierabende ein Honorar von CHF 6.000 vor.
  • Incipit

  • Ihre guten Zeilen thaten mir besonders wohl.
  • Edition

    Verantwortlich

    • Christian Schaper
    • Ullrich Scheideler

    Bearbeitet von

  • Christian Schaper
  • Unter Mitwirkung von

    • Patrick Becker

    Frühere Editionen

    Faksimile
    Umschrift
    Lesefassung
    Faksmilie, Seite 1
    22.7. Sept. 1916

    Verehrtester Freund,

    Ihre guten Zeilen thaten
    mir besonders wohl. – Der dritte
    Herbst beginnt und noch
    zeigen die Dinge keine Wendung.
    Über Boccioni hätte ich noch
    manches Andere geschrieben,
    aber man hätte es nicht zum
    Druck angenommen! Die
    Zeit steht im Zeichen des Maul-
    Korbes. Die Menschen sind nicht
    gut, und auch nicht ehrlich.

    Um so mehr freut man sich
    über die Einzelnen, Einsamen,
    heute völlig Isolierten. Ich
    rechne Sie dankbar zu diesen.

    Verehrtester Freund,

    Ihre guten Zeilen taten mir besonders wohl. – Der dritte Herbst beginnt und noch zeigen die Dinge keine Wendung. Über Boccioni hätte ich noch manches Andere geschrieben, aber man hätte es nicht zum Druck angenommen! Die Zeit steht im Zeichen des Maulkorbes. Die Menschen sind nicht gut, und auch nicht ehrlich.

    Umso mehr freut man sich über die Einzelnen, Einsamen, heute völlig Isolierten. Ich rechne Sie dankbar zu diesen.

    Faksmilie, Seite 2
    (2)

    Krampfhaft klammere ich
    mich an die Arbeit. Ich habe
    seit der „Geburt“ des Arlecchino
    wieder Einiges vollbracht.

    Unter Anderem die Revision
    dreier Bach’scher Toccaten, auf
    die ich sehr gerne Ihren Namen
    setzen zu dürfen wünschte.

    Wollen Sie mir dieses erlauben?

    Inzwischen ist „La Campanella
    für die Sie sich interessierten, er-
    -schienen. – Ferner die erste Biogra-
    phie meiner Geringheit
    , von Dr.
    Leichtentritt
    verfasst. – Der Insel-
    Verlag
    hat meine vermehrte
    Ausgabe des “Entwurfes” zu einer
    neuen Aesthetik der Tonkunst

    druckfertig bei sich.

    Vielleicht kann der Einakter
    in Z. zur Darstellung kommen,

    Krampfhaft klammere ich mich an die Arbeit. Ich habe seit der „Geburt“ des Arlecchino wieder einiges vollbracht.

    Unter anderem die Revision dreier Bach’scher Toccaten, auf die ich sehr gerne Ihren Namen setzen zu dürfen wünschte.

    Wollen Sie mir dieses erlauben?

    Inzwischen ist „La Campanella“ für die Sie sich interessierten, erschienen. – Ferner die erste Biographie meiner Geringheit, von Dr. Leichtentritt verfasst. – Der Insel-Verlag hat meine vermehrte Ausgabe des „Entwurfes“ zu einer neuen Ästhetik der Tonkunst druckfertig bei sich.

    Vielleicht kann der Einakter in Zürich zur Darstellung kommen,

    Faksmilie, Seite 3

    (3)
    u. dann würde ich Sie freudigst
    als Pathe begrüssen.

    Weiter fertigte ich eine
    Kontrapunkt-Studie“ über die
    Fant. u. Fuge A moll von Bach,
    u. eine Improvisation à 2 Pianos
    über ein Bach’sches ChoralLied
    . –

    Das ist doch recht tüchtig, nicht?

    Nun muss ich wieder „üben“,
    zumal wenn ich mit Ehren in
    Basel bestehen soll. Über Daten,
    Programme u. anderes Geschäftliche
    schreibe ich bald wieder.

    (Wäre ein Gesamt Honorar von 6000
    übermässig?)

    Seien Sie nochmals bedankt,
    herzlich u. verehrungsvoll begrüsst.
    Ihre Elisabeth vermisste ich in
    Luzern!

    Ihr treu ergebener

    Ferruccio Busoni

    7. S. 1916.

    und dann würde ich Sie freudigst als Pate begrüßen.

    Weiter fertigte ich eine „Kontrapunkt-Studie“ über die Fantasie und Fuge a-Moll von Bach, und eine Improvisation à 2 Pianos über ein Bach’sches Chorallied. –

    Das ist doch recht tüchtig, nicht?

    Nun muss ich wieder „üben“, zumal wenn ich mit Ehren in Basel bestehen soll. Über Daten, Programme und anderes Geschäftliche schreibe ich bald wieder.

    (Wäre ein Gesamthonorar von 6000 übermäßig?)

    Seien Sie nochmals bedankt, herzlich und verehrungsvoll begrüßt. Ihre Elisabeth vermisste ich in Luzern!

    Ihr treu ergebener

    Ferruccio Busoni

    7. September 1916.
    Faksmilie, Seite 4
    [Rückseite von Textseite 1, vacat]
    Faksmilie, Seite 5
    [Rückseite von Textseite 2, vacat]
    Faksmilie, Seite 6
    [Rückseite von Textseite 3]
    II