Stand: 23. Juli 2018 (erwartet Freigabe) Lizenz: CC BY-NC-SA 4.0

Quelle

Entstehung

  • Der Brief wurde in vermutlich in Wien am 18. Mai 1897 verfasst.
  • Datierung in der Quelle: 18. Mai 1897 (autograph)

Umfang

1 Bogen, 4 beschriebene Seiten

Zustand

  • Der Brief ist gut erhalten; Beim Briefumschlag wurde die Ecke mit der Briefmarke abgerissen.
  • Aufbewahrungsort

  • Deutschland | Berlin | Staatsbibliothek zu Berlin · Preußischer Kulturbesitz | Musikabteilung mit Mendelssohn-Archiv | Nachlass Ferruccio Busoni | Mus.Nachl. F. Busoni B II, 4413 | olim: Mus.ep. H. Schenker 1 (Busoni-Nachl. B II) | Nachweis in Kalliope
  • Hände/Stempel

    • Überwiegend: Hand des Absenders Heinrich Schenker, Brieftext in schwarzer Tinte, in lateinischer Schreibschrift.
    • Bibliotheksstempel (rote Tinte)
    • Bibliotheksstempel (blaue Tinte)
    • Hand des Archivars, der die Foliierung mit Bleistift vorgenommen hat.
    • Hand des Archivars, der die ursprüngliche Zuordnung innerhalb des Busoni-Nachlasses mit Bleistift vorgenommen hat.
    • Hand des Archivars, der die erneute Zuordnung innerhalb des Busoni-Nachlasses mit Bleistift vorgenommen hat.
    • Hand des Archivars, der eine Datierung innerhalb der Korrespondenz mit Bleistift vorgenommen hat.
    • unbekannte Hand, die den Namen des Absenders mit Bleistift auf den Umschlag geschrieben hat.
    • Hand des Archivars, der die Zuordnung innerhalb des Busoni-Nachlasses mit Rotstift vorgenommen hat.
    • Poststempel auf der Vorderseite des Umschlags (schwarze Tinte)
    • Poststempel auf der Rückseite des Umschlags (schwarze Tinte)

    Foliierungen

    • Foliierung durch das Archiv, mit Bleistift unten rechts auf den Vorderseiten.

    Inhalt

    Absender

  • Heinrich Schenker
  • Empfänger

  • Ferruccio Busoni
  • Zusammenfassung

  • Schenker berichtet von der Absage Peters; bittet Busoni um Hilfe bei der Suche nach anderen Verlegern; berichtet vom Aufsatz über Brahms in Hardens Zukunft.
  • Incipit

  • Als ich von Ihnen, entzückt über Ihre liebenswürdige Aufnahme und glücklich über Ihr gesprochenes und geschriebenes Lob
  • Edition

    Verantwortlich

    Bearbeitet von

  • Theresa Menard
  • Frühere Editionen

    Faksimile
    Umschrift
    Lesefassung
    Faksmilie, Seite 1Bild-Quelle: Staatsbibliothek zu Berlin
    Mus.ep. H. Schenker 1
    (Busoni-Nachl. B II)

    Mus. Nachl. F. Busoni B II, 4413
    18. V. 1897

    Hochverehrter Herr!

    Als ich von Ihnen, entzückt über
    Ihre liebenswürdige Aufnahme
    u. glücklich über Ihr gesprochenes
    u. geschriebenes Lob meiner Sachen,
    wegging, begab ich mich zu Meister
    Goldmark. Ich übergab ihm Ihren Brief
    u. sagte ihm, Sie wären für Peters, der
    gute alte Meister schrieb mir sofort
    eine glänzende, wirklich glänzende Empfeh-
    lung an Peters, dessen Verlag er allerdings
    nicht kan̅te. Ich schrieb überdies an
    Peters einen Brief, worin ich ihm Ihr
    schmeichelhaftes Lob über meine Scherzi
    u. insbesondere Variationen, gleichsam Deutsche
    Staatsbibliothek
    Berlin
    [1]

    18.05.1897

    Hochverehrter Herr!

    Als ich von Ihnen, entzückt über Ihre liebenswürdige Aufnahme und glücklich über Ihr gesprochenes und geschriebenes Lob meiner Sachen, wegging, begab ich mich zu Meister Goldmark. Ich übergab ihm Ihren Brief und sagte ihm, Sie wären für Peters, der gute alte Meister schrieb mir sofort eine glänzende, wirklich glänzende Empfehlung an Peters, dessen Verlag er allerdings nicht kannte. Ich schrieb überdies an Peters einen Brief, worin ich ihm Ihr schmeichelhaftes Lob über meine Scherzi und insbesondere Variationen, gleichsam

    Faksmilie, Seite 2Bild-Quelle: Staatsbibliothek zu Berlin

    privat, mittheilte. Denken Sie, sofort
    traf ein Brief von ihm ein, aus dem ich
    entnahm, dass er solches seriöses Zeug
    nicht gern nim̅t. Die Variationen ver-
    langte er nicht einmal zur Ansicht,
    wohl aber die Legende, Scherzi, u. die 5 Kl.
    Stücke
    , die Ihnen so sehr gefallen haben.
    Ich merkte auch, dass er die Dinge nur aus
    Courtoisie gegen Goldmark zur Ansicht
    verlange, ohne die Empfehlung sich sonder-
    lich zu Herzen zu nehmen. Nach ein
    paar Tagen war meine Verlagswerbung zu
    Ende: Peters bedauerte. Mir selbst ist
    eigentlich nur die Thatsache peinlich, dass
    die Empfehlung des alten Meisters an mir
    zu Schanden werden musste. Ich theilte
    davon Goldmark nichts mit. Im Uebrigen
    glaube ich, Peters gäbe sich wirklich

    privat, mitteilte. Denken Sie, sofort traf ein Brief von ihm ein, aus dem ich entnahm, dass er solches seriöses Zeug nicht gern nimmt. Die Variationen verlangte er nicht einmal zur Ansicht, wohl aber die Legende, Scherzi, und die 5 Klavierstücke, die Ihnen so sehr gefallen haben. Ich merkte auch, dass er die Dinge nur aus Courtoisie gegen Goldmark zur Ansicht verlange, ohne die Empfehlung sich sonderlich zu Herzen zu nehmen. Nach ein paar Tagen war meine Verlagswerbung zu Ende: Peters bedauerte. Mir selbst ist eigentlich nur die Tatsache peinlich, dass die Empfehlung des alten Meisters an mir zuschanden werden musste. Ich teilte davon Goldmark nichts mit. Im Übrigen glaube ich, Peters gäbe sich wirklich

    Faksmilie, Seite 3Bild-Quelle: Staatsbibliothek zu Berlin

    mit so ganz seriösen Dingen nicht ab.

    Mitten in meine Deprimirtheit kam zufällig
    ein herzlicher, sehr herzlicher Brief von D’Albert,
    der aus Heidelberg mir mittheilt, dass er
    den kom̅enden Winter ganz bestim̅t von mir
    etwas spielt. Er lud mich nach Man̅heim
    ein, wo wir vi[e]les besprechen kön̅ten. Vielleicht
    erscheine ich dort mit meinem Freund Rosé,
    der Quartett (natürlich mit noch anderen
    3 en) spielt. Auch Sie treffe ich doch?
    Wie würde ich mich darüber freuen?

    Sie thaten mir sehr, sehr wohl, nicht,
    weil sie lobten, sondern durch die Art,
    wie Sie lobten.

    Nun, wie Sie sehen, bin ich in der Lage, erst
    die Manuscripte von mir, die Sie am liebsten
    sehen haben mochten, zu senden. Es wäre besser,
    wenn ich die Sachen gedruckt Ihnen schicken
    kön̅te! Aber was thun? Wissen Sie einen Nachlaß Busoni [2]

    mit so ganz seriösen Dingen nicht ab.

    Mitten in meine Deprimiertheit kam zufällig ein herzlicher, sehr herzlicher Brief von d’Albert, der aus Heidelberg mir mitteilt, dass er den kommenden Winter ganz bestimmt von mir etwas spielt. Er lud mich nach Mannheim ein, wo wir vieles besprechen könnten. Vielleicht erscheine ich dort mit meinem Freund Rosé, der Quartett (natürlich mit noch anderen dreien) spielt. Auch Sie treffe ich doch? Wie würde ich mich darüber freuen?

    Sie taten mir sehr, sehr wohl, nicht, weil sie lobten, sondern durch die Art, wie Sie lobten.

    Nun, wie Sie sehen, bin ich in der Lage, erst die Manuskripte von mir, die Sie am liebsten haben mochten, zu senden. Es wäre besser, wenn ich die Sachen gedruckt Ihnen schicken könnte! Aber was tun? Wissen Sie einen

    Faksmilie, Seite 4Bild-Quelle: Staatsbibliothek zu Berlin

    Verleger, wollten Sie mich an ihn
    empfehlen? Etwa Kistner, Rieter-Bie-
    dermann
    , Aibl, Simrock? Was denken
    Sie darüber? Oder vielleicht soll ich mit
    einer Empfehlung von Ihnen auf der Reise
    bei einigen Verlegern hausiren gehen?

    Goldmark freute sich sehr darüber, dass
    Sie so herzlich versprachen, mir zu helfen,
    u. Etwas von mir zu spielen. Wenn Sie
    es thun, so ist mir sehr geholfen!
    Verzeihen Sie die lange Epistel, aber es war,
    da ich Goldmark nicht mehr ansehen wollte,
    nothwendig Ihnen alles zu sagen, die Sie so
    herzlich zu mir waren.

    Haben Sie vielleicht zufällig meinen Aufsatz
    über Brahms
    in HardensZukunft No 32
    gelesen? In Bezug auf das Tempo in
    BrahmsConzert erlaubte ich mir, heren wenigstens
    in der Wiener Neuen Revue zu belasten .

    Er So ist gerecht ja recht?

    Mit besten Grüssen an Sie
    u. ergebenen Handküssen an Ihre hochg. Frau Gemahlin
    zeichne Ihr

    Dr. Heinrich Schenker

    Verleger, wollten Sie mich an ihn empfehlen? Etwa Kistner, Rieter-Biedermann, Aibl, Simrock? Was denken Sie darüber? Oder vielleicht soll ich mit einer Empfehlung von Ihnen auf der Reise bei einigen Verlegern hausieren gehen?

    Goldmark freute sich sehr darüber, dass Sie so herzlich versprachen, mir zu helfen, und etwas von mir zu spielen. Wenn Sie es tun, so ist mir sehr geholfen! Verzeihen Sie die lange Epistel, aber es war, da ich Goldmark nicht mehr ansehen wollte, notwendig Ihnen alles zu sagen, die Sie so herzlich zu mir waren.

    Haben Sie vielleicht zufällig meinen Aufsatz über Brahms in HardensZukunft No 32 gelesen? In Bezug auf das Tempo in BrahmsKonzert erlaubte ich mir, heren wenigstens in der Wiener Neuen Revue zu belasten .

    ErSo ist gerechtja recht?

    Mit besten Grüßen an Sie und ergebenen Handküssen an Ihre hochgeschätzte Frau Gemahlin zeichnet Ihr

    Dr. Heinrich Schenker

    Faksmilie, Seite 5Bild-Quelle: Staatsbibliothek zu Berlin
    [Wien 2/3]
    a
    18.[5.97])
    6-7 N
    Herrn
    Feruccio Busoni
    Komponist
    Berlin W
    Tauenzienstr. 1̇0
    1
    Herrn
    Ferruccio Busoni
    Komponist
    Berlin West
    Tauentzienstr. 10
    Faksmilie, Seite 6Bild-Quelle: Staatsbibliothek zu Berlin
    Schenker
    Bestellt
    vom
    Postam[te] 50
    19[.]5[.97]
    1 3/4 - 2 3/4 N
    Mus. Nachl. F. Busoni B II, 4413-Beil.
    Nachlaß Busoni
    B II

    18.5.1897
    o. Marke

    Mus.ep. H. Schenker 1

    Schenker