Ferruccio Busoni an Hans Huber Dokument exportieren

vmtl. Zürich, 31. August 1918

Stand: 24. August 2017 (unfertig) Lizenz: CC BY-NC-SA 4.0

Quelle

Entstehung

  • Der Brief wurde am 31. August 1918 vmtl. in Zürich verfasst.
  • Datierung in der Quelle: 31. August 1918 (autograph)

Umfang

2 Blatt, 2 beschriebene Seiten
  • Nur die Vorderseiten beschrieben.
  • Zustand

  • Der Brief ist gut erhalten.
  • Aufbewahrungsort

  • Schweiz | Basel | Universitätsbibliothek | NL 30 : 22:A-H:16
  • Hände/Stempel

    • Überwiegend: Hand des Absenders Ferruccio Busoni, Brieftext in schwarzer Tinte, in lateinischer Schreibschrift.
    • Hand des Archivars, der Nummerierung und Foliierung mit Bleistift vorgenommen hat.

    Inhalt

    Absender

  • Ferruccio Busoni
  • Empfänger

  • Hans Huber
  • Zusammenfassung

  • Incipit

  • Telepathisches: ich sah heute Morgen
  • Edition

    Verantwortlich

    • Christian Schaper
    • Ullrich Scheideler

    Bearbeitet von

  • Christian Schaper
  • Unter Mitwirkung von

    • Patrick Becker

    Frühere Editionen

    Faksimile
    Umschrift
    Lesefassung
    Faksmilie, Seite 1
    70. Telepathisches: ich ”sah“ heute Morgen, im Halbschlaf, das Brief Couvert mit Ihrer Anschrift auf dem Frühstückstische liegen....!
    31 Aug. 1918

    Lieber u. verehrter Freiherr,

    Otiosus cum dignitate.
    Es war mir eine persönliche liebe
    Genugthuung, dass Sie mir von Ihrem
    entscheidenden Schritte Mittheilung
    machten, bevor eine Zeitung sie noch
    gebracht. – Trotzdem las ich – leider –
    bereits im gestrigen Abendblatt (Ihre
    Karte ist vorher geschrieben aber
    später eingetroffen!) – die “halb-amtliche”
    Nachricht, mit gemischten Gefühlen.
    – An die Basler Musikschule knüpfen
    mich manche Erinnerungen, gemeinsames
    Wirken, die herzlichste Sympathie (wie
    ich Sie nie für ein “Konservatorium” –
    das Bologneser ausgenommen –
    empfand!) – aber dieses alles verband
    sich untrennbar mit der Figur und
    Persönlichkeit ihres „Direktors“. – Auch
    wusste ich, dass für mich in der Welt
    dort immer ein stiller aber
    warmer Empfang meiner bereit stand,
    und meine Besuche hätten auch
    weiter dem Hause in der Leonhard-
    Strasse xmich zugeführt...

    Telepathisches: ich ”sah“ heute Morgen, im Halbschlaf, das Brief Couvert mit Ihrer Anschrift auf dem Frühstückstische liegen....!
    31 Aug. 1918

    Lieber und verehrter Freiherr,

    Otiosus cum dignitate. Es war mir eine persönliche liebe Genugthuung, dass Sie mir von Ihrem entscheidenden Schritte Mitteilung machten, bevor eine Zeitung sie noch gebracht. – Trotzdem las ich – leider – bereits im gestrigen Abendblatt (Ihre Karte ist vorher geschrieben aber später eingetroffen!) – die “halb-amtliche” Nachricht, mit gemischten Gefühlen. – An die Basler Musikschule knüpfen mich manche Erinnerungen, gemeinsames Wirken, die herzlichste Sympathie (wie ich Sie nie für ein “Konservatorium” – das Bologneser ausgenommen – empfand!) – aber dieses alles verband sich untrennbar mit der Figur und Persönlichkeit ihres „Direktors“. – Auch wusste ich, dass für mich in der Welt dort immer ein stiller aber warmer Empfang meiner bereit stand, und meine Besuche hätten auch weiter dem Hause in der LeonhardStrasse xmich zugeführt...

    Faksmilie, Seite 2
    (2)

    Die Wermuth über das Erlöschen
    dieser Vertrautheiten wird ausge-
    glichen durch die Heiterkeit und
    Zufriedenheit, die aus Ihren Zeilen
    sprechen. – Ich theile sie von Herzen
    und sehe dem aufsteigenden Bau
    von Mors et vita erwartungs und
    vertrauensvoll zu – und es soll
    in dem Werke, wie in seinem Titel,
    das “Leben” das letzte Wort behalten!

    Es ist nicht unmöglich, dass ich
    nach Locarno komme. Der Herbst
    meldet sich merklich, und ich
    schauere bei der Vorstellung des
    kommenden 4. Züricher Winters!
    Auch mich dürfte der Süden zu
    sich locken, und Ihre Anwesenheit
    dort wird den etwaigen Entschluss
    nur stützen. – Vorläufig stecke ich
    recht wurzelhaft in meiner wer-
    denden Partitur, von der über 1200
    Takte bereits vorhanden sind. –
    Ein zweites Heft der Clavier Übung
    ist im Druck. –

    Ich wünsche Ihnen jede Freude und bleibe

    stets Ihr Sie verehrender Freund

    F. Busoni

    Die N.Z.Z. meldet, dass die Basler Nachfolgeschaft mit Ihrem Einverständnis ernannt werden.

    Die Wermut über das Erlöschen dieser Vertrauteiten wird ausgeglichen durch die Heiterkeit und Zufriedenheit, die aus Ihren Zeilen sprechen. – Ich teile sie von Herzen und sehe dem aufsteigenden Bau von Mors et vita erwartungs und vertrauensvoll zu – und es soll in dem Werke, wie in seinem Titel, das “Leben” das letzte Wort behalten!

    Es ist nicht unmöglich, dass ich nach Locarno komme. Der Herbst meldet sich merklich, und ich schauere bei der Vorstellung des kommenden 4. Züricher Winters! Auch mich dürfte der Süden zu sich locken, und Ihre Anwesenheit dort wird den etwaigen Entschluss nur stützen. – Vorläufig stecke ich recht wurzelhaft in meiner werdenden Partitur, von der über 1200 Takte bereits vorhanden sind. – Ein zweites Heft der Klavier Übung ist im Druck. –

    Ich wünsche Ihnen jede Freude und bleibe

    stets Ihr Sie verehrender Freund

    Ferruccio Busoni

    Die N.Z.Z. meldet, dass die Basler Nachfolgeschaft mit Ihrem Einverständnis ernannt werden.
    Faksmilie, Seite 3
    [Rückseite von Textseite 1, vacat]
    Faksmilie, Seite 4
    [Rückseite von Textseite 2, vacat]