Ferruccio Busoni an Hans Huber Dokument exportieren

vmtl. Zürich, 26. Mai 1919

Stand: 24. August 2017 (unfertig) Lizenz: CC BY-NC-SA 4.0

Quelle

Entstehung

  • Der Brief wurde am 26. Mai 1919 vmtl. in Zürich verfasst.
  • Datierung in der Quelle: 26. Mai 1919 (autograph)

Umfang

2 Blatt, 2 beschriebene Seiten
  • Nur die Vorderseiten beschrieben.
  • Zustand

  • Der Brief ist gut erhalten.
  • Aufbewahrungsort

  • Schweiz | Basel | Universitätsbibliothek | NL 30 : 22:A-H:16
  • Hände/Stempel

    • Überwiegend: Hand des Absenders Ferruccio Busoni, Brieftext in schwarzer Tinte, in lateinischer Schreibschrift.
    • Hand des Archivars, der die Nummerierung innerhalb des Briefwechsels mit Bleistift eingetragen hat.

    Inhalt

    Absender

  • Ferruccio Busoni
  • Empfänger

  • Hans Huber
  • Zusammenfassung

  • Incipit

  • ich adressierte an Sie (glaub ich) zuletzt nach Vitznau
  • Edition

    Verantwortlich

    • Christian Schaper
    • Ullrich Scheideler

    Bearbeitet von

  • Christian Schaper
  • Unter Mitwirkung von

    • Patrick Becker

    Frühere Editionen

    Faksimile
    Umschrift
    Lesefassung
    Faksmilie, Seite 1
    74.
    26 Mai 1919

    Lieber, Verehrter,

    ich adressierte an Sie
    (glaub ich) zuletzt nach Vitznau
    als Sie noch in Locarno sassen, oder
    umgekehrt: – jedenfalls erstatte ich
    Ihnen den gewünschten Kurzen
    Berichten über den ”Schweizer
    lieben Naturburschen“ am tönenden
    Liederquell. – Seitdem besuchte ich
    wieder einmal Chaux du Fonds, als
    konzertierender Pianist, und hielt
    mich auf dem Rückweg im reizvollen
    Neuchâtel zwei Tage auf; wo mir
    Sonne und Schweigen, Wein und
    Monotonie auffällig wohl thaten.
    Eine Sonnenmorgen verführte mich
    nach Aarau, das ich zum ersten Mal
    sah. Ich kenne die Schweiz zu wenig
    (wie ich von Allem zu wenig
    kenne): – nun sind aber auch
    die Fahrten umständlichen und
    nicht verlockend.

    26 Mai 1919

    Lieber, Verehrter,

    ich adressierte an Sie (glaub ich) zuletzt nach Vitznau als Sie noch in Locarno sassen, oder umgekehrt: – jedenfalls erstatte ich Ihnen den gewünschten Kurzen Berichten über den ”Schweizer lieben Naturburschen“ am tönenden Liederquell. – Seitdem besuchte ich wieder einmal Chaux du Fonds, als konzertierender Pianist, und hielt mich auf dem Rückweg im reizvollen Neuchâtel zwei Tage auf; wo mir Sonne und Schweigen, Wein und Monotonie auffällig wohl taten. Eine Sonnenmorgen verführte mich nach Aarau, das ich zum ersten Mal sah. Ich kenne die Schweiz zu wenig (wie ich von Allem zu wenig kenne): – nun sind aber auch die Fahrten umständlichen und nicht verlockend.

    Faksmilie, Seite 2

    Dieser Brief ist ein Begleitschreiben.
    Er reist mit dem 2. Hefte der
    Clavierübung, die Ihnen – auf
    dern Neuschreibung der Basler
    Musikschule
    – zugedacht ist.
    Das Material dazu häuft sich in
    meinem Kopfe derart, dass ich
    im Fortsetzen etwas erschreckt
    innehalte. Wahrscheinlich werde
    ich jedes Jahr ein solches Heft
    herausgeben u. hoffe, mit dem
    sechsten abzuschliessen! So Gott will.
    – Dieser selbe Gott scheint in letzter
    Zeit Manches nicht zu wollen. Es
    kommt in keinem Lande zu Ruhe
    u. Klarheit und ich stehe nun
    vor dem Dilemma, in der Schweiz
    abzusterben, oder ein ganz neues
    Leben zu beginnen. Zum ersten
    zu jung, zum zweiten nicht
    jung genug, fühle ich mich
    unentschlossen (auch nicht das
    Richtige!), und doch geb “ich” noch
    nicht alles auf. Also weiter mit
    Hoffen und Arbeiten.

    Ich grüsse Sie herzlich u. verehrungsvoll Ihr treuer

    F. Busoni

    Dieser Brief ist ein Begleitschreiben. Er reist mit dem 2. Hefte der Klavierübung, die Ihnen – auf dern Neuschreibung der Basler Musikschule – zugedacht ist. Das Material dazu häuft sich in meinem Kopfe derart, dass ich im Fortsetzen etwas erschreckt innehalte. Wahrscheinlich werde ich jedes Jahr ein solches Heft herausgeben und hoffe, mit dem sechsten abzuschließen! So Gott will. – Dieser selbe Gott scheint in letzter Zeit Manches nicht zu wollen. Es kommt in keinem Lande zu Ruhe und Klarheit und ich stehe nun vor dem Dilemma, in der Schweiz abzusterben, oder ein ganz neues Leben zu beginnen. Zum ersten zu jung, zum zweiten nicht jung genug, fühle ich mich unentschlossen (auch nicht das Richtige!), und doch geb “ich” noch nicht alles auf. Also weiter mit Hoffen und Arbeiten.

    Ich grüße Sie herzlich und verehrungsvoll Ihr treuer

    Ferruccio Busoni

    Faksmilie, Seite 3
    [Rückseite von Textseite 1, vacat]
    Faksmilie, Seite 4
    [Rückseite von Textseite 2, vacat]