Ferruccio Busoni to Wilhelm Kienzl arrow_backarrow_forward

October 9, 1886

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I.N.202.025
9.10.86.

Werther Freund!

Indem ich, wenn auch verspätet,
doch immer recht herzlich zu Ihrer
Vermählung Kienzl heiratete am 05. Juli 1886 die Sängerin Lili Hoke. (Marburger Zeitung, S. 4) u. Ihrer Ernennung Kienzl wird am 02.06.1886 zum Direktor des Grazer Musikvereins ernannt.(Bischoff 1890, S. 199)
gratulire, erlaube ichcrh, mich
an Sie, als dem Director des Grazer
Musikvereines
zu wenden, um
Sie zu fragen ob es möglich wäre
dass ich in den Concerten dieses
Vereines als Clavierspieler auftrete
u. eine Orchester Composition (Suite)
zur Aufführung bringe. Wie dem Antwortschreiben Kienzls zu entnehmen ist, kommt es in der folgenden Spielzeit weder zu einem Auftritt Busonis als Pianist noch zur Aufführung seiner Orchestersuite.

Und zwar wende ich mich nicht
nur offiziell an den „Director“, sondern
auch speziell an den edelgesinnten
Collegen, als welcher Sie sich gegen
mich immer bewahrt habten. Kienzl sorgte schon 1878 für ein Konzertengagement Busonis in Graz. (Dent 1933, S. 27)

09.10.1886

Werter Freund!

Indem ich, wenn auch verspätet, doch immer recht herzlich zu Ihrer Vermählung Kienzl heiratete am 05. Juli 1886 die Sängerin Lili Hoke. (Marburger Zeitung, S. 4) und Ihrer Ernennung Kienzl wird am 02.06.1886 zum Direktor des Grazer Musikvereins ernannt.(Bischoff 1890, S. 199) gratuliere, erlaube ichr, mich an Sie, als den Direktor des Grazer Musikvereines zu wenden, um Sie zu fragen, ob es möglich wäre, dass ich in den Konzerten dieses Vereines als Klavierspieler auftrete und eine Orchesterkomposition (Suite) zur Aufführung bringe. Wie dem Antwortschreiben Kienzls zu entnehmen ist, kommt es in der folgenden Spielzeit weder zu einem Auftritt Busonis als Pianist noch zur Aufführung seiner Orchestersuite.

Und zwar wende ich mich nicht nur offiziell an den „Direktor“, sondern auch speziell an den edelgesinnten Kollegen, als welcher Sie sich gegen mich immer bewahrt habten. Kienzl sorgte schon 1878 für ein Konzertengagement Busonis in Graz. (Dent 1933, S. 27) Sie würden wahrlich, durch Bejahung dieser Frage, mir ein wichtigen Dienst leisten.

Schreiben Sie mir, ich bitte, inwiefern Wahrscheinlichkeit dazu ist, worauf ich Ihnen dann nähere Details mitteilen werde.

Noch Eines. Eine kleine Einnahme käme mir jetzt sehr wohl zu statten; Am 17. November 1886 verlässt Busoni Fronleiten, um den Schulden seines Vaters Ferdinando Busoni zu entkommen. Edward Dent geht davon aus, dass der Wegzug aus dem Elternhaus längerfristig geplant war und für ständigen Konflikt mit dem Vater gesorgt hatte. (Dent 1933, S. 64–65) über welche Honorare verfügt der Musikverein?

Indem ich für eine günstige Entscheidung auf Ihre Freundschaft zähle, verbleibt achtungsvollst Ihr ganz ergebener

FerruccioBBusoni

                                                                
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Sie würden wahrlich, durch Bejahung
dieser Frage, mir ein wichtigen
Dienst leisten.

Schreiben Sie mir, ich bitte,
inwiefern Wahrscheinlichkeit
dazu ist, worauf ich Ihnen
dann nähere Details mittheilen
werde.

Noch Eines. Eine kleine Einnahme
käme mir jetzt sehr wol zu
statten; Am 17. November 1886 verlässt Busoni Fronleiten, um den Schulden seines Vaters Ferdinando Busoni zu entkommen. Edward Dent geht davon aus, dass der Wegzug aus dem Elternhaus längerfristig geplant war und für ständigen Konflikt mit dem Vater gesorgt hatte. (Dent 1933, S. 64–65) über welche Honorare
verfügt der Musikverein?

Indem ich für eine günstige
Entscheidung auf Ihre Freund⸗
⸗schaft zähle, verbleibt
achtungsvollst
Ihr ganz ergebener

FerruccioBBusoni

Wiener Stadtbibliothek
                                                                
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Provenance
Österreich | Wien | Wienbibliothek im Rathaus | Musiksammlung | Nachlass Wilhelm Kienzl | AC16016929
Condition
Der Brief ist gut erhalten.
Extent
1 Blatt, 2 beschriebene Seiten
Collation
Seitenfolge: 1, 2
Hands/Stamps
  • Hand des Absenders Ferruccio Busoni, Brieftext in schwarzer Tinte, in lateinischer Schreibschrift
  • Hand des Archivars, der mit Rotstift die Signatur eingetragen hat
  • Bibliotheksstempel (blaue Tinte)
Image source
Wienbibliothek im Rathaus: 12

Summary
Busoni fragt nach, ob es möglich wäre, dass Kienzl ein Engagement als Solist im Steiermärkischen Musikverein organisiert; berichtet von seiner finanziellen Situation.
Incipit
Indem ich, wenn auch verspätet

Editors in charge
Christian Schaper Ullrich Scheideler
prepared by
Revision
January 5, 2026: proposed (transcription and coding done, awaiting proofreading)
Direct context
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