Ferruccio Busoni an Philipp Jarnach arrow_backarrow_forward

10. März 1920

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Diplomatische Umschrift
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N. Mus. Depos. 56, 90
1
Paris 10 Mars 1920

Lieber Jarnach,

ich danke Ihnen dafür,
dass Sie die Improvisation Es ist nicht eindeutig, ob hier von Busonis Improvisation für zwei Klaviere die Rede ist, da kein Brief überliefert ist, in dem er um die Noten bittet. Jedoch schreibt er am 1. Dezember 1919 aus London an Jarnach, dass er dessen und Lochbrunners Aufführung seiner Improvisation am 10. Dezember verpassen wird. In diesem Rezital wurde zweifellos Busonis Improvisation für zwei Klaviere gespielt. (Vgl. Beaumont 1987, Anmerkung 282/1, S. 300.) In einem Brief vom 29. Januar 1920 schreibt Jarnach, dass Busoni gerade wieder abgereist sei, nachdem eine Weitere Aufführung der Improvisation mit Lochbrunner geplant sei. Besagte Reise erfolgte jedoch nach Italien und vor seiner Abreise nach Paris war Busoni nochmals in Zürich. Warum Jarnach die Improvisation also nach Paris geschickt hatte, ist unklar, zumal es unter den geplanten Konzerten Busonis kein Rezital für zwei Klaviere gab. geschickt
haben. Da wir schon beim Notenleihen
sind, so bitte ich Sie, bei nächster (Ihnen
passender) Gelegenheit, die Partitur Um welches Werk es sich handelt, ist nicht zweifelsfrei zu ermitteln. In dem von Willimann veröffentlichten Briefwechsel zwischen Busoni und Andreae findet sich kein direkter Hinweis auf diese Übergabe. Auch im Briefwechsel mit Jarnach findet sich kein weiterer Hinweis auf Grund und Gegenstand dieser Notenübergabe. Allerdings notierte Busoni in einem Brief, den er Jarnach bei seinem Aufenthalt in London – dem Wohnort van Dierens – schrieb, am Briefende den Vermerk: „Neue Komponisten: Bernard van Dieren.“ (Brief von Busoni an Jarnach, London, 1.12.1919.) Es ist also denkbar, dass Busoni besagte Partitur von dieser London-Reise mitbrachte und anschließend zur Sichtung zunächst an Jarnach übergab, sie nun aber an Andreae übergeben wollte. Von diesem erbittet Busoni in einem Brief vom 27. Mai 1920, sich noch vor seiner, Busonis, Abreise nach London zu van Dieren als Komponist zu äußern, damit er den Kommentar – wohl an den Komponisten selbst – übermitteln könne. (Vgl. Brief von Busoni an Andreae, Zürich, 27.05.1920, in Willimann 1994, S. 125.) Eine Antwort auf diesen Brief ist zumindest nicht veröffentlicht. Aus zwei Briefen an Emil Hertzka ist ersichtlich, dass Busoni nach diesem ersten Aufenthalt in London im Besitz zweier Werke van Dierens gewesen sein könnte, für deren Veröffentlichung er sich einsetzte. Es handelte sich um die 6 Skizzen für Klavier (vgl. Brief von Busoni an Hertzka, London, 20.11.1919, in englischer Übersetzung in Beaumont 1987, S.298) und die Carnival Ouverture für 16 Instrumente (vgl. Brief von Busoni an Hertzka, Zürich, 05.01.1920, in englischer Sprache in Beaumont 1987, S.303). Es ist anzunehmen, dass Busoni eher die Ouverture meint, wenn er von „Partitur“ spricht.
von van Dieren an Andreae zu geben.
Ich habe versprochen, dies zu thun,
u. bin darin skrupulös. (Sie haben
sie etwa drei Monate bei sich.)

Ich schrieb Ihnen
vom Hotel aus. Nun bin ich Gast
des Hoteliers in seinem PrivatHause. Busoni befand sich vom 3. März bis Anfang April 1920 in Paris, wo er zunächst sechs Konzerte geplant hatte, letztendlich aber neun gab. (Vgl. Willimann 1994, S.119/122 f.) Dort wohnte er mit seiner Frau zunächst im Hôtel Majestic, schrieb Jarnach aber noch am selben Abend, dass er in das Privathaus des Hoteliers Leonhard Tauber zieht, den Busoni aus seiner Jugendzeit kannte. (Vgl. Willimann 1994, S. 118 f.; Dent 1974, S. 246; Beaumont 1987, S. 305; Brief von Busoni an Jarnach, Paris, 04.03.1920.)
Was ich Ihnen schrieb, war mir
ganz impulsiv in den Kopf, und
von dort in die Feder gekommen.
Es war mehr eine allgemeine
Reflexion, als ein persönlicher
Wink. Ich hoffe, dass Sie dieses
von mir nicht als unbescheiden
empfanden. Busoni hatte in seinem letzten Brief an Jarnach bei diesem eine Schaffenskrise festgestellt und ihm daraufhin geraten, seinen noch mangelhaften Kompositionsstil anhand kurzer Stücke zu perfektionieren.(Vgl. Brief von Busoni an Jarnach vom 04.03.1920.) Dieser Brief blieb unbeantwortet.

Paris, 10. März 1920

Lieber Jarnach,

ich danke Ihnen dafür, dass Sie die Improvisation Es ist nicht eindeutig, ob hier von Busonis Improvisation für zwei Klaviere die Rede ist, da kein Brief überliefert ist, in dem er um die Noten bittet. Jedoch schreibt er am 1. Dezember 1919 aus London an Jarnach, dass er dessen und Lochbrunners Aufführung seiner Improvisation am 10. Dezember verpassen wird. In diesem Rezital wurde zweifellos Busonis Improvisation für zwei Klaviere gespielt. (Vgl. Beaumont 1987, Anmerkung 282/1, S. 300.) In einem Brief vom 29. Januar 1920 schreibt Jarnach, dass Busoni gerade wieder abgereist sei, nachdem eine Weitere Aufführung der Improvisation mit Lochbrunner geplant sei. Besagte Reise erfolgte jedoch nach Italien und vor seiner Abreise nach Paris war Busoni nochmals in Zürich. Warum Jarnach die Improvisation also nach Paris geschickt hatte, ist unklar, zumal es unter den geplanten Konzerten Busonis kein Rezital für zwei Klaviere gab. geschickt haben. Da wir schon beim Notenleihen sind, so bitte ich Sie, bei nächster (Ihnen passender) Gelegenheit die Partitur Um welches Werk es sich handelt, ist nicht zweifelsfrei zu ermitteln. In dem von Willimann veröffentlichten Briefwechsel zwischen Busoni und Andreae findet sich kein direkter Hinweis auf diese Übergabe. Auch im Briefwechsel mit Jarnach findet sich kein weiterer Hinweis auf Grund und Gegenstand dieser Notenübergabe. Allerdings notierte Busoni in einem Brief, den er Jarnach bei seinem Aufenthalt in London – dem Wohnort van Dierens – schrieb, am Briefende den Vermerk: „Neue Komponisten: Bernard van Dieren.“ (Brief von Busoni an Jarnach, London, 1.12.1919.) Es ist also denkbar, dass Busoni besagte Partitur von dieser London-Reise mitbrachte und anschließend zur Sichtung zunächst an Jarnach übergab, sie nun aber an Andreae übergeben wollte. Von diesem erbittet Busoni in einem Brief vom 27. Mai 1920, sich noch vor seiner, Busonis, Abreise nach London zu van Dieren als Komponist zu äußern, damit er den Kommentar – wohl an den Komponisten selbst – übermitteln könne. (Vgl. Brief von Busoni an Andreae, Zürich, 27.05.1920, in Willimann 1994, S. 125.) Eine Antwort auf diesen Brief ist zumindest nicht veröffentlicht. Aus zwei Briefen an Emil Hertzka ist ersichtlich, dass Busoni nach diesem ersten Aufenthalt in London im Besitz zweier Werke van Dierens gewesen sein könnte, für deren Veröffentlichung er sich einsetzte. Es handelte sich um die 6 Skizzen für Klavier (vgl. Brief von Busoni an Hertzka, London, 20.11.1919, in englischer Übersetzung in Beaumont 1987, S.298) und die Carnival Ouverture für 16 Instrumente (vgl. Brief von Busoni an Hertzka, Zürich, 05.01.1920, in englischer Sprache in Beaumont 1987, S.303). Es ist anzunehmen, dass Busoni eher die Ouverture meint, wenn er von „Partitur“ spricht. von van Dieren an Andreae zu geben. Ich habe versprochen, dies zu tun und bin darin skrupulös. (Sie haben sie etwa drei Monate bei sich.)

Ich schrieb Ihnen vom Hotel aus. Nun bin ich Gast des Hoteliers in seinem Privathause. Busoni befand sich vom 3. März bis Anfang April 1920 in Paris, wo er zunächst sechs Konzerte geplant hatte, letztendlich aber neun gab. (Vgl. Willimann 1994, S.119/122 f.) Dort wohnte er mit seiner Frau zunächst im Hôtel Majestic, schrieb Jarnach aber noch am selben Abend, dass er in das Privathaus des Hoteliers Leonhard Tauber zieht, den Busoni aus seiner Jugendzeit kannte. (Vgl. Willimann 1994, S. 118 f.; Dent 1974, S. 246; Beaumont 1987, S. 305; Brief von Busoni an Jarnach, Paris, 04.03.1920.) Was ich Ihnen schrieb, war mir ganz impulsiv in den Kopf und von dort in die Feder gekommen. Es war mehr eine allgemeine Reflexion als ein persönlicher Wink. Ich hoffe, dass Sie dieses von mir nicht als unbescheiden empfanden. Busoni hatte in seinem letzten Brief an Jarnach bei diesem eine Schaffenskrise festgestellt und ihm daraufhin geraten, seinen noch mangelhaften Kompositionsstil anhand kurzer Stücke zu perfektionieren.(Vgl. Brief von Busoni an Jarnach vom 04.03.1920.) Dieser Brief blieb unbeantwortet.

Die Kunst hat so viele Enden, dass man von Zeit zu Zeit auf die hingewiesen werden muss, die auf der anderen Seite der eigenen Betätigung und Forschung liegen. Das gilt für alles. Darum sollen Sie meine Bemerkung – die ich auch zu meiner eigenen Befestigung aufschrieb – nicht als Rechthaberei von meiner Seite auffassen.

Nach Zürichs Sanatorium-Dasein wirkt Paris befreiend. Der Bogen der weitausgreifenden Geste (so schrieb ich an Andreae) Busoni schrieb: „Es thut mir wohl, große Verhältnisse zu sehen, im Raum und in der Verausgabung der Mittel, den Bogen der weitausgreifenden Geste, den immer übrigbleibenden Rest von Unbekanntem und Unnahbarem im Bewusstsein zu hüten, kurz: die Mystik des Unüberschaulichen um mir [sic] zu empfinden.“ (Brief von Busoni an Andreae, Paris, 9. März 1920, zitiert nach Willimann 1994, S. 118 f.) ist mir wie eine Heimkehr, so vertraut und langentbehrt. Man zählt hier einem auch weder die Jahre an, noch was er ausgibt, noch ob er in Begleitung einer Dame gesehen wird, noch ob er ein Automobil besteigt. Ich war mit der großen Geste erzogen und konnte mich nie darein finden, dass sie etwas Tadelnswertes sei, wie Zürcher gelten lassen wollen.

Ich war überhaupt damit aufgewachsen, nie sichtbar werden zu lassen, ob ich arm oder reich war. (Ich war arm und galt für reich). Nun ist mir dieses Abrechnen auf Heller und Pfennig im Vermögen, im öffentlichen und privaten Leben sehr verletzend. Das ist in der Schweiz normal und selbst offiziell. Mein erster Abend – der auf meinen Brief an Sie folgte – war vibrierend und erschütternd. Ich werde ihn nie vergessen. Nicht als Virtuose, aber als Mensch empfand ich diese unbändige Hingabe eines fast fremden Publikums in einer verwöhnten und geprüften Weltstadt als wie ein Phänomen. Der Applaus dauerte den ganzen Abend von dem Schluss einer Nummer bis zum Anfang der nächsten: Dazwischen die religiöseste Stille. Alle Abende sind ausverkauft, zwei additionale Recitals (26. und 27.) schon festgesetzt. Am Abend des 4. März 1920 spielte Busoni Werke von Liszt im Pariser Konservatorium. Die zudem geplanten Rezitals am 12. und 19. März, sowie die drei geplanten Orchesterkonzerte vom 14., 21. und 24. März, waren schon im Voraus ausverkauft, sodass neben den zwei Rezitals am 26. und 27. März auch ein weiteres Orchesterkonzert am 2. April organisiert wurde. (Vgl. Brief von Busoni an Andreae, Paris, 9. März 1920, in Willimann 1994, S. 118 f.; siehe auch Willimann 1994 Anmerkung 78/1, S. 119; Beaumont 1987, Anmerkung 284/2, S. 304.) Das Wetter, bis vor 4 Tagen unnatürlich heiß, hat jäh umgeschlagen: ich habe mich dabei ernstlich erkältet.

So sitze ich zu Hause (ich bewohne zwei ganze Etagen auf der Avenue du Bois de Boulogne) und beschäftige mich in verschiedener Weise. Zum Dank an meinen Wirt versuche ich eine kleine Carmenfantasie zu komponieren, die mich nett anregt. Die Sonatina super Carmen datiert Busoni auf den 20. März 1920. Die Originalausgabe von 1921 trägt die Widmung: „En souvenir d’éstime et de reconnaissance, à Monsieur Tauber, Paris, Mars 1920.“ (Vgl. Kindermann 1980, S. 342.) Aber im Hintergrunde des Bewusstseins lauert das ungeduldige Gewissen; ich sehe „la Peau de Chagrin“ ziemlich nutzlos zusammenschrumpfen. Anspielung auf den Roman La Peau de chagrin von Honoré de Balzac. Der Hauptdarsteller geht einen Teufelspakt mit einem Chagrinleder ein, das ihm sämtliche Wünsche erfüllt, mit jedem Mal jedoch schrumpft und damit sein Leben verkürzt. Diesem Zustande ein Ende zu bereiten, ist meine Sehnsucht, die mich – wie fast in meinem ganzen Leben – den Augenblick versäumen lässt. Leben Sie wohl und befriedigt.

Herzlichste Grüße. Freundschaftlichst

F. Busoni

                                                                
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Die Kunst ist so hat so viele
Enden, dass man von Zeit zu Zeit
auf die hingewiesen werden muss,
die auf der anderen Seite der
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liegen. Das gilt für Alles. Darum
sollen Sie meine Bemerkung – die
ich auch zu meiner eigenen Befestigung
aufschrieb – nicht als Rechthaberei
von meiner Seite auffassen.

Nach Zürich’s Sanatorium-Dasein
wirkt Paris befreiend. Der Bogen
der weitausgreifenden Geste (so
schrieb ich an Andreae) Busoni schrieb: „Es thut mir wohl, große Verhältnisse zu sehen, im Raum und in der Verausgabung der Mittel, den Bogen der weitausgreifenden Geste, den immer übrigbleibenden Rest von Unbekanntem und Unnahbarem im Bewusstsein zu hüten, kurz: die Mystik des Unüberschaulichen um mir [sic] zu empfinden.“ (Brief von Busoni an Andreae, Paris, 9. März 1920, zitiert nach Willimann 1994, S. 118 f.) ist mir wie
eine Heimkehr, so vertraut und
n langentbehrt. Man zählt hier
Einem auch weder die Jahre an,
noch was er ausgiebt, noch
ob er in Begleitung einer Dame
gesehen wird, noch ob er ein
Automobil besteigt. Ich war mit
der großen Geste erzogen, dass u. konnte mich
nie darein finden, dass sie etwas
Tadelnswerthes sei, wie Zürcher gelten
lassen wollen.

                                                                
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Ich war überhaupt damit
aufgewachsen, nie sichtbar zu
werden zu lassen, ob ich arm
oder reich war. (Ich war arm,
und galt für reich). Nun ist
mir dieses Abrechnen auf Heller
u. Pfennig, im Vermögen, im
öffentlichen u. privaten Leben,
sehr verletzend. Das ist in der
Schweiz normal u. selbst offiziell.
– Mein erster Abend – der
auf meinen Brief an Sie folgte –
war vibrirend u. erschütternd.
Ich werde ihn nie vergessen.
Nicht als Virtuose, aber als Mensch,
empfand ich diese unbändige Hin-
-gabe eines fast fremden Publikums,
in einer verwöhnten u. geprüften
Weltstadt, als wie ein Phänomen.
Der Applaus dauerte den ganzen
Abend von dem Schluss einer Nummer
bis zum Anfang der nächsten: Da-
-zwischen die religiöseste Stille.

                                                                
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4Faksimile
4Diplomatische Umschrift
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4 Alle Abende sind ausverkauft,
zwei additionale Recitals
(26. u. 27.) schon festgesetzt. Am Abend des 4. März 1920 spielte Busoni Werke von Liszt im Pariser Konservatorium. Die zudem geplanten Rezitals am 12. und 19. März, sowie die drei geplanten Orchesterkonzerte vom 14., 21. und 24. März, waren schon im Voraus ausverkauft, sodass neben den zwei Rezitals am 26. und 27. März auch ein weiteres Orchesterkonzert am 2. April organisiert wurde. (Vgl. Brief von Busoni an Andreae, Paris, 9. März 1920, in Willimann 1994, S. 118 f.; siehe auch Willimann 1994 Anmerkung 78/1, S. 119; Beaumont 1987, Anmerkung 284/2, S. 304.)
– Das Wetter, bis vor 4 Tagen,
unnatürlich heiss, hat jäh
umgeschlagen: ich habe mich
dabei ernstlich erkältet. –

So sitze ich zu Hause
(ich bewohne zwei ganze Etagen
auf der Avenue du Bois deBoulogne Transkription unsicher. Alternative Lesart:
de Boulogne
)
u. beschäftige mich in verschiedener
Weise. Zum Dank an meinen
Wirth
, versuche ich eine kleine
Carmenfantasie zu komponieren,
die mich nett anregt. Die Sonatina super Carmen datiert Busoni auf den 20. März 1920. Die Originalausgabe von 1921 trägt die Widmung: „En souvenir d’éstime et de reconnaissance, à Monsieur Tauber, Paris, Mars 1920.“ (Vgl. Kindermann 1980, S. 342.) – Aber
im Hintergrunde des Bewusstseins
lauert das ungeduldige Gewissen;
ich sehe “la Peau de Chagrin”
ziemlich nutzlos zusammenschrumpfen. Anspielung auf den Roman La Peau de chagrin von Honoré de Balzac. Der Hauptdarsteller geht einen Teufelspakt mit einem Chagrinleder ein, das ihm sämtliche Wünsche erfüllt, mit jedem Mal jedoch schrumpft und damit sein Leben verkürzt.
Diesem Zustande ein Ende zu bereiten
ist meine Sehnsucht, die mich –
wie fast in meinem ganzen Leben –
den Augenblick versäumen lässt.
Leben Sie wohl und befriedigt.

Herzlicheste Grüsse. Freundschaftlichst

F. Busoni

                                                                
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Paris
10 März 20
4 Blätter
Busoni an Ph. Jarnach
Nr. 2
                                                                
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Überlieferung
Deutschland | Berlin | Staatsbibliothek zu Berlin · Preußischer Kulturbesitz | Musikabteilung mit Mendelssohn-Archiv | Nachlass Ferruccio Busoni | N.Mus.Depos 56,90 |

Nachweis Kalliope

Zustand
Der Brief ist gut erhalten.
Umfang
4 Blatt, 4 Seiten
Hände/Stempel
  • Hand des Absenders Ferruccio Busoni, Brieftext in schwarzer Tinte, in lateinischer Schreibschrift
  • Hand des Archivars, der mit Bleistift die Signaturen eingetragen, eine Foliierung vorgenommen und das Briefdatum ergänzt hat
  • Hand des Archivars, der die Zuordnung innerhalb des Busoni-Nachlasses mit Rotstift vorgenommen hat
  • Bibliotheksstempel (rote Tinte)
  • Bibliotheksstempel (blaue Tinte)
Bildquelle
Staatsbibliothek zu Berlin · Preußischer Kulturbesitz: 12345678

Zusammenfassung
Busoni dankt Jarnach für das Zusenden einer Improvisation; erbittet die Übergabe einer Partitur van Dierens an Andreae; relativiert seine vorherige Kritik an Jarnachs Kompositionsstil; berichtet von seinem erfolgreichen ersten Konzertabend in Paris; erwähnt die Arbeit an der Komposition von Sonatina super Carmen.
Incipit
ich danke Ihnen dafür, dass Sie die Improvisation geschickt haben.

Inhaltlich Verantwortliche
Christian Schaper Ullrich Scheideler
bearbeitet von
Stand
28. September 2021: in Korrekturphase (Transkription abgeschlossen, Auszeichnungen codiert, zur Korrekturlesung freigegeben)
Stellung in diesem Briefwechsel
Vorausgehend Folgend
Benachbart in der Gesamtedition
Frühere Ausgaben
Beaumont 1987, S. 304 f.