Stand: 12. Mai 2017 (unfertig) Lizenz: CC BY-NC-SA 3.0 DE

Quelle

Entstehung

  • Der Brief wurde vermutlich in Wien am 8. Oktober 1903 verfasst.
  • Datierung in der Quelle: 8. Oktober 1903 (autograph)

Umfang

2 Bogen, 7 beschriebene Seiten

Zustand

  • Der Brief ist gut erhalten.
  • Aufbewahrungsort

  • Deutschland | Berlin | Staatsbibliothek zu Berlin · Preußischer Kulturbesitz | Musikabteilung mit Mendelssohn-Archiv | Nachlass Ferruccio Busoni | Mus.Nachl. F. Busoni B II, 4424 | olim: Mus.ep. H. Schenker 12 (Busoni-Nachl. B II) | Nachweis in Kalliope
  • Hände/Stempel

    • Überwiegend: Hand des Absenders Heinrich Schenker, Brieftext in schwarzer Tinte, in deutscher Kurrentschrift.
    • Bibliotheksstempel (rote Tinte)
    • Bibliotheksstempel (blaue Tinte)
    • Hans des Archivars, der die Foliierung mit Bleistift vorgenommen hat.
    • Hand des Archivars, der die ursprüngliche Zuordnung innerhalb des Busoni-Nachlasses mit Bleistift vorgenommen hat.
    • Hand des Archivars, der die erneute Zuordnung innerhalb des Busoni-Nachlasses mit Bleistift vorgenommen hat.
    • Hand des Archivars, der eine Nummerierung innerhalb der Korrespondenz mit Bleistift vorgenommen hat.
    • Hand des Archivars, der die Zuordnung innerhalb des Busoni-Nachlasses mit Rotstift vorgenommen hat.

    Inhalt

    Absender

  • Heinrich Schenker
  • Empfänger

  • Ferruccio Busoni
  • Zusammenfassung

  • Incipit

  • Mein Verleger hat Ihnen gestern die Orchesterstimmen zukommen lassen.
  • Edition

    Verantwortlich

    • Christian Schaper
    • Ullrich Scheideler

    Bearbeitet von

  • Maximilian Furthmüller
  • Faksimile
    Umschrift
    Lesefassung
    Faksmilie, Seite 1Bild-Quelle: Staatsbibliothek zu Berlin
    [1]
    Mus.ep. H. Schenker 12
    (Busoni-Nachl. B II)
    Mus. Nachl. F. Busoni B II, 4424
    8. 10. 1903

    Lieber u. verehrter Freund!

    Mein Verleger hat Ihnen gestern
    die Orchesterstim̅en zukom̅en lassen.
    Die Partitur hat Schönberg gemacht,
    wie ich sagte. Ein erster Blick sagt:
    R. Strauß’sche Manier. Nicht mein
    persönlicher Geschmack, das Orchester zu
    setzen, indessen wird die Sache, wenn ich
    nicht irre, ganz gut klingen. Nur eine
    Bitte, lassen Sie, trotz den Strauss’schen
    Füllseln, u. Glissandis u. sonstigen
    im Grunde unnötigen Ingredienzen,
    das Orchester darüber durchaus nicht
    langsamer werden
    ! Ob die Flötisten
    ihre Triolen herausbringen, oder nicht,
    ist Nebensache: Hauptsache ist Deutsche
    Staatsbibliothek
    Berlin
    [1]

    8. 10. 1903

    Lieber und verehrter Freund!

    Mein Verleger hat Ihnen gestern die Orchesterstimmen zukommen lassen. Die Partitur hat Schönberg gemacht, wie ich sagte. Ein erster Blick sagt: Richard Strauss’sche Manier. Nicht mein persönlicher Geschmack, das Orchester zu setzen, indessen wird die Sache, wenn ich nicht irre, ganz gut klingen. Nur eine Bitte, lassen Sie, trotz den Strauss’schen Füllseln, und Glissandi und sonstigen im Grunde unnötigen Ingredienzen, das Orchester darüber durchaus nicht langsamer werden! Ob die Flötisten ihre Triolen herausbringen, oder nicht, ist Nebensache: Hauptsache ist

    Faksmilie, Seite 2Bild-Quelle: Staatsbibliothek zu Berlin

    Hauptsache, welches Tempo, u. Ra-
    serei. Ich habe der Partitur viel-
    fach corrigirt, (sie ist leider
    so undeutlich geschrieben!), auch
    sonst noch einige wichtige Winke gegeben,
    u. glaube, daß besonders No 2 am
    besten gelungen ist. Ich habe auch die Orchesterstim̅en selbst corrigirt,
    um so angenehm als möglich den Musi-
    kern die Probe zu machen, u. Ihnen das
    Vorwärtskom̅en leichter. Leider
    habe ich die Doubletten zu No 1, 2, 3
    gar nicht selbst gesehen: wer weiß, welche
    Teufel sie in sich haben mögen?
    Daher beschloß ich, Noo 4 heute
    selbst ganz (samt allen Doubletten)
    durchzusehen, da[…] u. es Ihnen mor-
    gen zukom̅en zu lassen, damit

    , welches Tempo, und Raserei. Ich habe der Partitur vielfach korrigiert, (sie ist leider so undeutlich geschrieben!), auch sonst noch einige wichtige Winke gegeben, und glaube, dass besonders No. 2 am besten gelungen ist. Ich habe auch die Orchesterstimmen selbst korrigiert, um so angenehm als möglich den Musikern die Probe zu machen, und Ihnen das Vorwärtskommen leichter. Leider habe ich die Doubletten zu No. 1, 2, 3 nicht selbst gesehen: wer weiß, welche Teufel sie in sich haben mögen? Daher beschloss ich, Noo. 4 heute selbst ganz (samt allen Doubletten) durchzusehen, und es Ihnen morgen zukommen zu lassen, damit

    Faksmilie, Seite 3Bild-Quelle: Staatsbibliothek zu Berlin

    [2] wenigstens eine, was Copirfehler
    anbelangt, todtsichere Num̅er zur Ver-
    fügung stehe, sollten die übrigen Doubletten
    allzu fehlerhaft sein.

    Ich will nach Berlin kom̅en, – wann
    beiläufig findet die erste oder letzte
    Probe statt? Wollen Sie mir
    das gütigst schreiben.

    Es wird Sie zum Schluß freuen,
    zu hören, daß unsere Gesellschafts-
    conc[e]rte
    (am ordentlichen Abend)
    Frauenchöre von mir zur Aufführung
    bringen! – was in Wien viel heißt –,
    u. daß in Brünn di[e] von mir
    im Vorjahre bearbeitete Cantate
    von Bach für Sopran u[.] Bass
    ,
    die ich mit sehr viel Erfolg hier pro-
    ducirte u. dirigirte, zur Wie-
    derholung gelangt. Auch haben[2]

    wenigstens eine, was Kopierfehler anbelangt, todsichere Nummer zur Verfügung stehe, sollten die übrigen Doubletten allzu fehlerhaft sein.

    Ich will nach Berlin kommen – wann beiläufig findet die erste oder letzte Probe statt? Wollen Sie mir das gütigst schreiben.

    Es wird Sie zum Schluss freuen zu hören, dass unsere Gesellschaftskonzerte (am ordentlichen Abend) Frauenchöre von mir zur Aufführung bringen! – was in Wien viel heißt –, und dass in Brünn die von mir im Vorjahre bearbeitete Kantate von Bach für Sopran und Bass, die ich mit sehr viel Erfolg hier produzierte und dirigierte, zur Wiederholung gelangt. Auch haben

    Faksmilie, Seite 4Bild-Quelle: Staatsbibliothek zu Berlin

    – Ihrem im̅er so sicher wirkenden
    Beispiele nach – die Philharmoniker
    die Tänze in Aussicht genom̅en. Nun
    Hellmesberger ,   der
    Dirigent ist noch unbekan̅t, –
    jedenfalls wird Löwe im Concert-
    verein die Tänze Ihnen auch auf-
    führen.

    Zum Schluß eine Bitte: der be-
    kan̅ Correspondent (auch als
    Schriftsteller sehr geschätzt) der N.
    Fr. Presse
    , H. Dr[.] Paul Goldmann
    Berlin, Dessauerstr. 19
    wünscht
    wegen meiner kleinen Stücke
    von Ihnen zum betreffenden Concerte
    eingeladen zu werden. Thuen Sie
    es mir zu Liebe, auch in Rücksicht
    auf den gediegenen […]Mann der kein
    Musikerfreund
    ist, dennoch aber offen-
    bar schreiben will nach Wien.

    Nachlaß Busoni

    – Ihrem immer so sicher wirkenden Beispiele nach – die Philharmoniker die Tänze in Aussicht genommen. Nun Hellmesberger ,   der Dirigent ist noch unbekannt, – jedenfalls wird Löwe im Konzertverein die Tänze Ihnen auch aufführen.

    Zum Schluss eine Bitte: der bekann Korrespondent (auch als Schriftsteller sehr geschätzt) der NeuenFreien Presse, Herr Dr. Paul Goldmann Berlin, Dessauerstraße 19, wünscht, wegen meiner kleinen Stücke von Ihnen zum betreffenden Konzerte eingeladen zu werden. Tun Sie es mir zuliebe, auch in Rücksicht auf den gediegenen Mann, der keinMusikerfreund ist, dennoch aber offenbar schreiben will nach Wien.

    Faksmilie, Seite 5Bild-Quelle: Staatsbibliothek zu Berlin
    B II, 4424
    [3]

    Und noch Eins: der Verleger
    bittet um Belassung des
    Titels, da er im Falle eines
    Erfolges nicht di[e] 4-haendigen
    Stücke verkaufen kön̅te,
    u. auch z. b. in Wien nicht
    unter einem anderen Titel
    die Sachen ausführen lassen
    kön̅te. Also der Gesichts-
    punkt der Einheitlichkeit für
    Berlin u[.] Wien, u. der Verkauf
    der Stücke sind ihm aussgebend.

    Auch mir glaube ich, thun
    Sie einen Gefallen. Ich fürchte
    mich vor einem „jüdischen“
    Componisten". Hat Deutsche
    Staatsbibliothek
    Berlin
    [3]

    Und noch eins: der Verleger bittet um Belassung des Titels, da er im Falle eines Erfolges nicht die 4-händigen Stücke verkaufen könnte, und auch z. B. in Wien nicht unter einem anderen Titel die Sachen ausführen lassen könnte. Also der Gesichtspunkt der Einheitlichkeit für Berlin und Wien, und der Verkauf der Stücke sind ihm ausschlaggebend.

    Auch mir, glaube ich, tun Sie einen Gefallen. Ich fürchte mich vor einem „jüdischen“ Komponisten". Hat

    Faksmilie, Seite 6Bild-Quelle: Staatsbibliothek zu Berlin

    doch in let[z]ter Woche ein jüd[i]scher
    Studentenverein mi[…]r die
    Chormeisterstelle angetra-
    gen:   .   nein, nein, das
    geht nicht. Das kann mir
    sehr, sehr schaden,   zumal
    ich sehr viel Chancen zu
    einer Theorieprofessur
    am hiesigen Conservatorium
    habe.

    Ihnen aber für alle Liebe,
    Mühe, Theilnahme
    besten, besten Dank
    im Vorhinein. Bald
    hoffe ich ihn, spaetestens

    doch in letzter Woche ein jüdischer Studentenverein mir die Chormeisterstelle angetragen:   .   nein, nein, das geht nicht. Das kann mir sehr, sehr schaden,   zumal ich sehr viel Chancen zu einer Theorieprofessur am hiesigen Konservatorium habe.

    Ihnen aber für alle Liebe, Mühe, Teilnahme besten, besten Dank im Vorhinein. Bald hoffe ich ihn, spätestens

    Faksmilie, Seite 7Bild-Quelle: Staatsbibliothek zu Berlin

    [4] etwa am 14ten, […]
    abstatten zu kön̅en.

    Mit mir kom̅en zwei
    junge Freunde.

    Viele, viele Grüße
    an Sie u. Ihre Frau Gemalin.
    Ich muß nun weiter
    corrigiren!

    Ihr ergb. u.
    dankbarer

    H Schenker

    [4]

    etwa am 14ten, […] abstatten zu können.

    Mit mir kommen zwei junge Freunde.

    Viele, viele Grüße an Sie und Ihre Frau Gemahlin. Ich muss nun weiter korrigieren!

    Ihr ergebener und dankbarer

    Heinrich Schenker

    Faksmilie, Seite 8Bild-Quelle: Staatsbibliothek zu Berlin
    [Rückseite von Textseite 7]
    Schenker 12
    Nachlaß Busoni