Stand: 10. November 2017 (erwartet Freigabe) Lizenz: CC BY-NC-SA 4.0

Quelle

Entstehung

  • Der Brief wurde in Locarno am 12. April 1916 verfasst.
  • Datierungen in der Quelle: 12. April 1916 (autograph), 13. April 1916 (Poststempel Locarno), 13. April 1916 (Poststempel Zürich)

Umfang

1 Bogen, 3 beschriebene Seiten
  • Gefalteter Briefbogen ab Briefkopf beschrieben (Seite 2–4 des Bogens).
  • Zustand

  • Brief und Umschlag sind gut erhalten.
  • Aufbewahrungsort

  • Deutschland | Berlin | Staatsbibliothek zu Berlin · Preußischer Kulturbesitz | Musikabteilung mit Mendelssohn-Archiv | Nachlass Ferruccio Busoni | Mus.Nachl. F. Busoni B II, 2260 | olim: Mus.ep. H. Huber 33 (Busoni-Nachl. B II) | Nachweis in Kalliope
  • Hände/Stempel

    • Überwiegend: Hand des Absenders Hans Huber, Brieftext in blauer Tinte, in deutscher Kurrentschrift.
    • Hand des Archivars, der mit Bleistift die Signaturen eingetragen und die Foliierung vorgenommen hat.
    • Hand des Archivars, der die Zuordnung innerhalb des Busoni-Nachlasses mit Rotstift vorgenommen hat
    • Bibliotheksstempel (rote Tinte)
    • Bibliotheksstempel (blaue Tinte)
    • Poststempel (schwarze Tinte)

    Inhalt

    Absender

  • Hans Huber
  • Empfänger

  • Ferruccio Busoni
  • Zusammenfassung

  • Huber ersehnt von Locarno aus das nahe Italien; geht auf Busonis Kritik am Libretto der Oper Die schöne Bellinda ein; erwähnt einen nächsten Stoff; registriert erfreut Busonis Erfolge in Zürich; erbittet einen Klavierauszug der Indianischen Fantasie.
  • Incipit

  • Ich lebe am Saume des gelobten Landes
  • Edition

    Verantwortlich

    • Christian Schaper
    • Ullrich Scheideler

    Bearbeitet von

  • Christian Schaper
  • Unter Mitwirkung von

    • Patrick Becker
    Faksimile
    Umschrift
    Lesefassung
    Faksmilie, Seite 1Bild-Quelle: Staatsbibliothek zu Berlin
    Ouvert toute l’année
    Plein midi
    Saison d’hiver
    Confort le plus moderne
    Balli & C. Prop.
    12 Aprile

    Lieber Freund!

    Ich lebe am Saume des
    gelobten Landes, sehe von ferne
    herüber & kan̅ meine Sehnsucht
    nicht erfüllen. Das ist schade,
    den̅ es ist für das geistige Leben
    & die eigene Kultur absolut
    wichtig von Zeit zu Zeit unterzu=
    tauchen in den alten Klaßizismus
    & deßen Ueberentwicklung in
    den Barok! Item, auch

    12. April

    Lieber Freund!

    Ich lebe am Saume des gelobten Landes, sehe von ferne herüber und kann meine Sehnsucht nicht erfüllen. Das ist schade, denn es ist für das geistige Leben und die eigene Kultur absolut wichtig, von Zeit zu Zeit unterzutauchen in den alten Klassizismus und dessen Überentwicklung in den Barock! Item, auch

    Faksmilie, Seite 2Bild-Quelle: Staatsbibliothek zu Berlin

    [2] hier fühlt man schon etwas davon &
    wen̅ es nur einfache Paläste oder
    noch einfachere Kirchen sind. Die
    Tinten der Natur gehen ja schon in
    die Umbrischen Berge hinüber! –

    Sie mögen mit Ihrer Ansicht
    über den Bellindatext ganz recht
    haben; meine Musiknatur geht aber
    säuberlich dem „bürgerlichen Gesetzbuch“
    aus dem Wege & bleibt bei der Sage
    & dem Märchen. Der nächste Stoff
    führt ins Wallis in die Gletscherwelt
    & behandelt eine alte Sage vom
    großen Ueberrecht der Naturgewalten
    über alles Menschliche. Daß man
    das Rein-Menschliche dabei nicht vergeßen
    darf, ist ja klar; dasselbe kam
    aber auch viel mehr in der Bellinda
    in der Wiedergabe zum Rechte, als
    ich es je […] ahnen durfte & verhalf
    dem Werke auch beim „Volke“ zu
    einem warmen Erfolge!

    Was letzteres anbelangt, so
    lese ich mit großer Freude die

    hier fühlt man schon etwas davon, und wenn es nur einfache Paläste oder noch einfachere Kirchen sind. Die Tinten der Natur gehen ja schon in die Umbrischen Berge hinüber! –

    Sie mögen mit Ihrer Ansicht über den Bellinda-Text ganz recht haben; meine Musiknatur geht aber säuberlich dem „bürgerlichen Gesetzbuch“ aus dem Wege und bleibt bei der Sage und dem Märchen. Der nächste Stoff führt ins Wallis in die Gletscherwelt und behandelt eine alte Sage vom großen Überrecht der Naturgewalten über alles Menschliche. Dass man das Rein-Menschliche dabei nicht vergessen darf, ist ja klar; dasselbe kam aber auch viel mehr in der Bellinda in der Wiedergabe zum Rechte, als ich es je ahnen durfte, und verhalf dem Werke auch beim „Volke“ zu einem warmen Erfolge!

    Was letzteres anbelangt, so lese ich mit großer Freude die

    Faksmilie, Seite 3Bild-Quelle: Staatsbibliothek zu Berlin

    Berichte über Ihr Wirken & Schaffen
    in Zürich. Ihr Schweizeraufenthalt
    wird doch dadurch zu etwas gestempelt,
    das Ihnen & uns zum seltenen
    gegenseitigen […] Austausche verhilft.
    Das 50. Lebensjahr darf „weiß-roth“
    angezeichnet werden! –

    Besitzen Sie noch ein Klavierauszug=
    exemplar Ihrer ind. Klaviersymphonie?
    Vergebens suchte ich bei Hug nach
    einem solchen, um es hier in aller
    Ruhe durchstudiren zu kön̅en!

    Die schönsten südlichen
    Grüße aus dem warmen son̅endurch Deutsche
    Staatsbibliothek
    Berlin
    =
    tränkten Locarno

    von Ihrem

    Hans Huber

    Berichte über Ihr Wirken und Schaffen in Zürich. Ihr Schweizer Aufenthalt wird doch dadurch zu etwas gestempelt, das Ihnen und uns zum seltenen gegenseitigen Austausche verhilft. Das 50. Lebensjahr darf „weiß-rot“ angezeichnet werden! –

    Besitzen Sie noch ein Klavierauszugexemplar Ihrer ind. Klaviersymphonie? Vergebens suchte ich bei Hug nach einem solchen, um es hier in aller Ruhe durchstudieren zu können!

    Die schönsten südlichen Grüße aus dem warmen, sonnendurchtränkten Locarno

    von Ihrem

    Hans Huber

    Faksmilie, Seite 4Bild-Quelle: Staatsbibliothek zu Berlin
    Mus.ep. H. Huber 33 (Busoni-Nachl. B II)
    Mus.Nachl. F. Busoni B II, 2260
    [1]
    Faksmilie, Seite 5Bild-Quelle: Staatsbibliothek zu Berlin
    [ Ansicht des Grand Hôtel Locarno am Lago Maggiore ]
    Locarno
    13.IV.16.X–
    Locarno
    13.IV.16.X–

    (Lac majeur) Locarno (Suisse)
    Ouvert toute l’année · Saison d’hive[r]
    Confort le plus moderne · Plein mid[i]
    Deutsche
    Staatsbibliothek
    Berlin
    Balli & C. Prop.
    A. Trüb & Cie Aarau-Lugano (Suisse)
    Herrn Ferruccio Busoni
    Zürich
    Scheuchzerstr. 36
    Abs. Dr. Hans Huber
    Herrn Ferruccio Busoni
    Zürich
    Scheuchzerstr. 36
    Faksmilie, Seite 6Bild-Quelle: Staatsbibliothek zu Berlin
    Zürich
    13.IV.16.–11
    Brf. Exp.
    Nachlaß Busoni B II
    Mus.ep. H. Huber 33

    Mus.Nachl. F. Busoni B II, 2260-Beil.