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* The * Library * of * Congress *

Sehr verehrter Herr Schönberg Transkription unsicher: wenig Tinte. Alternative Lesart: ,. Theurich 1977 (172) und Theurich 1979 (161) mit folgendem Komma.

Ihr letzter Brief ist ein interessantes
Dokument, das mich – (auch
dadurch dass es sich an mich
wendet) – sehr werth halte.
Ich errieth Ihre Absichten
u. aus manchen Stellen meiner
kleinen Schrift
– die ich Ihnen
„zur Verstaendigung“ zuschickte – Schönbergs Exemplar der 1907 erschienen Erstausgabe von Busonis Entwurf einer neuen Ästhetik der Tonkunst enthält die handschriftliche Widmung „Dem Componist Arnold Schönberg | zur Verständigung | F. Busoni, aber keinerlei weitere Eintragungen (vgl. das Verzeichnis der Bücher in Schönbergs Bibliothek sowie das Verzeichnis der annotierten Bücher im Nachlass Arnold Schönbergs (Arnold-Schönberg-Center, Wien). Offenbar hat sich Schönberg erst später intensiver mit Busonis Ästhetik befasst; sein Exemplar der zweiten Ausgabe des Entwurfs von 1916 enthält zahlreiche Annotationen (vgl. Busoni / Stuckenschmidt 1974).
ersehen Sie, dass ich sie mir
nicht fremd sind.

Wir haben glücklich den Ton
der Offenheit zu einander an-
-geschlagen und ich stelle die Frage:n:

  • wie weit verwirklichen [Sie] Auch Theurich 1977 (172) und Theurich 1979 (161) ergänzen: „[Sie]“. diese
    Absichten?
  • Und wieviel ist dabei AEmpfindung,
    wieviel Absichtliches?

Das dritte Stück, das Sie mir in
Ihrem gütigen Vertrauen schicken,
ergänzt die beiden vorausgegangenen,
ohne neue Seiten aufzuweisen;
so will es mir scheinen.

Sehr verehrter Herr Schönberg.

Ihr letzter Brief ist ein interessantes Dokument, das ich – (auch dadurch, dass es sich an mich wendet) – sehr werthalte. Ich erriet Ihre Absichten, und aus manchen Stellen meiner kleinen Schrift – die ich Ihnen „zur Verständigung“ zuschickte – Schönbergs Exemplar der 1907 erschienen Erstausgabe von Busonis Entwurf einer neuen Ästhetik der Tonkunst enthält die handschriftliche Widmung „Dem Componist Arnold Schönberg | zur Verständigung | F. Busoni, aber keinerlei weitere Eintragungen (vgl. das Verzeichnis der Bücher in Schönbergs Bibliothek sowie das Verzeichnis der annotierten Bücher im Nachlass Arnold Schönbergs (Arnold-Schönberg-Center, Wien). Offenbar hat sich Schönberg erst später intensiver mit Busonis Ästhetik befasst; sein Exemplar der zweiten Ausgabe des Entwurfs von 1916 enthält zahlreiche Annotationen (vgl. Busoni / Stuckenschmidt 1974). ersehen Sie, dass sie mir nicht fremd sind.

Wir haben glücklich den Ton der Offenheit zueinander angeschlagen, und ich stelle die Fragen:

  • Wie weit verwirklichen Sie diese Absichten?
  • Und wie viel ist dabei Empfindung, wie viel Absichtliches?

Das dritte Stück, das Sie mir in Ihrem gütigen Vertrauen schicken, ergänzt die beiden vorausgegangenen, ohne neue Seiten aufzuweisen; so will es mir scheinen.

Zumal in harmonischer Beziehung verlässt es nicht den beschriebenen Kreis. Die Akkordfiguren der großen Septime, der kleinen None – (letztere oft, in Selbsttäuschung, als übermäßige Oktave geschrieben) – kehren immer wieder.

Das Lakonische wirkt als Manier. (Ein so prächtiger Kopf wie der ihre empfindet Kritik nur als Gewinn, selbst wenn diese nicht das Richtige treffen sollte.)

Das „Asketische“ des Klaviersatzes (wir wollen es so benennen) scheint mir ein unnützer Verzicht auf schon Errungenes. Sie setzen einen Wert anstelle eines früheren, anstatt den neuen mit diesem zu addieren. Sie werden anders und nicht reicher.

Fühlte ich mich zu Ihrer Kunst nicht vorbereitet, so würde ich mich neigen und warten. Aber ich habe selbst so viel an mir gearbeitet.

So werden wir – vorläufig – wohl ein jeder in dem Mittelpunkt des eigenen Kreises bleiben, dessen Rand – wie Sie richtig sagen – den des anderen streift. –

Mit freundlichstem Gruß, Ihr hochschätzender

Ferruccio Busoni

20. August 1909

Mit Verlegern dürften Sie für die allernächste Zeit Schwierigkeiten finden. Aber die Zeit verwandelt sich heutzutage rascher. Was ich jetzt vorbringe, ist ein bescheidener Vorschlag: Der Verleger Zimmermann beginnt eine Serie Hefte meiner Redaktion zu publizieren, welche den Titel führen: an die Jugend. Die ersten drei im Drucke befindlichen Hefte enthalten von mir Eigenes und Bearbeitetes. „Der Jugend gehört meine Liebe und soll fortan gehören.“ (Busoni 1909 (Weindel 2006), S. 39) , schreibt Busoni 1909 kurz nach Vollendung der vier herausgegeben Hefte An die Jugend. Bei den darin enthaltenen Stücken handelt es sich nicht um einen Zyklus, sondern um eine Sammlung von Bearbeitungen verschiedener kurzer Klavierwerke, mit welchen Busoni einen Bogen schlägt von Bach (Preludio, Fuga e Fuga figurata) über Mozart (Giga, Bolero e Variazione) bis Paganini (für Busoni der Liszt des Geigenspiels“, Introduzione, Capriccio (Paganinesco) e Epilogo). Diese vier galten Busoni als Inbegriff von Weiterentwicklung und Erneuerung der Musik (und daher von „Jugend“). Mit Eigenkompositionen im ersten und einem Epilog im vierten Heft stellt sich Busoni in eine Reihe mit seinen Vorbildern. Öffentlich gespielt hat er allerdings nur Heft 2–4 ohne Epilog (vgl. Bernds 2004, S. 77–87, und Theurich 1979, S. 77 f.). An die Jugend soll bedeuten, dass sich die Publikation an die neue Generation wendet. Würden Sie sich mit der Idee versöhnen können, dass z. B. ein viertes Heft Ihr 12/8-Stück im Original und in meiner Paraphrasierung brächte? Dann würde ich es dem Verleger vorschlagen und das mir ausgezahlte Honorar (welches sehr bescheiden ist und vielleicht 300 Mark betrüge) Ihnen zuweisen.

Es gehört einige Überwindung meiner Seite zu diesem Vorschlag, insofern als Sie meine Paraphrase stillschweigend übergehen, aber es ist der erste Anknüpfungspunkt, der mir einfällt. –

                                                                
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Zumal in harmonischer Bei Theurich 1977 (172) und Theurich 1979 (161) ohne Hervorhebung. Beziehung
verlassenässt es nicht den beschriebenen
Kreis. Die Accordfiguren der großen Septime,
der kleinen None – (letztere oft, in
Selbsttäuschung, als übermäßige Octave
geschrieben) – kehren immer wieder.

Das Lakonische wirkt als Manier.
(Ein so prächtiger Kopf wie der Ihre,
empfindet Kritik nur als Gewinn,
selbst wenn diese nicht das Richtige
treffen sollte.)

Das „Asketische“ des Claviersatzes
(wir wollen es so benennen) scheint
mir ein unnützer Verzicht auf
schon Errungenes. Sie setzen
einen Werth an stelle Theurich 1977 (172) und Theurich 1979 (161) stillschweigend: „anstelle“. eines früheren,
anstatt den neuen mit diesem zu
addiren. Theurich 1977 (172) und Theurich 1979 (161) stillschweigend: „addieren“. Sie werden anders und
nicht reicher.

Fühlte ich mich zu Ihrer Kunst nicht
vorbereitet, so würde ich mich
neigen u. warten. Aber ich habe
selbst so viel an mir gearbeitet.

So werden wir – vorläufig – wohl
ein jeder in dem Mittelpunkt des
eigenen Kreises bleiben, dessen Räander
wie Sie richtig sagen – sich den des
anderen streift. – Mit freundlichstem
Gruss, Ihr Theurich 1977 (172) und Theurich 1979 (161) ergänzt: „[Sie]“ hochschätzender

                                                                
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20. Aug. 1909

Mit Verlegern dürften Sie für die allernächste Zeit
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heutzutage rascher. Was ich jetzt vorbringe, ist
ein bescheidener Vorschlag: Der Verleger Zimmer-
mann
beginnt eine Serie Hefte meiner Redaktion
zu publiciren welche den Titel führen: an die Jugend
Die ersten drei im Drucke befindlichen Hefte ent-
halten von mir Eigenes u. Bearbeitetes. „Der Jugend gehört meine Liebe und soll fortan gehören.“ (Busoni 1909 (Weindel 2006), S. 39) , schreibt Busoni 1909 kurz nach Vollendung der vier herausgegeben Hefte An die Jugend. Bei den darin enthaltenen Stücken handelt es sich nicht um einen Zyklus, sondern um eine Sammlung von Bearbeitungen verschiedener kurzer Klavierwerke, mit welchen Busoni einen Bogen schlägt von Bach (Preludio, Fuga e Fuga figurata) über Mozart (Giga, Bolero e Variazione) bis Paganini (für Busoni der Liszt des Geigenspiels“, Introduzione, Capriccio (Paganinesco) e Epilogo). Diese vier galten Busoni als Inbegriff von Weiterentwicklung und Erneuerung der Musik (und daher von „Jugend“). Mit Eigenkompositionen im ersten und einem Epilog im vierten Heft stellt sich Busoni in eine Reihe mit seinen Vorbildern. Öffentlich gespielt hat er allerdings nur Heft 2–4 ohne Epilog (vgl. Bernds 2004, S. 77–87, und Theurich 1979, S. 77 f.). An
die Jugend
soll bedeuten, dass sich die Publikation
an die neue Genera- tion wendet. Würden Sie
sich mit der Idee versöhnen können, dass
z. B. ein viertes Heft Ihr 12/8-Stück im Original
u. in meiner Paraphrasierung brächte? Dann
würde ich es dem Verleger vorschlagen und das
mir ausgezahlte Honorar (welches sehr bescheiden ist
u. vielleicht 300 Mk betrüge) Ihnen zuweisen.

Es gehört einige Überwindung meiner Seite zu diesem
Vorschlag, insofern als Sie meine Paraphrase still-
schweigend übergehen, aber es ist der erste Anknüpfungs-
punkt, der mir zuerst einfällt. –

                                                                
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