Stand: 2. November 2017 (unfertig) Lizenz: CC BY-NC-SA 4.0

Quelle

Entstehung

  • Der Brief wurde in Basel am 25. September 1918 verfasst.
  • Datierungen in der Quelle: 0. 0 (autograph), 0. 0 (Poststempel), 0. 0 (Poststempel)

Umfang

,
  • Zustand

  • Der Brief ist gut erhalten.
  • Aufbewahrungsort

  • Deutschland | Berlin | Staatsbibliothek zu Berlin · Preußischer Kulturbesitz | Musikabteilung mit Mendelssohn-Archiv | Nachlass Ferruccio Busoni | Mus.Nachl. F. Busoni B II, 2307 | olim: Mus.ep. H. Huber 81 (Busoni-Nachl. B II) | Nachweis in Kalliope
  • Hände/Stempel

    • Überwiegend: Hand des Absenders Hans Huber, Brieftext in schwarzer Tinte, in deutscher Kurrentschrift.
    • Hand des Archivars, der mit Bleistift die Signaturen eingetragen und die Foliierung vorgenommen hat.
    • Hand des Archivars, der die Zuordnung innerhalb des Busoni-Nachlasses mit Rotstift vorgenommen hat
    • Bibliotheksstempel (rote Tinte)
    • Poststempel (schwarze Tinte)

    Inhalt

    Absender

  • Hans Huber
  • Empfänger

  • Ferruccio Busoni
  • Zusammenfassung

  • Incipit

  • Edition

    Verantwortlich

    • Christian Schaper
    • Ullrich Scheideler

    Bearbeitet von

  • Christian Schaper
  • Unter Mitwirkung von

    • Patrick Becker
    Faksimile
    Umschrift
    Lesefassung
    Faksmilie, Seite 1Bild-Quelle: Staatsbibliothek zu Berlin
    Mus.ep. H. Huber 81 (Busoni-Nachl. B II)
    25. Sept. 1918 25
    Dr. Hans Huber

    Mein lieber Freund!

    Der Som̅er
    geht zu Ende & damit schließt auch meine Reconvales=
    zentenzeit diesseits des Gottardo mit einem Defizit
    ab, das sich hoffentlich an der Sonne & in dem climatisch
    so günstigen Locarno wieder ausgleichen mag! Die
    Gefühle, dass man sich im Leiden erziehen soll, daß
    das Äußere das In̅ere nicht verzehrt, daß man in
    schli̅men Tagen den Dilettantismus des Lebens mehr auf die
    Seite schiebt als in gesunden Zeiten, nehmen den Leidenden
    so in Anspruch, daß man äußerlichen Kontakt mit den
    liebsten Menschen verliert. In̅erlich herrscht tiefe,
    klare Ruhe, eine große Liebe, in der ich täglich an Sie
    denke, den Moment aber immer herausschiebe, der mich
    Ihnen brieflich nähern soll. Ich habe Furcht vor meinen
    Gedanken & fürchte den Empfang von Gedanken. Das

    25. Sept. 1918 25

    Mein lieber Freund!

    Der Sommer geht zu Ende und damit schließt auch meine Reconvaleszentenzeit diesseits des Gottardo mit einem Defizit ab, das sich hoffentlich an der Sonne und in dem climatisch so günstigen Locarno wieder ausgleichen mag! Die Gefühle, dass man sich im Leiden erziehen soll, dass das Äußere das Innere nicht verzehrt, dass man in schli̅men Tagen den Dilettantismus des Lebens mehr auf die Seite schiebt als in gesunden Zeiten, nehmen den Leidenden so in Anspruch, dass man äußerlichen Kontakt mit den liebsten Menschen verliert. Innerlich herrscht tiefe, klare Ruhe, eine große Liebe, in der ich täglich an Sie denke, den Moment aber immer herausschiebe, der mich Ihnen brieflich nähern soll. Ich habe Furcht vor meinen Gedanken und fürchte den Empfang von Gedanken. Das

    Faksmilie, Seite 2Bild-Quelle: Staatsbibliothek zu Berlin

    ist Krankheit in& so steht es mit mir! –

    Fürstin Wittgenstein in einem Briefe an Liszt
    vom Alter, welches das „Noviziat des Him̅els“ bedeutet.
    In dasselbe will ich vom nächsten Montag an wieder
    eintreten, aber in kein eingeschloßenes, sondern in ein
    von der Natur begünstigtes, in dem ich jeden Augenblick
    mit Bewußtsein genießen kan̅. Jede Sentimentalität
    sei ausgeschloßen! –

    Ihre ausgesprochene Perspektive, mich im Laufe
    des Winters in Locarno besuchen zu wollen, steht als leuchtende
    Idee vor mir. Wen̅ ich auch nur als „halber Mensch“ mit Ihnen
    verkehren kan̅, das Schöne für mich liegt im Empfangen
    & Aufnehmen der Gaben Ihres reichen Geistes. Aber
    Laufen & in der Natur herumstreifen müßen Sie mit mir.
    Daneben duettiren Sie einmal mit Zweygberg, damit
    dieser Schläfer zur Künstlersprache erwacht! –

    Tausend Liebes & Gutes an Sie & verehrungsvolle
    Grüße an Ihre Frau von Ihrem alten

    Hans Huber

    ist Krankheit und so steht es mit mir! –

    Fürstin Wittgenstein in einem Briefe an Liszt vom Alter, welches das „Noviziat des Himmels“ bedeutet. In dasselbe will ich vom nächsten Montag an wieder eintreten, aber in kein eingeschlossenes, sondern in ein von der Natur begünstigtes, in dem ich jeden Augenblick mit Bewusstsein genießen kann. Jede Sentimentalität sei ausgeschlossen! –

    Ihre ausgesprochene Perspektive, mich im Laufe des Winters in Locarno besuchen zu wollen, steht als leuchtende Idee vor mir. Wenn ich auch nur als „halber Mensch“ mit Ihnen verkehren kann, das Schöne für mich liegt im Empfangen und Aufnehmen der Gaben Ihres reichen Geistes. Aber Laufen und in der Natur herumstreifen müssen Sie mit mir. Daneben duettieren Sie einmal mit Zweygberg, damit dieser Schläfer zur Künstlersprache erwacht! –

    Tausend Liebes und Gutes an Sie und verehrungsvolle Grüße an Ihre Frau von Ihrem alten

    Hans Huber