Arnold Schönberg an Ferruccio Busoni Dokument exportieren

Steinakirchen am Forst, 31. Juli 1909

Stand: 11. März 2015 (erwartet Freigabe) Lizenz: CC BY-NC-SA 3.0 DE

Quelle

Entstehung

  • Der Brief wurde in Steinakirchen am Forst am 31. Juli 1909 verfasst.
  • Datierung in der Quelle: 31. Juli 1909 (autograph), 31. Juli 1909 (Poststempel Steinakirchen am Forst) , 2. August 1909 (Poststempel Berlin)

Umfang

1 Umschlag, 1 Bogen , 3 beschriebene Seiten
  • Der Umschlag des Briefes bildet zugleich einen Teil des Briefpapiers. Durch Falten des Umschlag-Bogens konnte die Außenseite frankiert, die Innenseite gleichzeitig normal beschrieben werden. In dem auf diese Weise entstandenen Innenraum befand sich der zusätzliche Briefbogen.
  • Zustand

  • Der Brief ist gut erhalten; auf dem Umschlag leichte Beschädigung zweier Stempel.
  • Aufbewahrungsort

  • Deutschland | Berlin | Staatsbibliothek zu Berlin · Preußischer Kulturbesitz | Musikabteilung mit Mendelssohn-Archiv | Nachlass Ferruccio Busoni | Mus.Nachl. F. Busoni B II,4548 | Mus.ep. A. Schönberg 9 (Busoni-Nachl. B II) | Nachweis in Kalliope
  • Hände/Stempel

    • Überwiegend: Hand des Absenders Arnold Schönberg, Brieftext in schwarzer Tinte, in deutscher Kurrentschrift
    • Adressstempel des Absenders Arnold Schönberg, mit violetter Tinte
    • Hand des Archivars, der die Zuordnung innerhalb des Busoni-Nachlasses in Bleistift vorgenommen hat.
    • Hand des Archivars, der die Zuordnung innerhalb des Busoni-Nachlasses mit Rotstift vorgenommen hat.
    • Bibliotheksstempel (rote Tinte)
    • Bibliotheksstempel (blaue Tinte)
    • Poststempel (schwarze Tinte)
    • Stempel unbekannter Herkunft
    • Hand ohne Zuordnung

    Inhalt

    Absender

  • Arnold Schönberg
  • Empfänger

  • Ferruccio Busoni
  • Zusammenfassung

  • Schönberg setzt sich mit Busonis Kritik der Stücke op. 11,1-2 auseinander und stellt weitere Klavierstücke in Aussicht.
  • Incipit

  • ich habe über Ihren Einwand gegen mein Klavierstück nachgedacht
  • Edition

    Verantwortlich

    • Christian Schaper
    • Ullrich Scheideler

    Bearbeitet von

  • Maximilian Furthmüller
  • Frühere Editionen

    Faksimile
    Umschrift
    Lesefassung
    Faksmilie, Seite 1Bild-Quelle: Staatsbibliothek zu Berlin
    Mus.ep. A. Schönberg 9 (Busoni-Nachl. B II)
    Mus.Nachl. F. Busoni B II,4548

    Sehr geehrter Herr,

    ich [habe] lange über Ihren Einwand
    gegen meinen Klavierstil nachgedacht und
    komme zu dem Resultat, daß Sie in einer gewissen
    Hinsicht unbedingt Recht haben. Die sehr geistreiche
    Art auf die Sie an dem Beispiel Ihre Meinung
    illustrieren, hat mir auch klar gemacht um was
    es sich Ihnen handelt. Nichts destoweniger glaube
    ich sagen zu dürfen, daß es mir nicht scheint, als
    ob dieser Mangel einer wäre, der nicht im
    Wesen dieser Musik begründet wäre. Es ist
    ja klar, daß stets, wenn irgend eine neue
    Fähigkeit errungen wird, ältere Vorzüge fallen
    müssen. Und so scheint mir auch, daß bei
    einer Musik, die einen so raschen Harmonien=
    Consum betreibt, Breite des Satzes ebenso selten
    sein muß, als sie bei breiterer Disposition
    der Accorde häufig sein kann. Durch Accord=
    zerlegungen Beiwerk und Aufputz zu schaffen
    ist wohl nur dann leicht möglich, wenn der
    Accord lang genug liegt. Da aber, wie

    Sehr geehrter Herr,

    ich habe lange über Ihren Einwand gegen meinen Klavierstil nachgedacht und komme zu dem Resultat, dass Sie in einer gewissen Hinsicht unbedingt Recht haben. Die sehr geistreiche Art auf die Sie an dem Beispiel Ihre Meinung illustrieren, hat mir auch klar gemacht, um was es sich Ihnen handelt. Nichtsdestoweniger glaube ich sagen zu dürfen, dass es mir nicht scheint, als ob dieser Mangel einer wäre, der nicht im Wesen dieser Musik begründet wäre. Es ist ja klar, dass stets, wenn irgendeine neue Fähigkeit errungen wird, ältere Vorzüge fallen müssen. Und so scheint mir auch, dass bei einer Musik, die einen so raschen HarmonienKonsum betreibt, Breite des Satzes ebenso selten sein muss, als sie bei breiterer Disposition der Akkorde häufig sein kann. Durch Akkordzerlegungen Beiwerk und Aufputz zu schaffen ist wohl nur dann leicht möglich, wenn der Akkord lang genug liegt. Da aber, wie

    Faksmilie, Seite 2Bild-Quelle: Staatsbibliothek zu Berlin

    mir scheint, der Klaviersatz mehr auf
    das Nacheinander seiner Accord bilden=
    den Bestandtheile angewiesen ist, als
    auf deren Miteinandererklingen, ergiebt
    sich von selbst, daß der Satz an Glanz und
    Pracht relativ verlieren muß. Aber abge=
    sehen, davon scheint mir, als ob spetiell
    diese beiden Stücke, deren düstere, ge=
    preßte Klangfarbe constitutionell ist,
    einen Satz nicht ertrügen, der dem Klangsinn –
    im gder üblichen Bedeutung – allzu sehr
    schmeichelt. Das hoffe ich Ihnen am besten
    zu bezeugen durch einige andere Klavierstücke,
    die – ich weiß nicht wann, fertig werden.

    Ich hoffe nun, daß Sie mir bald wieder
    Nachricht geben. Insbesondere bin ich

    mir scheint, der Klaviersatz mehr auf das Nacheinander seiner akkordbildenden Bestandteile angewiesen ist, als auf deren Miteinandererklingen, ergibt sich von selbst, dass der Satz an Glanz und Pracht relativ verlieren muss. Aber abgesehen davon scheint mir, als ob speziell diese beiden Stücke, deren düstere, gepresste Klangfarbe konstitutionell ist, einen Satz nicht ertrügen, der dem Klangsinn – in der üblichen Bedeutung – allzu sehr schmeichelt. Das hoffe ich Ihnen am besten zu bezeugen durch einige andere Klavierstücke, die – ich weiß nicht wann – fertig werden.

    Ich hoffe nun, dass Sie mir bald wieder Nachricht geben. Insbesondere bin ich

    Faksmilie, Seite 3Bild-Quelle: Staatsbibliothek zu Berlin

    sehr begierig zu erfahren, ob Ihnen die
    Stücke
    gefallen und was Sie Ihnen sagen.
    Vielleicht ist es Ihnen möglich mir von Ihrer
    Reise aus zu schreiben.

    Einstweilen begrüße ich Sie aufs
    herzlichste und ergebenste Ihr

    Arnold Schönberg

    (Deutsche
    Staatsbibliothek
    Berlin)
    Nachlaß Busoni

    sehr begierig zu erfahren, ob Ihnen die Stücke gefallen und was sie Ihnen sagen. Vielleicht ist es Ihnen möglich, mir von Ihrer Reise aus zu schreiben.

    Einstweilen begrüße ich Sie aufs herzlichste und ergebenste Ihr

    Arnold Schönberg

    Faksmilie, Seite 4Bild-Quelle: Staatsbibliothek zu Berlin
    Herrn Ferrucio Busoni
    Berlin W.30
    Viktoria-Luise Platz 11
    express
    ([Steinakirchen] am Fors[t] [31-VII-09-5])
    ([Berlin W. * 2 z] [2.8.09] 11.50)
    Herrn Ferruccio Busoni
    Berlin W.30
    Viktoria-Luise-Platz 11
    Faksmilie, Seite 5Bild-Quelle: Staatsbibliothek zu Berlin
    Arnold Schönberg
    – – – Wien – – –
    IX. Liechtensteinstraße 68/70
    (VI.)
    (Berlin.W. * 30 * 2.8.09.1220 N.)
    (Steinakirchen am Forst 31-VII[-09]-5)