Stand: 9. November 2017 (erwartet Freigabe) Lizenz: CC BY-NC-SA 4.0

Quelle

Entstehung

  • Der Brief wurde in Basel am 23. Oktober 1915 verfasst.
  • Datierungen in der Quelle: 23. Oktober 1915 (Poststempel Basel), 23. Oktober 1915 (Poststempel Zürich)

Umfang

1 Bogen, 4 beschriebene Seiten

Zustand

  • Brief und Umschlag sind gut erhalten.
  • Aufbewahrungsort

  • Deutschland | Berlin | Staatsbibliothek zu Berlin · Preußischer Kulturbesitz | Musikabteilung mit Mendelssohn-Archiv | Nachlass Ferruccio Busoni | Mus.Nachl. F. Busoni B II, 2249 | olim: Mus.ep. H. Huber 22 (Busoni-Nachl. B II) | Nachweis in Kalliope
  • Hände/Stempel

    • Überwiegend: Hand des Absenders Hans Huber, Brieftext in schwarzer Tinte, in deutscher Kurrentschrift.
    • Vmtl. Hand des Empfängers Ferruccio Busoni, der auf dem Umschlag die Zuordnung „Huber“ mit Bleistift notiert hat.
    • Hand des Archivars, der mit Bleistift Signaturen eingetragen und eine Foliierung vorgenommen hat.
    • Hand des Archivars, der die Zuordnung innerhalb des Busoni-Nachlasses mit Rotstift vorgenommen hat
    • Bibliotheksstempel (rote Tinte)
    • Bibliotheksstempel (blaue Tinte)
    • Poststempel (schwarze Tinte)

    Inhalt

    Absender

  • Hans Huber
  • Empfänger

  • Ferruccio Busoni
  • Zusammenfassung

  • Huber lobt Busonis Sprachbehandlung im Entwurf einer neuen Ästhetik der Tonkunst; suggeriert weiterhin einen zweiten Liszt-Abend; nennt Werk-Präferenzen für den Bach- und den Chopin-Abend; kündigt Übersendung von Briefen Karl Stauffer-Berns an; äußert sich abschätzig über Otto Brahm.
  • Incipit

  • Nachdem endlich alle Faktoren günstig beisam̅en sind
  • Edition

    Verantwortlich

    • Christian Schaper
    • Ullrich Scheideler

    Bearbeitet von

  • Christian Schaper
  • Unter Mitwirkung von

    • Patrick Becker
    Faksimile
    Umschrift
    Lesefassung
    Faksmilie, Seite 1Bild-Quelle: Staatsbibliothek zu Berlin
    Mus.ep. H. Huber 22 (Busoni Nachl. B II)
    [1]
    Mus.Nachl. F. Busoni B II, 2249

    Mein lieber Kollege Busoni!

    Nachdem endlich alle Faktoren
    günstig beisam̅en sind – sogar neues
    Papier mußte ich mir holen laßen –
    kann ich Ihnen auf Ihren lieben Brief
    antworten. Allerdings muß ich Ihnen
    – omnia praeclara rara! – in erster
    Linie meine Bewunderung aussprechen,
    wie Sie als geborener Romane die
    deutsche Sprache beherrschen. Dabei denke
    ich nicht nur an Ihren Brief, sondern auch
    an den Entwurf einer neuen Aesthetik
    der Tonkunst
    . Ist es nicht schade, daß
    Sie nicht all’ den deutschen Scribaxen zeigen,
    wie man über Musik & Musiziren schreiben
    soll. Die Franzosen sind uns in
    dieser Beziehung weit überlegen! –

    Mein lieber Kollege Busoni!

    Nachdem endlich alle Faktoren günstig beisammen sind – sogar neues Papier musste ich mir holen lassen –, kann ich Ihnen auf Ihren lieben Brief antworten. Allerdings muss ich Ihnen – omnia praeclara rara! – in erster Linie meine Bewunderung aussprechen, wie Sie als geborener Romane die deutsche Sprache beherrschen. Dabei denke ich nicht nur an Ihren Brief, sondern auch an den Entwurf einer neuen Ästhetik der Tonkunst. Ist es nicht schade, dass Sie nicht all’ den deutschen Scribaxen zeigen, wie man über Musik und Musizieren schreiben soll. Die Franzosen sind uns in dieser Beziehung weit überlegen! –

    Faksmilie, Seite 2Bild-Quelle: Staatsbibliothek zu Berlin

    Herr His-Schlumberger äußerte
    gestern den Wunsch, zwei Liszt-Abende
    zu veranstalten & vielleicht Beethoven
    zu eliminiren. Sie sehen, wie weit
    ich die Leute schon mit Suggestion behandelt
    habe. Im̅erhin sind Sie aber in jeder
    Beziehung der Tonangeber & auch His
    möchte Ihnen das letzte Wort geben.
    Wie ich zufällig hörte, will Sie auch die
    Musikgesellschaft bei Ihrem Auftreten im Deutsche
    Staatsbibliothek
    Berlin

    Abonnementskonzerte zu einem Extra=
    Beethovenabende einladen. Dan̅ hätten
    die beiden Liszt-Vorträge ja Berechtigung
    & Sin̅! –

    Bachabend: Jedenfalls die Goldberg-
    Variationen
    , Uebertragung eines
    Orgelwerkes, wohltemp. Clavier
    jedenfalls auch die Abreise & die
    chromatische Fantasie, die ich z. B.
    außerordentlich gern einmal von
    Ihnen hören möchte! –

    Herr His-Schlumberger äußerte gestern den Wunsch, zwei Liszt-Abende zu veranstalten und vielleicht Beethoven zu eliminieren. Sie sehen, wie weit ich die Leute schon mit Suggestion behandelt habe. Immerhin sind Sie aber in jeder Beziehung der Tonangeber, und auch His möchte Ihnen das letzte Wort geben. Wie ich zufällig hörte, will Sie auch die Musikgesellschaft bei Ihrem Auftreten im Abonnementskonzerte zu einem Extra-Beethoven-Abende einladen. Dann hätten die beiden Liszt-Vorträge ja Berechtigung und Sinn! –

    Bach-Abend: Jedenfalls die Goldberg-Variationen, Übertragung eines Orgelwerkes, Wohltemperiertes Klavier – jedenfalls auch die Abreise und die Chromatische Fantasie, die ich z. B. außerordentlich gern einmal von Ihnen hören möchte! –

    Faksmilie, Seite 3Bild-Quelle: Staatsbibliothek zu Berlin
    [2]

    Chopin – jedenfalls die Etuden (famos)
    auch die vierte Ballade (ebenfalls mein
    Lieblingsstück) & die Praeludien?? – (e troppo.)
    Behandeln Sie also die Program̅e ganz
    von Ihrem subjektiven Standpunkte aus;
    wir sind Ihnen für alles dankbar. Diese
    Konzerte werden sehr besucht; darüber
    herrscht hier kein Zweifel. Dr. Stumm
    & Hagenbachs freuen sich indeßen bereits
    auf den II. Act, auf die Symposien in
    der Veltliner Halle!! –

    Deutsche
    Staatsbibliothek
    Berlin

    Als Packetsendung erhalten
    Sie morgen od. übermorgen die
    Briefe & Gedichte von Stauffer. Leider
    sind die schönsten Römerbriefe in
    dem häßlichen Judenrahmen von
    Brahm, den Sie übrigens ganz gut
    ungelesen laßen kön̅en. Laßen Sie sich
    in Zürich einmal die Begegnung Boecklin’s
    mit diesem israelitischen Exemplar
    erzählen. Vielleicht ken̅t Andreae
    die hübsche Episode od. dann jedenfalls Hegar.

    Chopin – jedenfalls die Etüden (famos) auch die vierte Ballade (ebenfalls mein Lieblingsstück) und die Präludien?? – (è troppo.) Behandeln Sie also die Programme ganz von Ihrem subjektiven Standpunkte aus; wir sind Ihnen für alles dankbar. Diese Konzerte werden sehr besucht; darüber herrscht hier kein Zweifel. Dr. Stumm und Hagenbachs freuen sich indessen bereits auf den II. Akt, auf die Symposien in der Veltlinerhalle!! –

    Als Paketsendung erhalten Sie morgen oder übermorgen die Briefe und Gedichte von Stauffer. Leider sind die schönsten Römerbriefe in dem hässlichen Judenrahmen von Brahm, den Sie übrigens ganz gut ungelesen lassen können. Lassen Sie sich in Zürich einmal die Begegnung Böcklins mit diesem israelitischen Exemplar erzählen. Vielleicht kennt Andreae die hübsche Episode oder dann jedenfalls Hegar.

    Faksmilie, Seite 4Bild-Quelle: Staatsbibliothek zu Berlin

    Und nun pax vobiscum &
    verehrungsvollste Grüße von Ihrem

    Hans Huber

    Und nun pax vobiscum und verehrungsvollste Grüße von Ihrem

    Hans Huber

    Faksmilie, Seite 5Bild-Quelle: Staatsbibliothek zu Berlin
    Herrn F. Busoni
    Deutsche
    Staatsbibliothek
    Berlin
    Zürich
    Rigistraße 42.
    Basel 2
    23.X.15.–5
    Brf. Exp.
    Herrn F. Busoni
    Zürich
    Rigistraße 42.
    Faksmilie, Seite 6Bild-Quelle: Staatsbibliothek zu Berlin
    Huber
    Zürich
    23.X.15.–10
    Brf. Exp.
    Nachlaß Busoni B II
    Mus.ep. H. Huber 22

    Mus.Nachl. F. Busoni B II, 2249-Beil.