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Mus.ep. R. Freund 9 (Busoni-Nachl. B II)
Mus.Nachl. F. Busoni B II, 1698
[1] [1900]

Lieber Freund! Sie sind selbst
daran schuld wen̅ der Inhalt
meiner Briefe “sähre” monoton
wird; habe ich doch nur
im̅er Dank, Dank zu sagen.
Einen schöneren Son̅tag kon̅ten
Sie mir nicht bereiten als durch
Ihre Sendung. Bei der „Sendung“ handelt es sich, wie nachfolgend zu erkennen ist, um den Erstdruck der Robert Freund gewidmeten Bach’schen Toccaten in einer Bearbeitung von Busoni. (vgl. auch Freunds Brief vom 17.09.1899) Auf der Rückseite des 2. Titelblattes heißt es da: „An Robert Freund. Mit der Veröffentlichung dieser „Toccaten“ beschliesse ich vorläufig eine Reihe ähnlicher und verwandter Arbeiten; die vorliegenden zähle ich zu meinen reifsten der Art, und so mögen sie, auf dem ersten Blatte, den Namen desjenigen verehrten Collegen tragen, der mich durch die unzweideutigsten Zeichen seines Künstlervertrauens beehrte und erfreute. [...] Berlin, 1900. Ferruccio Busoni.“ (Bach/Busoni 1900, Vorwort, S. 2) Busonis Brief, dem die Noten beigegeben wurden, muss vom 15.09.1900 stammen, ist aber nicht überliefert. Wen̅ ich meinen
Namen so schön gedruckt sehe,
werde ich ganz stolz u.
wäre ich nur ein bischen
grösser gerathen, so würde ich
gernewiss gerne auf meine Mit-
menschen “herab” sehen. Leider
wird mir das “Herab”- Sehen schwer,
wen̅ nich[t] unmöglich. Über Freunds Körpergröße lässt sich nur im Verhältnis zu anderen eine Aussage treffen. Auf alten Fotos ist allerdings zu sehen, dass er z.B. einen ganzen Kopf kleiner war als seine Schwester Etelka. (vgl. CH-Zz, Mus NL 42: D)

Dass ich Ihre Bearbeitung der Deutsche
Staat[sbibliothek]
[Berlin]

Kleinlaufenburg, 16. September

Lieber Freund!

Sie sind selbst daran schuld, wenn der Inhalt meiner Briefe „sähre“ monoton wird; habe ich doch nur immer Dank, Dank zu sagen. Einen schöneren Sonntag konnten Sie mir nicht bereiten als durch Ihre Sendung. Bei der „Sendung“ handelt es sich, wie nachfolgend zu erkennen ist, um den Erstdruck der Robert Freund gewidmeten Bach’schen Toccaten in einer Bearbeitung von Busoni. (vgl. auch Freunds Brief vom 17.09.1899) Auf der Rückseite des 2. Titelblattes heißt es da: „An Robert Freund. Mit der Veröffentlichung dieser ‚Toccaten‘ beschliesse ich vorläufig eine Reihe ähnlicher und verwandter Arbeiten; die vorliegenden zähle ich zu meinen reifsten der Art, und so mögen sie, auf dem ersten Blatte, den Namen desjenigen verehrten Collegen tragen, der mich durch die unzweideutigsten Zeichen seines Künstlervertrauens beehrte und erfreute. [...] Berlin, 1900. Ferruccio Busoni.“ (Bach/Busoni 1900, Vorwort, S. 2) Busonis Brief, dem die Noten beigegeben wurden, muss vom 15.09.1900 stammen, ist aber nicht überliefert. Wenn ich meinen Namen so schön gedruckt sehe, werde ich ganz stolz und wäre ich nur ein bisschen größer geraten, so würde ich gewiss gerne auf meine Mitmenschen „herab“sehen. Leider wird mir das „Herab“-Sehen schwer, wenn nicht unmöglich. Über Freunds Körpergröße lässt sich nur im Verhältnis zu anderen eine Aussage treffen. Auf alten Fotos ist allerdings zu sehen, dass er z.B. einen ganzen Kopf kleiner war als seine Schwester Etelka. (vgl. CH-Zz, Mus NL 42: D)

Dass ich Ihre Bearbeitung der C-Toccata bewunderungswürdig finde, habe ich Ihnen noch in Berlin gesagt. An die andere muss ich mich erst gewöhnen. Nachdem ich 30 Jahre die Tausig’sche Bearbeitung in Kopf und Fingern gehabt, werde ich mir Ihre Registrierung erst aneignen müssen. Freund war 1869/70 in Berlin Schüler von Carl Tausig gewesen. Spätestens in diesem Zusammenhang wird er dessen Bearbeitung der d-Moll-Toccata von Bach in sein Repertoire aufgenommen haben. Unter Umständen auch bereits eher, denn die Tausig-Fassung war bereits 1864 im Druck erschienen und äußerst beliebt. Busoni selbst hat sie ebenfalls gespielt, etwa 1885 in Triest oder 1887 in Hamburg (vgl. Stuckenschmidt 1967, S. 57; Dent 1974, S. 71), bezeichnete sie aber viel später als „irreführende Transcription“, da sich das allgemeine Interesse an Bach seinerzeit auf diese Bearbeitung beschränkte. (Br. an Vianna da Motta vom 01.11.1915, in: Wassermann Beirão 2004, S. 50) Jedenfalls haben Sie das Stück ganz originell, unbeeinflusst von Tausig, aufgefasst und das allein sichert den Wert Ihrer Bearbeitung. Nachdem ich das Stück zweimal in Ihrer Fassung durchgespielt, steigert sich meine Hochachtung eben vor Ihrer Ursprünglichkeit. –

Sehr begierig bin ich auf Ihre Ausgabe des Mephisto-Walzers, Auslöser für diese Bemerkung Freunds ist sehr wahrscheinlich die Erwähnung von Liszts Mephisto-Walzer in Busonis Vorwort zum Erstdruck der beiden Bach-Toccaten. Letztere bezeichnet Busoni als „Beiträge zu einer Hochschule des Clavierspiels“ und zählt nachfolgend weitere Werke auf, die er in diesem Zusammenhang in Form von eigenen Bearbeitungen veröffentlichen will. Neben zumeist Kompositionen von Bach, die in Folge tatsächlich alle von Busoni bearbeitet und einzeln und/oder im Rahmen der Bach-Busoni-Gesamtausgabe publiziert wurden, wird in dieser Auswahl auch Liszts Mephisto-Walzer genannt. Dieser sollte „mit theilweiser Anlehnung an die Orchesterpartitur für Clavier neubearbeitet“ werden. (Bach/Busoni 1900, Vorwort, S. 2) den Sie mir hoffentlich in Berlin nicht vorenthalten werden. Sehr wahrscheinlich spielte Busoni den Mephisto-Walzer 1901 in Berlin zum ersten Mal öffentlich. (Dent 1974, S. 326) Freund, der den Winter 1900/01 mit seiner Frau in Berlin verbrachte, hat dem Konzert wohl beigewohnt, wie ein viel späterer Brief erkennen lässt. Vermutlich hat Busoni bei der Aufführung frei improvisiert. Schriftlich fixiert hat er seine Bearbeitung des Liszt’schen Werkes erst drei Jahre später, während einer Konzerttournee durch die USA. „Den MephistoWalzer bin ich über die Hälfte [sic]“, teilt er seiner Frau Gerda in einem Brief vom 13.03.1904 mit und verkündet drei Tage später stolz: „Der Mephisto[-]Walzer ist ganz fertig! Ich arbeitete gestern daran 6 Stunden!“ (Busoni/Weindel 2015, Bd. 1, Br. 277 ff., S. 279 ff.) Ist Schuberth nicht zu bewegen, das Stück wieder zu edieren? Liszts Fassungen dieser Komposition wurden sämtlich vom Leipziger Verlag J. Schuberth & Co. veröffentlicht, genau wie auch Busonis Bearbeitung. Der Mephisto-Walzer ist die Nr. 2 von Liszts 2 Episoden aus Lenaus Faust. Dieses Werk – bestehend aus 1. Der nächtliche Zug und 2. Der Tanz in der Dorfschenke (= 1. Mephisto-Walzer) – wurde dem Verlag 1861 vom Liszt in einer Fassung für Orchester und in einer Fassung für Klavier zu vier Händen übergeben (für beide Episoden), und außerdem in einer Version für Klavier solo, letzteres aber nur für Nr. 2. Die drei Klavierkompositionen wurden im Jahr darauf von Schuberth veröffentlicht, die Orchester-Fassungen erst 1866.

In Bezug auf den Mephisto-Walzer gibt es unterschiedliche Auffassungen darüber, ob Liszt zuerst die Orchester- oder die solo-Klavierfassung geschrieben hat. Nach dem aktuellen Stand der musikwissenschaftlichen Forschung kam die Klavierfassung zuerst. (vgl. u. a. Giglberger/Gertsch 2008, Vorwort, S. V  und Bemerkungen, S. 35 ff. in der Henle-Urtext-Ausgabe) Diese erklärt zwar nicht, warum z.B. auf dem Titelblatt der Erstausgabe des Mephisto-Walzers vermerkt ist „für grosses Orchester componirt und für Pianoforte übertragen“ (vgl. Digitalisat bei IMSLP) oder weshalb Liszt selbst den Begriff „Transcription“ verwendet (vgl. Faksimile eines Liszt-Briefes an Schuberth vom 13.03.1861, in: Stradal 1926, S. 9), aber es erscheint nachvollziehbar, wenn man bedenkt, dass das Werk ja einem Pianisten – nämlich Liszts Schüler Carl Tausig – gewidmet ist. Man könnte auch dafür plädieren, „beide Fassungen als original [zu] betrachten“. (Gut/Altenburg 2009, Anm. 184, S. 547) Beide Versionen stammen aus derselben Zeit, und „oftmals hat der Komponist in solchen Fällen beide Fassungen – Original und Transkription – gleichzeitig im Kopf entworfen“. (ebd.)

Die Klavier-solo-Transkription für Nr. 1 entstand erst etliche Jahre später und stammt von Robert Freund. Mit dem Ergebnis war Liszt sehr zufrieden, wie ein Brief an Freund belegt:
„[...] Sogleich nach Durchlesung ihres Manuscripts besuchte ich ihren Herrn Vater und bat Ihn meinen besten Dank Ihnen zu übermitteln. Entschuldigen Sie dass mich bis jetzt unzählige Beschäftigungen und Störungen verhinderten mein ausnahmsweises Vergnügen an ihrer vortrefflichen Transcription der Faust-Episode : Der nächtliche Zug : brieflich zu melden. Ein solch undankbares Stück für das Clavier zu übertragen, war keine leichte Aufgabe; gewöhnliche Arrangeure kön̅ten es nur verhunzen; Sie aber, geehrter Herr, haben es bemeistert. [...] Wen̅ Sie damit einverstanden sind, erfolgt die Herausgabe ihrer Transcription bei Julius Schuberth, diesen Som̅er. Dabei werde ich mir blos ein paar kleine Varianten, respective Erleichterungen, erlauben [...] Empfangen Sie [...] die Versicherung meiner aufrichtigen Anerkennung und Hochschätzung ihrer seltenen Talente, deren wachsende Erfolge sehr e[r]freuen [...] 19 ten Februar 73. Pest (CH-Zz, Ms. Z II 157.18; vgl. auch Kinsky 1916, S. 720) –

NB. Im Briefwechsel BusoniVianna da Motta findet sich eine etwas irreführende Referenz auf Liszts Mephisto-Walzer. „Weisst Du übrigens, von wem die Uebertragung des 1. Mephistowalzers ist?“, fragt Vianna da Motta, „Von Rob. Freund. Hat er es Dir nie anvertraut? Im Katalog des Musikhistorischen Museums Heyers in Köln steht: 1. Mephistow. übertragen v. R. Freund mit vielen Korrekturen von Liszts Hand & Bemerkungen für den Stich.‘ In Busonis Antwort liest man: „Ich vermuthete daß der MephistoWalzer von R. F. sei; denn ich wußte, er waere von einem Schüler aufgeschrieben u. dass das Begleitstück (der nächtliche Zug) den Namen R. F. gedruckt trägt. Deswegen auch erdreistete ich mich, eine Übertragung selber zu unternehmen.“ (Wassermann Beirão 2004, Br. vom 27.01.1917 an Busoni und Antw. , S. 103 f.) Vianna da Motta hat sich hier offensichtlich falsch erinnert. In dem von Georg Kinsky kompilierten Autographen-Katalog findet sich kein Eintrag für den Mephisto-Walzer, lediglich für Der nächtliche Zug (Kinsky 1916, No. 1589, S. 719 f.), verbunden mit dem seinerzeit noch wichtigen Hinweis, dass der Mephisto-Walzer für Klavier solo sehr wohl von Liszt stammt, die Klavierübertragung vom Nächtlichen Zug aber – entgegen der Angaben in bis dahin existierenden thematischen Verzeichnissen – nur in der „autorisierte[n] Übertragung von R. Freund vorliegt. (ebd.)
Vielleicht erlebe ich noch (nicht wahrscheinlich) das Jahr 1916 und Ihre Ausgabe der Werke Liszts. Das hier angesprochene Projekt einer Liszt-Gesamtausgabe wurde bereits 1886 vom Verlag Breitkopf & Härtel in Zusammenarbeit mit der Franz-Liszt-Stiftung gedanklich angestoßen, aber erst 1907 offiziell beschlossen und tatsächlich begonnen. (Hanau 2012, Bd. 2, S. 472) Ursprünglich war eine Laufzeit bis 1916 geplant. Busoni, der seit den 1890er Jahren ein eifriger Sammler von Liszt-Notenheften war, fragte bereits 1897 bei Breitkopf an, ob sie ihm nicht „in der Riesenwerkstätte für die Gesammtausgabe Liszt’scher Werke einen bescheidenen Winkel einräumen wollen“. (ebd., Bd. 1, Br. 80, S. 59) Das Angebot wurde gern angenommen. Im Zeitraum zwischen 1907 und 1936 erschienen 34 Bände, wovon Busoni die ersten drei Bände von Teil II (Pianofortewerke) edierte. (Wassermann Beirão 2004, Anm. 70, S. 162; für eine Übersicht der Werke vgl. Kindermann 1980, S. 467) Freund, der ebenfalls seit früher Jugendzeit „ein glühender Verehrer des Komponisten Liszt war (Freund 1951, S. 9), ist 1936 verstorben. Er hatte also noch Gelegenheit, sämtliche Veröffentlichungen zu begutachten.
Die Liszt-Gesamtausgabe wurde nicht zu Ende geführt und Busonis Engagement, speziell in der Anfangszeit der Ausgabe, war größer als bisweilen vereinfacht dargestellt: Busoni’s reputation as a Liszt exponent and scholar had grown to such an extent by 1907 that he was asked to join the editorial panel appointed to supervise the publication of the Liszt collected works [...].“ (Sitsky 1986, S. 208) Dem widerspricht die zuvor zitierte Anfrage Busonis bei Breitkopf & Härtel sowie zahlreiche folgende Schreiben im betreffenden Briefwechsel. Busoni wurde durchaus nicht nur gefragt, er hat selbst die Initiative ergriffen. (vgl. dafür u. a. auch Busoni 1900 [Weindel 2006]) Rückblickend beschreibt er die Situation gegenüber seinem Freund Vianna da Motta, der ebenfalls an der Liszt-Ausgabe mitarbeitete, wie folgt: „[...] hätte es von Anfang an nicht so mit der Liszt Komission‘ gestanden, ich waere noch bei der Sache. Die Geschichte von der GesamtAusg. ist recht interessant, den[n] ich habe sie erzwungen als ein Jeder sich dagegen sträubte. Von dreizehn Liszt-Original-Verlegern hatten elf die ihnen gehörigen Werke mir – als Herausgeber – zugesprochen. Vor diesem fait accompli streckte die Lisztstiftung die Waffen und nahm die ganze Sache in ihre Hand. Ich habe an 100 Briefe geschrieben u. erhalten, entwarf den Plan, wurde dann ihr ‚Beamter‘ u. gab schliesslich meine Demission. Dieser ist – in knappester Kürze wiedergegeben – der authentische Bericht.“ (Br. vom Januar 1917, in: Wassermann Beirão 2004, S. 104)
Wenn Sie deutsch und französisch von „Pianisten“ reden, die Liszt nicht begreifen, so haben Sie Recht. Wenn Sie aber englisch das Wörtchen „competent“ vorsetzen, so haben Sie nicht Recht. „Competent“ sind diese Leute schon lange nicht mehr. Das Vorwort zur Erstausgabe der zwei Bach-Toccaten ist in drei Sprachen abgedruckt: deutsch, englisch und französisch. Busoni spricht darin im letzten Absatz von der Notwendigkeit einer „kritisch-lehrhafte[n] Ausgabe der bedeutsamsten Clavierschöpfungen Franz Liszts, welche seines Erachtens „immer noch, und selbst bei Pianisten dem Missverständnisse begegnen [...]“. Dieser letzte Teilsatz wurde ins Französische übersetzt als „même par les pianistes“ – in der englischen Version heißt es allerdings „even by competent pianists“. (Bach/Busoni 1900, Vorwort, S. 2 f.) Die leicht sinnverstellende Übersetzung dürfte vom Verlag stammen und nicht von Busoni. Auf der zweiten Titelseite des Autographs wurden englische und französische Übersetzungen mit roter Tinte notiert, die widerum gestrichen und durch neue mit Bleistift geschriebene (und sprachlich korrigierte) Übertragungen ersetzt wurden. Weder die Schrift dieser beiden Hände noch der Eigentums-Vermerk am unteren Rand der Seite lässt auf Busoni schließen. (vgl. 2. Titelblatt des Autographs; D-B, Mus.Nachl. F. Busoni A 226; Digitalisat der Staatsbibliothek zu Berlin)

Und nun Adieu und hoffentlich auf Wiedersehen in Berlin. Grüßen Sie bitte Ihre Frau schönstens. Je vous serre la main cordialement. Je vous serre la main cordialement. [frz.]: Ich schüttle Ihnen herzlich die Hand. (Ich weiß das nicht deutsch zu fassen.)

Immer Ihr R. F.

                                                                
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Deutsche
Staat[sbibliothek]
[Berlin]
C Toccata bewunderungswürdig finde, habe ich
Ihnen […] 1 : unleserlich. noch in Berlin gesagt. An die andere muss
ich mich erst gewöhnen. Nachdem ich 30 Jahre
die Tausig’sche Bearbeitung in Kopf u. Fingern
gehabt, werde ich mir Ihre Registrirung erst
aneignen müssen. Freund war 1869/70 in Berlin Schüler von Carl Tausig gewesen. Spätestens in diesem Zusammenhang wird er dessen Bearbeitung der d-Moll-Toccata von Bach in sein Repertoire aufgenommen haben. Unter Umständen auch bereits eher, denn die Tausig-Fassung war bereits 1864 im Druck erschienen und äußerst beliebt. Busoni selbst hat sie ebenfalls gespielt, etwa 1885 in Triest oder 1887 in Hamburg (vgl. Stuckenschmidt 1967, S. 57; Dent 1974, S. 71), bezeichnete sie aber viel später als „irreführende Transcription“, da sich das allgemeine Interesse an Bach seinerzeit auf diese Bearbeitung beschränkte. (Br. an Vianna da Motta vom 01.11.1915, in: Wassermann Beirão 2004, S. 50) Jedenfalls haben Sie das
Stück ganz originell, unbeeinflusst von Tausig,
aufgefasst u. das allein sichert den Werth Ihrer
Bearbeitung. Nachdem ich das Stück zweimal in
Ihrer Fassung durchgespielt, steigert sich meine
Hochachtung eben vor Ihrer Ursprünglichkeit. –

Sehr begierig bin ich auf Ihre Ausgabe des
Mephisto-Walzer’s, Auslöser für diese Bemerkung Freunds ist sehr wahrscheinlich die Erwähnung von Liszts Mephisto-Walzer in Busonis Vorwort zum Erstdruck der beiden Bach-Toccaten. Letztere bezeichnet Busoni als „Beiträge zu einer Hochschule des Clavierspiels“ und zählt nachfolgend weitere Werke auf, die er in diesem Zusammenhang in Form von eigenen Bearbeitungen veröffentlichen will. Neben zumeist Kompositionen von Bach, die in Folge tatsächlich alle von Busoni bearbeitet und einzeln und/oder im Rahmen der Bach-Busoni-Gesamtausgabe publiziert wurden, wird in dieser Auswahl auch Liszts Mephisto-Walzer genannt. Dieser sollte „mit theilweiser Anlehnung an die Orchesterpartitur für Clavier neubearbeitet“ werden. (Bach/Busoni 1900, Vorwort, S. 2) den Sie mir hoffentlich
in Berlin nicht vorenthalten werden. Sehr wahrscheinlich spielte Busoni den Mephisto-Walzer 1901 in Berlin zum ersten Mal öffentlich. (Dent 1974, S. 326) Freund, der den Winter 1900/01 mit seiner Frau in Berlin verbrachte, hat dem Konzert wohl beigewohnt, wie ein viel späterer Brief erkennen lässt. Vermutlich hat Busoni bei der Aufführung frei improvisiert. Schriftlich fixiert hat er seine Bearbeitung des Liszt’schen Werkes erst drei Jahre später, während einer Konzerttournee durch die USA. „Den MephistoWalzer bin ich über die Hälfte [sic]“, teilt er seiner Frau Gerda in einem Brief vom 13.03.1904 mit und verkündet drei Tage später stolz: „Der Mephisto[-]Walzer ist ganz fertig! Ich arbeitete gestern daran 6 Stunden!“ (Busoni/Weindel 2015, Bd. 1, Br. 277 ff., S. 279 ff.) Ist
Schuberth nicht zu bewegen, das Stück wieder

                                                                
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(Br. an <persName key="E0300232">Vianna da Motta</persName> vom <date when-iso="1915-11-01">01.11.1915</date>, in: <bibl><ref target="#E0800118">Wassermann Beirão 2004</ref>, S. 50</bibl>) </note> Jedenfalls haben Sie das <lb/>Stück ganz originell, unbeeinflusst von <persName key="E0300284">Tausig</persName>, <lb/>aufgefasst <choice><abbr>u.</abbr><expan>und</expan></choice> das allein sichert den Wert<orig>h</orig> Ihrer <lb/><rs key="E0400409">Bearbeitung</rs>. Nachdem ich das Stück zweimal in <lb/>Ihrer Fassung durchgespielt, steigert sich meine <lb/>Hochachtung eben vor Ihrer Ursprünglichkeit. –</p> <p>Sehr begierig bin ich auf Ihre <rs key="E0400203">Ausgabe</rs> des <lb/><title key="E0400202">Mephisto-Walzer<orig>’</orig>s</title>, <note type="commentary" resp="#E0300361"> Auslöser für diese Bemerkung <persName key="E0300208">Freunds</persName> ist sehr wahrscheinlich die Erwähnung von <persName key="E0300013">Liszts</persName> <title key="E0400202">Mephisto-Walzer</title> in <persName key="E0300017">Busonis</persName> Vorwort zum Erstdruck der beiden <rs key="E0400410"> <persName key="E0300012">Bach</persName>-Toccaten</rs>. Letztere bezeichnet <persName key="E0300017">Busoni</persName> als <q>Beiträge zu einer Hochschule des Clavierspiels</q> und zählt nachfolgend weitere Werke auf, die er in diesem Zusammenhang in Form von eigenen Bearbeitungen veröffentlichen will. Neben zumeist Kompositionen von <persName key="E0300012">Bach</persName>, die in Folge tatsächlich alle von <persName key="E0300017">Busoni</persName> bearbeitet und einzeln und/oder im Rahmen der <bibl><ref target="#E0800203">Bach-Busoni-Gesamtausgabe</ref></bibl> publiziert wurden, wird in dieser Auswahl auch <persName key="E0300013">Liszts</persName> <title key="E0400202">Mephisto-Walzer</title> genannt. Dieser sollte <q>mit theilweiser Anlehnung an die Orchesterpartitur für Clavier neubearbeitet</q> werden. (<bibl><ref target="#E0800092">Bach/Busoni 1900</ref>, Vorwort, S. 2</bibl>) </note> den Sie mir hoffentlich <lb/>in <placeName key="E0500029">Berlin</placeName> nicht vorenthalten werden. <note type="commentary" resp="#E0300361"> Sehr wahrscheinlich spielte <persName key="E0300017">Busoni</persName> den <title key="E0400203">Mephisto-Walzer</title> <date when-iso="1901">1901</date> in <placeName key="E0500029">Berlin</placeName> zum ersten Mal öffentlich. (<bibl><ref target="#E0800218">Dent 1974</ref>, S. 326</bibl>) <persName key="E0300208">Freund</persName>, der den Winter <date when-iso="1900/1901">1900/01</date> mit <rs key="E0300434">seiner Frau</rs> in <placeName key="E0500029">Berlin</placeName> verbrachte, hat dem Konzert wohl beigewohnt, wie ein viel <ref type="E010007" target="#D0100516">späterer Brief</ref> erkennen lässt. Vermutlich hat <persName key="E0300017">Busoni</persName> bei der Aufführung frei improvisiert. Schriftlich fixiert hat er seine <rs key="E0400203">Bearbeitung</rs> des <persName key="E0300013">Liszt</persName>’schen <rs key="E0400202">Werkes</rs> erst <date when-iso="1904">drei Jahre später</date>, während einer Konzerttournee durch die <placeName key="E0500093">USA</placeName>. <q>Den <title key="E0400203">MephistoWalzer</title> bin ich über die Hälfte [sic]</q>, teilt er seiner <rs key="E0300059">Frau Gerda</rs> in einem Brief vom <date when-iso="1904-03-13">13.03.1904</date> mit und verkündet <date when-iso="1904-03-16">drei Tage später</date> stolz: <q>Der <title key="E0400203">Mephisto[-]Walzer</title> ist ganz fertig! Ich arbeitete <date when-iso="1904-03-15">gestern</date> daran 6 Stunden!</q> (<bibl><ref target="#E0800023">Busoni/Weindel 2015</ref>, Bd. 1, Br. 277 ff., S. 279 ff.</bibl>) </note> Ist <lb/><orgName key="E0600124">Schuberth</orgName> nicht zu bewegen, das Stück wieder </p></div>
3Faksimile
3Diplomatische Umschrift
3XML

zu ediren? Liszts Fassungen dieser Komposition wurden sämtlich vom Leipziger Verlag J. Schuberth & Co. veröffentlicht, genau wie auch Busonis Bearbeitung. Der Mephisto-Walzer ist die Nr. 2 von Liszts 2 Episoden aus Lenaus Faust. Dieses Werk – bestehend aus 1. Der nächtliche Zug und 2. Der Tanz in der Dorfschenke (= 1. Mephisto-Walzer) – wurde dem Verlag 1861 vom Liszt in einer Fassung für Orchester und in einer Fassung für Klavier zu vier Händen übergeben (für beide Episoden), und außerdem in einer Version für Klavier solo, letzteres aber nur für Nr. 2. Die drei Klavierkompositionen wurden im Jahr darauf von Schuberth veröffentlicht, die Orchester-Fassungen erst 1866.

In Bezug auf den Mephisto-Walzer gibt es unterschiedliche Auffassungen darüber, ob Liszt zuerst die Orchester- oder die solo-Klavierfassung geschrieben hat. Nach dem aktuellen Stand der musikwissenschaftlichen Forschung kam die Klavierfassung zuerst. (vgl. u. a. Giglberger/Gertsch 2008, Vorwort, S. V  und Bemerkungen, S. 35 ff. in der Henle-Urtext-Ausgabe) Diese erklärt zwar nicht, warum z.B. auf dem Titelblatt der Erstausgabe des Mephisto-Walzers vermerkt ist „für grosses Orchester componirt und für Pianoforte übertragen“ (vgl. Digitalisat bei IMSLP) oder weshalb Liszt selbst den Begriff „Transcription“ verwendet (vgl. Faksimile eines Liszt-Briefes an Schuberth vom 13.03.1861, in: Stradal 1926, S. 9), aber es erscheint nachvollziehbar, wenn man bedenkt, dass das Werk ja einem Pianisten – nämlich Liszts Schüler Carl Tausig – gewidmet ist. Man könnte auch dafür plädieren, „beide Fassungen als original [zu] betrachten“. (Gut/Altenburg 2009, Anm. 184, S. 547) Beide Versionen stammen aus derselben Zeit, und „oftmals hat der Komponist in solchen Fällen beide Fassungen – Original und Transkription – gleichzeitig im Kopf entworfen“. (ebd.)

Die Klavier-solo-Transkription für Nr. 1 entstand erst etliche Jahre später und stammt von Robert Freund. Mit dem Ergebnis war Liszt sehr zufrieden, wie ein Brief an Freund belegt:
„[...] Sogleich nach Durchlesung ihres Manuscripts besuchte ich ihren Herrn Vater und bat Ihn meinen besten Dank Ihnen zu übermitteln. Entschuldigen Sie dass mich bis jetzt unzählige Beschäftigungen und Störungen verhinderten mein ausnahmsweises Vergnügen an ihrer vortrefflichen Transcription der Faust-Episode : Der nächtliche Zug : brieflich zu melden. Ein solch undankbares Stück für das Clavier zu übertragen, war keine leichte Aufgabe; gewöhnliche Arrangeure kön̅ten es nur verhunzen; Sie aber, geehrter Herr, haben es bemeistert. [...] Wen̅ Sie damit einverstanden sind, erfolgt die Herausgabe ihrer Transcription bei Julius Schuberth, diesen Som̅er. Dabei werde ich mir blos ein paar kleine Varianten, respective Erleichterungen, erlauben [...] Empfangen Sie [...] die Versicherung meiner aufrichtigen Anerkennung und Hochschätzung ihrer seltenen Talente, deren wachsende Erfolge sehr e[r]freuen [...] 19 ten Februar 73. Pest (CH-Zz, Ms. Z II 157.18; vgl. auch Kinsky 1916, S. 720) –

NB. Im Briefwechsel BusoniVianna da Motta findet sich eine etwas irreführende Referenz auf Liszts Mephisto-Walzer. „Weisst Du übrigens, von wem die Uebertragung des 1. Mephistowalzers ist?“, fragt Vianna da Motta, „Von Rob. Freund. Hat er es Dir nie anvertraut? Im Katalog des Musikhistorischen Museums Heyers in Köln steht: 1. Mephistow. übertragen v. R. Freund mit vielen Korrekturen von Liszts Hand & Bemerkungen für den Stich.‘ In Busonis Antwort liest man: „Ich vermuthete daß der MephistoWalzer von R. F. sei; denn ich wußte, er waere von einem Schüler aufgeschrieben u. dass das Begleitstück (der nächtliche Zug) den Namen R. F. gedruckt trägt. Deswegen auch erdreistete ich mich, eine Übertragung selber zu unternehmen.“ (Wassermann Beirão 2004, Br. vom 27.01.1917 an Busoni und Antw. , S. 103 f.) Vianna da Motta hat sich hier offensichtlich falsch erinnert. In dem von Georg Kinsky kompilierten Autographen-Katalog findet sich kein Eintrag für den Mephisto-Walzer, lediglich für Der nächtliche Zug (Kinsky 1916, No. 1589, S. 719 f.), verbunden mit dem seinerzeit noch wichtigen Hinweis, dass der Mephisto-Walzer für Klavier solo sehr wohl von Liszt stammt, die Klavierübertragung vom Nächtlichen Zug aber – entgegen der Angaben in bis dahin existierenden thematischen Verzeichnissen – nur in der „autorisierte[n] Übertragung von R. Freund vorliegt. (ebd.)
Vielleicht erlebe ich noch
(nicht wahrscheinlich) das Jahr
1916 u. Ihre Ausgabe der Werke
Liszt’s. Das hier angesprochene Projekt einer Liszt-Gesamtausgabe wurde bereits 1886 vom Verlag Breitkopf & Härtel in Zusammenarbeit mit der Franz-Liszt-Stiftung gedanklich angestoßen, aber erst 1907 offiziell beschlossen und tatsächlich begonnen. (Hanau 2012, Bd. 2, S. 472) Ursprünglich war eine Laufzeit bis 1916 geplant. Busoni, der seit den 1890er Jahren ein eifriger Sammler von Liszt-Notenheften war, fragte bereits 1897 bei Breitkopf an, ob sie ihm nicht „in der Riesenwerkstätte für die Gesammtausgabe Liszt’scher Werke einen bescheidenen Winkel einräumen wollen“. (ebd., Bd. 1, Br. 80, S. 59) Das Angebot wurde gern angenommen. Im Zeitraum zwischen 1907 und 1936 erschienen 34 Bände, wovon Busoni die ersten drei Bände von Teil II (Pianofortewerke) edierte. (Wassermann Beirão 2004, Anm. 70, S. 162; für eine Übersicht der Werke vgl. Kindermann 1980, S. 467) Freund, der ebenfalls seit früher Jugendzeit „ein glühender Verehrer des Komponisten Liszt war (Freund 1951, S. 9), ist 1936 verstorben. Er hatte also noch Gelegenheit, sämtliche Veröffentlichungen zu begutachten.
Die Liszt-Gesamtausgabe wurde nicht zu Ende geführt und Busonis Engagement, speziell in der Anfangszeit der Ausgabe, war größer als bisweilen vereinfacht dargestellt: Busoni’s reputation as a Liszt exponent and scholar had grown to such an extent by 1907 that he was asked to join the editorial panel appointed to supervise the publication of the Liszt collected works [...].“ (Sitsky 1986, S. 208) Dem widerspricht die zuvor zitierte Anfrage Busonis bei Breitkopf & Härtel sowie zahlreiche folgende Schreiben im betreffenden Briefwechsel. Busoni wurde durchaus nicht nur gefragt, er hat selbst die Initiative ergriffen. (vgl. dafür u. a. auch Busoni 1900 [Weindel 2006]) Rückblickend beschreibt er die Situation gegenüber seinem Freund Vianna da Motta, der ebenfalls an der Liszt-Ausgabe mitarbeitete, wie folgt: „[...] hätte es von Anfang an nicht so mit der Liszt Komission“ gestanden, ich waere noch bei der Sache. Die Geschichte von der GesamtAusg. ist recht interessant, den[n] ich habe sie erzwungen als ein Jeder sich dagegen sträubte. Von dreizehn Liszt-Original-Verlegern hatten elf die ihnen gehörigen Werke mir – als Herausgeber – zugesprochen. Vor diesem fait accompli streckte die Lisztstiftung die Waffen und nahm die ganze Sache in ihre Hand. Ich habe an 100 Briefe geschrieben u. erhalten, entwarf den Plan, wurde dann ihr „Beamter“ u. gab schliesslich meine Demission. Dieser ist – in knappester Kürze wiedergegeben – der authentische Bericht.“ (Br. vom Januar 1917, in: Wassermann Beirão 2004, S. 104)
Wen̅ Sie deutsch u. franz.
von “Pianisten” reden, die Liszt
nicht begreifen, so haben Sie
Recht. Wen̅ Sie aber englisch
das Wörtchen “competent” vorsetzen,
so haben Sie nicht Recht. “Compe_
tent”
sind diese Leute schon lange
nicht mehr. Das Vorwort zur Erstausgabe der zwei Bach-Toccaten ist in drei Sprachen abgedruckt: deutsch, englisch und französisch. Busoni spricht darin im letzten Absatz von der Notwendigkeit einer „kritisch-lehrhafte[n] Ausgabe der bedeutsamsten Clavierschöpfungen Franz Liszts, welche seines Erachtens „immer noch, und selbst bei Pianisten dem Missverständnisse begegnen [...]“. Dieser letzte Teilsatz wurde ins Französische übersetzt als „même par les pianistes“ – in der englischen Version heißt es allerdings „even by competent pianists“. (Bach/Busoni 1900, Vorwort, S. 2 f.) Die leicht sinnverstellende Übersetzung dürfte vom Verlag stammen und nicht von Busoni. Auf der zweiten Titelseite des Autographs wurden englische und französische Übersetzungen mit roter Tinte notiert, die widerum gestrichen und durch neue mit Bleistift geschriebene (und sprachlich korrigierte) Übertragungen ersetzt wurden. Weder die Schrift dieser beiden Hände noch der Eigentums-Vermerk am unteren Rand der Seite lässt auf Busoni schließen. (vgl. 2. Titelblatt des Autographs; D-B, Mus.Nachl. F. Busoni A 226; Digitalisat der Staatsbibliothek zu Berlin)

U. nun Adieu u. hoffentlich auf
Wiedersehen in Berlin. Grüssen
Sie bitte Ihre Frau schönstens.
Je vous serre la main cordiale_
ment Je vous serre la main cordialement. [frz.]: Ich schüttle Ihnen herzlich die Hand. (Ich weiss das nicht deutsch
zu fassen).

Im̅er Ihr
R. F.
[Deutsche
Staatsbibliothek
Berlin ]
                                                                
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Faksimile eines <persName key="E0300013">Liszt</persName>-Briefes an <orgName key="E0600124">Schuberth</orgName> vom <date when-iso="1861-03-13">13.03.1861</date>, in: <bibl><ref target="#E0800275">Stradal 1926</ref>, S. 9</bibl>), aber es erscheint nachvollziehbar, wenn man bedenkt, dass das Werk ja einem Pianisten – nämlich <persName key="E0300013">Liszts</persName> Schüler <persName key="E0300284">Carl Tausig</persName> – gewidmet ist. Man könnte auch dafür plädieren, <q>beide Fassungen als original [zu] betrachten</q>. (<bibl><ref target="#E0800069">Gut/Altenburg 2009</ref>, Anm. 184, S. 547</bibl>) Beide <rs type="works" key="E0400202 E0400368">Versionen</rs> stammen aus derselben Zeit, und <q>oftmals hat der Komponist in solchen Fällen beide Fassungen – Original und Transkription – gleichzeitig im Kopf entworfen</q>. 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Ein solch undankbares Stück für das Clavier zu übertragen, war keine leichte Aufgabe; gewöhnliche Arrangeure kön̅ten es nur verhunzen; Sie aber, geehrter Herr, haben es bemeistert. [...] Wen̅ Sie damit einverstanden sind, erfolgt die Herausgabe ihrer <rs key="E0400363">Transcription</rs> bei <persName key="E0300474">Julius Schuberth</persName>, diesen Som̅er. Dabei werde ich mir blos ein paar kleine Varianten, respective Erleichterungen, erlauben [...] Empfangen Sie [...] die Versicherung meiner aufrichtigen Anerkennung und Hochschätzung ihrer seltenen Talente, deren wachsende Erfolge sehr e[r]freuen [...] <date when-iso="1873-02-19">19 ten Februar 73</date>. <placeName key="E0500062">Pest</placeName></q> (CH-Zz, Ms. Z II 157.18; vgl. auch <bibl><ref target="#E0800273">Kinsky 1916</ref>, S. 720</bibl>) – <lb/><lb/>NB. 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(<bibl><ref target="#E0800118">Wassermann Beirão 2004</ref>, Anm. 70, S. 162</bibl>; für eine Übersicht der Werke vgl. <bibl><ref target="#E0800121">Kindermann 1980</ref>, S. 467</bibl>) <persName key="E0300208">Freund</persName>, der ebenfalls seit früher Jugendzeit <q>ein glühender Verehrer des Komponisten <persName key="E0300013">Liszt</persName></q> war (<bibl><ref target="#E0800262">Freund 1951</ref>, S. 9</bibl>), ist <date when-iso="1936">1936</date> verstorben. Er hatte also noch Gelegenheit, sämtliche Veröffentlichungen zu begutachten. <lb/>Die <persName key="E0300013">Liszt</persName>-Gesamtausgabe wurde nicht zu Ende geführt und <persName key="E0300017">Busonis</persName> Engagement, speziell in der Anfangszeit der Ausgabe, war größer als bisweilen vereinfacht dargestellt: <q><foreign xml:lang="en"><persName key="E0300017">Busoni</persName>’s reputation as a <persName key="E0300013">Liszt</persName> exponent and scholar had grown to such an extent by <date when-iso="1907">1907</date> that he was asked to join the editorial panel appointed to supervise the publication of the <persName key="E0300013">Liszt</persName> collected works [...].</foreign></q> (<bibl><ref target="#E0800204">Sitsky 1986</ref>, S. 208</bibl>) Dem widerspricht die zuvor zitierte Anfrage <persName key="E0300017">Busonis</persName> bei <orgName key="E0600002">Breitkopf &amp; Härtel</orgName> sowie zahlreiche folgende Schreiben im betreffenden <ref target="#E0800050">Briefwechsel</ref>. <persName key="E0800050">Busoni</persName> wurde durchaus nicht nur gefragt, er hat selbst die Initiative ergriffen. (vgl. dafür u. a. auch <ref target="#E0800255">Busoni 1900 [Weindel 2006]</ref>) Rückblickend beschreibt er die Situation gegenüber seinem Freund <persName key="E0300232">Vianna da Motta</persName>, der ebenfalls an der <persName key="E0300013">Liszt</persName>-Ausgabe mitarbeitete, wie folgt: <q>[...] hätte es von Anfang an nicht so mit der <soCalled rend="dq-du"><persName key="E0300013">Liszt</persName> Komission</soCalled> gestanden, ich waere noch bei der Sache. Die Geschichte von der GesamtAusg. ist recht interessant, den[n] ich habe sie erzwungen als ein Jeder sich dagegen sträubte. Von dreizehn <persName key="E0300013">Liszt</persName>-Original-Verlegern hatten <hi rend="underline">elf</hi> die ihnen gehörigen Werke mir – als Herausgeber – zugesprochen. Vor diesem <foreign xml:lang="fr">fait accompli</foreign> streckte die <orgName key="E0600097">Lisztstiftung</orgName> die Waffen und nahm die ganze Sache in ihre Hand. Ich habe an 100 Briefe geschrieben u. erhalten, entwarf den Plan, wurde dann ihr <soCalled rend="dq-du">Beamter</soCalled> u. gab schliesslich meine Demission. Dieser ist – in knappester Kürze wiedergegeben – der authentische Bericht.</q> (Br. vom <date when-iso="1917-01">Januar 1917</date>, in: <bibl><ref target="#E0800118">Wassermann Beirão 2004</ref>, S. 104</bibl>) </note> We<choice><abbr>n̅</abbr><expan>nn</expan></choice> Sie deutsch <choice><abbr>u.</abbr><expan>und</expan></choice> <choice><abbr>franz.</abbr><expan>französisch</expan></choice> <lb/>von <q rend="dq-uu">Pianisten</q> reden, die <persName key="E0300013">Liszt</persName> <lb/>nicht begreifen, so haben Sie <lb/>Recht. We<choice><abbr>n̅</abbr><expan>nn</expan></choice> Sie aber englisch <lb/>das Wörtchen <q rend="dq-uu"><foreign xml:lang="en">competent</foreign></q> vorsetzen, <lb/>so haben Sie nicht Recht. <q rend="dq-uu"><foreign xml:lang="en">Compe <lb break="no"/>tent</foreign></q> sind diese Leute schon lange <lb/>nicht mehr. <note type="commentary" resp="#E0300361"> Das Vorwort zur Erstausgabe der zwei <rs key="E0400410"><persName key="E0300012">Bach</persName>-Toccaten</rs> ist in drei Sprachen abgedruckt: deutsch, englisch und französisch. <persName key="E0300017">Busoni</persName> spricht darin im letzten Absatz von der Notwendigkeit einer <q>kritisch-lehrhafte[n] Ausgabe der bedeutsamsten Clavierschöpfungen <persName key="E0300013">Franz Liszts</persName></q>, welche seines Erachtens <q>immer noch, und selbst bei Pianisten dem Missverständnisse begegnen [...]</q>. Dieser letzte Teilsatz wurde ins Französische übersetzt als <q><foreign xml:lang="fr">même par les pianistes</foreign></q> – in der englischen Version heißt es allerdings <q><foreign xml:lang="en">even by competent pianists</foreign></q>. (<bibl><ref target="#E0800092">Bach/Busoni 1900</ref>, Vorwort, S. 2 f.</bibl>) Die leicht sinnverstellende Übersetzung dürfte vom <rs key="E0600002">Verlag</rs> stammen und nicht von <persName key="E0300017">Busoni</persName>. Auf der zweiten Titelseite des Autographs wurden englische und französische Übersetzungen mit roter Tinte notiert, die widerum gestrichen und durch neue mit Bleistift geschriebene (und sprachlich korrigierte) Übertragungen ersetzt wurden. Weder die Schrift dieser beiden Hände noch der Eigentums-Vermerk am unteren Rand der Seite lässt auf <persName key="E0300017">Busoni</persName> schließen. (vgl. 2. Titelblatt des Autographs; D-B, Mus.Nachl. F. Busoni A 226; <ref type="ext" target="http://resolver.staatsbibliothek-berlin.de/SBB00019B9400000003">Digitalisat</ref> der Staatsbibliothek zu <placeName key="E0500029">Berlin</placeName>) </note> –</p> <closer rend="space-below"> <salute> <choice><abbr>U.</abbr><expan>Und</expan></choice> nun Adieu <choice><abbr>u.</abbr><expan>und</expan></choice> hoffentlich auf <lb/>Wiedersehen in <placeName key="E0500029">Berlin</placeName>. Grü<choice><orig>ss</orig><reg>ß</reg></choice>en <lb/>Sie bitte <rs key="E0300059">Ihre Frau</rs> schönstens. <lb/><foreign xml:lang="fr">Je vous serre la main cordiale <lb break="no"/>ment<reg>.</reg></foreign> <note type="commentary" resp="#E0300361"> Je vous serre la main cordialement. [frz.]: Ich schüttle Ihnen herzlich die Hand. </note> (Ich wei<choice><orig>ss</orig><reg>ß</reg></choice> das nicht deutsch <lb/>zu fassen<choice><orig>).</orig><reg>.)</reg></choice> </salute> <signed rend="inline">I<choice><abbr>m̅</abbr><expan>mm</expan></choice>er Ihr <lb/><seg rend="align(right)"><persName key="E0300208">R. F.</persName></seg> </signed> </closer> <note type="stamp" place="bottom-right" resp="#dsb_st_red"> <stamp xml:id="dsb_p2" rend="round border align(center) tiny"> <supplied reason="low-ink">Deutsche <lb/>Staatsbibliothek <lb/><placeName key="E0500029"><hi rend="spaced-out">Berlin</hi></placeName> </supplied> </stamp> </note> </div>
4Faksimile
4Diplomatische Umschrift
4XML
[Rückseite von Textseite 2]
[2]
[Deutsche
Staatsbibliothek
Berlin ]
                                                                
<div xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0" type="split"> <note type="objdesc" resp="#E0300361">[Rückseite von Textseite 2]</note> <note type="foliation" place="top-right" rend="space-below" resp="#archive">[2]</note> <note type="stamp" place="bottom-left" resp="#dsb_st_red"> <stamp sameAs="#dsb_p2" rend="round border align(center) tiny"> <supplied reason="low-ink">Deutsche <lb/>Staatsbibliothek <lb/><placeName key="E0500029"><hi rend="spaced-out">Berlin</hi></placeName> </supplied> </stamp> </note> </div>
5Faksimile
5Diplomatische Umschrift
5XML
Kleinlau[fenb]urg
[16/9]
00
* 4–5 N. *
Herrn F. B. Busoni
[ Kleinlaufenburg
16/9
00
* 4–5 N. * ]
Weimar
21
[De]utsche
[Sta]atsbibliothek
[B]erlin
                                                                <note xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0" type="stamp" place="top-right" resp="#post">
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6Faksimile
6Diplomatische Umschrift
6XML
Robert Freund
Weimar
17.9.00 4–5 […] 1 : unvollständig.
★ ★ b
Nachlaß Busoni B II
Mus.ep. R. Freund 9

Mus.Nachl. F. Busoni B II, 1698–Beil.
                                                                <note xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0" type="annotation" place="left" rend="large" resp="#unknown_hand">
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