Stand: 2. November 2017 (unfertig) Lizenz: CC BY-NC-SA 4.0

Quelle

Entstehung

  • Der Brief wurde in Locarno am 16. April 1918 verfasst.
  • Datierungen in der Quelle: 0. 0 (autograph), 0. 0 (Poststempel), 0. 0 (Poststempel)

Umfang

,
  • Zustand

  • Der Brief ist gut erhalten.
  • Aufbewahrungsort

  • Deutschland | Berlin | Staatsbibliothek zu Berlin · Preußischer Kulturbesitz | Musikabteilung mit Mendelssohn-Archiv | Nachlass Ferruccio Busoni | Mus.Nachl. F. Busoni B II, 2305 | olim: Mus.ep. H. Huber 79 (Busoni-Nachl. B II) | Nachweis in Kalliope
  • Hände/Stempel

    • Überwiegend: Hand des Absenders Hans Huber, Brieftext in schwarzer Tinte, in deutscher Kurrentschrift.
    • Hand des Archivars, der mit Bleistift die Signaturen eingetragen und die Foliierung vorgenommen hat.
    • Hand des Archivars, der die Zuordnung innerhalb des Busoni-Nachlasses mit Rotstift vorgenommen hat
    • Bibliotheksstempel (rote Tinte)
    • Poststempel (schwarze Tinte)

    Inhalt

    Absender

  • Hans Huber
  • Empfänger

  • Ferruccio Busoni
  • Zusammenfassung

  • Incipit

  • Edition

    Verantwortlich

    • Christian Schaper
    • Ullrich Scheideler

    Bearbeitet von

  • Christian Schaper
  • Unter Mitwirkung von

    • Patrick Becker
    Faksimile
    Umschrift
    Lesefassung
    Faksmilie, Seite 1Bild-Quelle: Staatsbibliothek zu Berlin
    Mus.ep. H. Huber 79 (Busoni-Nachl. B II)
    Mus.Nachl. F. Busoni B II, 2305

    Lieber Freund!

    Ihren Depeschengruß über Berliner Dinge
    hat einige Stim̅ung ins Hôtel-Dasein gebracht, 24
    obschon ich auf Zeitungsberichte wenig oder gar
    nichts gebe. Man muß in persona dabei sein, wen̅
    man die Leistungen eines Kapellmeisters, den man
    absolut nicht ken̅t, beurtheilen will! –

    In letzter Zeit habe ich, veranlaßt durch die
    infame & unkünstlerische Kritik von G. Doret über
    Ihre Bearbeitungen und Kadenzen, viel um Sie
    & viel in Ihren Werken geweilt. Eigentlich wollte
    ich dem welschen Kollegen brieflich meinen unab=
    änderlichen Standpunkt klar legen, bin aber
    beim Sam̅eln des Materials zu der beßeren Idee

    Lieber Freund!

    Ihren Depeschengruß über Berliner Dinge hat einige Stimmung ins Hôtel-Dasein gebracht, 24 obschon ich auf Zeitungsberichte wenig oder gar nichts gebe. Man muss in persona dabei sein, wenn man die Leistungen eines Kapellmeisters, den man absolut nicht kennt, beurteilen will! –

    In letzter Zeit habe ich, veranlasst durch die infame und unkünstlerische Kritik von G. Doret über Ihre Bearbeitungen und Kadenzen, viel um Sie und viel in Ihren Werken geweilt. Eigentlich wollte ich dem welschen Kollegen brieflich meinen unabänderlichen Standpunkt klar legen, bin aber beim Sammeln des Materials zu der besseren Idee

    Faksmilie, Seite 2Bild-Quelle: Staatsbibliothek zu Berlin

    gekom̅en, über den ästhetischen & künstlerischen
    Wert einer Kadenz & resp. über das individuelle
    Verhältniß
    der Interpreten zum Konzerte einen
    Aufsatz zusammenzulegen, in welchem sowohl ein
    Küsntler wie Doret oder ein Dilettant wie Rz.
    im Bund in Bern in anständiger Form Dinge
    erfahren sollten, von denen sie jetzt nicht die bloße
    Ahnung eines Alpha besitzen. Es ist geradezu ärgerlich,
    daß Discipel der Pariser Schule nicht mehr historisches
    in diesem Falle unhistorisches Empfinden haben für
    das Leben & Beleben einer Fermata! Ueberhaupt
    scheint mir in Paris, wen̅ man sich die Ausgabe von
    Saint=Sains=Rameau etc. ansieht, viel Problematik
    zu herrschen! –

    Strindberg beschäftig[t]e mich in letzter Zeit wieder
    ein wenig, namentlich sein Verhältniß zum Leben!
    Und da finde ich in dem Buche: Strindberg=Erin̅erungen
    u=Briefe von A. Paul auch Ihren Namen, natürlich
    aus der Fin̅länder=Zeit. In unseren Gesprächen
    hat dieser merkwürdige Poet, von dem ich jetzt
    ziemlich viel ken̅e, nie eine Stim̅e geführt. Von
    Ihnen, […]der in seiner Pariser Episode jedenfalls neben
    ihm stand – jetzt aber über ihm steht, möchte ich
    einmal ein klärendes Wort hören!

    Rubiner, der mich durch sein feines Wesen & seine
    bestim̅ten & vermöge seiner Kultur oft bestim̅enden

    gekommen, über den ästhetischen und künstlerischen Wert einer Kadenz und resp. über das individuelle Verhältnis der Interpreten zum Konzerte einen Aufsatz zusammenzulegen, in welchem sowohl ein Küsntler wie Doret oder ein Dilettant wie Rz. im Bund in Bern in anständiger Form Dinge erfahren sollten, von denen sie jetzt nicht die bloße Ahnung eines Alpha besitzen. Es ist geradezu ärgerlich, dass Discipel der Pariser Schule nicht mehr historisches in diesem Falle unhistorisches Empfinden haben für das Leben und Beleben einer Fermata! Überhaupt scheint mir in Paris, wenn man sich die Ausgabe von Saint-Sains-Rameau etc. ansieht, viel Problematik zu herrschen! –

    Strindberg beschäftigte mich in letzter Zeit wieder ein wenig, namentlich sein Verhältnis zum Leben! Und da finde ich in dem Buche: Strindberg-Erinnerungen u-Briefe von A. Paul auch Ihren Namen, natürlich aus der Finnländer-Zeit. In unseren Gesprächen hat dieser merkwürdige Poet, von dem ich jetzt ziemlich viel kenne, nie eine Stimme geführt. Von Ihnen, der in seiner Pariser Episode jedenfalls neben ihm stand – jetzt aber über ihm steht, möchte ich einmal ein klärendes Wort hören!

    Rubiner, der mich durch sein feines Wesen und seine bestimmten und vermöge seiner Kultur oft bestimmenden

    Faksmilie, Seite 3Bild-Quelle: Staatsbibliothek zu Berlin

    Ansichten anregt, läßt Sie herzlichst grüßen. Locarno
    wäre eigentlich der Ort, an welchem sich gewiße Menschen,
    die durch ein feines Band der Erkenntniß zusam̅en gehören,
    wie auf einem Eilande sam̅eln sollten! –

    Damit meine liebsten Grüße, die Sie hoffentlich
    in bester Gesundheit, in fröhlichem Schaffen & in
    guter Lebenslaune antreffen mögen

    Ihr

    Hans Huber

    Locarno April 1918
    16.
    Deutsche
    Staatsbibliothek
    Berlin

    Ansichten anregt, lässt Sie herzlichst grüßen. Locarno wäre eigentlich der Ort, an welchem sich gewisse Menschen, die durch ein feines Band der Erkenntnis zusammen gehören, wie auf einem Eilande sammeln sollten! –

    Damit meine liebsten Grüße, die Sie hoffentlich in bester Gesundheit, in fröhlichem Schaffen und in guter Lebenslaune antreffen mögen

    Ihr

    Hans Huber

    Locarno April 1918 16.