Ferruccio Busoni to Paul Bekker arrow_backarrow_forward

Berlin · May 23, 1921

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23. Mai 1921

Hochverehrter Herr Bekker

ich freute mich als ich Ihre
Schriftzüge sah, u. es betrübte mich
zu lesen, was sie mittheilten. Wie
konnten Sie einen Moment glauben,
dass ich mir anmaasste, LIhren
Namen einem Verlage gegenüber
zu missbrauchen; u. nun gar
mit Bezug auf meine eigene
Biographie! – Ich kenne nicht
ein mal den Drei Masken Verlag; Der Drei-Masken-Verlag besaß erst seit 1920 eine musikwissenschaftliche und musikschriftliche Abteilung, vorher war er nur als Theaterverlag präsent.
dafür kenne ich Sie genug um
zu wissen, daß man nicht mit
derartigen Vorschlägen u. in solcher
Form an Sie herantreten darf. Daß
aber Sie mich so wenig kennen,
um eine solche Taktlosigkeit
u. unintelligente Eitelkeit bei
mir auf gut Glauben anzu-
nehmen:, dieses hat mich recht
geschmerzt.

23. Mai 1921

Hochverehrter Herr Bekker

ich freute mich, als ich Ihre Schriftzüge sah, und es betrübte mich zu lesen, was sie mitteilten. Wie konnten Sie einen Moment glauben, dass ich mir anmaßte, Ihren Namen einem Verlage gegenüber zu missbrauchen; und nun gar mit Bezug auf meine eigene Biographie! – Ich kenne nicht einmal den Drei-Masken-Verlag; Der Drei-Masken-Verlag besaß erst seit 1920 eine musikwissenschaftliche und musikschriftliche Abteilung, vorher war er nur als Theaterverlag präsent. dafür kenne ich Sie genug, um zu wissen, dass man nicht mit derartigen Vorschlägen und in solcher Form an Sie herantreten darf. Dass aber Sie mich so wenig kennen, um eine solche Taktlosigkeit und unintelligente Eitelkeit bei mir auf gut Glauben anzunehmen: dieses hat mich recht geschmerzt.

Hingegen hatte es mich herzlichst erfreut, von Ihnen seinerzeit zu erfahren, dass Sie meiner Bach-Ausgabe Ihre Aufmerksamkeit schenken und diese auch schriftlich betätigen wollten. – Diese Tat würde ich (und Andere mit mir) Ihnen sehr danken.

Bitte herzlichst von mir fortan besser denken zu wollen.

Ihr Sie hochschätzender und ergebener

F. Busoni

Meine Opern wurden hier sehr befriedigend (zum Teil ganz vortrefflich) gegeben. Arlecchino und Turandot hatten am 19. Mai 1921 ihre Berliner Erstaufführung an der Staatsoper unter der Leitung von Leo Blech. Der Erfolg war groß. Die Kritik klein. –

Weiter:

Seit meiner Übersiedelung nach Berlin Im September 1920 war Busoni von Zürich wieder nach Berlin in seine alte Wohnung am Viktoria-Luise-Platz gezogen, nachdem er durch Leo Kestenberg eine Stelle als Professor einer Kompositionsklasse an der Preußischen Akademie der Künste erhalten hatte (vgl. Riethmüller/Weindel/Shin 2000, Sp. 1385). haben neue und zahlreichere Interessen mein Leben sehr ausgefüllt, somit auch meine Zeit. Die Frankfurter Zeitung habe ich aus den Augen verloren. Sollte in diesem halben Jahr etwas von Ihnen darin gestanden haben, das zu lesen Sie mich für wert hielten, so begrüßte ich dankbar dessen Zusendung. —

                                                                
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Hingegen hatte es mich
herzlichst erfreut, von Ihnen
seinerzeit zu erfahren, daß
Sie meiner Bach Ausgabe Ihre
Aufmerksamkeit schenken, und
Diese auch schriftlich bethätigen
wollten. – Diese That würde ich
(u. Andere mit mir) Ihnen sehr
danken.

Bitte herzlichst von mir
fortan besser denken zu wollen.

Ihr Sie hochschätzender
und ergebener

F. Busoni

Meine opern wurden hier sehr
befriedigend (zum Theil ganz
vortrefflich) gegeben. Arlecchino und Turandot hatten am 19. Mai 1921 ihre Berliner Erstaufführung an der Staatsoper unter der Leitung von Leo Blech. Der Erfolg
war gross. Die Kritik klein. –

Weiter:
                                                                
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Seit meiner Übersiedelung
nach Berlin Im September 1920 war Busoni von Zürich wieder nach Berlin in seine alte Wohnung am Viktoria-Luise-Platz gezogen, nachdem er durch Leo Kestenberg eine Stelle als Professor einer Kompositionsklasse an der Preußischen Akademie der Künste erhalten hatte (vgl. Riethmüller/Weindel/Shin 2000, Sp. 1385). haben neue u.
zahlreichere Interesse mein
Leben sehr ausgefüllt, somit
auch meine Zeit. Die Frankf. Ztg.
habe ich aus den Augen verloren.
Sollte in diesem halben Jahre
Etwas von Ihnen darin gestanden
haben, von dem es Ihnen das
zu lesen Sie mich für werth
hielten, so begrüsste ich dankbar
dessen Zusendung. —

                                                                
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Dr F Busoni IV 30
Berlin W
[2]3.5.23.2–3N
30
[Ber]lin W W
23.5.23.2–3N
30
Berlin W
23.5.23.[2]–3N
30
Berlin W
23.5.23.2–3N
30
[Berlin W]
23[.5.23.][2–3N]
30
[Ber]lin W
23.5.23.2–3N
30
Herrn Paul Bekker
Hofheim im Taunus
Kapellenstrasse
2 A
                                                                
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Provenance
USA | New Haven (CT) | Gilmore Music Library | The Paul Bekker Papers | MSS 50, I.A. Correspondence - Individual, A-E: Box 2, Folder 23
Condition
Der Brief ist gut erhalten.
Extent
2 Blatt, 3 beschriebene Seiten
Hands/Stamps
  • Hand des Absenders Ferruccio Busoni, Brieftext in schwarzer Tinte, in lateinischer Schreibschrift.
  • Poststempel (schwarze Tinte)

Summary
Busoni weist die Unterstellung Bekkers zurück, Urheber einer Monographie-Anfrage vom Drei Masken Verlag zu sein; freut sich auf dessen schriftliche Auseinandersetzung mit der Bach-Ausgabe; berichtet von gelungenen Opernaufführungen in Berlin; bittet um Zusendung interessanter Artikel Bekkers aus der Frankfurter Zeitung.
Incipit
ich freute mich als ich Ihre Schriftzüge sah,

Editors in charge
Christian Schaper Ullrich Scheideler
prepared by
Revision
March 22, 2018: proposed (transcription and coding done, awaiting proofreading)
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