Arnold Schönberg an Ferruccio Busoni Dokument exportieren

Mödling, 26. Februar 1919

Stand: 7. April 2017 (unfertig) Lizenz: CC BY-NC-SA 3.0 DE

Quelle

Entstehung

  • Datierung in der Quelle: 26. Februar 1919 (autograph)

Umfang

,
  • Zustand

  • Der Brief ist gut erhalten.
  • Aufbewahrungsort

  • Deutschland | Berlin | Staatsbibliothek zu Berlin · Preußischer Kulturbesitz | Musikabteilung mit Mendelssohn-Archiv | Nachlass Ferruccio Busoni | Mus.Nachl. F. Busoni B II, 4567 | Mus.ep. A. Schönberg 28 + Beil. (Busoni-Nachl. B II) | Nachweis in Kalliope
  • Hände/Stempel

    • Überwiegend: Hand des Absenders Arnold Schönberg, Brieftext in schwarzer Tinte, in deutscher Kurrentschrift
    • Hand des Archivars, der die Foliierung in Bleistift vorgenommen hat.
    • Bibliotheksstempel (rote Tinte)

    Inhalt

    Absender

  • Arnold Schönberg
  • Empfänger

  • Ferruccio Busoni
  • Zusammenfassung

  • Schönberg berichtet von Steuermanns Einstudierung der Sechs Elegien Busonis für den Verein für musikalische Privataufführungen, erbittet Vorschläge für weitere aufführbare jüngere Werke Busonis.
  • Incipit

  • Sie haben mir zwar keine Antwort gegeben
  • Edition

    Verantwortlich

    • Christian Schaper
    • Ullrich Scheideler

    Bearbeitet von

  • Christian Schaper
  • Ullrich Scheideler
  • Frühere Editionen

    Bartók, Béla

    Berg, Alban

    Bittner, Julius

    Busoni, Ferruccio

    Charpentier, Gustave

    Debussy, Claude

    Finke, Fidelio Friedrich

    Hauer, Josef Matthias

    Korngold, Erich Wolfgang

    Mahler, Gustav

    Novák, Vítězslav

    Pfitzner, Hans

    Ravel, Maurice

    Reger, Max

    Schönberg, Arnold

    Schreker, Franz

    Scott, Cyril Meir

    Skrjabin, Alexander

    Strauss, Richard

    Strawinsky, Igor

    Suk, Josef

    Webern, Anton von

    Weigl, Karl

    Zemlinsky, Alexander von

    Faksimile
    Umschrift
    Lesefassung
    Faksmilie, Seite 1
    Mus.Nachl. F. Busoni B II, 4567
    Mus.ep. A. Schönberg 28 + Beil.
    (Busoni-Nachl. B. II)
    Verein für musikalische
    Privataufführungen

    Präsident Arnold Schönberg
    26.II.1919
    alle Zuschriften an: Sekretär Dr. Paul Pisk
    Wien, VI., Proschkogasse 1, Tel. St. IV v. 704
    Arnold Schönberg
    Mödling bei Wien
    Bernhardg 6. – Tel. 118.

    Verehrter Herr Busoni,

    Sie haben mir zwar keine
    Antwort gegeben auf Briefe, die ich Ihnen in der
    letzten Zeit geschrieben habe. Aber heute drängts mich doch
    wieder, Ihnen zu schreiben und gegenüber solchem Drang
    hält alle Persönlichkeits= und Prestige=Politik bei mir
    nicht stand, da nehme ich keine Rücksicht, weder auf
    mich noch auf andere, sondern schreibe. Der Anlaß: Steuer=
    mann
    spielt in dem Verein für Mus. Priv. Aufführungen
    Ihre 6 Elegien und die gefallen mir so außerordentlich,
    daß ich Ihnen das sagen muß. Ob es Sie interessiert,
    weiß ich nicht. Vielleicht aber interessiert Sie dieser
    Verein, den ich gegründet habe. Ich hatte damit einen
    vollen Erfolg. Wir sind bereits über 300 Mitglieder
    und dürften im Laufe des Jahres 500 werden. Das ist
    der erste Schritt zu weitgreifenden Reformen des Konzert=
    lebens. Der erste Schritt – was daraus werden soll, kann
    noch niemand ahnen. Mein Wunsch wäre es, über=
    all solche Vereine entstehen zu sehen. Das könnte segens=
    reich wirken. Allerdings: erste Voraussetzung ist tadellose
    Vorbereitung der Aufführungen. Um ihnen einen
    Begriff zu geben, was ich darunter verstehe, so erinnere
    ich Sie an die Einstudierung diesesmeines Pierrot. Ich
    kann sagen, daß wir dieses Niveau im Durch

    26.2.1919
    Arnold Schönberg
    Mödling bei Wien
    Bernhardg 6. – Tel. 118.

    Verehrter Herr Busoni,

    Sie haben mir zwar keine Antwort gegeben auf Briefe, die ich Ihnen in der letzten Zeit geschrieben habe. Aber heute drängt’s mich doch wieder, Ihnen zu schreiben, und gegenüber solchem Drang hält alle Persönlichkeits- und Prestige-Politik bei mir nicht stand, da nehme ich keine Rücksicht, weder auf mich noch auf andere, sondern schreibe. Der Anlass: Steuermann spielt in dem Verein für musikalische Privataufführungen Ihre Sechs Elegien, und die gefallen mir so außerordentlich, dass ich Ihnen das sagen muss. Ob es Sie interessiert, weiß ich nicht. Vielleicht aber interessiert Sie dieser Verein, den ich gegründet habe. Ich hatte damit einen vollen Erfolg. Wir sind bereits über 300 Mitglieder und dürften im Laufe des Jahres 500 werden. Das ist der erste Schritt zu weitgreifenden Reformen des Konzertlebens. Der erste Schritt – was daraus werden soll, kann noch niemand ahnen. Mein Wunsch wäre es, überall solche Vereine entstehen zu sehen. Das könnte segensreich wirken. Allerdings: erste Voraussetzung ist tadellose Vorbereitung der Aufführungen. Um ihnen einen Begriff zu geben, was ich darunter verstehe, so erinnere ich Sie an die Einstudierung meines Pierrot. Ich kann sagen, daß wir dieses Niveau im Durch

    Faksmilie, Seite 2

    schnitt eingehalten haben, obwohl mir ja nicht für alles
    so gute Besetzung zur Verfügung gestanden ist. Manchmal haben
    wir es allerdings auch übertroffen. ZBsp in der vierhändigen
    Aufführung von Mahlers VIII und StraußDon Quixote.
    Steuermann spielt Ihre Elegien sehr schön!

    Könnten Sie mir nicht sagen, was wir dem=
    nächst von Ihnen bringen sollen? Am liebsten hätte
    ich etwas aus Ihrer letzten Schaffensperiode.

    Ich grüße Sie herzlichst und denke mir, daß Sie
    mich doch einmal einer Zeile würdigen könnten.

    Schließlich: der Schlechteste bin ich ja doch nicht.

    Ihr

    Arnold Schönberg

    schnitt eingehalten haben, obwohl mir ja nicht für alles so gute Besetzung zur Verfügung gestanden ist. Manchmal haben wir es allerdings auch übertroffen. Z. B. in der vierhändigen Aufführung von Mahlers VIII. und StraussDon Quixote. Steuermann spielt Ihre Elegien sehr schön!

    Könnten Sie mir nicht sagen, was wir demnächst von Ihnen bringen sollen? Am liebsten hätte ich etwas aus Ihrer letzten Schaffensperiode.

    Ich grüße Sie herzlichst und denke mir, dass Sie mich doch einmal einer Zeile würdigen könnten.

    Schließlich: der Schlechteste bin ich ja doch nicht.

    Ihr

    Arnold Schönberg

    Faksmilie, Seite 3
    Faksmilie, Seite 4
    Faksmilie, Seite 5
    Beilage zu: Mus.ep. A. Schönberg 28 (Busoni-Nachl. B II) Mus.Nachl. F. Busoni B II, 4567a

    VEREIN FÜR MUSIKALISCHE PRIVATAUFFÜHRUNGEN IN WIEN

    Der im November 1918 gegründete Verein hat den
    Zweck, Arnold Schönberg die Möglichkeit zu geben,
    daß er seine Absicht: Künstlern und Kunstfreunden eine
    wirkliche und genaue Kenntnis moderner Musik zu ver=
    schaffen, persönlich durchführe.

    An dem Verhältnis des Publikums zur modernen Musik
    ist in hervorragendem Maße der Umstand mitbestimmend
    daß es als Eindruck davon vor allem anderen den von
    Unklarheit empfangen muß. Unklar sind ihm Zweck,
    Richtung, Absicht, Ausdrucksgebiet und Ausdrucksweise,
    Wert, Wesen und Ziel der Werke, unklar ist meist die
    Wiedergabe, unklar insbesonders des Publikums Bewußtsein
    von seinen eigenen Bedürfnissen und Wünschen, und so
    werden also die Werke geschätzt, geachtet, gepriesen und
    bejubelt oder mißachtet, getadelt und abgelehnt – bloß
    wegen einer einzigen Wirkung, die von al1en
    gleichmäßig ausgeht: wegen der Unklarheit.

    Das kann auf die Dauer keinen Berücksichtigungswerten
    befriedigen: keinen ernsthaften Autor, keinen bessern
    Menschen aus dem Publikum. Und hier endlich einmal
    Klarheit zu schaffen, und damit berechtigten Wünschen und
    Bedürfnissen Rechnung zu tragen, war einer der Anlässe, die
    Arno1d Schönberg zur Gründung des Vereines bewogen
    haben.

    Zur Erreichung dieses Ziels sind drei Dinge erforderlich:

    1. Klare, gut studierte Aufführungen;

    2. Oftmalige Wiederholungen;

    3. Die Aufführungen müssen dem korrumpierenden
    Einfluß der Öffentlichkeit entzogen werden, das heißt, sie
    dürfen nicht auf Wettbewerb gerichtet und
    müssen unabhängig sein von Beifall und
    Mißfallen

    VEREIN FÜR MUSIKALISCHE PRIVATAUFFÜHRUNGEN IN WIEN

    Der im November 1918 gegründete Verein hat den Zweck, Arnold Schönberg die Möglichkeit zu geben, dass er seine Absicht: Künstlern und Kunstfreunden eine wirkliche und genaue Kenntnis moderner Musik zu ver schaffen, persönlich durchführe.

    An dem Verhältnis des Publikums zur modernen Musik ist in hervorragendem Maße der Umstand mitbestimmend dass es als Eindruck davon vor allem anderen den von Unklarheit empfangen muss. Unklar sind ihm Zweck, Richtung, Absicht, Ausdrucksgebiet und Ausdrucksweise, Wert, Wesen und Ziel der Werke, unklar ist meist die Wiedergabe, unklar insbesonders des Publikums Bewusstsein von seinen eigenen Bedürfnissen und Wünschen, und so werden also die Werke geschätzt, geachtet, gepriesen und bejubelt oder missachtet, getadelt und abgelehnt – bloß wegen einer einzigen Wirkung, die von al1en gleichmäßig ausgeht: wegen der Unklarheit.

    Das kann auf die Dauer keinen Berücksichtigungswerten befriedigen: keinen ernsthaften Autor, keinen bessern Menschen aus dem Publikum. Und hier endlich einmal Klarheit zu schaffen, und damit berechtigten Wünschen und Bedürfnissen Rechnung zu tragen, war einer der Anlässe, die Arno1d Schönberg zur Gründung des Vereines bewogen haben.

    Zur Erreichung dieses Ziels sind drei Dinge erforderlich:

    1. Klare, gut studierte Aufführungen;

    2. Oftmalige Wiederholungen;

    3. Die Aufführungen müssen dem korrumpierenden Einfluss der Öffentlichkeit entzogen werden, das heißt, sie dürfen nicht auf Wettbewerb gerichtet und müssen unabhängig sein von Beifall und Missfallen

    Faksmilie, Seite 6

    Damit ist auch der wesentliche Unterschied angezeigt,
    der sich bei Vergleich der Aufgaben des Vereines und der
    des heute üblichen Konzertlebens, von dem er sich grund=
    sätzlich fernhält, ergibt. Denn: muß hier

    1. bei Einstudierung eines Werkes imallgemeinen
    mit einer von vornherein festgesetzten und immer zu gering
    bemessenen Probenzahl schlecht und recht das Auslangen
    gefunden werden – und bezeichnenderweise wird es, freilich
    mehr schlecht als recht, gefunden –, so ist für die Zahl
    der Proben der im Verein aufzuführenden Werke immer
    nur die Erzielung der größtmöglichen Deutlichkeit, die Er=
    füllung aller aus dem Werke zu entnehmenden Intentionen
    des Autors maßgebend. Und ergäbe das einen im heutigen
    Musikbetrieb nicht wiederzufindenden Aufwand von Proben
    (wie dies – um nur ein Beispiel herauszugreifen – etwa
    beim Studium einer Symphonie von Mahler der Fall war, die
    nach zwölf meist vierstündigen Proben zur Erstaufführung,
    nach weiteren zwei Proben zur Wiederholung gelangt ist,):
    bevor nicht wenigstens jene Grundbedingungen einer guten
    Reproduktion gegeben sind, kann und darf im Verein ein
    Werk nicht aufgeführt werden.

    Wird – um ein solches Studium zu ermöglichen –
    schon bei der Wahl der Ausführenden vorerst auf jüngere
    Künstler, also weniger bekannte und solche bekannte, die sich
    dem Verein aus Interesse an der Sache zur Ver=
    fügung stellen, gegriffen, auf solche, deren Ruf man teuer
    bezahlen muß, nur soweit als das Werk es erfordert und
    zuläßt, so wird wiederum durch eine derartig strenge
    Auswahl jenes Virtuosentum ausgeschaltet, dem das auf=
    zuführende Werk nicht Selbstzweck, sondern lediglich Mittel
    zu einem Zweck ist, der keinesfalls der des Vereins sein
    kann, nämlich: Entfaltung von Virtuosität und Eigenart, die
    fernab von der Sache liegt, Erzielung eines rein persön=
    lichen Erfolges. Durch den schon erwähnten Ausschluß
    aller Beifalls-, Mißfalls- und Dankesbezei=
    gungen
    wird Derartiges an sich unmöglich. Der einzige

    Damit ist auch der wesentliche Unterschied angezeigt, der sich bei Vergleich der Aufgaben des Vereines und der des heute üblichen Konzertlebens, von dem er sich grund sätzlich fernhält, ergibt. Denn: muss hier

    1. bei Einstudierung eines Werkes imAllgemeinen mit einer von vornherein festgesetzten und immer zu gering bemessenen Probenzahl schlecht und recht das Auslangen gefunden werden – und bezeichnenderweise wird es, freilich mehr schlecht als recht, gefunden –, so ist für die Zahl der Proben der im Verein aufzuführenden Werke immer nur die Erzielung der größtmöglichen Deutlichkeit, die Er füllung aller aus dem Werke zu entnehmenden Intentionen des Autors maßgebend. Und ergäbe das einen im heutigen Musikbetrieb nicht wiederzufindenden Aufwand von Proben (wie dies – um nur ein Beispiel herauszugreifen – etwa beim Studium einer Symphonie von Mahler der Fall war, die nach zwölf meist vierstündigen Proben zur Erstaufführung, nach weiteren zwei Proben zur Wiederholung gelangt ist,): bevor nicht wenigstens jene Grundbedingungen einer guten Reproduktion gegeben sind, kann und darf im Verein ein Werk nicht aufgeführt werden.

    Wird – um ein solches Studium zu ermöglichen – schon bei der Wahl der Ausführenden vorerst auf jüngere Künstler, also weniger bekannte und solche bekannte, die sich dem Verein aus Interesse an der Sache zur Ver fügung stellen, gegriffen, auf solche, deren Ruf man teuer bezahlen muss, nur soweit als das Werk es erfordert und zulässt, so wird wiederum durch eine derartig strenge Auswahl jenes Virtuosentum ausgeschaltet, dem das auf zuführende Werk nicht Selbstzweck, sondern lediglich Mittel zu einem Zweck ist, der keinesfalls der des Vereins sein kann, nämlich: Entfaltung von Virtuosität und Eigenart, die fernab von der Sache liegt, Erzielung eines rein persön lichen Erfolges. Durch den schon erwähnten Ausschluss aller Beifalls-, Missfalls- und Dankesbezei gungen wird Derartiges an sich unmöglich. Der einzige

    Faksmilie, Seite 7

    Erfolg, den ein Künstler hier haben soll, ist der, der ihm
    der wichtigste sein müßte: das Werk und damit den Autor
    verständHch gemacht zu haben.

    Bietet nun eine so gründlich vorbereitete Aufführung
    schon große Gewähr dafür, daß dem Werke zum richtigen
    Verständnis verholfen werde, so ist dem Verein durch die
    Einführung wöchentlicher Veranstaltungen*) hiezu ein
    weiteres, noch wirksameres Mittel gegeben, und zwar:

    2. das der oftmaligen Wiederholungen jedes Werks.
    Weiters wird, um den gleichmäßigen Besuch der Veran=
    staltungen zu sichern, das Programm im Vorhinein
    nicht bekanntgegeben.

    Nur durch Erfüllung dieser beiden Erfordernisse: gründ=
    liches Studium und oftmalige Wiederholung, kann Klarheit
    an Stelle der sonst als einziger Eindruck einer einmaligen
    Wiedergabe verbleibenden Unklarheit treten, kann sich ein
    den Absichten des Werkes entsprechendes Verhältnis ein=
    stellen, ein Sich-Einleben in dessen Stil und Sprache,
    schließlich eine Vertrautheit, die sonst nur durch Selbst=
    studium erreichar ist, und die dem Konzertpublikum von
    heute höchstens mit den oft aufgeführten k1assischen
    Werken nachgerühmt werden könnte.

    Die dritte Bedingung zur Erreichung der Ziele des
    Vereins wird dadurch erfüllt, daß die Aufführungen in jeder
    Hinsicht nichtöffentlich sind, daß Gäste (auswärtige
    ausgenommen) keinen Zutritt haben und daß die Mit=
    glieder sich verpflichten, jede öffent1iche Bericht=
    erstattung
    über die Aufführungen und Tätigkeit des
    Vereins zu unterlassen, insbesonders Rezensionen,
    Notizen und Besprechungen in periodischen Druckschriften
    weder zu verfassen noch zu inspirieren. Diese Nichtöffentlichkeit der Veranstaltungen wird
    durch die gleichsam pädagogischen Bestrebungen des
    Vereins bedingt und deckt sich mit dessen Tendenz, den

    Erfolg, den ein Künstler hier haben soll, ist der, der ihm der wichtigste sein müßte: das Werk und damit den Autor verständHch gemacht zu haben.

    Bietet nun eine so gründlich vorbereitete Aufführung schon große Gewähr dafür, dass dem Werke zum richtigen Verständnis verholfen werde, so ist dem Verein durch die Einführung wöchentlicher Veranstaltungen*) hiezu ein weiteres, noch wirksameres Mittel gegeben, und zwar:

    2. das der oftmaligen Wiederholungen jedes Werks. Weiters wird, um den gleichmäßigen Besuch der Veran staltungen zu sichern, das Programm im Vorhinein nicht bekanntgegeben.

    Nur durch Erfüllung dieser beiden Erfordernisse: gründ liches Studium und oftmalige Wiederholung, kann Klarheit an Stelle der sonst als einziger Eindruck einer einmaligen Wiedergabe verbleibenden Unklarheit treten, kann sich ein den Absichten des Werkes entsprechendes Verhältnis ein stellen, ein Sich-Einleben in dessen Stil und Sprache, schließlich eine Vertrautheit, die sonst nur durch Selbst studium erreichar ist, und die dem Konzertpublikum von heute höchstens mit den oft aufgeführten k1assischen Werken nachgerühmt werden könnte.

    Die dritte Bedingung zur Erreichung der Ziele des Vereins wird dadurch erfüllt, dass die Aufführungen in jeder Hinsicht nichtöffentlich sind, dass Gäste (auswärtige ausgenommen) keinen Zutritt haben und dass die Mit glieder sich verpflichten, jede öffent1iche Bericht erstattung über die Aufführungen und Tätigkeit des Vereins zu unterlassen, insbesonders Rezensionen, Notizen und Besprechungen in periodischen Druckschriften weder zu verfassen noch zu inspirieren. Diese Nichtöffentlichkeit der Veranstaltungen wird durch die gleichsam pädagogischen Bestrebungen des Vereins bedingt und deckt sich mit dessen Tendenz, den

    Faksmilie, Seite 8


    aufgeführten Werken nur durch die gute Aufführung zu
    dienen, also lediglich durch die Wirkung, die von der
    Musik selbst
    ausgeht. Propaganda für Werk und Autor
    ist nicht Zweck des Vereins.

    Deshalb soll auch keine Richtung bevorzugt und
    nur das Wertlose ausgeschlossen werden, im übrigen aber
    alle moderne Musik, von Mahler und Strauß bis zu den
    Jüngsten, die ja sonst fast nicht oder nur unzulänglich zu
    Wort kommen, dargebracht werden.

    Im Allgemeinen ist der Verein bestrebt, den Mitgliedern
    das an solchen Werken darzutun, die geeignet sind, das
    Schaffen eines Komponisten von seiner charakteristischesten
    und zunächst womöglich auch ansprechendsten Seite zu
    zeigen. Es kommen daher nebst Liedern, Klavierstücken,
    Kammermusik und kleineren Chorsachen auch Orchester=
    werke
    in Betracht, welche – da der Verein heute noch
    nicht die Mittel besitzt, sie in der Originalgestalt aufzu=
    führen – vorderhand nur in guten und gutstudierten Arran=
    gements zu vier bis acht Händen
    reproduziert werden
    können. Aber: einmal vor eine solche neue Aufgabe ge=
    stellt, wurde aus der Not eine Tugend gemacht. Es ist
    nämlich auf diese Weise möglich, moderne Orchester=
    werke – aller Klangwirkungen, die nur das Orchester
    auslöst, und aller sinnlichen Hilfsmittel ent=
    kleidet
    – hören und beurteilen zu können. Damit wird
    der allgemein übliche Vorwurf entkräftet, daß diese Musik
    ihre Wirkungen ledglich ihrer mehr oder minder reichen
    und effektvollen Instrumentation verdanke und nicht auch
    alle die Eigenschaften besäße, die bisher für·eine gute
    Musik charakteristisch waren: Melodien, Harmonienreichtum
    Polyphonie, Formvollendung, Architektur etc.

    Ein zweiter Vorteil solchen Musizierens ist in der
    konzertmäßigen Art der Wiedergabe dieser
    Arrangements
    gelegen. Da es sich dabei nicht um
    einen Orchesterersatz handelt, sondern darum, die Orchester=
    werke derart für Klavier umzudenken, daß sie in diesem

    aufgeführten Werken nur durch die gute Aufführung zu dienen, also lediglich durch die Wirkung, die von der Musik selbst ausgeht. Propaganda für Werk und Autor ist nicht Zweck des Vereins.

    Deshalb soll auch keine Richtung bevorzugt und nur das Wertlose ausgeschlossen werden, im übrigen aber alle moderne Musik, von Mahler und Strauß bis zu den Jüngsten, die ja sonst fast nicht oder nur unzulänglich zu Wort kommen, dargebracht werden.

    Im Allgemeinen ist der Verein bestrebt, den Mitgliedern das an solchen Werken darzutun, die geeignet sind, das Schaffen eines Komponisten von seiner charakteristischesten und zunächst womöglich auch ansprechendsten Seite zu zeigen. Es kommen daher nebst Liedern, Klavierstücken, Kammermusik und kleineren Chorsachen auch Orchester werke in Betracht, welche – da der Verein heute noch nicht die Mittel besitzt, sie in der Originalgestalt aufzu führen – vorderhand nur in guten und gutstudierten Arran gements zu vier bis acht Händen reproduziert werden können. Aber: Einmal vor eine solche neue Aufgabe ge stellt, wurde aus der Not eine Tugend gemacht. Es ist nämlich auf diese Weise möglich, moderne Orchester werke – aller Klangwirkungen, die nur das Orchester auslöst, und aller sinnlichen Hilfsmittel ent kleidet – hören und beurteilen zu können. Damit wird der allgemein übliche Vorwurf entkräftet, dass diese Musik ihre Wirkungen ledglich ihrer mehr oder minder reichen und effektvollen Instrumentation verdanke und nicht auch alle die Eigenschaften besäße, die bisher für·eine gute Musik charakteristisch waren: Melodien, Harmonienreichtum Polyphonie, Formvollendung, Architektur etc.

    Ein zweiter Vorteil solchen Musizierens ist in der konzertmäßigen Art der Wiedergabe dieser Arrangements gelegen. Da es sich dabei nicht um einen Orchesterersatz handelt, sondern darum, die Orchester werke derart für Klavier umzudenken, dass sie in diesem

    Faksmilie, Seite 9


    Augenblick als selbständige, man könnte fast behaupten :
    Klavier-Kompositionen Geltung haben und gehört werden
    sollen, werden insbesonders alle Eigenschaften und Eigen=
    tümlichkeiten des Klaviers ausgenützt, wird allen pianistischen
    Möglichkeiten Rechnung getragen. Und nun stellt sich so=
    gar heraus, daß bei einer solchen Reproduktion von Orchester=
    werken mit besonderer Differenziertheit des Klanges fast
    nichts verloren geht, ja daß gerade derartige Werke –
    durch die Sicherheit ihrer Instrumentation, die Echtheit der
    ihrer Eingebung angeborenen Klangfarben – imstande sind,
    dem Klavier Klangwirkungen zu entlocken, die weit über
    seine sonstigen Ausdrucksmöglichkeiten hinausgehen.

    In den ersten neun Vereinsveranstaltungen gelangten
    zur Aufführung bezw. Wiederholung:

    Augenblick als selbständige, man könnte fast behaupten : Klavier-Kompositionen Geltung haben und gehört werden sollen, werden insbesonders alle Eigenschaften und Eigen tümlichkeiten des Klaviers ausgenützt, wird allen pianistischen Möglichkeiten Rechnung getragen. Und nun stellt sich so gar heraus, dass bei einer solchen Reproduktion von Orchester werken mit besonderer Differenziertheit des Klanges fast nichts verloren geht, ja dass gerade derartige Werke – durch die Sicherheit ihrer Instrumentation, die Echtheit der ihrer Eingebung angeborenen Klangfarben – imstande sind, dem Klavier Klangwirkungen zu entlocken, die weit über seine sonstigen Ausdrucksmöglichkeiten hinausgehen.

    In den ersten neun Vereinsveranstaltungen gelangten zur Aufführung bzw. Wiederholung:

    Faksmilie, Seite 10

    Folgende Werke befinden sich in Vorbereitung und
    sind u. a. in Aussicht genommen:

    Folgende Werke befinden sich in Vorbereitung und sind u. a. in Aussicht genommen:

    Faksmilie, Seite 11

    Schließlich sei erwähnt, daß außer den hier angeführten
    Aufführungen auch Vorträge und sonstige, den Zwecken
    des Vereines dienende Veranstaltungen abgehalten werden.

    Die Mittel zur Erreichung des Zweckes sollen
    folgendermaßen aufgebracht werden:

    1. Durch die satzungsgemäßen Mitgliedsbeiträge,

    2. Durch freiwillige Überzahlungen über diese Beträge,

    3. Durch eventuelle freiwillige Zuwendungen Außen=
    stehender.

    für die Bemessung der Mitgliedsbeiträge ist folgendes maßgebend :

    Die wöchentlichen Vereinsabende sind als Konzerte
    aufzufassen, auf welche die Mitglieder für eine Saison

    Schließlich sei erwähnt, dass außer den hier angeführten Aufführungen auch Vorträge und sonstige, den Zwecken des Vereines dienende Veranstaltungen abgehalten werden.

    Die Mittel zur Erreichung des Zweckes sollen folgendermaßen aufgebracht werden:

    1. Durch die satzungsgemäßen Mitgliedsbeiträge,

    2. Durch freiwillige Überzahlungen über diese Beträge,

    3. Durch eventuelle freiwillige Zuwendungen Außen stehender.

    für die Bemessung der Mitgliedsbeiträge ist folgendes maßgebend :

    Die wöchentlichen Vereinsabende sind als Konzerte aufzufassen, auf welche die Mitglieder für eine Saison

    Faksmilie, Seite 12

    abonnieren. Der Abonnementsbetrag für die gewählte Sitz=
    kategorie kann für eine ganze Saison im Voraus, oder in
    vierteljährigen, monatlichen oder auch wöchentlichen Teil
    beträgen bezahlt werden, wobei das Mitglied aber die Ver=
    pflichtung zur fortlaufenden Bezahlung für die ganze
    Saison übernimmt. Außerdem ist zu Beginn des Vereins=
    jahres, bezw. beim Eintritt in den Verein, eine Grundgebühr
    zu bezahlen, deren Höhe sich nach der Sitzkategorie richtet.

    Es gibt vier Sitzkategorien. Die billigste (4.) kostet
    wöchentlich 1 Krone, die nächste (3.) 2 Kronen, die folgende(2.)
    3 Kronen; die 1. Kategorie ist denjenigen überlassen, welche
    freiwillig mehr bezahlen woHen.

    Dementsprechend stellen sich die Mitgliedsbeiträge so:

    jährlich Bezahlung in
    a) 52 Wochenraten b) 12 Monatsraten c) Vierteljahrsraten
    Grund=
    gebühr
    wöchent=
    lich
    Grund=
    gebühr
    monatlich Grund=
    gebühr
    viertel=
    jährlich
    K K K K K K
    4. Klasse
    3. „
    2. „
    1. „
    z. Beisp.
    oder
    oder

    oder
    60.–
    120.–
    180.–

    300.–
    400.–
    500.–
    usw.
    1000.–
    usw.
    8.–
    16.–
    24.–

    40.–
    36.–
    34.–


    1.–
    2.–
    3.–

    5.–
    7.–
    9.–


    6.–
    12.–
    18.–

    30.–
    40.–
    80.–

    160.–
    4.50
    9.–
    13.50

    22.50
    30.–
    35.–

    70.–
    6.–
    12.–
    18.–

    30.–
    40.–
    80.–

    200.–
    13.50
    27.–
    40.50

    67.50
    90.–
    105.–

    200.–

    Die Einführung einer solchen Abstufung der Mitglieds=
    beiträge wurde getroffen, um die bedeutenden Kosten des
    Vereins in einer gerechten Weise, also nach Maßgabe der
    Zahlungsfähigkeit jedes Mitglieds, aufteilen zu können;

    abonnieren. Der Abonnementsbetrag für die gewählte Sitzkategorie kann für eine ganze Saison im Voraus, oder in vierteljährigen, monatlichen oder auch wöchentlichen Teil beträgen bezahlt werden, wobei das Mitglied aber die Verpflichtung zur fortlaufenden Bezahlung für die ganze Saison übernimmt. Außerdem ist zu Beginn des Vereinsjahres, bezw. beim Eintritt in den Verein, eine Grundgebühr zu bezahlen, deren Höhe sich nach der Sitzkategorie richtet.

    Es gibt vier Sitzkategorien. Die billigste (4.) kostet wöchentlich 1 Krone, die nächste (3.) 2 Kronen, die folgende(2.) 3 Kronen; die 1. Kategorie ist denjenigen überlassen, welche freiwillig mehr bezahlen woHen.

    Dementsprechend stellen sich die Mitgliedsbeiträge so:

    jährlich Bezahlung in
    a) 52 Wochenraten b) 12 Monatsraten c) Vierteljahrsraten
    Grundgebühr wöchentlich Grundgebühr monatlich Grundgebühr vierteljährlich
    K K K K K K
    4. Klasse 3. „ 2. „ 1. „ z. Beisp. oder oder oder 60.– 120.– 180.– 300.– 400.– 500.– usw. 1000.– usw. 8.– 16.– 24.– 40.– 36.– 34.– 1.– 2.– 3.– 5.– 7.– 9.– 6.– 12.– 18.– 30.– 40.– 80.– 160.– 4.50 9.– 13.50 22.50 30.– 35.– 70.– 6.– 12.– 18.– 30.– 40.– 80.– 200.– 13.50 27.– 40.50 67.50 90.– 105.– 200.–

    Die Einführung einer solchen Abstufung der Mitgliedsbeiträge wurde getroffen, um die bedeutenden Kosten des Vereins in einer gerechten Weise, also nach Maßgabe der Zahlungsfähigkeit jedes Mitglieds, aufteilen zu können;

    Faksmilie, Seite 13

    wobei natürlich erwartet wird, daß von jenen, die in der
    Lage sind größere Opfer zu bringen, vorzugsweise die ersten
    zwei Klassen benützt werden.

    Den Beitritt zu diesem Verein erklärt man durch
    Ausfüllung und Übersendung der beiliegenden "Beitritts=
    erklärung", wobei Kenntnis und Anerkennung der Statuten
    vorausgesetzt ist.

    Sekretär: Präsident:

    Josef Rufer per Adresse: Dr. Paul Pisk,
    Wien, VI, Proschkogasse 1,
    Tel. Stelle 4 von 704.
    Arnold Schönberg

    16. Februar 1919.

    wobei natürlich erwartet wird, dass von jenen, die in der Lage sind größere Opfer zu bringen, vorzugsweise die ersten zwei Klassen benützt werden.

    Den Beitritt zu diesem Verein erklärt man durch Ausfüllung und Übersendung der beiliegenden "Beitrittserklärung", wobei Kenntnis und Anerkennung der Statuten vorausgesetzt ist.

    Sekretär: Präsident:

    Josef Rufer per Adresse: Dr. Paul Pisk, Wien, VI, Proschkogasse 1, Tel. Stelle 4 von 704. Arnold Schönberg

    16. Februar 1919.

    Faksmilie, Seite 14

    Auszug aus den Statuten

    § 4. Mitg1ied kann jede unbescholtene·und ehrenhafte Person
    werden, weiche sich den Vereinssatzungen unterwirft.

    § 6. Die Mitglieder des Vereins sind verpf1ichtet:

    a) die Zwecke des Vereins zu fördern und Schädigungen zu
    verhüten;

    b) die Mitgliedsbeiträge für das laufende Jahr auch im Falle
    des vorzeitigen Austritts zu bezahlen;

    c) die Tendenz des Vereins nicht zu verletzen.

    § 8. Die Vereinsleitung besteht aus:

    a) dem Präsidenten Arnold Schönberg, dessen Funktionsdauer
    nicht begrenzt ist;

    b) 10 bis 20 Vorstandsmitgliedern (den Vortragsmeistern, dem
    Sekretär, den Ordnern etc.), welche von der Generalversammlung im
    mit dem Präsidenten gewählt werden.

    § 9. Der Präsident hat in der Leitung des Vereins voll=
    kommen freie Hand. Er bestimmt Höhe und Art der für die
    Zwecke des Vereins nötigen Ausgaben, Honorierung der Mitwirkenden
    und der im § 10 erwähnten Vorstandsmitglieder, Mietpreise der Säle,
    Ausgaben für Vortragsabende, administrative Regien etc. Ihm steht
    auch das Recht zu, würdigen und bedürftigen Mitgliedern die Zahlung
    der Beiträge ganz oder teilweise zu erlassen.

    § 12. Alle Beschlüsse der Generalversamm1ung, ein=
    schließlich Wahlen, Statutenänderungen, Vereinsauflösung etc., be=
    dürfen zur Giltigkeit der Zustimmung des Präsidenten

    Auszug aus den Statuten

    § 4. Mitg1ied kann jede unbescholtene·und ehrenhafte Person werden, weiche sich den Vereinssatzungen unterwirft.

    § 6. Die Mitglieder des Vereins sind verpf1ichtet:

    a) die Zwecke des Vereins zu fördern und Schädigungen zu verhüten;

    b) die Mitgliedsbeiträge für das laufende Jahr auch im Falle des vorzeitigen Austritts zu bezahlen;

    c) die Tendenz des Vereins nicht zu verletzen.

    § 8. Die Vereinsleitung besteht aus:

    a) dem Präsidenten Arnold Schönberg, dessen Funktionsdauer nicht begrenzt ist;

    b) 10 bis 20 Vorstandsmitgliedern (den Vortragsmeistern, dem Sekretär, den Ordnern etc.), welche von der Generalversammlung im mit dem Präsidenten gewählt werden.

    § 9. Der Präsident hat in der Leitung des Vereins vollkommen freie Hand. Er bestimmt Höhe und Art der für die Zwecke des Vereins nötigen Ausgaben, Honorierung der Mitwirkenden und der im § 10 erwähnten Vorstandsmitglieder, Mietpreise der Säle, Ausgaben für Vortragsabende, administrative Regien etc. Ihm steht auch das Recht zu, würdigen und bedürftigen Mitgliedern die Zahlung der Beiträge ganz oder teilweise zu erlassen.

    § 12. Alle Beschlüsse der Generalversamm1ung, einschließlich Wahlen, Statutenänderungen, Vereinsauflösung etc., be dürfen zur Giltigkeit der Zustimmung des Präsidenten