Stand: 5. November 2017 (erwartet Freigabe) Lizenz: CC BY-NC-SA 4.0

Quelle

Entstehung

  • Der Brief wurde in Engelberg Ende Dezember 1909 verfasst.
  • Datierung in der Quelle: Dezember 1909 (autograph: „Ende December 1909“)

Umfang

1 Bogen, 4 beschriebene Seiten

Zustand

  • Der Brief ist gut erhalten; Umschlag offenbar nicht Versand-Original.
  • Aufbewahrungsort

  • Deutschland | Berlin | Staatsbibliothek zu Berlin · Preußischer Kulturbesitz | Musikabteilung mit Mendelssohn-Archiv | Nachlass Ferruccio Busoni | Mus.Nachl. F. Busoni B II, 2242, 1 | Nachweis in Kalliope
  • Hände/Stempel

    • Überwiegend: Hand des Absenders Hans Huber, Brieftext in schwarzer Tinte, in deutscher Kurrentschrift.
    • Vmtl. Hand des Empfängers Ferruccio Busoni, der auf der Umschlagrückseite die Zuordnung „Huber“ mit Bleistift notiert hat.
    • Hand des Archivars, der die Signaturen mit Bleistift eingetragen hat.
    • Bibliotheksstempel (rote Tinte)

    Inhalt

    Absender

  • Hans Huber
  • Empfänger

  • Ferruccio Busoni
  • Zusammenfassung

  • Huber freut sich über Busonis Bereitschaft, den Meisterkurs 1910 am Basler Konservatorium zu übernehmen; legt Übernahme von Egon Petris Vorgehen nahe; schlägt Abschluss mit Klavierkonzert und weiteren Orchesterwerken Busonis vor.
  • Incipit

  • In allererster Linie erlauben Sie mir
  • Edition

    Verantwortlich

    • Christian Schaper
    • Ullrich Scheideler

    Bearbeitet von

  • Christian Schaper
  • Unter Mitwirkung von

    • Patrick Becker
    Faksimile
    Umschrift
    Lesefassung
    Faksmilie, Seite 1Bild-Quelle: Staatsbibliothek zu Berlin
    Engelberg Winterstation Ende
    December 1909.

    Mein lieber Herr Busoni!

    In allererster Linie erlauben Sie mir
    Ihnen meine große Freude auszusprechen
    über Ihre Mittheilung, daß Sie den
    dießjährigen Meistercurs übernehmen
    wollen. Für die florirende Zukunft
    unserer Schule hoffe ich aus diesem Kontakte
    das Allerschönste! –

    Man nen̅t Basel die goldene
    Pforte Italiens, aber damit ist leider nicht
    gesagt, daß der Geldregen in verschwenderischem
    Maße auf die Kunstinstitute herniederfallt, –
    im Gegentheil s[…]ie – (namentlich die musikalischen) –
    sind ein wenig die Stiefkinder der baslerischen
    culturellen Bildung. Deßhalb muß auch
    unsere Leitung im Arrangement des
    Meisterkurses vorsichtig ans Werk
    gehen & ehe sie mit dem Prospektus –
    verzeichnet in den vulgären

    Mus.Nachl. F. Busoni B II, 2242, 1

    Engelberg Winterstation, Ende Dezember 1909.

    Mein lieber Herr Busoni!

    In allererster Linie erlauben Sie mir Ihnen meine große Freude auszusprechen über Ihre Mitteilung, dass Sie den diesjährigen Meisterkurs übernehmen wollen. Für die florierende Zukunft unserer Schule hoffe ich aus diesem Kontakte das Allerschönste! –

    Man nennt Basel die goldene Pforte Italiens, aber damit ist leider nicht gesagt, dass der Geldregen in verschwenderischem Maße auf die Kunstinstitute herniederfallt, – im Gegenteil, sie – (namentlich die musikalischen) – sind ein wenig die Stiefkinder der baslerischen kulturellen Bildung. Deshalb muss auch unsere Leitung im Arrangement des Meisterkurses vorsichtig ans Werk gehen und, ehe sie mit dem Prospektus – verzeichnet in den vulgären

    Faksmilie, Seite 2Bild-Quelle: Staatsbibliothek zu Berlin

    Handels-terminus technicus – an die
    Öffentlichkeit tritt, genau wißen,
    was wir den kom̅enden Schülern &
    dem Publikum bieten kön̅en. Denn
    Reclame müssen wir machen, wenn wir
    auf die Kosten kom̅en wollen. –

    Bei Herrn Petri ergab sich in der Folge
    der Erfahrung als bestes Arrangement
    folgd. Einrichtung: er saß an den 3
    ersten Wochentagen von 9–12 & Nachmittags
    von 4–6 an der Arbeit. Durch die 3 folgenden
    Ferientage hatten die Schüler Zeit, die Aufgaben
    wieder zu repetiren oder neue zu begin̅en.
    An einem dieser 3 Feriennachmittage
    spielte Herr Petri dan̅ seine Beethovensonaten.
    Wie stellen Sie sich nun den Verlauf
    des Kurses vor? Wünschen Sie eine
    andere Arbeitsentwicklung?
    Auf alle Fälle müßen wir von Ihnen
    verlangen, daß Sie sich wöchentlich
    einmal selbst ans Klavier setzen &
    so den Leuten in des Wortes bester

    Handels-terminus technicus – an die Öffentlichkeit tritt, genau wissen, was wir den kommenden Schülern und dem Publikum bieten können. Denn Reklame müssen wir machen, wenn wir auf die Kosten kommen wollen. –

    Bei Herrn Petri ergab sich in der Folge der Erfahrung als bestes Arrangement folgende Einrichtung: Er saß an den drei ersten Wochentagen von 9 bis 12 und nachmittags von 4 bis 6 an der Arbeit. Durch die drei folgenden Ferientage hatten die Schüler Zeit, die Aufgaben wieder zu repetieren oder neue zu beginnen. An einem dieser drei Feriennachmittage spielte Herr Petri dann seine Beethoven-Sonaten. Wie stellen Sie sich nun den Verlauf des Kurses vor? Wünschen Sie eine andere Arbeitsentwicklung? Auf alle Fälle müssen wir von Ihnen verlangen, dass Sie sich wöchentlich einmal selbst ans Klavier setzen und so den Leuten in des Wortes bester

    Faksmilie, Seite 3Bild-Quelle: Staatsbibliothek zu Berlin

    Bedeutung den Meister zeigen. – Damit
    wird natürlich das Ganze als wirklich bedeutungs=
    volle Zeit in die Annalen unseres öffentlichen
    Musiklebens hineingetragen. Sie selbst
    haben ja ein so großes Riesenrepertoir[e],
    daß Sie kaum viel Zeit durch das Memoriren
    verlieren müßen.

    Als das „finis coronat opus“ käme
    die Aufführung Ihres Klavierkonzertes.
    Der hiesige Män̅erchor (Liedertafel)
    unter Leitung Kapellmeister Suters
    gehört zu den besten choralen Vereinigungen
    Deutschlands & daß Suter sich eine Ehre
    daraus machen wird, Ihr Werk auf das
    Vollendetste herauszubringen, dafür bürgt
    der män̅liche Künstlercharakter unseres
    Freundes. Aber alle Betheiligten werden
    verlangen, daß Sie den Solopart
    übernehmen & auch meine Wenigkeit
    schließt sich dieser Bitte an. – Zum
    Klavierkonzert kön̅te man das Program̅ nochmit Ihrer Deutsche
    Staatsbibliothek
    Berlin

    Bedeutung den Meister zeigen. – Damit wird natürlich das Ganze als wirklich bedeutungsvolle Zeit in die Annalen unseres öffentlichen Musiklebens hineingetragen. Sie selbst haben ja ein so großes Riesenrepertoire, dass Sie kaum viel Zeit durch das Memorieren verlieren müssen.

    Als das „finis coronat opus“ käme die Aufführung Ihres Klavierkonzertes. Der hiesige Männerchor (Liedertafel) unter Leitung Kapellmeister Suters gehört zu den besten choralen Vereinigungen Deutschlands, und dass Suter sich eine Ehre daraus machen wird, Ihr Werk auf das Vollendetste herauszubringen, dafür bürgt der männliche Künstlercharakter unseres Freundes. Aber alle Beteiligten werden verlangen, dass Sie den Solopart übernehmen, und auch meine Wenigkeit schließt sich dieser Bitte an. – Zum Klavierkonzert könnte man das Programm mit Ihrer

    Faksmilie, Seite 4Bild-Quelle: Staatsbibliothek zu Berlin

    Orchestersuite od. Ouverture etc.
    – od. was Sie wünschen – in intereßanter
    Weise erweitern.

    Nun schreiben Sie mir
    baldmöglichst auf einer Ihrer weiten
    Bahnfahrten über die Hauptsache:
    Program̅ordnung des Kurses!
    Seien Sie mit den herzlichsten
    Wünschen für Ihr Wohlergehen & für
    Ihre Erfolge in Amerika aufs
    freundschaftlichste begrüßt von

    Ihrem ergebensten

    Hans Huber

    Orchestersuite oder Ouvertüre etc. – oder was Sie wünschen – in interessanter Weise erweitern.

    Nun schreiben Sie mir baldmöglichst auf einer Ihrer weiten Bahnfahrten über die Hauptsache: Programmordnung des Kurses! Seien Sie mit den herzlichsten Wünschen für Ihr Wohlergehen und für Ihre Erfolge in Amerika aufs freundschaftlichste begrüßt von

    Ihrem ergebensten

    Hans Huber

    Faksmilie, Seite 5Bild-Quelle: Staatsbibliothek zu Berlin
    Deutsche
    Staatsbibliothek
    Berlin
    Faksmilie, Seite 6Bild-Quelle: Staatsbibliothek zu Berlin
    Mus.Nachl. F. Busoni B II, 2242, 1-Beil.
    Huber