Stand: 24. August 2017 (unfertig) Lizenz: CC BY-NC-SA 4.0

Quelle

Entstehung

  • Der Brief wurde in Zürich am 4. April 1919 verfasst.
  • Datierung in der Quelle: 4. April 1919 (autograph)

Umfang

1 Blatt, 2 beschriebene Seiten

Zustand

  • Der Brief ist gut erhalten.
  • Aufbewahrungsort

  • Schweiz | Basel | Universitätsbibliothek | NL 30 : 22:A-H:16
  • Hände/Stempel

    • Überwiegend: Hand des Absenders Ferruccio Busoni, Brieftext in schwarzer Tinte, in lateinischer Schreibschrift.
    • Hand des Archivars, der die Nummerierung innerhalb des Briefwechsels mit Bleistift eingetragen hat.

    Inhalt

    Absender

  • Ferruccio Busoni
  • Empfänger

  • Hans Huber
  • Zusammenfassung

  • Incipit

  • da ich Ihnen einige gute Nachrichten zu geben vermag
  • Edition

    Verantwortlich

    • Christian Schaper
    • Ullrich Scheideler

    Bearbeitet von

  • Christian Schaper
  • Unter Mitwirkung von

    • Patrick Becker

    Frühere Editionen

    Faksimile
    Umschrift
    Lesefassung
    Faksmilie, Seite 1
    73.
    ZÜRICH, 4. April 1919
    Hotel du Parc AM LINTHESCHERPLATZ ZÜRICH – Propr.: Hugo Voigt TELEGRAMM-ADRESSE PARCHOTEL ZÜRICH. – TELEPHON 914.

    Lieber, Verehrter,

    da ich Ihnen
    einige gute Nachrichten zu geben vermag
    (vergl. die Besprechung des letzten
    Abonnementkonzertes in der heutigen
    N.Z.Z.) so wage ich mich wieder an
    Sie heran, an den ich oft und immer
    herzlich gedacht. – Ihre letzte Karte
    (sie liegt schon weit zurück in der
    Zeit!) versprach einen ”bald folgenden
    ausführlichen Brief“, auf den ich
    vergeblich gewartet. Aus dem Erwarten
    entstand ein Zögern, und ein
    vorübergehendes Fallenlassen des
    epistolarischen Fadens. – Rubiner
    mahnte mich, und ich nahm
    mir die Mahnung zu Herzen; da
    häufte sich Arbeit auf Arbeit, und
    meine sämtliche Korrespondenz
    gerieth in Rückstand. – Ich sitze
    beim Rothwein, in mannigfaltige
    Betrachtungen versunken, nachdem
    dieser erste April recht beweglich
    und auch bewegend gefeiert wurde.

    ZÜRICH, 4. April 1919
    Hotel du Parc AM LINTHESCHERPLATZ ZÜRICH – Propr.: Hugo Voigt TELEGRAMM-ADRESSE PARCHOTEL ZÜRICH. – TELEPHON 914.

    Lieber, Verehrter,

    da ich Ihnen einige gute Nachrichten zu geben vermag (vergl. die Besprechung des letzten Abonnementkonzertes in der heutigen N.Z.Z.) so wage ich mich wieder an Sie heran, an den ich oft und immer herzlich gedacht. – Ihre letzte Karte (sie liegt schon weit zurück in der Zeit!) versprach einen ”bald folgenden ausführlichen Brief“, auf den ich vergeblich gewartet. Aus dem Erwarten entstand ein Zögern, und ein vorübergehendes Fallenlassen des epistolarischen Fadens. – Rubiner mahnte mich, und ich nahm mir die Mahnung zu Herzen; da häufte sich Arbeit auf Arbeit, und meine sämtliche Korrespondenz gerieth in Rückstand. – Ich sitze beim Rothwein, in mannigfaltige Betrachtungen versunken, nachdem dieser erste April recht beweglich und auch bewegend gefeiert wurde.

    Faksmilie, Seite 2

    Nun scheint „der Berg erstiegen“,
    was – nach Rückert – schon mit
    dem 40. Jahre sich einzustellen pflegt.
    Vielleicht besser so, für mich.
    Und Ihre Nähe vermisse ich sehr.
    Sie widmen sich – so schrieben Sie
    selbst – dem otio cum dignitate.
    An das ”cum dignitate“ zweifle ich
    keinen Augenblick, doch an das
    ”otium“ will ich nicht glauben.

    Wir hörten und trugen Ihre
    Symphonien, (Concerto grosso)[...] die
    schön zur Geltung kam; und freuten
    uns der gereiften Blüthe aus
    Ihrem Sommer. – Mir selbst schwebte
    darüber das Bild, das alle Jahres-
    zeiten umspannen soll, „Mors
    et vita“, und das ich noch
    mehr erleben will. – Viel Freude
    zur Arbeit und berichten Sie,
    wenn es Ihnen nach dem Herzen
    ist, darüber Ihrem getreuen

    F. Busoni

    Nun scheint „der Berg erstiegen“, was – nach Rückert – schon mit dem 40. Jahre sich einzustellen pflegt. Vielleicht besser so, für mich. Und Ihre Nähe vermisse ich sehr. Sie widmen sich – so schrieben Sie selbst – dem otio cum dignitate. An das ”cum dignitate“ zweifle ich keinen Augenblick, doch an das ”otium“ will ich nicht glauben.

    Wir hörten und trugen Ihre Symphonien, (Concerto grosso)[...] die schön zur Geltung kam; und freuten uns der gereiften Blüthe aus Ihrem Sommer. – Mir selbst schwebte darüber das Bild, das alle Jahreszeiten umspannen soll, „Mors et vita“, und das ich noch mehr erleben will. – Viel Freude zur Arbeit und berichten Sie, wenn es Ihnen nach dem Herzen ist, darüber Ihrem getreuen

    Ferruccio Busoni