Heinrich Schenker an Ferruccio Busoni Dokument exportieren

Gmunden, zw. 27. August 1903 u. 30. August 1903

Stand: 28. Mai 2017 (unfertig) Lizenz: CC BY-NC-SA 3.0 DE

Quelle

Entstehung

  • Der Brief wurde in Gmunden zwischen dem 27. und 30. August 1903 verfasst. Die Datierung erfolgt aufgrund des Kontextes.
  • Keine Datierung in der Quelle.

Umfang

1 Bogen, 4 beschriebene Seiten

Zustand

  • Der Brief ist gut erhalten.
  • Aufbewahrungsort

  • Deutschland | Berlin | Staatsbibliothek zu Berlin · Preußischer Kulturbesitz | Musikabteilung mit Mendelssohn-Archiv | Nachlass Ferruccio Busoni | Mus.Nachl. F. Busoni B II, 3549 | olim: Mus.ep. Orchester Abend 1903, 25 (Busoni-Nachl. B II) | Nachweis in Kalliope
  • Hände/Stempel

    • Überwiegend: Hand des Absenders Heinrich Schenker, Brieftext in schwarzer Tinte, in deutscher Kurrentschrift.
    • Bibliotheksstempel (rote Tinte)
    • Hans des Archivars, der die Foliierung mit Bleistift vorgenommen hat.
    • Hand des Archivars, der die ursprüngliche Zuordnung innerhalb des Busoni-Nachlasses mit Bleistift vorgenommen hat.
    • Hand des Archivars, der die erneute Zuordnung innerhalb des Busoni-Nachlasses mit Bleistift vorgenommen hat.
    • Hand des Archivars, der die Zuordnung innerhalb des Busoni-Nachlasses mit Rotstift vorgenommen hat.

    Inhalt

    Absender

  • Heinrich Schenker
  • Empfänger

  • Ferruccio Busoni
  • Zusammenfassung

  • Schenker bedankt sich für Busonis Interesse an den Syrischen Tänzen und berichtet von einer möglicherweise durch Schönberg angefertigten Orchesterfassung der Syrischen Tänze. Er signalisiert Interesse, eventuell eine eigene Orchestierung vorzunehmen und berichtet von möglichen Konzerten in der Zukunft.
  • Incipit

  • Die Post hatte manche Wege zu mir, bis sie mir Ihren liebenswürdigen Brief gebracht;
  • Edition

    Verantwortlich

    • Christian Schaper
    • Ullrich Scheideler

    Bearbeitet von

  • Maximilian Furthmüller
  • Frühere Editionen

    Faksimile
    Umschrift
    Lesefassung
    Faksmilie, Seite 1Bild-Quelle: Staatsbibliothek zu Berlin

    Mus. Nachl. F. Busoni B II, 3549Mus.ep. Orchester Abend 1903, 25(Busoni-Nachl.
    B II)

    Lieber u. sehr verehrter Freund!

    Die Post hatte manche Wege zu mir, bis sie
    mir Ihren lieben[…]swürdigen Brief gebracht;
    daher das gewünschte Umgehende meiner Ant-
    wort nicht schon früher sich ereignen kon̅te.
    Wie glücklich bin ich über Ihren Brief, u. überhaupt
    darüber, daß ein Mann Ihres Ranges mich
    zu fördern willens ist! Nun muß ich sagen,
    wie die Sache steht.

    Vor etwa drei Jahren habe ich di[e] S. T. mit
    einem Freund im Bösendorfersaal gespielt.
    Dort gefielen sie einem Musiker, namens
    Arnold Schönberg (der seither nach Berlin
    ausgewandert, u. über Empfehlung von R. Strauss[1]

    Lieber und sehr verehrter Freund!

    Die Post hatte manche Wege zu mir, bis sie mir Ihren liebenswürdigen Brief gebracht; daher das gewünschte Umgehende meiner Antwort nicht schon früher sich ereignen konnte. Wie glücklich bin ich über Ihren Brief, und überhaupt darüber, dass ein Mann Ihres Ranges mich zu fördern willens ist! Nun muss ich sagen, wie die Sache steht.

    Vor etwa drei Jahren habe ich die S. T.Syrischen Tänze mit einem Freund im Bösendorfersaal gespielt. Dort gefielen sie einem Musiker namens Arnold Schönberg (der seither nach Berlin ausgewandert, und über Empfehlung von R.Richard Strauss

    Faksmilie, Seite 2Bild-Quelle: Staatsbibliothek zu Berlin


    das Liszt-Stipendium für 3 Jahre erhalten hat)
    derart, daß er mich gebeten hat, die Sachen
    instrumentieren zu dürfen: er ist nämlich ein
    virtuoser Instrumentator (soll auch interessante
    Partituren haben, wie man mir sagt), u.
    müht sich in Noth mit Instrumenti[e]rung,
    genau so wi[e] ich mit vor Jahren mich mit Schriftstel-
    lern zum Theil fortbringen mußte. Mir blieb
    nichts übrig, als mich über den spontanen An-
    trag Sch.’s zu freuen, verwies ihn aber
    auf den Verleger, dem ich die Sachen leider
    (– in Anbetracht dessen, daß sie sehr gut
    gehen) nur zu billig verkauft habe, ganz
    u. mit Bearbeitungen u. s. w. Und
    nun glaube ich, daß die Sachen
    instrumentirt beim Verleger liegen, Deutsche
    Staatsbibliothek
    Berlin

    das Liszt-Stipendium für 3 Jahre erhalten hat) derart, dass er mich gebeten hat, die Sachen instrumentieren zu dürfen: er ist nämlich ein virtuoser Instrumentator (soll auch interessantePartituren haben, wie man mir sagt), und müht sich in Not mit Instrumentierung, genau so wie ich vor Jahren mich mit Schriftstellern zum Teil fortbringen musste. Mir blieb nichts übrig, als mich über den spontanen Antrag Schönbergs zu freuen, verwies ihn aber auf den Verleger, dem ich die Sachen leider (– in Anbetracht dessen, dass sie sehr gut gehen) nur zu billig verkauft habe, ganz und mit Bearbeitungen u. s. w. Und nun glaube ich, dass die Sachen instrumentiert beim Verleger liegen,

    Faksmilie, Seite 3Bild-Quelle: Staatsbibliothek zu Berlin

    nur daß sie entweder der Verleger niemandem
    angetragen, oder niemand acceptirt hat.

    Ich selbst hatte Bedenken, die Sachen von vornherein
    selbst zu instrumentiren: mir schien es tact-
    voller, künstlerischer sie zunächst in 4-händ. Form
    zu geben, obgleich ich deutlich das Orchester im Kopfe
    hatte. – Nun bitte ich Sie, lieber, guter
    Freund mir zu sagen, ob Sie die Sachen in
    meiner eigenen Instrumentirung wünschen,
    oder ob Sie, sie, als von A. Schönberg instrumen-
    tirt, aufführen können. Im ersten Falle
    müßte ich sie schleunigst über Hals u. Kopf
    machen, u. copiren lassen etc. Ich schrieb
    an den Verleger um Auskunft, ob Schön-
    berg
    seinerzeit für ihn die Sache besorgt hat.
    Ich möchte durchaus die glückliche Wendung,
    die mir von Ihrer Seite kom̅, festhalten[2]

    nur dass sie entweder der Verleger niemandem angetragen, oder niemand akzeptiert hat.

    Ich selbst hatte Bedenken, die Sachen von vornherein selbst zu instrumentieren: mir schien es taktvoller, künstlerischer sie zunächst in 4-händiger Form zu geben, obgleich ich deutlich das Orchester im Kopfe hatte. – Nun bitte ich Sie, lieber, guter Freund, mir zu sagen, ob Sie die Sachen in meiner eigenen Instrumentierung wünschen, oder ob Sie sie, als von Arnold Schönberg instrumentiert, aufführen können. Im ersten Falle müsste ich sie schleunigst über Hals und Kopf machen, und kopieren lassen etc. Ich schrieb an den Verleger um Auskunft, ob Schönberg seinerzeit für ihn die Sache besorgt hat. Ich möchte durchaus die glückliche Wendung, die mir von Ihrer Seite komm, festhalten

    Faksmilie, Seite 4Bild-Quelle: Staatsbibliothek zu Berlin

    u. gerne möchte ich Ihnen meinen ersten Erfolg
    (denn an einen solchen glaube ich fest) ver-
    danken! So haben Sie denn die Güte, mir
    zu antworten, ob die Instr. Schönberg’s Ihnen
    genügt: inzwischen wird auch hoffentlich
    mein Verleger Antwort geben u. sich so Alles klarstellen.
    Es wird Sie freuen zu hören, daß die Gesellschafts-
    concerte u. die Singakademie Einiges von
    mir bringen wollen. Ach, käme das Alles
    zu Stande mir, denn ich habe es schon sehr, sehr
    not; der Kampf, den ich, wenig gefördert, seit
    meinem 13ten Lebensjahre, führe, hat mich fast
    ganz aufgerieben. Dank, besten Dank
    für Ihre so warme Teilnahme!

    [B]este Grüße an Sie u. Ihre Frau Gemalin
    Ihr stets treu ergebener

    Heinrich Schenker

    und gerne möchte ich Ihnen meinen ersten Erfolg (denn an einen solchen glaube ich fest) verdanken! So haben Sie denn die Güte, mir zu antworten, ob die Instrumentierung Schönbergs Ihnen genügt: inzwischen wird auch hoffentlich mein Verleger Antwort geben und sich so alles klarstellen. Es wird Sie freuen zu hören, dass die Gesellschaftskonzerte und die Singakademie einiges von mir bringen wollen. Ach, käme das alles zustande mir, denn ich habe es schon sehr, sehr not; der Kampf, den ich, wenig gefördert, seit meinem 13ten Lebensjahre, führe, hat mich fast ganz aufgerieben. Dank, besten Dank für Ihre so warme Teilnahme!

    Beste Grüße an Sie und Ihre Frau Gemahlin Ihr stets treu ergebener

    Heinrich Schenker