Stand: 2. November 2017 (unfertig) Lizenz: CC BY-NC-SA 4.0

Quelle

Entstehung

  • Der Brief wurde in Basel am 4. Oktober 1916 verfasst.
  • Datierungen in der Quelle: 0. 0 (autograph), 0. 0 (Poststempel), 0. 0 (Poststempel)

Umfang

,
  • Zustand

  • Der Brief ist gut erhalten.
  • Aufbewahrungsort

  • Deutschland | Berlin | Staatsbibliothek zu Berlin · Preußischer Kulturbesitz | Musikabteilung mit Mendelssohn-Archiv | Nachlass Ferruccio Busoni | Mus.Nachl. F. Busoni B II, 2269 | olim: Mus.ep. H. Huber 42 (Busoni-Nachl. B II) | Nachweis in Kalliope
  • Hände/Stempel

    • Überwiegend: Hand des Absenders Hans Huber, Brieftext in schwarzer Tinte, in deutscher Kurrentschrift.
    • Vmtl. Hand des Empfängers Ferruccio Busoni, der auf dem Umschlag die Zuordnung „Huber“ mit Bleistift notiert hat.
    • Hand des Archivars, der mit Bleistift die Signaturen eingetragen und die Foliierung vorgenommen hat.
    • Hand des Archivars, der die Zuordnung innerhalb des Busoni-Nachlasses mit Rotstift vorgenommen hat
    • Bibliotheksstempel (rote Tinte)
    • Bibliotheksstempel (blaue Tinte)
    • Poststempel (schwarze Tinte)

    Inhalt

    Absender

  • Hans Huber
  • Empfänger

  • Ferruccio Busoni
  • Zusammenfassung

  • Incipit

  • Edition

    Verantwortlich

    • Christian Schaper
    • Ullrich Scheideler

    Bearbeitet von

  • Christian Schaper
  • Unter Mitwirkung von

    • Patrick Becker
    Faksimile
    Umschrift
    Lesefassung
    Faksmilie, Seite 1Bild-Quelle: Staatsbibliothek zu Berlin
    [1]
    Mus.ep. H. Huber 42 (Busoni-Nachl. B II)
    Mus.Nachl. F. Busoni B II, 2269

    Mein lieber, verehrter Freund!

    Für heute nur die
    kurze Mittheilung, daß ich
    wieder unter die Führung des
    Krum̅stabes Basel getreten
    bin, für eine Zeitlang allen
    freiheitlichen Gedanken Valete
    gesagt habe & nur hoffe, durch
    Sie hie & da einer beßeren
    Welt entgegen geführt zu werden.
    Allerdings, wenn Sie von einer
    Zehnfingerkunst reden, klingt
    es auch wie Prosa! Aber die
    Kompetenten sagen Ihnen
    viel zu selten, wie unendlich
    groß Sie gerade in dieser

    Mein lieber, verehrter Freund!

    Für heute nur die kurze Mitteilung, dass ich wieder unter die Führung des Krummstabes Basel getreten bin, für eine Zeitlang allen freiheitlichen Gedanken Valete gesagt habe und nur hoffe, durch Sie hie und da einer besseren Welt entgegen geführt zu werden. Allerdings, wenn Sie von einer Zehnfingerkunst reden, klingt es auch wie Prosa! Aber die Kompetenten sagen Ihnen viel zu selten, wie unendlich groß Sie gerade in dieser

    Faksmilie, Seite 2Bild-Quelle: Staatsbibliothek zu Berlin

    Fingerkunst geworden sind,
    daß Sie darin unerreicht
    bleiben werden, daß Sie in
    die Interpretation der Meister
    etwas gebracht haben, was vorher
    noch keiner recht begriff, ich
    meine eine neue Klavierspielcultur,
    wen̅ man es so nen̅en kan̅; –
    ich finde gerade kein anderes
    Wort! – Und deßhalb sollten
    Sie an diesem Handwerk nicht
    verzweifeln – im Gegentheil –
    mit größtem Heldenmuthe weiter
    üben & weiter spielen. – In
    meinen längst vergangenen
    Notizen „d’autrefois“ lese ich
    den Paßus: „Il y a entre
    l’intelligence et la douleur

    Fingerkunst geworden sind, dass Sie darin unerreicht bleiben werden, dass Sie in die Interpretation der Meister etwas gebracht haben, was vorher noch keiner recht begriff, ich meine eine neue Klavierspielkultur, wenn man es so nennen kann; – ich finde gerade kein anderes Wort! – Und deshalb sollten Sie an diesem Handwerk nicht verzweifeln – im Gegenteil – mit größtem Heldenmute weiter üben und weiter spielen. – In meinen längst vergangenen Notizen „d’autrefois“ lese ich den Passus: „Il y a entre l’intelligence et la douleur

    Faksmilie, Seite 3Bild-Quelle: Staatsbibliothek zu Berlin

    [2]
    un rapport tellement étroit que
    les êtres les plus intelligents sont
    ceux, qui sont capables de souffrir
    le plus!“
    Wer den wahren Satzin=
    halt erfunden hat, weiß ich nicht,
    aber beim Lesen tauchte Ihr Bild
    am Schreibtisch vor mir auf!

    Also mein Lieber, ich
    bin in Basel & werde nun
    an die Realisirierung der Klavier=
    abende denken. Herr Dr. Stumm
    wird nach seiner Rückkehr
    aus Brissago das Geschäftliche über=
    nehmen & mit Ihnen die Angelegen=
    heit besprechen! –

    Zum „Lebenswerk“ darf auch
    die Stimmung des 3. Kriegsjahres
    paßen. Vergessen Sie nie,

    un rapport tellement étroit que les êtres les plus intelligents sont ceux, qui sont capables de souffrir le plus!“ Wer den wahren Satzinhalt erfunden hat, weiß ich nicht, aber beim Lesen tauchte Ihr Bild am Schreibtisch vor mir auf!

    Also mein Lieber, ich bin in Basel und werde nun an die Realisierierung der Klavierabende denken. Herr Dr. Stumm wird nach seiner Rückkehr aus Brissago das Geschäftliche übernehmen und mit Ihnen die Angelegenheit besprechen! –

    Zum „Lebenswerk“ darf auch die Stimmung des dritten Kriegsjahres passen. Vergessen Sie nie,

    Faksmilie, Seite 4Bild-Quelle: Staatsbibliothek zu Berlin

    daß einer Neunten die Achte
    vorausging! Und nun Addio

    Ihr herzlich grüßender,
    die Veltlinerhalle bereits frequentirender

    Huber

    dass einer Neunten die Achte vorausging! Und nun Addio

    Ihr herzlich grüßender, die Veltlinerhalle bereits frequentierender

    Huber

    Faksmilie, Seite 5Bild-Quelle: Staatsbibliothek zu Berlin
    Deutsche
    Staatsbibliothek
    Berlin
    BaselZürich
    Faksmilie, Seite 6Bild-Quelle: Staatsbibliothek zu Berlin
    HuberZürich
    Nachlaß Busoni B II
    Mus.ep. H. Huber 42
    Mus.Nachl. F. Busoni B II, 2269-Beil.