Stand: 7. November 2017 (erwartet Freigabe) Lizenz: CC BY-NC-SA 4.0

Quelle

Entstehung

  • Der Brief wurde in Vitznau am 2. September 1920 verfasst.
  • Datierung in der Quelle: 2. September 1920 (autograph)

Umfang

1 Briefkarte, 2 beschriebene Seiten

Zustand

  • Die Briefkarte ist gut erhalten.
  • Aufbewahrungsort

  • Deutschland | Berlin | Staatsbibliothek zu Berlin · Preußischer Kulturbesitz | Musikabteilung mit Mendelssohn-Archiv | Nachlass Ferruccio Busoni | Mus.Nachl. F. Busoni B II, 2313 | olim: Mus.ep. H. Huber 87 (Busoni-Nachl. B II) | Nachweis in Kalliope
  • Hände/Stempel

    • Überwiegend: Hand des Absenders Hans Huber, Brieftext in schwarzer Tinte, in deutscher Kurrentschrift.
    • Hand des Archivars, der mit Bleistift die Signaturen eingetragen hat.
    • Bibliotheksstempel (rote Tinte)

    Inhalt

    Absender

  • Hans Huber
  • Empfänger

  • Ferruccio Busoni
  • Zusammenfassung

  • Huber nimmt Abschied von Busoni; dankt für die verjüngende Wirkung durch den „Stil Ihres Lebens und Ihrer Kunst“; begründet sein Schweigen mit krankheitsbedingter Introversion und Nostalgie; betont Busonis allererste Stellung im jetzigen Musikleben“; kündigt Reise nach Locarno an.
  • Incipit

  • Wie oft haben Sie mich auf meinen einsamen Wegen begleitet
  • Edition

    Verantwortlich

    • Christian Schaper
    • Ullrich Scheideler

    Bearbeitet von

  • Christian Schaper
  • Unter Mitwirkung von

    • Patrick Becker
    Faksimile
    Umschrift
    Lesefassung
    Faksmilie, Seite 1Bild-Quelle: Staatsbibliothek zu Berlin
    Mus.ep. H. Huber 87 (Busoni-Nachl. B II) Mus.Nachl. F. Busoni B II, 2313
    Dr. Hans Huber
    2 Sept. 1920

    Mein lieber Freund!

    Wie oft haben Sie mich auf meinen einsamen Wegen
    begleitet & wie stark hat mich der Stil Ihres Lebens &
    Ihrer Kunst begeistert, als gehörte ich zu denjenigen Menschen,
    die ihre Jugend erst im Alter erleben! Dieser Zweispalt,
    der sich in meiner Krankheit im̅er mehr herauskehrte, war
    der Grund meines Schweigens. Das scheinbare Verküm̅ern
    der geistigen Fakultäten oder das Mühsamwerdende im
    Ausdrucke verküm̅erten meine Liebe zu brieflichen
    Mittheilungen. Und so lebte ich bereits von Erin̅erungen
    oder von der Vergangenheit, welch’ letztere so schön
    wirkt, weil ihr, um nur eins zu erwähnen, das
    Element der Furcht bereits entzogen ist. –

    Für die Gegenwart aber müßen

    2. September 1920

    Mein lieber Freund!

    Wie oft haben Sie mich auf meinen einsamen Wegen begleitet, und wie stark hat mich der Stil Ihres Lebens und Ihrer Kunst begeistert, als gehörte ich zu denjenigen Menschen, die ihre Jugend erst im Alter erleben! Dieser Zweispalt, der sich in meiner Krankheit immer mehr herauskehrte, war der Grund meines Schweigens. Das scheinbare Verkümmern der geistigen Fakultäten oder das Mühsamwerdende im Ausdrucke verkümmerten meine Liebe zu brieflichen Mitteilungen. Und so lebte ich bereits von Erinnerungen oder von der Vergangenheit, welch’ letztere so schön wirkt, weil ihr, um nur eins zu erwähnen, das Element der Furcht bereits entzogen ist. –

    Für die Gegenwart aber müssen

    Faksmilie, Seite 2Bild-Quelle: Staatsbibliothek zu Berlin

    Sie etwas mit sich herausnehmen, welches zu meinem
    stärksten Glauben gehört: nämlich die Ueberzeugung
    an Ihre allererste Stellung im jetzigen Musikleben.
    Jede unangenehme Episode des neuen Lebens & der
    Zukunft sei zum Voraus damit aus dem Wege geschafft!
    Mit keinem Werke mehr zurück!
    Stetsfort werde ich in Liebe & Treue an Sie & Ihr
    Zukunftswerk denken & für Ihr Glück beten.
    Am 1. October gehen wir wieder nach Locarno (Grand-Hôtel)
    & ich will hoffen, daß es mir dort beßer gehen wird,
    als in den letzten Wochen in Vitznau, die mich sehr
    angegriffen haben. Von meiner Frau & von mir an Sie
    & Ihre liebe Frau die allerherzlichsten Abschiedsgrüße
    (ständen sie jetzt vor mir, müßte ich weinen!) &
    gedenken Sie etwa in großen Momenten
    an Ihren kleinen aber treuen

    Hans Huber

    Sie etwas mit sich herausnehmen, welches zu meinem stärksten Glauben gehört: nämlich die Überzeugung an Ihre allererste Stellung im jetzigen Musikleben. Jede unangenehme Episode des neuen Lebens und der Zukunft sei zum Voraus damit aus dem Wege geschafft! Mit keinem Werke mehr zurück! Stetsfort werde ich in Liebe und Treue an Sie und Ihr Zukunftswerk denken und für Ihr Glück beten. Am 1. Oktober gehen wir wieder nach Locarno (Grand-Hôtel), und ich will hoffen, dass es mir dort besser gehen wird als in den letzten Wochen in Vitznau, die mich sehr angegriffen haben. Von meiner Frau und von mir an Sie und Ihre liebe Frau die allerherzlichsten Abschiedsgrüße (ständen sie jetzt vor mir, müsste ich weinen!), und gedenken Sie etwa in großen Momenten an Ihren kleinen, aber treuen

    Hans Huber