Ferruccio Busoni an Hans Huber Dokument exportieren

vmtl. Zürich, 30. Mai 1918

Stand: 24. August 2017 (unfertig) Lizenz: CC BY-NC-SA 4.0

Quelle

Entstehung

  • Der Brief wurde am 30. Mai 1918 vmtl. in Zürich verfasst.
  • Datierung in der Quelle: 30. Mai 1918 (autograph)

Umfang

3 Blatt, 3 beschriebene Seiten
  • Nur die Vorderseiten beschrieben.
  • Zustand

  • Der Brief ist gut erhalten.
  • Aufbewahrungsort

  • Schweiz | Basel | Universitätsbibliothek | NL 30 : 22:A-H:16
  • Hände/Stempel

    • Überwiegend: Hand des Absenders Ferruccio Busoni, Brieftext in schwarzer Tinte, in lateinischer Schreibschrift.
    • Hand des Archivars, der Nummerierung und Foliierung mit Bleistift vorgenommen hat.

    Inhalt

    Absender

  • Ferruccio Busoni
  • Empfänger

  • Hans Huber
  • Zusammenfassung

  • Incipit

  • durch ein Misverständnis (an dem indirekt der Krieg schuld ist)
  • Edition

    Verantwortlich

    • Christian Schaper
    • Ullrich Scheideler

    Bearbeitet von

  • Christian Schaper
  • Unter Mitwirkung von

    • Patrick Becker

    Frühere Editionen

    Faksimile
    Umschrift
    Lesefassung
    Faksmilie, Seite 1
    62.
    30 Mai 1918

    Lieber Verehrter,

    durch ein Misverständnis
    (an dem indirekt der Krieg schuld ist)
    erscheint die Klavier Übung ohne die
    geplante Vorrede. – Es lag mir fern,
    Klavier Figuren zu konstruieren, die vielleicht
    kurios, aber unausführbar wären. Der
    arme Schüler denkt, es ist seine Unfähigkeit,
    verbohrt sich u. verrenkt sich die Finger. –
    Darum sollen auch die „transponablen“
    Beispiele nur so weit geführt werden, als
    sie keine unnatürlichen Stellungen ergeben.
    Darum werden sie auch vorläufig nichts
    “Frappantes” zu schauen bekommen, wohin-
    gegen alles in dem Hefte (besonders die
    Fingersätze) aus der Erfahrung gewonnen ist.
    Ich nehme aus mindestens vier solcher
    Hefte, (das zwote ist in Arbeit) um
    ein Ganzes herzustellen: die erstrebte
    Universalität dieses Übungswerkes fürchte
    ich nicht zu erreichen. – Die Don Juan
    Fantasie ist – glaub’ ich – der erste
    Versuch, an Liszt, eine analytische
    Ausgabe zu präsentieren. Damit

    30 Mai 1918

    Lieber Verehrter,

    durch ein Misverständnis (an dem indirekt der Krieg schuld ist) erscheint die Klavier Übung ohne die geplante Vorrede. – Es lag mir fern, Klavier Figuren zu konstruieren, die vielleicht kurios, aber unausführbar wären. Der arme Schüler denkt, es ist seine Unfähigkeit, verbohrt sich und verrenkt sich die Finger. – Darum sollen auch die „transponablen“ Beispiele nur so weit geführt werden, als sie keine unnatürlichen Stellungen ergeben. Darum werden sie auch vorläufig nichts “Frappantes” zu schauen bekommen, wohingegen alles in dem Hefte (besonders die Fingersätze) aus der Erfahrung gewonnen ist. Ich nehme aus mindestens vier solcher Hefte, (das zwote ist in Arbeit) um ein Ganzes herzustellen: die erstrebte Universalität dieses Übungswerkes fürchte ich nicht zu erreichen. – Die Don Juan Fantasie ist – glaub’ ich – der erste Versuch, an Liszt, eine analytische Ausgabe zu präsentieren. Damit

    Faksmilie, Seite 2

    (2)
    hab’ ich mir die grösste Mühe gegeben,
    das aufzuzeichnen, was [...]ich aus jahrelangem
    Studium für mich festgestellt hatte!
    Keine Note wurde übergangen. Die
    deutschen Übersetzungen sind meine
    eigenen, u. sie decken sich treuer mit
    dem Original (u. den Mozart’schen Inter-
    vallen u. Rhythmen), als die früheren.
    Das äusserste schwierige pianistische
    Problem erscheint fast mühelos gelöst.
    So kommt es mir vor. Vielleicht, dass ich
    mich hierin täusche. – Dieser Tage folgt
    noch eine Sonatina in Diem Nativitatis
    Christi, ein Weihnachtsstückchen: und
    damit haben Sie die kleine Ernte
    meiner klavierist[...]ischen Arbeiten von 1917
    beisammen. – Nehmen Sie alles freundlich
    und womöglich freudig auf. –

    Am 24. fand die 8. u. letzte Aufführung
    meiner operum theatralicum statt.
    Am 10. wurde das Klarinetten Konzert
    mit Orchester Probiert. – Dann Mit

    Diesen Begebenheiten beschlossen meine
    „Saison“. – Der Sommer fordert
    die Vollendung mancher begonnenen
    Arbeit – bis zum 2. Juni gebe ich
    mich indessen einer behaglichen „Ferienstimung“ hin.

    hab’ ich mir die grösste Mühe gegeben, das aufzuzeichnen, was [...]ich aus jahrelangem Studium für mich festgestellt hatte! Keine Note wurde übergangen. Die deutschen Übersetzungen sind meine eigenen, und sie decken sich treuer mit dem Original (und den Mozart’schen Intervallen und Rhythmen), als die früheren. Das äusserste schwierige pianistische Problem erscheint fast mühelos gelöst. So kommt es mir vor. Vielleicht, dass ich mich hierin täusche. – Dieser Tage folgt noch eine Sonatina in Diem Nativitatis Christi, ein Weihnachtsstückchen: und damit haben Sie die kleine Ernte meiner klavierist[...]ischen Arbeiten von 1917 beisammen. – Nehmen Sie alles freundlich und womöglich freudig auf. –

    Am 24. fand die 8. und letzte Aufführung meiner operum theatralicum statt. Am 10. wurde das Klarinetten Konzert mit Orchester Probiert. – Dann Mit

    Diesen Begebenheiten beschlossen meine „Saison“. – Der Sommer fordert die Vollendung mancher begonnenen Arbeit – bis zum 2. Juni gebe ich mich indessen einer behaglichen „Ferienstimung“ hin.

    Faksmilie, Seite 3
    (3)

    Eine behagliche Fehrienstimmung,
    die durch die Jahreszeit und das
    Athemholen in der Arbeit bedingt,
    aber durch keine anderen Umstände
    gestützt wird. Denn ich stehe vor
    wie am Eingange eines dunklen
    tiefen Ganges – ich [...] in den
    ich eintreten soll u. von dem ich nicht
    weiss, wohin er führt. Ob man, durch
    denselben, wieder an das Tageslicht
    gelangt? – Schwerer Augenblick!
    Diese Ferien mrüssten also – bevor sie
    zu Ende gehen – über diese Frage Auf-
    schluss bringen. – Denn, wie denken
    Sie sich eine weitere Verlängerung
    meines Schweizer Aufenthaltes? –
    er fällt (nach dem Durchführungstheil
    meines Lebens) in das Moment, wo
    die Grundtonart wieder rein und
    endgültig festgestellt werden sollte!
    Aber ein neues Motiv in der Coda?
    (Gehört zu den Ausnahmen, sagte
    mein Lehrer Remy!). – Ich freue
    mich gewaltig auf den versprochenen
    Brief u. danke Ihnen dafür,
    grüsse Sie tief-herzlich und
    hoch-achtend

    als Ihr Sie verehrender

    F. Busoni

    Eine behagliche Fehrienstimmung, die durch die Jahreszeit und das Athemholen in der Arbeit bedingt, aber durch keine anderen Umstände gestützt wird. Denn ich stehe vor wie am Eingange eines dunklen tiefen Ganges – ich [...] in den ich eintreten soll und von dem ich nicht weiß, wohin er führt. Ob man, durch denselben, wieder an das Tageslicht gelangt? – Schwerer Augenblick! Diese Ferien mrüßten also – bevor sie zu Ende gehen – über diese Frage Aufschluss bringen. – Denn, wie denken Sie sich eine weitere Verlängerung meines Schweizer Aufenthaltes? – er fällt (nach dem Durchführungsteil meines Lebens) in das Moment, wo die Grundtonart wieder rein und endgültig festgestellt werden sollte! Aber ein neues Motiv in der Coda? (Gehört zu den Ausnahmen, sagte mein Lehrer Remy!). – Ich freue mich gewaltig auf den versprochenen Brief und danke Ihnen dafür, grüße Sie tief-herzlich und hoch-achtend

    als Ihr Sie verehrender

    F. Busoni

    Faksmilie, Seite 4
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    Faksmilie, Seite 5
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    Faksmilie, Seite 6
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