Ferruccio Busoni an Hans Huber Dokument exportieren

vmtl. Zürich, 8. Juli 1917

Stand: 24. August 2017 (unfertig) Lizenz: CC BY-NC-SA 4.0

Quelle

Entstehung

  • Der Brief wurde am 8. Juli 1917 vmtl. in Zürich verfasst.
  • Datierungen in der Quelle: 8. Juli 1917 (autograph), 8. Juli 1917 (Archiv)

Umfang

2 Blatt, 2 beschriebene Seiten
  • Nur die Vorderseiten beschrieben.
  • Zustand

  • Der Brief ist gut erhalten.
  • Aufbewahrungsort

  • Schweiz | Basel | Universitätsbibliothek | NL 30 : 22:A-H:16
  • Hände/Stempel

    • Überwiegend: Hand des Absenders Ferruccio Busoni, Brieftext in schwarzer Tinte, in lateinischer Schreibschrift.
    • Hand des Archivars, der mit Bleistift Nummerierung und Foliierung vorgenommen und das Datum auf die erste Seite übertragen hat.

    Inhalt

    Absender

  • Ferruccio Busoni
  • Empfänger

  • Hans Huber
  • Zusammenfassung

  • Incipit

  • es scheint mir eine so lange Zeit
  • Edition

    Verantwortlich

    • Christian Schaper
    • Ullrich Scheideler

    Bearbeitet von

  • Christian Schaper
  • Unter Mitwirkung von

    • Patrick Becker

    Frühere Editionen

    Faksimile
    Umschrift
    Lesefassung
    Faksmilie, Seite 1
    56.8. Juli 1917

    Lieber, Verehrter,

    es scheint mir eine so lange
    Zeit, dass ich Nichts von Ihnen erfahre,
    dass ich Ihnen schreiben muss; wenn-
    -gleich die erste Bedingung eines
    Briefes, eine Mittheilung zu enthalten,
    bei diesem nicht den ersten Beweg-
    grund bildet. Eigentlich bin ich es,
    der diezur Mittheilung auffordert,
    da ich gerne erführe wie es Ihnen
    geht und wo Sie sind. Nach dem
    triomphalen Saison-Schluss durch
    Ihre siebente Symphonie, haben
    Sie wohl noch Schule u. Sitzungen
    treiben mrüssen. Und nun ruhen Sie
    aus, und finden muthmaaslich
    in eigener [...] Arbeit die noth-
    -wendige Erholung, die Einkehr,
    das Wiederfinden Seiner-Selbst. Ist
    es so, und geht dieses in Vitznau
    vor sich? – Oder Sie sammeln Kräfte
    zu neuem Anlauf und geniessen
    das Land und dessen Produkte!

    Lieber, Verehrter,

    es scheint mir eine so lange Zeit, dass ich Nichts von Ihnen erfahre, dass ich Ihnen schreiben muss; wenngleich die erste Bedingung eines Briefes, eine Mitteilung zu enthalten, bei diesem nicht den ersten Beweggrund bildet. Eigentlich bin ich es, der diezur Mitteilung auffordert, da ich gerne erführe wie es Ihnen geht und wo Sie sind. Nach dem triomphalen Saison-Schluss durch Ihre siebente Symphonie, haben Sie wohl noch Schule und Sitzungen treiben mrüßen. Und nun ruhen Sie aus, und finden mutmaaslich in eigener [...] Arbeit die nothwendige Erholung, die Einkehr, das Wiederfinden Seiner-Selbst. Ist es so, und geht dieses in Vitznau vor sich? – Oder Sie sammeln Kräfte zu neuem Anlauf und genießen das Land und dessen Produkte!

    Faksmilie, Seite 2
    (2)

    Nach den anstrengenden Theater
    Wochen, liessen bei mir die Energie u.
    die Fantasie ein wenig nach. –
    Einige Zusätze u. Retouchen zu den
    Opern sind entstanden, eine “grosse
    kritisch-instruktive” Ausgabe der
    Liszt’schen Don Juan Fantasie, ein
    Textbuch zu einer Pantomime, (das
    Freund darnach sich wünschte),
    eine kleinere Bach-Arbeit (die noch
    eine Fortsetzung im Sinne einer
    “Nachdichtung” verspricht) – C’est tout.

    Aber ich fühle, dass mein
    “grosses” kommendes Werk heran-
    reift, u. das stärkt mich gegen
    manche Widerwärtigkeit, die
    mich in den letzten Tagen betroffen,
    u. mit deren Beschreibung ich
    Sie nicht betrüben will.

    So steht der Augenblick. Die
    Zukunft erblicke ich nur in mir
    selber u. Gott gebe, dass die
    Kraft zu so ungeheuerem Thun
    auszeichne. –

    Alles Herzliche Verehrungsvolle

    8. Juli 1917.

    Ihr F. Busoni

    Nach den anstrengenden Theater Wochen, ließen bei mir die Energie und die Fantasie ein wenig nach. – Einige Zusätze und Retouchen zu den Opern sind entstanden, eine “große kritisch-instruktive” Ausgabe der Liszt’schen Don Juan Fantasie, ein Textbuch zu einer Pantomime, (das Freund darnach sich wünschte), eine kleinere Bach-Arbeit (die noch eine Fortsetzung im Sinne einer “Nachdichtung” verspricht) – C’est tout.

    Aber ich fühle, dass mein “großes” kommendes Werk heranreift, und das stärkt mich gegen manche Widerwärtigkeit, die mich in den letzten Tagen betroffen, und mit deren Beschreibung ich Sie nicht betrüben will.

    So steht der Augenblick. Die Zukunft erblicke ich nur in mir selber und Gott gebe, dass die Kraft zu so ungeheuerem Tun auszeichne. –

    Alles Herzliche Verehrungsvolle

    8. Juli 1917.

    Ihr Ferruccio Busoni

    Faksmilie, Seite 3
    [Rückseite von Textseite 1, vacat]
    Faksmilie, Seite 4
    [Rückseite von Textseite 2, vacat]