Ferruccio Busoni to Hugo Leichtentritt arrow_backarrow_forward

Berlin · April 20, 1922

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The Library of Congress
20. Apr. 1922

Lieber, geehrtester Doktor,

gestern erhielt ich einen Bücherkatalog
darin DesCartes’ „Compendium Musicae“
angeführt war. Ich bestellte es, es war
bereits verkauft. Aber ich beschäftigte mich
(sechs Stunden lang) mit Descartes, aus
Büchern, die mir zur Verfügung stehen.
Riemann behauptet von der Schrift des
21-Jährigen, sie wäre eine der scharf-
sinnigsten Abhandlungen über Musik. Hermann Scherchen zitiert in seinem Werk Vom Wesen der Musik Riemanns Geschichte der Musiktheorie mit Aussagen über Descartes „Musicae Compendium“, jedoch ist das Zitat bei Riemann nicht auffindbar (Zitat in der englischen Übersetzung von William Mann: It is among the ablest musical writings of its time and it is a matter for regret that this outstanding musicologist left nothing more comprehensive on the theory of music. (Vgl. Scherchen 1950, S. 16.)).

Hawkins resümiert den Inhalt (daß der
auf geometrische Formeln hinausläuft);
doch zitiert er merkwürdige Sätze daraus. John Hawkins schreibt in seinem Buch A General History of the Science and Practice of Music im Kapitel 130 über Descartes „Musicae Compendium“ (vgl. Hawkins 1776, Bd. 2, S. 626).
das Ganze soll aus 58 Folioseiten bestehen. Anhand der Seitenzahl ist auf die Erstausgabe des Werks zu schließen.

Sie kennen gewiss die Schrift.

Wäre es angebracht, sie neu und
auf Deutsch herauszugeben: mit Fussnoten
u. so ähnlich? Die Idee einer deutsche Neuausgabe durch Busoni und Leichtentritt von Descartes „Musicae Compendium“ scheint sich leider nicht verwirklicht zu haben.

Ich unterbreite Ihnen den Plan.

Ihr herzlich-achtungsvoll ergebener

F. Busoni

20. Apr. 1922

Lieber, geehrtester Doktor,

gestern erhielt ich einen Bücherkatalog, darin Descartes’ „Compendium Musicae“ angeführt war. Ich bestellte es, es war bereits verkauft. Aber ich beschäftigte mich (sechs Stunden lang) mit Descartes aus Büchern, die mir zur Verfügung stehen. Riemann behauptet von der Schrift des 21-Jährigen, sie wäre eine der scharfsinnigsten Abhandlungen über Musik. Hermann Scherchen zitiert in seinem Werk Vom Wesen der Musik Riemanns Geschichte der Musiktheorie mit Aussagen über Descartes „Musicae Compendium“, jedoch ist das Zitat bei Riemann nicht auffindbar (Zitat in der englischen Übersetzung von William Mann: It is among the ablest musical writings of its time and it is a matter for regret that this outstanding musicologist left nothing more comprehensive on the theory of music. (Vgl. Scherchen 1950, S. 16.)).

Hawkins resümiert den Inhalt ( der auf geometrische Formeln hinausläuft); doch zitiert er merkwürdige Sätze daraus. John Hawkins schreibt in seinem Buch A General History of the Science and Practice of Music im Kapitel 130 über Descartes „Musicae Compendium“ (vgl. Hawkins 1776, Bd. 2, S. 626). Das Ganze soll aus 58 Folioseiten bestehen. Anhand der Seitenzahl ist auf die Erstausgabe des Werks zu schließen.

Sie kennen gewiss die Schrift.

Wäre es angebracht, sie neu und auf Deutsch herauszugeben: mit Fußnoten und so ähnlich? Die Idee einer deutsche Neuausgabe durch Busoni und Leichtentritt von Descartes „Musicae Compendium“ scheint sich leider nicht verwirklicht zu haben.

Ich unterbreite Ihnen den Plan.

Ihr herzlich-achtungsvoll ergebener

F. Busoni

                                                                
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Herrn Dr Hugo Leichtentritt,
Winterfeldt Str. 25A Berlin, W.
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Provenance
USA | Washington, D.C. | Library of Congress | Ferruccio Busoni Papers Additions, 1866–1924 | ML95 .B94
Condition
Brief und Umschlag sind gut erhalten.
Extent
1 Blatt, 1 beschriebene Seite
Hands/Stamps
  • Hand des Absenders Ferruccio Busoni, Brieftext in schwarzer Tinte, in lateinischer Schreibschrift.
  • Bibliotheksstempel (rote Tinte)
  • Poststempel (schwarze Tinte)

Summary
Busoni hat sich mit Descartes „Compendium Musicae“ beschäftigt; Überlegung über Edition auf deutsch mit Leichtentritt.
Incipit
“ Lieber, geehrtester Doktor, gestern erhielt ich einen Bücherkatalog, darin Descartes’ „Compendium Musicae“ angeführt war. ”

Editors in charge
Christian Schaper Ullrich Scheideler
prepared by
Revision
September 30, 2026: proposed (transcription and coding done, awaiting proofreading)
Direct context
Preceding Following
Near in this edition
Previous editions
Beaumont 1987, S. 352