Stand: 2. November 2017 (unfertig) Lizenz: CC BY-NC-SA 4.0

Quelle

Entstehung

  • Der Brief wurde in Vitznau am 28. Mai 1919 verfasst.
  • Datierungen in der Quelle: 0. 0 (autograph), 0. 0 (Poststempel), 0. 0 (Poststempel)

Umfang

,
  • Zustand

  • Der Brief ist gut erhalten.
  • Aufbewahrungsort

  • Deutschland | Berlin | Staatsbibliothek zu Berlin · Preußischer Kulturbesitz | Musikabteilung mit Mendelssohn-Archiv | Nachlass Ferruccio Busoni | Mus.Nachl. F. Busoni B II, 2311 | olim: Mus.ep. H. Huber 85 (Busoni-Nachl. B II) | Nachweis in Kalliope
  • Hände/Stempel

    • Überwiegend: Hand des Absenders Hans Huber, Brieftext in schwarzer Tinte, in deutscher Kurrentschrift.
    • Hand des Archivars, der mit Bleistift die Signaturen eingetragen und die Foliierung vorgenommen hat.
    • Hand des Archivars, der die Zuordnung innerhalb des Busoni-Nachlasses mit Rotstift vorgenommen hat
    • Bibliotheksstempel (rote Tinte)
    • Poststempel (schwarze Tinte)

    Inhalt

    Absender

  • Hans Huber
  • Empfänger

  • Ferruccio Busoni
  • Zusammenfassung

  • Incipit

  • Edition

    Verantwortlich

    • Christian Schaper
    • Ullrich Scheideler

    Bearbeitet von

  • Christian Schaper
  • Unter Mitwirkung von

    • Patrick Becker
    Faksimile
    Umschrift
    Lesefassung
    Faksmilie, Seite 1Bild-Quelle: Staatsbibliothek zu Berlin
    Mus.Nachl. F. Busoni B II, 2311
    Mus.ep. H. Huber 85 (Busoni-Nachl. B II)
    [1] 27
    Vitznau 28/5 1919

    Mein lieber Freund!

    Wie bedaure ich doch, daß
    ich nicht mehr Chef des
    Klavierspiels in Basel bin,
    um meine ganze Begeisterung
    für Ihre geradezu genialen
    Studien der jungen Klavier=
    welt hergeben zu kön̅en!
    Da läuft Nichts, wie sonst
    bei solchen Handwerksgeschichten
    oder bei den unlenksamen
    Pädagogen auf einer zweischienigen
    Bahn, auf der man Niemandem
    ausweichen kan̅. Auf jeder
    Seite strahlen mir neue
    pianistische Ideen entgegen;
    es sind gleichsam zukünftige

    27
    Vitznau 28/5 1919

    Mein lieber Freund!

    Wie bedaure ich doch, dass ich nicht mehr Chef des Klavierspiels in Basel bin, um meine ganze Begeisterung für Ihre geradezu genialen Studien der jungen Klavierwelt hergeben zu können! Da läuft Nichts, wie sonst bei solchen Handwerksgeschichten oder bei den unlenksamen Pädagogen auf einer zweischienigen Bahn, auf der man Niemandem ausweichen kann. Auf jeder Seite strahlen mir neue pianistische Ideen entgegen; es sind gleichsam zukünftige

    Faksmilie, Seite 2Bild-Quelle: Staatsbibliothek zu Berlin

    Wahrheiten, die sich die begabten
    Lehrer, wie ein neues Testament,
    an eigenen müßen! Zum richtigen
    Studium dieser wundervollen
    Ausgaben soll das letzte Ziel sein,
    die Antipathien & Sympathien
    für die Werke herauszuhören,
    singen & weinen lernen &
    sogar eine physisch-schwache Hand
    zum Nachahmen aller instrumentalen
    Schönheiten zu bringen! Als ich
    heute Morgen hintervor diesen
    Seiten zuerst buchstabirte, dann
    zusam̅ensetzte & endlich siegreich
    das Gewollte lesen kon̅te, so
    hatte ich für mich ein kleines
    aber schönes Erlebniß: ein
    idealer Anklang meiner eigenen
    pädagogischen Vergangenheit
    (in kleineren Verhältnißen!) & eine
    künstlerische Vision in kom̅ende

    Wahrheiten, die sich die begabten Lehrer, wie ein neues Testament, an eigenen müssen! Zum richtigen Studium dieser wundervollen Ausgaben soll das letzte Ziel sein, die Antipathien und Sympathien für die Werke herauszuhören, singen und weinen lernen und sogar eine physisch-schwache Hand zum Nachahmen aller instrumentalen Schönheiten zu bringen! Als ich heute Morgen vor diesen Seiten zuerst buchstabierte, dann zusammensetzte und endlich siegreich das Gewollte lesen konnte, so hatte ich für mich ein kleines aber schönes Erlebnis: ein idealer Anklang meiner eigenen pädagogischen Vergangenheit (in kleineren Verhältnisen!) und eine künstlerische Vision in kommende

    Faksmilie, Seite 3Bild-Quelle: Staatsbibliothek zu Berlin

    [2] Zeiten! Für diesen Genuß kan̅
    ich Ihnen nicht genug danken &
    bin gar nicht überrascht, daß Sie
    selbst mit Hingebung & mit Lust
    an die Fortsetzung gehen. Mögen
    uns Tausende von beßeren Kollegen
    zur Seite stehen! –

    Mein Vitznaueraufenthalt
    ließ sich nicht gut an. Die
    Die lästige Diabetis hat mich bis
    zu 2 ½ Prozent gepackt & in
    diesem Zustand ermüdet mich
    die kleinste Aufgabe. Aus diesem
    Grunde erhielten Sie auch noch
    keine Antwort auf den Locarneser=
    brief. Deshalb liegt aber mir
    ein – im beßeren Sin̅e gedachter
    Gesslerhut auf meinem Pulte
    & liegt neben dem letzten
    Schreiben von unserem armen
    Wolfrum! Der eine athmet
    frisches & gesundes Leben, der
    andere mahnt mich an das

    Zeiten! Für diesen Genuss kann ich Ihnen nicht genug danken und bin gar nicht überrascht, dass Sie selbst mit Hingebung und mit Lust an die Fortsetzung gehen. Mögen uns Tausende von besseren Kollegen zur Seite stehen! –

    Mein Vitznaueraufenthalt ließ sich nicht gut an. Die Die lästige Diabetis hat mich bis zu 2 ½ Prozent gepackt und in diesem Zustand ermüdet mich die kleinste Aufgabe. Aus diesem Grunde erhielten Sie auch noch keine Antwort auf den Locarneserbrief. Deshalb liegt aber mir ein – im besseren Sinne gedachter Gesslerhut auf meinem Pulte und liegt neben dem letzten Schreiben von unserem armen Wolfrum! Der eine athmet frisches und gesundes Leben, der andere mahnt mich an das

    Faksmilie, Seite 4Bild-Quelle: Staatsbibliothek zu Berlin

    Dies irae!

    Sobald es aber beßer wird,
    will ich fleißger & ausführlicher
    schreiben.

    Unterdeßen meine Bewunderung
    & meine Freundschaft

    Ihr grüßender

    Hans Huber

    Dies irae!

    Sobald es aber besser wird, will ich fleißger und ausführlicher schreiben.

    Unterdessen meine Bewunderung und meine Freundschaft

    Ihr grüßender

    Hans Huber