Stand: 30. Juni 2017 (unfertig) Lizenz: CC BY-NC-SA 3.0 DE

Quelle

Entstehung

  • Der Brief wurde in am 15. Februar 1898 verfasst.
  • Datierungen in der Quelle: 0. 0 (autograph), 0. 0 (Poststempel Berlin), 0. 0 (Poststempel Steinakirchen am Forst)

Umfang

,
  • Zustand

  • Der Brief ist gut erhalten.
  • Aufbewahrungsort

  • Deutschland | Berlin | Staatsbibliothek zu Berlin · Preußischer Kulturbesitz | Musikabteilung mit Mendelssohn-Archiv | Nachlass Ferruccio Busoni | Mus.Nachl. F. Busoni B II, 4419 | olim: Mus.ep. H. Schenker 7 (Busoni-Nachl. B II) | Nachweis in Kalliope
  • Hände/Stempel

    • Überwiegend: Hand des Absenders Heinrich Schenker, Brieftext in schwarzer Tinte, in deutscher Kurrentschrift.

    Inhalt

    Absender

  • Heinrich Schenker
  • Empfänger

  • Ferruccio Busoni
  • Zusammenfassung

  • Incipit

  • Edition

    Verantwortlich

    • Christian Schaper
    • Ullrich Scheideler

    Bearbeitet von

  • Theresa Menard
  • Frühere Editionen

    Faksimile
    Umschrift
    Lesefassung
    Faksmilie, Seite 1Bild-Quelle: Staatsbibliothek zu Berlin
    Mus.ep. H. Schenker 7
    (Busoni-Nachl.B II)
    Mus. Nachl. F. Busoni B II, 4419
    Wien
    15. Febr. 1898

    Verehrtester, liebster Freund!

    Ich glaube endlich mit Allem, was Sie
    wünschten, fertig zu sein, u. sende Ihnen
    die „Phantasie“. Nochmals danke ich freund-
    schaftlichst für die werthvolle Anregung
    zu diesem grösseren Opus. Wenn nur die
    Ausführung auf der Höhe Ihrer Anregung
    stünde!

    Ich theilte schon mit, dass d’Albert aus
    mir noch unbegreiflicher Rücksicht plötzlich
    meine Stücke ankündigte. Wegen übergrosser
    Länge des Program̅s spielte er nur 2 Stücke, statt 4 (No[.] 1,2). Ich
    sagte ihm dann offen, dass ich mit der Aus-
    führung nicht einverstanden war, u. er
    gestand mir offen, dass er eben, weil er Deutsche
    Staatsbibliothek
    Berlin
    [1]

    Wien
    15. Februar 1898

    Verehrtester, liebster Freund!

    Ich glaube endlich mit Allem, was Sie wünschten, fertig zu sein, und sende Ihnen die „Phantasie“. Nochmals danke ich freundschaftlichst für die wertvolle Anregung zu diesem größeren Opus. Wenn nur die Ausführung auf der Höhe Ihrer Anregung stünde!

    Ich teilte schon mit, dass d’Albert aus mir noch unbegreiflicher Rücksicht plötzlich meine Stücke ankündigte. Wegen übergroßer Länge des Programms spielte er nur 2 Stücke, statt 4 (No. 1,2). Ich sagte ihm dann offen, dass ich mit der Ausführung nicht einverstanden war, und er gestand mir offen, dass er eben, weil er

    Faksmilie, Seite 2Bild-Quelle: Staatsbibliothek zu Berlin

    nicht das Gefühl hatte, die Stücke gut
    zu beherrschen, vorzog zum ersten Mal
    lieber weniger zu spielen, als mich u. sich
    der Gefahr auszusetzen. Nun, geschadet
    hat es nicht, im Gegentheil, Kalbeck
    besprach auch das winzige Ereigniss
    sehr günstig, u. s. w.

    Indessen sah ich ein, wie Recht Sie hatten, als
    Sie mir riethen, mit der Phantasie zuerst
    hervorzutreten, als einem grösseren Werk.
    Nur eines tröstete mich, dass ich mir sagte,
    gegen den Zufall gäbe es keinen Einwand,
    u. ein solcher Zufall war ja d’Alb. Concert
    für meine Sache.

    Heuberger u. die N. freie Presse besprachen
    d’Alberts' Concert überhaupt gar nicht,
    weil in der Oper eine Gastgabe der Frau
    Rili Lehmann zugleich stattfand. Im
    Übrigen können Sie ja errathen, was
    ich über die Zeitungsschmiererei für

    nicht das Gefühl hatte, die Stücke gut zu beherrschen, vorzog zum ersten Mal lieber weniger zu spielen, als mich und sich der Gefahr auszusetzen. Nun, geschadet hat es nicht, im Gegenteil, Kalbeck besprach auch das winzige Ereignis sehr günstig, u. s. w.

    Indessen sah ich ein, wie Recht Sie hatten, als Sie mir rieten, mit der Phantasie zuerst hervorzutreten, als einem größeren Werk. Nur eines tröstete mich, dass ich mir sagte, gegen den Zufall gäbe es keinen Einwand, und ein solcher Zufall war ja d’Alberts Konzert für meine Sache.

    Heuberger und die Neue freie Presse besprachen d’Alberts Konzert überhaupt gar nicht, weil in der Oper eine Gastgabe der Frau Rili Lehmann zugleich stattfand. Im Übrigen können Sie ja errathen, was ich über die Zeitungsschmiererei für

    Faksmilie, Seite 3Bild-Quelle: Staatsbibliothek zu Berlin

    das grosse Publikum beiläufig denke.
    Wenn ich als Kalbeck, Heuberger genan̅t
    habe, will ich blos die unvermeidliche Folge
    eines öffentlichen Schrittes erwähnt haben, mehr nichts.

    Und nun, da Sie die „Phantasie“ besitzen,
    frage ich Sie, wie es mit der Verwendung
    bei Br. & H., oder anderswo zu stehen
    hat? Wollen u. kön̅en Sie eintreten,
    mündlich oder schriftlich, mir zu Händen
    oder in anderer Form? Ich fragte d’Albert,
    der mir eine sehr warme, wirklich sehr
    warme Empfehlung für Br. & H. sandte, ob
    er die Emfehlung, die generell für alle
    Werke von mir galt, erneuern wolle;
    ich durfte ihn ja nicht verletzen, trotzdem er
    weiss, dass Sie sich der Phantasie an-
    nehmen in jeder Hinsicht, er war auch
    klug u. liebenswürdig genug, mir zu sagen,[2]

    das große Publikum beiläufig denke. Wenn ich als Kalbeck, Heuberger genannt habe, will ich bloß die unvermeidliche Folge eines öffentlichen Schrittes erwähnt haben, mehr nichts.

    Und nun, da Sie die „Phantasie“ besitzen, frage ich Sie, wie es mit der Verwendung bei Breitkopf & Härtel, oder anderswo zu stehen hat? Wollen und können Sie eintreten, mündlich oder schriftlich, mir zu Händen oder in anderer Form? Ich fragte d’Albert, der mir eine sehr warme, wirklich sehr warme Empfehlung für Breitkopf & Härtel sandte, ob er die Emfehlung, die generell für alle Werke von mir galt, erneuern wolle; ich durfte ihn ja nicht verletzen, trotzdem er weiß, dass Sie sich der Phantasie annehmen in jeder Hinsicht, er war auch klug und liebenswürdig genug, mir zu sagen,

    Faksmilie, Seite 4Bild-Quelle: Staatsbibliothek zu Berlin

    er stehe mir im̅er, unter allen Umständen
    zur Verfügung. Von Ihnen hängt es also
    nun ab, was ich zu thun habe: ich denke,
    Sie brauchen d'Alb.s Mithilfe nicht, u.
    es genügt, wenn ich gegenüber dem Verleger
    mit Ihrem schriftlichen Versprechen (vielleicht
    so?), dass sSie das Stück spielen wollen,
    heute oder morgen, in 2 oder 5 Jahren, mich
    ausweisen kann. Wenn Sie ein bischen
    Zeit finden, inmitten der Saison, so
    haben Sie die Güte, mich zu instruiren!
    Ich bin gerne bereit, auch nach Berlin
    zu kom̅en (für ein paar Tage nur, aus
    Gründen des sogen. Geldes), wenn Sie
    es für nöthig oder gut finden, zu eigenen
    oder Verleger-Zwecken.

    Kurz, wie im̅er
    bleibe ich Ihr ergebener, Ihre Wünsche
    u. Anregungen empfangender Geselle
    u. Freund

    H Schenker

    Herzlichste, ergebenste Grüsse
    an Ihre Frau Gemalin.

    Nachlaß Busoni

    er stehe mir immer, unter allen Umständen zur Verfügung. Von Ihnen hängt es also nun ab, was ich zu tun habe: ich denke, Sie brauchen d'Alberts Mithilfe nicht, und es genügt, wenn ich gegenüber dem Verleger mit Ihrem schriftlichen Versprechen (vielleicht so?), dass Sie das Stück spielen wollen, heute oder morgen, in 2 oder 5 Jahren, mich ausweisen kann. Wenn Sie ein bisschen Zeit finden, inmitten der Saison, so haben Sie die Güte, mich zu instruieren! Ich bin gerne bereit, auch nach Berlin zu kommen (für ein paar Tage nur, aus Gründen des sogenannten Geldes), wenn Sie es für nötig oder gut finden, zu eigenen oder Verleger-Zwecken.

    Kurz, wie immer bleibe ich Ihr ergebener, Ihre Wünsche und Anregungen empfangender Geselle und Freund

    Heinrich Schenker

    Herzlichste, ergebenste Grüße an Ihre Frau Gemahlin.

    Faksmilie, Seite 00
    (* The * Library * of * Congress *)
    (Berlin W * 30 c )
    ( )
    Faksmilie, Seite 00
    Abs. F. Busoni
    Berlin W.30.
    (Steinakirchen am Forst 18.VII.09XII-)
    ([[…]] [[…]])
    Abs. F. Busoni
    Berlin W.30.