Faksimile
Diplomatische Umschrift
Lesefassung
XML
[1]
Mus.ep. R. Freund 23 (Busoni-Nachl. B II)
Mus. Nachl. F. Busoni B II, 1712
23 Juny [1907]

Lieber Freund! eEinen recom_
mandirten Brief von Ihnen
habe ich nicht erhalten.
Ihren letzten Brief, vom
7ten May datirt (dem
Tage der Einweihung des
Brahms - Denkmals) u.
worin auch die Rede von
Brahms ist, habe ich
aber sofort beantwortet.
Sind die sicher, dass Sie
mir seither u. recommandirt
geschieben haben? eEs ist
ja kaum möglich, dass
ein eingeschiebener Brief
verloren gehen kan̅. —

23 Juni [1907]

Lieber Freund! Einen rekommandierten Brief von Ihnen habe ich nicht erhalten. Ihren letzten Brief, vom 7. Mai datiert (dem Tage der Einweihung des Brahms - Denkmals) und worin auch die Rede von Brahms ist, habe ich aber sofort beantwortet. Sind die sicher, dass Sie mir seither und rekommandiert geschieben haben? Es ist ja kaum möglich, dass ein eingeschiebener Brief verloren gehen kann. —

Wie könnte ich Ihnen übrigens auch das freie Aussprechen Ihrer Meinung je übel nehmen! Und neu war mir Ihre Ansicht über Brahms auch nicht. Stimmt sie doch mit der vom Richard Strauss beinahe vollkommen überein. Und dann vergessen Sie nicht, dass ich, obwohl früher Verehrer des Meisters, doch nie zu seiner Partei, sondern immer zu den „Zukünftlein“ gehörte. So sehr ich den Meister verehrte, so zuwider waren wir die „tüchtigen“ und „binnen“ Musiker die ihn auf den Schild haben (ihm übrigens auch, wie man aus gelegentlichen Bemerkungen entnehmen könnte).

Nun lasssen Sie mich bitte durch ein Wort wissen, ob Sie diesen Brief erhalten haben und ob Sie nicht auch einen von mir erhielten der um den 10. Mai herum geschrieben war. Ganz sicher bin ich, dass ich Ihren Brahms-Brief sofort beantwortete. Meine Adresse ist übrigens: Zürich I. Meine Frau ist in Laufenburg. Wenn die Umbauten und Reparaturen fertig werden, wollen wir noch auf 1-2 Monate hin. Meine Schwestern kommen nächsten Monat in die Schweiz, nach Vitznau und dem Rigi; Etel noch immer in gedrückter Stimmung.

Sehr freut es mich zu hören, dass es mit der Oper rüstig vorwärts geht. Aber wenig erfreut war ich, als mir Andreae neulich sagte, dass von 4 Daten die es Ihnen vorschlag – Ihnen keines passte. Können Sie sich nicht noch verständigen?

Mit herzlichsten Grüßen stets Ihr

Ihr R. Freund

                                                                
<div xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0" type="split"> <note type="foliation" resp="#archive" place="top-right">[1]</note> <note type="shelfmark" resp="#archive" place="top-left"> <del rend="strikethrough" xml:id="delSig">Mus.ep. R. Freund 23 (Busoni-Nachl. <handShift new="#archive_red"/>B II<handShift new="#archive"/>)</del> <lb/><add xml:id="addSig">Mus. Nachl. F. Busoni B II, 1712</add> </note> <opener> <dateline> <address> <addrLine rend="align(right)"><placeName key="E0500132">Zürich</placeName> – <placeName key="E0500495">Untere Zäune 7</placeName></addrLine> </address> <seg rend="align(right)"><date when-iso="1907-06-23">23 Jun<choice><orig>y</orig><reg>i</reg></choice> <handShift new="#archive"/>[1907]</date></seg> <!-- Ich vermute, dass der Brief nicht aus dem Jahr 1907 stammt sondern 1908, weil Busoni diesem Brief eine Antwort am 24.06.1908 (D0100535) gab und der Tag der Einweihung des Brahms-Denkmals in Wien war am 7. Mai 1908.--> </dateline> </opener> <p>Lieber Freund! <subst><del rend="overwritten">e</del><add place="across">E</add></subst>inen re<choice><orig>c</orig><reg>k</reg></choice>om <lb break="no"/>mandi<reg>e</reg>rten Brief von Ihnen <lb/>habe ich nicht erhalten. <lb/>Ihren letzten Brief, vom <lb/><date when-iso="1907-05-07"><choice><orig>7<hi rend="sup">ten</hi></orig><reg>7.</reg></choice> Ma<choice><orig>y</orig><reg>i</reg></choice></date> dati<reg>e</reg>rt <!-- <ref type="E010007" target="#D0100532"> -->(dem <lb/>Tage der Einweihung des <lb/><persName key="E0300009">Brahms</persName> - Denkmals) <!-- Das Brahms-Denkmal im Resselpark am Karlsplatz in <placeName key="E0500002">Wien</placeName> wurde am 7 Mai 1908 enthüllt --> <choice><abbr>u.</abbr><expan>und</expan></choice> <lb/>worin auch die Rede von <lb/><persName key="E0300009">Brahms</persName> ist, habe ich <lb/>aber sofort beantwortet. <lb/>Sind die sicher, dass Sie <lb/>mir seither <choice><abbr>u.</abbr><expan>und</expan></choice> re<choice><orig>c</orig><reg>k</reg></choice>ommandi<reg>e</reg>rt <lb/>geschieben haben? <subst><del rend="overwritten">e</del><add place="across">E</add></subst>s ist <lb/>ja kaum möglich, dass <lb/>ein eingeschiebener Brief <lb/>verloren gehen ka<choice><abbr>n̅</abbr><expan>nn</expan></choice>. — </p> </div>
2Faksimile
2Diplomatische Umschrift
2XML

Wie kön̅te ich Ihnen übrigens auch das
freie Aussprechen Ihrer Meinung je übel
nehmen! Und neu war mir Ihre Ansicht
über Brahms auch nicht. Stim̅t sie doch
mit der vom Richard Strauss beinahe
vollkom̅en überein. Und dan̅ vergessenFreund
Sie nicht, dass ich, obwohl früher Verehrer
des Meisters, doch nie zu seiner Partei,
sondern im̅er zu den “Zukünftlein” gehörte.
So sehr ich den Meister verehrte, so zuwider
waren wir die “tüchtigen” u. “binnen” Musiker
die ihn auf den Schild haben (ihm übrigens
auch, wie man aus gelegentlichen Bemerkungen
entnehmen kön̅te).

                                                                
<div xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0" type="split"> <p>Wie kö<choice><abbr>n̅</abbr><expan>nn</expan></choice>te ich Ihnen übrigens auch das <lb/>freie Aussprechen Ihrer Meinung je übel <lb/>nehmen! Und neu war mir Ihre Ansicht <lb/>über <persName key="E0300009">Brahms</persName> auch nicht. Sti<choice><abbr>m̅</abbr><expan>mm</expan></choice>t sie doch <lb/>mit der vom <persName key="E0300022">Richard Strauss</persName> beinahe <lb/>vollko<choice><abbr>m̅</abbr><expan>mm</expan></choice>en überein. Und da<choice><abbr>n̅</abbr><expan>nn</expan></choice> vergessen <note type="annotation" resp="#archive" place="margin-left" rend="large rotate(-90)">Freund</note> <lb/>Sie nicht, dass ich, obwohl früher Verehrer <lb/>des Meisters, doch nie zu seiner Partei, <lb/>sondern i<choice><abbr>m̅</abbr><expan>mm</expan></choice>er zu den <soCalled rend="dq-uu">Zukünftlein</soCalled> gehörte. <lb/>So sehr ich den Meister verehrte, so zuwider <lb/>waren wir die <soCalled rend="dq-uu">tüchtigen</soCalled> <choice><abbr>u.</abbr><expan>und</expan></choice> <soCalled rend="dq-uu">binnen</soCalled> Musiker <lb/>die ihn auf den Schild haben (ihm übrigens <lb/>auch, wie man aus gelegentlichen Bemerkungen <lb/>entnehmen kö<choice><abbr>n̅</abbr><expan>nn</expan></choice>te).</p> </div>
3Faksimile
3Diplomatische Umschrift
3XML

Nun lasssen Sie mich bitte
durch ein Wort wissen, ob
Sie diesen Brief erhalten
haben, ou. ob Sie nicht auch
einen von mir erhielten
der um den 10ten Mai
herum geschrieben war. Ganz
sicher bin ich dass ich
Ihren Brahms-Brief sofort
beantwortete. Meine Adresse
ist übrigens: Zürich I.
Meine Frau ist in Laufenburg.
Wen̅ die Umbauten u. Repara_
turen fertig werden, wollen wir
noch auf 1-2 Monate hin.
Meine Schwestern kom̅en nächsten
Monat in die Schweiz, nach
Viznau u. dem Rigi; Etel ist
noch im̅er in gedrückter
Stimmung.

Deutsche
Staatsbibliothek
Berlin []
                                                                
<div xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0" type="split"> <p>Nun lasssen Sie mich bitte <lb/>durch ein Wort wissen, ob <lb/>Sie diesen Brief erhalten <lb/>haben<orig>,</orig> <subst><del rend="overwritten">o</del><add place="across"><choice><abbr>u.</abbr><expan>und</expan></choice></add></subst> ob Sie nicht auch <lb/>einen von mir erhielten <lb/>der um den <date when-iso="1907-05-10"><choice><orig>10<hi rend="sup">ten</hi></orig><reg>10.</reg></choice> Mai</date> <lb/>herum geschrieben war. Ganz <lb/>sicher bin ich<reg>,</reg> dass ich <lb/>Ihren <persName key="E0300009">Brahms</persName>-Brief sofort <lb/>beantwortete. Meine Adresse <lb/>ist übrigens: <placeName key="E0500132">Zürich</placeName> I. <lb/>Meine Frau ist in <placeName key="E0500534">Laufenburg</placeName>. <lb/>We<choice><abbr>n̅</abbr><expan>nn</expan></choice> die Umbauten <choice><abbr>u.</abbr><expan>und</expan></choice> Repara <lb break="no"/>turen fertig werden, wollen wir <lb/>noch auf 1-2 Monate hin. <lb/><rs key="E0300420"><rs key="E0300432">Meine Schwestern</rs></rs> ko<choice><abbr>m̅</abbr><expan>mm</expan></choice>en nächsten <lb/>Monat in die <placeName key="E0500092">Schweiz</placeName>, nach <lb/><placeName key="E0500200">Vi<corr>t</corr>znau</placeName> <choice><abbr>u.</abbr><expan>und</expan></choice> dem <placeName key="E0500500">Rigi</placeName>; Etel <del rend="strikethrough">ist</del> <lb/>noch i<choice><abbr>m̅</abbr><expan>mm</expan></choice>er in gedrückter <lb/>Stimmung.</p> <note type="stamp" place="bottom align(right)" resp="#dsb_st_red"> <stamp rend="round border align(center) small">Deutsche <lb/>Staatsbibliothek <lb/><placeName key="E0500029">Berlin</placeName> <supplied reason="incomplete"/> </stamp> </note> </div>
4Faksimile
4Diplomatische Umschrift
4XML
[2]

Sehr freut es mich zu hören,
dass es mit der oper rüstig
vorwärts geht. Aber wenig
erfreut war ich, als mir Andreae
neulich sagte, dass von 4 Daten
die es Ihnen vorschlag –
Ihnen keines passte. Kön̅en
Sie sich nicht noch verständigen?

Mit herzlichsten Grüssen
stets Ihr

Ihr R. Freund

Deutsche
Staatsbibliothek
Berlin []
                                                                
<div xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0" type="split"> <note type="foliation" resp="#archive" place="top-right">[2]</note> <p>Sehr freut es mich zu hören, <lb/>dass es mit der <choice><orig>o</orig><reg>O</reg></choice>per rüstig <lb/>vorwärts geht. Aber wenig <lb/>erfreut war ich, als mir <persName key="E0300129">Andreae</persName> <lb/>neulich sagte, dass von 4 Daten <!-- Kommentar über den Daten --> <lb/>die es Ihnen vorschlag – <lb/>Ihnen keines passte. Kö<choice><abbr>n̅</abbr><expan>nn</expan></choice>en <lb/>Sie <hi rend="sup">sich</hi> nicht noch verständigen?</p> <closer><salute>Mit herzlichsten Grü<choice><orig>ss</orig><reg>ß</reg></choice>en <lb rend="indent"/>stets Ihr</salute> <signed rend="align(right)">Ihr <persName key="E0300208">R. Freund</persName></signed> </closer> <note type="stamp" place="bottom align(left)" resp="#dsb_st_red"> <stamp rend="round border align(center) small">Deutsche <lb/>Staatsbibliothek <lb/><placeName key="E0500029">Berlin</placeName> <supplied reason="incomplete"/> </stamp> </note> </div>