Stand: 24. August 2017 (unfertig) Lizenz: CC BY-NC-SA 4.0

Quelle

Entstehung

  • Der Brief wurde in Zürich am 7. Dezember 1916 verfasst.
  • Datierungen in der Quelle: 7. Dezember 1916 (autograph), 8. Dezember 1916 (Poststempel), 8. Dezember 1916 (Poststempel), 8. Dezember 1916 (Archiv)

Umfang

2 Blatt, 2 beschriebene Seiten
  • Nur die Vorderseiten beschrieben. Umschlagrückseite mit Skizze einer Tischordnung von Hubers Hand.
  • Zustand

  • Brief und Umschlag sind gut erhalten.
  • Aufbewahrungsort

  • Schweiz | Basel | Universitätsbibliothek | NL 30 : 22:A-H:16
  • Hände/Stempel

    • Überwiegend: Hand des Absenders Ferruccio Busoni, Brieftext in schwarzer Tinte, in lateinischer Schreibschrift.
    • Hand des Archivars, der mit Bleistift Nummerierung und Foliierung vorgenommen und das Datum auf die erste Seite übertragen hat.
    • Poststempel (schwarze Tinte)

    Inhalt

    Absender

  • Ferruccio Busoni
  • Empfänger

  • Hans Huber
  • Zusammenfassung

  • Incipit

  • ich sitze – spät Abends – an meinem Schreibtisch
  • Edition

    Verantwortlich

    • Christian Schaper
    • Ullrich Scheideler

    Bearbeitet von

  • Christian Schaper
  • Unter Mitwirkung von

    • Patrick Becker

    Frühere Editionen

    Faksimile
    Umschrift
    Lesefassung
    Faksmilie, Seite 1
    34.8 Dez 1916

    Mein verehrter Freund,

    ich sitze – spät Abends – an meinem
    Schreibtisch u. habe die ersten 5 Seiten
    Partitur an der oper Turandot geschrieben.
    Ein Anfang! Wie vieles habe ich
    angefangen (u. gottlob beendet) seit
    bald 2 ½ Jahren Krieg! Welche
    Überanstrengung an Entschluss,
    immer wieder von vorne zu beginnen,
    nachdem jedes Werk verhiess, mit
    dem Frieden auszuklingen! Zwei
    Jahre sah ich nicht mein Haus,
    meine Bücher, meine Freunde,
    meine Gewohnheiten! Die gerade
    Linie ist unterbrochen. Der gastlichen
    Schweiz meine volle Dankbarkeit
    aber heisst das: Leben? Und
    in den Nebel der Ungewissheit
    hinein weiter, mit bald 5 Jahren?
    Sie fanden einmal einen Brief
    von mir “skeptisch”. Finden Sie
    nicht, dass das noch eine milde
    Ausserung ist eines Mannes in
    dieser Situation?!

    Mein verehrter Freund,

    ich sitze – spät Abends – an meinem Schreibtisch und habe die ersten 5 Seiten Partitur an der oper Turandot geschrieben. Ein Anfang! Wie vieles habe ich angefangen (und gottlob beendet) seit bald 2 ½ Jahren Krieg! Welche Überanstrengung an Entschluss, immer wieder von vorne zu beginnen, nachdem jedes Werk verhieß, mit dem Frieden auszuklingen! Zwei Jahre sah ich nicht mein Haus, meine Bücher, meine Freunde, meine Gewohnheiten! Die gerade Linie ist unterbrochen. Der gastlichen Schweiz meine volle Dankbarkeit aber heißt das: Leben? Und in den Nebel der Ungewissheit hinein weiter, mit bald 5 Jahren? Sie fanden einmal einen Brief von mir “skeptisch”. Finden Sie nicht, dass das noch eine milde Ausserung ist eines Mannes in dieser Situation?!

    Faksmilie, Seite 2
    (2) – – – – – – – – – – – –

    Das Vorige schrieb ich vor 2 Stunden;
    jetzt ist es Mitternacht, u. Freunde
    hatten sich eingefunden, die
    zechten und diskutierten;
    sie sind nun fort, von der
    sittsamen Thurmglocke auf-
    geschreckt. – (Was ist das für ein
    strenges Schulmeisterlein, diese
    Schweiz!) –

    Der Liszt-Abend ging gut
    von Statten u. wird – so Gott will –
    in Basel eher besser ausfallen.

    Die Programme sind hoffent-
    lich bei Ihnen angelangt.

    Ich bitte für diesen
    Überfall um Verzeihung

    als des weisen Lesers verehrungsvoll[...] getreuer

    Z. 7. Dez. 1916.

    F. Busoni

    – – – – – – – – – – – –

    Das Vorige schrieb ich vor 2 Stunden; jetzt ist es Mitternacht, und Freunde hatten sich eingefunden, die zechten und diskutierten; sie sind nun fort, von der sittsamen Turmglocke aufgeschreckt. – (Was ist das für ein strenges Schulmeisterlein, diese Schweiz!) –

    Der Liszt-Abend ging gut von Statten und wird – so Gott will – in Basel eher besser ausfallen.

    Die Programme sind hoffentlich bei Ihnen angelangt.

    Ich bitte für diesen Überfall um Verzeihung

    als des weisen Lesers verehrungsvoll[...] getreuer

    Zürich, 7. Dez. 1916.

    Ferruccio Busoni

    Faksmilie, Seite 3
    [Rückseite von Textseite 1, vacat]
    Faksmilie, Seite 4
    [Rückseite von Textseite 2, vacat]
    Faksmilie, Seite 5
    Faksmilie, Seite 6