Philipp Jarnach an Ferruccio Busoni arrow_backarrow_forward

Zürich · 12. Dezember 1917

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N.Mus.Nachl. 30, 97

Mein lieber, verehrter Meister und Freund!

Ich empfinde das Bedürfnis, noch ein Wort über den „Vorfall
des Textbuches“
Die Libretti zu Turandot und Arlecchino. zu sprechen; es würde mich sehr tief betrüben
wenn durch diese Geschichte auch nur der Schatten eines
Missverständnisses entstehen könnte. Vielleicht haben Sie dies mit der
Tatsache, daß ich in den letzten Monaten so selten zu Ihnen kam,
in Zusammenhang gebracht und geglaubt, ich hätte mich verändert …
Deshalb wollte ich es Ihnen sagen: nie kann ich, Ihnen gegenüber,
anders werden als wie ich war von dem Tage an, wo ich
Sie als Mensch und als Künstler kennen lernte, lieben und
bewundern musste. – Mit dem Textbuch war es tatsächlich so, wie
Ihnen meine Frau sagte, d.h. mir fehlte ausser der nötigen
Zeit und Ruhe, vollständig die praktische Routine für eine solche
Arbeit, – und ich konnte mich nicht entschliessen, Ihnen die Sache
zurückzuschicken. Mit Frl. Bötticher sprach ich sehr ausführlich
über die Arbeit und gab ihr alle nötigen Anweisungen; ich glaube
noch jetzt daß sie die Sache sehr richtig gemacht hätte.
Es ist auch natürlich nicht schlimm wenn man nach der
alten Auflage die neue druckt. Textbücher werden in der
Regel nur vom Publikum benützt und die kleinen Abweichungen
sind somit belanglos.

Seien Sie mir, bitte, nicht böse daß ich über das alles geschrie-
ben habe. Ich fühle mich dadurch erleichtert. Wir wollen es jetzt
sein lassen. – Ich werde Ihnen die Aquarellen meines Vaters

Mein lieber, verehrter Meister und Freund!

Ich empfinde das Bedürfnis, noch ein Wort über den „Vorfall des Textbuches“ Die Libretti zu Turandot und Arlecchino. zu sprechen; es würde mich sehr tief betrüben, wenn durch diese Geschichte auch nur der Schatten eines Missverständnisses entstehen könnte. Vielleicht haben Sie dies mit der Tatsache, dass ich in den letzten Monaten so selten zu Ihnen kam, in Zusammenhang gebracht und geglaubt, ich hätte mich verändert … Deshalb wollte ich es Ihnen sagen: Nie kann ich, Ihnen gegenüber, anders werden, als wie ich war von dem Tage an, wo ich Sie als Mensch und als Künstler kennen lernte, lieben und bewundern musste. – Mit dem Textbuch war es tatsächlich so, wie Ihnen meine Frau sagte, d. h. mir fehlte außer der nötigen Zeit und Ruhe vollständig die praktische Routine für eine solche Arbeit – und ich konnte mich nicht entschließen, Ihnen die Sache zurückzuschicken. Mit Frl. Bötticher sprach ich sehr ausführlich über die Arbeit und gab ihr alle nötigen Anweisungen; ich glaube noch jetzt, dass sie die Sache sehr richtig gemacht hätte. Es ist auch natürlich nicht schlimm, wenn man nach der alten Auflage die neue druckt. Textbücher werden in der Regel nur vom Publikum benützt, und die kleinen Abweichungen sind somit belanglos.

Seien Sie mir, bitte, nicht böse, dass ich über das alles geschrieben habe. Ich fühle mich dadurch erleichtert. Wir wollen es jetzt sein lassen. – Ich werde Ihnen die Aquarelle meines Vaters bringen, damit Sie sich, nach seinem Wunsch, eines auswählen. Ich habe mich zu etwas entschlossen, dass ich Ihnen mitteilen möchte.

Die Originalauszüge Turandot und Arlecchino wurden an Hug zwecks Absendung nach Leipzig abgegeben.

Mit den herzlichsten Grüßen Ihres ergebenen

Philipp Jarnach

Den 12. Dez. 1917.
                                                                
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bringen, damit Sie sich, nach seinem Wunsch, eines auswählen.
Ich habe mich zu etwas entschlossen, daß ich Ihnen mitteilen
möchte.

Die Originalauszüge Tur. u. Arl. wurden an Hug zwecks Absendung
nach Leipzig, abgegeben.

Mit den hezrzlichsten Grüssen Ihres ergebenen

Philipp Jarnach

Den 12 Dez. 1917.
Preußischer
Staats-
bibliothek
zu Berlin
Kulturbesitz
                                                                
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Dokument

doneStatus: zur Freigabe vorgeschlagen XML Faksimile Download / Zitation

Überlieferung
Deutschland | Berlin | Staatsbibliothek zu Berlin · Preußischer Kulturbesitz | Musikabteilung mit Mendelssohn-Archiv | Nachlass Ferruccio Busoni | N.Mus.Nachl. 30,97 |

Nachweis Kalliope

Zustand
Der Brief ist gut erhalten.
Umfang
1 Blatt, 2 beschriebene Seiten
Hände/Stempel
  • Hand des Absenders Philipp Jarnach, Brieftext in schwarzer Tinte, in lateinischer Schreibschrift
  • Hand des Archivars, der mit Bleistift die Signatur eingetragen hat
  • Bibliotheksstempel (rote Tinte)
Bildquelle
Staatsbibliothek zu Berlin · Preußischer Kulturbesitz: 12

Zusammenfassung
Jarnach entschuldigt sich für die ausgebliebene Revision der Textbücher zu Turandot und Arlecchino; hat die Originale seiner Klavierauszüge über Hug an Breitkopf & Härtel schicken lassen; möchte Busoni ein Aquarell seines Vaters schenken; kündigt Mitteilung an, er habe sich „zu etwas entschlossen“.
Incipit
Ich empfinde das Bedürfnis, noch ein Wort über den „Vorfall des Textbuches“ zu sprechen

Inhaltlich Verantwortliche
Christian Schaper Ullrich Scheideler
bearbeitet von
Stand
17. Mai 2022: zur Freigabe vorgeschlagen (Auszeichnungen überprüft, korrekturgelesen)
Stellung in diesem Briefwechsel
Vorausgehend Folgend
Benachbart in der Gesamtedition