Ich kann Ihnen heute
nur eilig und kurz
antworten;Der zugehörige Brief Schenkers ist nicht überliefert.
zunaechst um
Ihnen meinen Dank für
Ihre freundl. Epistel aus- zusprechen, sodann um
Sie von der Aufrichtigkeit
meines Lobes zu versichern.
Wenn jedoch Ihre Sachen
mirFederhofer 1985 (78): „mir“ ohne Hervorhebung.
auch besonders
gefallen, so müßen
Sie sich doch darauf
gefasst machen, dass
Verehrtester Herr Doktor.
Ich kann Ihnen heute
nur eilig und kurz
antworten;Der zugehörige Brief Schenkers ist nicht überliefert.
zunächst, um
Ihnen meinen Dank für
Ihre freundliche Epistel auszusprechen, sodann, um
Sie der Aufrichtigkeit
meines Lobes zu versichern.
Wenn jedoch Ihre Sachen
mir
auch besonders
gefallen, so müssen
Sie sich doch darauf
gefasst machen, dass
Ihre Kompositionen,
dank der großen
Subjektivität,
die in
ihnen herrscht, nicht
eben mit einem Schlage
populär werden.
Das ist jedoch das
Schicksal eines jeden
wertvollen Kunstproduktes – anderseits
bin ich kein Prophet
und kann mich in
meiner Vermutung
sehr gut irren.
Legende, Scherzo
(ohne Trio) und die
Variationen (mit
wenigen Modifikationen
vielleicht) werde ich
gerne einmal öffentlich
versuchen.Es gibt keinen Nachweis darüber, dass Busoni die Stücke einmal öffentlich gespielt hätte.
Meine
Autorität steht aber
keineswegs so fest,
dass die Tatsache, dass
ich Ihre Werke spiele,
eine vollgültige, unwidersetzliche Empfehlung
für sie bedeutet. Bin ich
doch dieser Wahrheit
erst vor kurzem recht
bewusst geworden, als
ich Nováčeks Konzert
einzuführen versuchte.Ottokar NováčeksConcerto Eroico hatte Busoni als Solist unter Nikisch mit den Berliner Philharmonikern 1896 uraufgeführt. Das Werk wurde aufgrund seines Misserfolges bald wieder abgesetzt: „Und hervor trat Herr Ferruccio Busoni und spielte (zum 1. Mal) ein ‚Concerto eroico (op. 8)‘ von O. Nováček. Wenn Du, verehrter Leser, einen großen Kettenhund mit den Vorderpfoten auf die Klaviatur stellst und ihn dann von hinten durchpeitschest, hat der Zuhörer genau denselben Effekt, als wenn dies slavische Radaukonzert gespielt wird, das sämtliche Klavier-Treffübungen planlos aneinanderreiht. Wie konnte man diese Novität hervorzerren? Ist es gut bezahlt worden? Andernfalls wär’s unbegreiflich!“ ().
Die Widmung betrachte
ich als eine Ehre, die
man nicht zurückweisen
darf.
Über die
kleinen
Änderungen
der „Fantasie“
möchte ich mich
noch mit Ihnen
gelegentlich besprechen.
Berlin,2. Juni 1897.
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<lb/>gefasst machen, dass
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2Facsimile
2Diplomatic transcription
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Ihre Compositionen,
dank der großen
SubjectivitaetFederhofer 1985 (78): „Subjektivität“.
die in
ihnen herrscht, nicht
eben mit einem SchlageFederhofer 1985 (78) fälschlich: „Schlag“. populaer werden.
Das ist jedoch das
Schicksal eines jeden
werthvollen Kunstpro- duktes – anderseits
bin ich kein Prophet
und kann mich in
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sehr gut irren.
Legende, Scherzo (ohne Trio) und die
Variationen (mit
wenigen Modificationen
vielleicht) werde ich
gerne einmal öffentlich
versuchen.Es gibt keinen Nachweis darüber, dass Busoni die Stücke einmal öffentlich gespielt hätte.
Meine
Autoritaet steht aber
keineswegs so fest,
dass die Thatsache, dass
ich Ihre Werke spiele,
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für sie bedeutet. Bin ich
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doch dieser Wahrheit
erst vor kurzem recht
bewusst geworden, als
ich Novaček’s Concert einzuführen versuchte.Ottokar NováčeksConcerto Eroico hatte Busoni als Solist unter Nikisch mit den Berliner Philharmonikern 1896 uraufgeführt. Das Werk wurde aufgrund seines Misserfolges bald wieder abgesetzt: „Und hervor trat Herr Ferruccio Busoni und spielte (zum 1. Mal) ein ‚Concerto eroico (op. 8)‘ von O. Nováček. Wenn Du, verehrter Leser, einen großen Kettenhund mit den Vorderpfoten auf die Klaviatur stellst und ihn dann von hinten durchpeitschest, hat der Zuhörer genau denselben Effekt, als wenn dies slavische Radaukonzert gespielt wird, das sämtliche Klavier-Treffübungen planlos aneinanderreiht. Wie konnte man diese Novität hervorzerren? Ist es gut bezahlt worden? Andernfalls wär’s unbegreiflich!“ (). Die Widmung betrachte
ich als eine Ehre, die
man nicht zurückweisen
darf.
Über die
kleinen
Aenderungen
der „Fantasie“ moechte ich mich
noch mit Ihnen
gelegentlich besprechen
Berlin 2 Jun 97.
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doch dieser Wahrheit
<lb/>erst vor kurzem recht
<lb/>bewusst geworden, als
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Vereinigte Staaten von Amerika | Riverside | University of California, Special Collections and Archives | Oswald Jonas memorial collection | Box 9, Folder 27
Condition
Der Brief ist gut erhalten.
Extent
1 Bogen, 4 beschriebene Seiten
Hands/Stamps
Hand des Absenders Ferruccio Busoni, Brieftext in schwarzer Tinte, in lateinischer Schreibschrift.
Busoni vermutet in „der großen
Subjektivität“ von Schenkers Werken ein Popularitätshindernis; deutet an, SchenkersStücke einmal öffentlich spielen zu wollen.
Incipit
“Ich kann Ihnen heute nur eilig und kurz antworten;”
Letter by Ferruccio Busoni to Heinrich Schenker (Berlin, 2 June 1897), prepared by Theresa Menard, in: Briefwechsel Ferruccio Busoni – Heinrich Schenker, edited by Christian Schaper, Ullrich Scheideler, Theresa Menard and Maximilian Furthmüller, Berlin: Institut für Musikwissenschaft und Medienwissenschaft der Humboldt-Universität zu Berlin, October 2017: Institut für Musikwissenschaft und Medienwissenschaft der Humboldt-Universität zu Berlin, https://busoni-nachlass.org/D0100055 (December 29, 2018: candidate)
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<TEIxmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"xml:id="D0100055"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><titlexml:lang="de">Brief von Ferruccio Busoni an Heinrich Schenker (Berlin, 2. Juni 1897)</title><titlexml:lang="en">Letter by Ferruccio Busoni to Heinrich Schenker (Berlin, 2 June 1897)</title><authorkey="E0300017">Ferruccio Busoni</author><respStmt><resp>Prepared by</resp><persNamekey="E0300317"><forename>Theresa</forename><surname>Menard</surname></persName></respStmt><respStmt><resp>Digitization by</resp><orgNamekey="US-RIVu">University of California, Riverside, Special Collections and Archives</orgName></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>Institut für Musikwissenschaft und Medienwissenschaft der Humboldt-Universität zu Berlin</publisher><pubPlace>Berlin</pubPlace><datewhen-iso="2017-10"/><availability><licencetarget="https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/4.0/">Attribution-NonCommercial-ShareAlike 4.0 International (CC BY-NC-SA 4.0)</licence></availability></publicationStmt><seriesStmt><titletype="main">Ferruccio Busoni – Briefe und Schriften</title><titletype="genre">Briefe</title><titletype="subseries"key="E010003">Briefwechsel Ferruccio Busoni – Heinrich Schenker</title><editorkey="E0300314">Christian Schaper</editor><editorkey="E0300313">Ullrich Scheideler</editor><editorkey="E0300317"role="subseries">Theresa Menard</editor><editorkey="E0300318"role="subseries">Maximilian Furthmüller</editor></seriesStmt><sourceDesc><msDesc><msIdentifier><countrykey="US">Vereinigte Staaten von Amerika</country><settlement>Riverside</settlement><institutionkey="US-RIVu">University of California, Special Collections and Archives</institution><collection>Oswald Jonas memorial collection</collection><idno>Box 9, Folder 27</idno></msIdentifier><msContents><summary><persNamekey="E0300017">Busoni</persName> vermutet in <q>der großen
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<lb/>Ihnen meinen Dank für
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