Arnold Schönberg an Ferruccio Busoni Dokument exportieren

Steinakirchen am Forst, 13. Juli 1909

Stand: 27. Januar 2016 (erwartet Freigabe) Lizenz: CC BY-NC-SA 3.0 DE

Quelle

Entstehung

  • Der Brief wurde in Steinakirchen am Forst am 13. Juli 1909 verfasst.
  • Datierung in der Quelle: 13. Juli 1909 (autograph), 14. Juli 1909 (Poststempel Steinakirchen am Forst)

Umfang

1 Bogen, 3 beschriebene Seiten

Zustand

  • Der Brief ist gut erhalten; Briefumschlag auf der Vorderseite rechts unvollständig (infolge Aufriss), mit Textverlust.
  • Aufbewahrungsort

  • Deutschland | Berlin | Staatsbibliothek zu Berlin · Preußischer Kulturbesitz | Musikabteilung mit Mendelssohn-Archiv | Nachlass Ferruccio Busoni | Mus.Nachl. F. Busoni B II,4545 | Mus.ep. A. Schönberg 6 (Busoni-Nachl. B II) | Nachweis in Kalliope
  • Hände/Stempel

    • Überwiegend: Hand des Absenders Arnold Schönberg, Brieftext in schwarzer Tinte, in deutscher Kurrentschrift
    • Adressstempel des Absenders Arnold Schönberg, mit violetter Tinte
    • Hand des Archivars, der die Foliierung in Bleistift vorgenommen hat
    • Hand des Archivars, der die Zuordnung innerhalb des Busoni-Nachlasses mit Rotstift vorgenommen hat
    • Bibliotheksstempel (rote Tinte)
    • Bibliotheksstempel (blaue Tinte)
    • Hand eines Postbediensteten, der die Adresse mit schwarzem Stift ergänzt hat

    Foliierungen

    • Foliierung durch das Archiv, mit Bleistift unten rechts auf den Vorderseiten.

    Inhalt

    Absender

  • Arnold Schönberg
  • Empfänger

  • Ferruccio Busoni
  • Zusammenfassung

  • Schönberg bietet Zusendung von op. 11,1–2 an, bittet um Aufführung der Stücke durch Busoni; reflektiert das Wesen des Reproduzierenden, des Publikums und des Künstlers als Genießenden.
  • Incipit

  • ich hatte öfters das Vergnügen zu erfahren
  • Edition

    Verantwortlich

    • Christian Schaper
    • Ullrich Scheideler

    Bearbeitet von

  • Christian Schaper
  • Frühere Editionen

    Faksimile
    Umschrift
    Lesefassung
    Faksmilie, Seite 1Bild-Quelle: Staatsbibliothek zu Berlin
    13.7. 1909
    Arnold Schönberg
    – – – Wien – – –
    IX. Liechtensteinstraße 68/70
    derzeit: Steinakirchen am Forst, Nieder Oesterr.

    Sehr geehrter Herr,

    ich hatte öfters das
    Vergnügen zu erfahren, daß Sie sich über meine
    Compositionen günstig geäußert hatten. Ich hoffe
    deshalb mich nicht vergebens an Sie zu
    wenden, wenn ich Sie frage, ob Sie nicht
    geneigt wären, etwas von mir aufzuführen.
    Ich weiß nicht, ob Sie Ihre Orchester=Abende
    noch weiter führen. Orchesterwerke, die nur
    in solchen Konzerten auf ein geeignetes
    Publikum rechnen können hätte ich ja einige.
    Aber ich denke weniger daran, als an etwas
    wesentlich leichter Realisierbares. Ich habe
    zwei Klavierstücke (mehrere andere sind ange=
    fangen, ihre Fertigstellung wurde durch eine
    andere Arbeit
    unterbrochen) die nur jemand
    spielen kann, der wie Sie mit seinen
    Sympathien auf der Seite aller jener ist, die
    suchen. Also nur Jemand, dessen Phantasie

    [1]

    13.7. 1909
    Arnold Schönberg
    – – – Wien – – –
    IX. Liechtensteinstraße 68/70
    derzeit: Steinakirchen am Forst, Nieder-Österreich

    Sehr geehrter Herr,

    ich hatte öfters das Vergnügen zu erfahren, dass Sie sich über meine Kompositionen günstig geäußert hatten. Ich hoffe deshalb, mich nicht vergebens an Sie zu wenden, wenn ich Sie frage, ob Sie nicht geneigt wären, etwas von mir aufzuführen. Ich weiß nicht, ob Sie Ihre Orchesterabende noch weiterführen. Orchesterwerke, die nur in solchen Konzerten auf ein geeignetes Publikum rechnen können, hätte ich ja einige. Aber ich denke weniger daran als an etwas wesentlich leichter Realisierbares. Ich habe zwei Klavierstücke (mehrere andere sind angefangen, ihre Fertigstellung wurde durch eine andere Arbeit unterbrochen), die nur jemand spielen kann, der wie Sie mit seinen Sympathien auf der Seite aller jener ist, die suchen. Also nur jemand, dessen Phantasie

    Faksmilie, Seite 2Bild-Quelle: Staatsbibliothek zu Berlin

    dort schon Erfüllung zu sehen vermag, wo
    die Ledernheit noch nicht einmal Ver=
    sprechungen ahnt. Jemand der eben aus
    seiner eigenen Phantasie so viel an die
    Werke der anderen abzugeben vermag,
    daß jene Vollkommenheit entsteht,
    die ja nur im Vorgestellten, im Einge=
    bildeten, niemals aber im Thatsächlichen,
    in der realen Erscheinung vorkommen
    kann. — Es scheint, ich habe damit
    eigentlich das Wesen des Reproduzierenden,
    des Publikums und des GKünstlers als
    Geniessenden dargestellt. Der Anlaß scheint
    geringfügig – zwei Klavierstücke – aber
    es geschah unwillkürlich, so mags also dort
    stehen, auf die Gefahr hin ein Verhältnis=Ge=
    fühl einen Augenblick zu verletzen. Sie nehmen
    es hoffentlich nicht übel.

    Nun zu den beiden Stücken: sie sind
    ja technisch kaum von besonderer Schwierig=
    keit. Aber ihr Vortrag erfordert Glauben und

    dort schon Erfüllung zu sehen vermag, wo die Ledernheit noch nicht einmal Versprechungen ahnt. Jemand, der eben aus seiner eigenen Phantasie so viel an die Werke der anderen abzugeben vermag, dass jene Vollkommenheit entsteht, die ja nur im Vorgestellten, im Eingebildeten, niemals aber im Tatsächlichen, in der realen Erscheinung vorkommen kann. — Es scheint, ich habe damit eigentlich das Wesen des Reproduzierenden, des Publikums und des Künstlers als Genießenden dargestellt. Der Anlass scheint geringfügig – zwei Klavierstücke –, aber es geschah unwillkürlich, so mag’s also dort stehen, auf die Gefahr hin, ein Verhältnisgefühl einen Augenblick zu verletzen. Sie nehmen es hoffentlich nicht übel.

    Nun zu den beiden Stücken: sie sind ja technisch kaum von besonderer Schwierigkeit. Aber ihr Vortrag erfordert Glauben und

    Faksmilie, Seite 3Bild-Quelle: Staatsbibliothek zu Berlin

    Überzeugung. Deshalb wende ich mich
    an Sie – das andere bringt ja bald
    wer auf – und bitte Sie mir freundlichst
    mitzuteilen, ob ich Ihnen die Noten
    schicken darf.

    Sie sind wohl nicht böse, wegen
    einer solchen Kleinigkeit belästigt zu
    werden. Ich selbst wage es nur mit
    Rücksicht auf Ihre gute Meinung von
    meinen Sachen und in der Hoffnung,
    daß die Sachen, wenn man sich
    mit ihnen befaßt hat, vielleicht doch dieer
    Mühe lohnen könnten.

    Ich hoffe recht bald eine freundliche
    Antwort zu erhalten

    und empfehle
    mich in vorzüglicher Hochachtung ergebenst

    Arnold Schönberg

    ( Deutsche
    Staatsbibliothek
    Berlin )
    Nachlaß Busoni
    [2]

    Überzeugung. Deshalb wende ich mich an Sie – das andere bringt ja bald wer auf – und bitte Sie mir freundlichst mitzuteilen, ob ich Ihnen die Noten schicken darf.

    Sie sind wohl nicht böse, wegen einer solchen Kleinigkeit belästigt zu werden. Ich selbst wage es nur mit Rücksicht auf Ihre gute Meinung von meinen Sachen und in der Hoffnung, dass die Sachen, wenn man sich mit ihnen befasst hat, vielleicht doch der Mühe lohnen könnten.

    Ich hoffe, recht bald eine freundliche Antwort zu erhalten,

    und empfehle mich in vorzüglicher Hochachtung ergebenst

    Arnold Schönberg

    Faksmilie, Seite 4Bild-Quelle: Staatsbibliothek zu Berlin
    Mus.ep. A. Schönberg 6 (Busoni-Nachl. B II)
    Mus.Nachl. F. Busoni B II,4545
    Faksmilie, Seite 5Bild-Quelle: Staatsbibliothek zu Berlin
    (S[tei]nakir[chen] am For[st] 14.VII.0[9] […]–5)
    Herrn
    Ferruccio Busoni
    Konzertbureau Wolff mit der freundlichen Bitte
    um Weiterbeförderung an die dem Absender unbekannte Adr[esse]
    Berlin W 30
    Flottwellstraße
    Herrn
    Ferruccio Busoni
    Konzertbureau Wolff mit der freundlichen Bitte um Weiterbeförderung an die dem Absender unbekannte Adresse
    Berlin W 30
    Faksmilie, Seite 6Bild-Quelle: Staatsbibliothek zu Berlin
    Arnold Schönberg
    – – – Wien – – –
    IX. Liechtensteinstraße 68/70
    derzeit: Steinakirchen am Forst, Nied.Oesterr
    W30 Viktoria Luiseplatz 11
    […] 18/85
    STEINAKIRC[HEN am] FOR[ST] 1[4.]VII[09][…]
    Mus.ep. A. Schönberg 6
    Busoni-Nachl.
    B II

    Mus.Nachl. F. Busoni B II,4545-Beil
    derzeit: Steinakirchen am Forst, Nied.Oesterr
    W30 Viktoria Luiseplatz 11
    18/85