Ferruccio Busoni an Heinrich Schenker Dokument exportieren

Berlin, 19. Februar 1898

Stand: 30. Juni 2017 (unfertig) Lizenz: CC BY-NC-SA 4.0

Quelle

Entstehung

  • Der Brief wurde in Berlin am 19. Februar 1898 verfasst.
  • Datierung in der Quelle: 19. Februar 1898 (autograph)

Umfang

XXXX, 4 beschriebene Seiten

Zustand

  • Der Brief ist gut erhalten.
  • Aufbewahrungsort

  • Vereinigte Staaten von Amerika | Riverside | University of California, Special Collections and Archives | Oswald Jonas memorial collection | Box 9, Folder 27
  • Hände/Stempel

    • Überwiegend: Hand des Absenders Ferruccio Busoni, Brieftext in schwarzer Tinte, in lateinischer Schreibschrift.
    • lila Markierungen noch codieren

    Inhalt

    Absender

  • Ferruccio Busoni
  • Empfänger

  • Heinrich Schenker
  • Zusammenfassung

  • Busoni hat von Schenker die überarbeitete Fassung der Fantasie erhalten und kommentiert die in seinen Augen große Subjektivität, welche in Teilen des Stückes vorherrschen. Für den 8. März kündigt er ein Treffen zur weiteren Besprechung in Wien an.
  • Incipit

  • Ich besitze Ihren Brief u. das Manuscript, vorher erhielt ich auch eine Karte
  • Edition

    Verantwortlich

    • Christian Schaper
    • Ullrich Scheideler

    Bearbeitet von

  • Theresa Menard
  • Frühere Editionen

    Faksimile
    Umschrift
    Lesefassung
    Faksmilie, Seite 1

    Verehrter Freund.

    Ich besitze Ihren Brief
    u. das Manuscript, vorher
    erhielt ich auch eine Karte
    und die 5 Stücke (cinq morceaux,
    piano-pieces), bei Breitkopf.

    Für Alles besten Dank
    und herzlichste Anerkennung. –

    Ihre Phantasie verdient
    den Namen, denn sie ist
    phantasievoll, im ganzen
    bedeutend, durchwegs
    interessant, von großem
    Zug und feinster Ausar-
    -beitung. Diese Vorzüge
    (und es sind nicht geringe)
    anzuerkennen ist mir
    eine Herzensfreude: ich
    thue es unbeschränkt. –

    Verehrter Freund.

    Ich besitze Ihren Brief und das Manuskript, vorher erhielt ich auch eine Karte und die 5 Stücke (cinq morceaux, piano-pieces), bei Breitkopf.

    Für Alles besten Dank und herzlichste Anerkennung. –

    Ihre Phantasie verdient den Namen, denn sie ist phantasievoll, im ganzen bedeutend, durchwegs interessant, von großem Zug und feinster Ausarbeitung. Diese Vorzüge (und es sind nicht geringe) anzuerkennen ist mir eine Herzensfreude: ich thue es unbeschränkt. –

    Faksmilie, Seite 2

    Im Bau des Stückes
    glaubte ich zu bemerken
    dass die Verbindungstheile
    zwischen den drei Sätzen,
    (an sich spannend und
    inhaltsreich) doch vielleicht
    über Gebühr ausgesponnen
    sind, so dass man in
    Wahrheit anstatt dreier
    Stücke derer fünf
    aufweisen kann.
    Andererseits muss ich
    bewundern, wie Sie den
    organischen Zusammenhang
    herstellen und wiederum
    aus den drei Theilen einen
    machen.

    Nicht verschweigen darf
    ich, daß ihre Subjectivität
    hie u. da höchst subjectiv das Wort
    redet; es ist, als ob Sie
    in ihren eigenen vier
    Waenden allein u. nur
    für sich Musik machten.

    Im Bau des Stückes glaubte ich zu bemerken dass die Verbindungsteile zwischen den drei Sätzen, (an sich spannend und inhaltsreich) doch vielleicht über Gebühr ausgesponnen sind, so dass man in Wahrheit anstatt dreier Stücke derer fünf aufweisen kann. Andererseits muss ich bewundern, wie Sie den organischen Zusammenhang herstellen und wiederum aus den drei Teilen einen machen.

    Nicht verschweigen darf ich, daß ihre Subjektivität hie und da höchst subjektiv das Wort redet; es ist, als ob Sie in ihren eigenen vier Wänden allein und nur für sich Musik machten.

    Faksmilie, Seite 3

    Nur ein Publikum, das
    Sie persönlich kennt und
    liebt, wird solche Stellen
    auffassen u. geniessen
    koennen – ein solches
    Publikum giebt es aber
    nicht. Als ein prägnantes
    Beispiel dieser Art sind
    die Variationen VI + VII
    anzuführen, die ich
    wirklich ganz auszumerzen
    rathen würde. –

    Dass ich mit meinen
    geringen Kräften und
    meinem noch geringeren
    Einfluss für das Werk
    eintreten werde, habe
    ich wiederholt ausge-
    sprochen und ich
    bleibe dabei. Dabei Auch
    lasse ich mich nicht von
    meinem Versprechen,
    sondern von meiner
    Überzeugung leiten.

    Nur ein Publikum, das Sie persönlich kennt und liebt, wird solche Stellen auffassen und genießen können – ein solches Publikum gibt es aber nicht. Als ein prägnantes Beispiel dieser Art sind die Variationen VI + VII anzuführen, die ich wirklich ganz auszumerzen raten würde. –

    Dass ich mit meinen geringen Kräften und meinem noch geringeren Einfluss für das Werk eintreten werde, habe ich wiederholt ausgesprochen und ich bleibe dabei. Auch lasse ich mich nicht von meinem Versprechen, sondern von meiner Überzeugung leiten.

    Faksmilie, Seite 4

    Ich bin so beschäftigt,
    dass ich enden muss,
    so gerne ich weiter schriebe.
    Am 8. März in Wien
    werde ich das Vergnügen
    haben, das Gespräch
    mündlich fortzuführen.

    Herzlichste Grüsse
    Ihr sehr ergebener

    F Busoni

    Meine Frau
    grüsst freundlichst.

    Berlin 19.2.98.

    Ich bin so beschäftigt, dass ich enden muss, so gerne ich weiter schriebe. Am 8. März in Wien werde ich das Vergnügen haben, das Gespräch mündlich fortzuführen.

    Herzlichste Grüße Ihr sehr ergebener

    Ferruccio Busoni

    Meine Frau grüßt freundlichst.

    Berlin 19.2.98.